Wie können öffentliche Agrardaten besser vernetzt und für die Praxis nutzbar gemacht werden? Auf den DLG-Feldtagen 2026 diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft über Chancen und Hürden für den Austausch öffentlich erhobener Agrardaten wie die geringe Anwenderfreundlichkeit, die länderübergreifende Vernetzung und die Kommunikation zu praktikablen Neuerungen.
Bei der Podiumsdiskussion auf der DLG-Plaza Stage am ersten Messetag der DLG-Feldtage 2026 – Dienstag, der 16. Juni – zum Thema „Vernetzte Agrardatenräume in der Landwirtschaft – Bedeutung öffentlicher Agrardaten“ waren sich die Diskutierenden in dem Punkt einig, dass bereits ausreichend Daten aus Anwendungen für Agrarbetriebe vorhanden sind – nur die Nutzung gestalte sich als schwierig: „Eine intuitive, benutzerfreundliche Bedienung von Systemen und Assistenten sowie eine funktionierende Vernetzung sind unbedingt gefordert, damit Landwirtinnen und Landwirte darin einen echten Mehrwert erkennen – und diese Tools auch verwenden“, betonte Marie Hoffmann, Agrarinfluencerin und Landwirtin aus Nordrhein-Westfalen.
Daten vorhanden, Nutzung schwierig
Die Diskutierenden „Die Landwirtinnen und Landwirte müssen einen realen, monetär messbaren Vorteil davon haben, digitale Anwendungen, Programme oder Assistenten zu nutzen – denn die Kosten, beispielsweise für Saatgut und Düngemittel, sind in der Vergangenheit explodiert“, so Hoffmann. Zentral gebündelte Daten seien dafür eine Notwendigkeit, stimmte auch Dr. Volker Wenghoefer zu, Referent des Ministeriums für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz: „Nur 20 Prozent der Landwirtinnen und Landwirte in Rheinland-Pfalz nutzen bisher die Ackerschlagkartei“, nannte er ein Beispiel. Nicolas Hummel vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ergänzte: „Alle Daten, die Praktikerinnen und Praktiker für die Planung ihrer täglichen Arbeit brauchen, müssen aktuell, korrekt und direkt in die betreffenden Systeme eingespielt werden. Dazu gehören beispielsweise Daten zu Boden und Wetter.“
Prozesse länderübergreifend zusammenführen
Als Lösungen nannten die Diskussionsteilnehmenden, die Webanwendungen für Strukturdaten in der Landwirtschaft der einzelnen Bundesländer zusammenzuführen. Eine praktikable Lösung stellt bereits die GeoBox dar: Die Länder Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, das Saarland und Rheinland-Pfalz haben sich im Rahmen der Digitalisierung der Landwirtschaft zusammengeschlossen und verfolgen einen gemeinsamen Lösungsansatz für eine ressourcenschonende und resiliente digitalisierte Landwirtschaft.
Ziel ist die einfache Verfügbarkeit von geobasierten Daten des öffentlichen Bereichs für die landwirtschaftlichen Betriebe, realisiert in einer Webanwendung, dem GeoBox-Viewer. Leider gebe es keine Erhebung, wie häufig die Webanwendung tatsächlich von Landwirtinnen und Landwirten aufgerufen werde: „Die GeoBox funktioniert ohne Anmeldemaske, das heißt, wir können die Seitenaufrufe tracken, aber keine personen- oder User-bezogenen Daten daraus ableiten“, beschrieb Wenghoefer. „Die Daten bleiben allein bei der Anwenderin oder dem Anwender.“
Kommunikation verbessern und Insellösungen vermeiden
Dazu merkte Hoffmann an: „Bis zur Vorbereitung auf diese Veranstaltung hatte ich noch nicht davon gehört. Das heißt für mich im Umkehrschluss: Wir müssen definitiv auch in die Kommunikation investieren, damit gute Lösungen auch genutzt werden.“
Gert Zender, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, erklärte: „Es gibt im digitalen Bereich viele Insellösungen in Sachsen-Anhalt – dennoch ist die die Landwirtschaft Spitzenreiter bei der Nutzung digitaler Anwendungen in unserem Bundesland. Schon allein deshalb muss es uns gelingen, vorhandene Daten zu vernetzen und so effizient nutzbar zu machen. Bezogen auf den Einzelbetrieb muss die Nutzung Landwirtinnen und Landwirten einen Vorteil bieten, also konkret dazu beitragen, Erträge zu steigern und die Arbeit im Büro zu minimieren.“ Als eine der größten Herausforderungen dabei nannte der Referent dabei die ständig wechselnden, politischen Rahmenbedingungen: „Wir denken jetzt schon über die GAP 2028 nach – auch die Verwaltung muss sich also ständig umstellen und auf die geänderten Rahmen- bzw. Förderbedingungen reagieren.“ Weitere große Herausforderung bleibt bei allen Diskussionen das Thema des Datenschutzes.
Hummel merkte an, dass es bei der GeoBox von Beginn an mehr gemeinsamen Input aller Länder hätte geben können. Und: „Für die unmittelbare Zukunft sollten wir uns darauf verständigen, ob wir bestehende Systeme weiterentwickeln oder neue etablieren wollen – beides wird nicht zu leisten sein.“ Schaut man zu den Nachbarn wie Dänemark oder in die Schweiz, seien diese sicherlich weiter, aber „die Datenstrukturen sind mit der deutschen nicht zu vergleichen“, so der Experte. Er stellte aber auch klar: „Ich möchte kein Deutschland-Bashing betreiben. Die Daten, die bereits vorhanden sind, sind gut.“
Datenschutz als hohes Gut begreifen
Ob es ein Problem sei, dass wir Datenschutz gegen Innovationen abwägen würden, stellte Moderatorin Christa Hoffmann, CEO des Beratungsunternehmens Oeconos GmbH, zur Diskussion. „Da kann ich ganz klar mit Nein antworten – wir haben kein Datenschutzproblem. Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass unser Datenschutz ein hohes Gut ist. Deshalb brauchen wir Lösungen, die mit diesem hohen Gut entsprechend umgehen können“, ordnete Wenghoefer diesen Aspekt ein.
Zender lobte in diesem Zusammenhang noch einmal den Zusammenschluss der Länder hinsichtlich der GeoBox: „Ich finde diesen Weg, dass sich einzelne Bundesländer zusammengetan und organisiert haben, viel besser, als diese Thematik von Bundesebene aus anzugehen. So können Entwicklungen schneller vorangebracht werden.“
Offen sein für Neues
Doch wie Praktikerinnen und Praktiker aktiv dazu beitragen, den Wandel hin zur Vernetzung und effizienten Nutzung von Agrardaten voranzubringen? „Landwirtinnen und Landwirte sollten offen für Neuerungen sein. Aber manches, wie beispielsweise Förderanträge, ist so kompliziert gestaltet, dass Kolleginnen und Kollegen dann irgendwann auch frustriert aufgeben, wenn es zum wiederholten Male nicht funktioniert.“
Deshalb erneuerte Hoffmann ihren Appell vom Beginn der Diskussion: „Die Anwenderfreundlichkeit muss bei Weiterentwicklungen ganz klar in den Fokus rücken. Und wir müssen an der Kommunikation zu vorhandenen Tools arbeiten, um sie in die breite Menge zu tragen.“