Mechanische Beikrautregulierung
Was ist im Herbst zu beachten?
Der Einsatz mechanischer Beikrautregulierungsverfahren (Siehe auch DLG-Merkblatt 373, DLG-Merkblatt 374 und DLG-Merkblatt 375) kann auch im Getreideanbau eine gute Ergänzung sein. Was beim Einsatz mechanischer Verfahren im Wintergetreide im Herbst zu beachten ist und welche ackerbaulichen Maßnahmen möglich sind, wird nachfolgend erläutert. Der folgende Beitrag ist im Getreidemagazin # 4 vom Juli 2025, eine Publikation des DLG-Verlages, erschienen.

Im konventionellen Getreideanbau führten über Jahre wirksame Herbizide dazu, dass ackerbauliche und mechanische Maßnahmen zur Beikrautregulierung nur noch im geringen Umfang angewendet wurden. Seit geraumer Zeit rücken sie aber aufgrund von Wirkungslücken bei Herbiziden, Verbot von Wirkstoffen und sonstigen Beschränkungen in z. B. Wasserschutzgebieten zweifellos wieder in den Mittelpunkt. Für die Umsetzung hilft der Blick zum Ökolandbau, wo diese Maßnahmen konsequent angewendet werden müssen.
Vorbeugende Maßnahmen integrieren
Vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen, wie sie im Ökolandbau berücksichtigt werden, verfügen über ein ausgeprägtes Beikrautregulierungspotenzial. Sie müssen besonders hinsichtlich der zunehmenden Ackerfuchsschwanz- und Windhalmresistenzen im konventionellen Ackerbau wieder stärker angewendet werden. Eine vielfältige Fruchtfolge mit einem Wechsel von Sommerungen und Winterungen sowie von Blatt- und Halmfrüchten trägt nachhaltig zu einer Entspannung der Verbeikrautung bei. Der Anbau von Mischkulturen und die Integration von Zwischenfrüchten, Kleegras sowie Untersaaten unterstützt die Wirkung. Eine nicht angepasste Nährstoffversorgung, insbesondere mit Stickstoff, verschiebt das Konkurrenzvermögen der Kulturpflanzen zugunsten der Beikräuter, sodass diese sich vermehrt etablieren können. Dadurch werden stickstoffliebende Beikrautarten begünstigt.
Sofern es der Standort zulässt, sind spätere Aussaattermine von beispielsweise Winterweizen ab etwa Ende Oktober mit einem verringerten Beikrautauflauf und -wachstum verbunden. Dichtere Getreidebestände durch höhere Aussaatstärken von zehn bis 15 Prozent unterstützen bereits früh nach dem Auflaufen die Beikrautunterdrückung. Die Sortenwahl ist in Bezug auf die Beikrautunterdrückung ebenfalls nicht zu unterschätzen. Eine hohe Massebildung und Frohwüchsigkeit in der Jugendentwicklung, eine ausgeprägte Pflanzenlänge sowie eine planophile Blattstellung mit breiten, herabhängenden Blättern sind wirksame Eigenschaften für die Bodenbedeckung und Beschattung. Diese können bei Getreidesorten sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Mechanische Verfahren im Getreide
Im Getreideanbau können verschiedene mechanische Verfahren zur Beikrautregulierung eingesetzt werden. Der Zinkenstriegel ist ein universelles und bevorzugtes Gerät. Die Scharhacke kommt in Verbindung mit Kamera- oder RTK-Steuerung zunehmend im Getreide zum Einsatz.
Unter besonderen Bedingungen sind Sternrollhacke, Rollstriegel und die Ackerwalze weitere ergänzende und wirksame Geräte zur Beikrautregulierung im Getreide. Häufig ist die Kombination oder die Abfolge verschiedener Geräte wesentlich wirksamer als der alleinige Einsatz.
Wirkungsweise des Zinkenstriegels
Bei der Striegeltechnik hat sich die indirekte Federung der Zinken durchgesetzt. Dieses Prinzip passt sich wesentlich besser der Bodenoberfläche an und arbeitet so präziser und kulturschonender als Striegeltechnik, wo die Zinken direkt über Federwindungen am Rahmen montiert sind.
Die Zinken des Striegels bearbeiten flach auf 1 bis 3 cm ganzflächig den Boden. Die Hauptwirkung ist das Entwurzeln und Verschütten der kleinen Beikräuter. Die höchsten Wirkungsgrade erreicht der Striegel in den frühen, empfindlichen Fädchen- bis Keimblattstadium der monokotylen und dikotylen Beikräuter. Mit fortschreitender Blattentwicklung und Wurzelausbildung nimmt die Wirkung bei den meisten Beikräutern deutlich ab. Regelmäßige Schlag- und Wetterbeobachtungen sind wichtig, um die Striegelmaßnahmen rechtzeitig und zielgerichtet durchzuführen. Die Boden-oberfläche sollte zum Zeitpunkt des Striegelns abgetrocknet und schüttfähig sein.
Die Striegeleinstellung und -intensität erfolgt im Wesentlichen über Anpassung des Zinkendrucks oder des Anstellwinkels der Zinken und über die Arbeitsgeschwindigkeit. Es gibt keine festen Vorgaben für die Einstellung. Vielmehr müssen sie in Bezug auf Regulierungserfolg und Kulturpflanzenverluste variabel angepasst werden, da die Bedingungen sich von Schlag zu Schlag ändern können.
Gute Voraussetzungen schaffen
Beim Einsatz des Striegels sind Kulturpflanzenverluste nicht auszuschließen. Sie werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst: Kulturstadium, Bodenzustand, Witterung, Striegeleinstellung, Arbeitsgeschwindigkeit und das eingesetzte Striegelsystem mit indirekter oder direkter Federung der Zinken. Leichte Kulturpflanzenverluste von etwa ein bis drei Prozent je Überfahrt sind in Bezug auf eine wirksame Beikrautregulierung häufig unvermeidlich. Entsprechend ist zum Ausgleich eine Erhöhung der Aussaatstärke um etwa fünf bis zehn Prozent einzukalkulieren.
Ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbett ohne tiefe Schlepperspuren und eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatguts sind für den präzisen Einsatz mechanischer Beikrautregulierungsverfahren enorm wichtig! Es ist auf eine bodenschonende und sorgfältige Grundbodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Aussaat wertzulegen. Schlepper mit einem möglichst geringen Gesamtgewicht, breiter Bereifung und Reifendruckregelanlage sollten bevorzugt eingesetzt werden. Tiefe und festgefahrene Fahrspuren durch Saatbettbereitung und Aussaat lassen später kaum noch eine ausreichende Lockerung durch Striegelzinken oder Hackschare zu, wodurch der Beikrautbesatz in diesen Bereichen zunehmen kann.
Vorrangig auf lehmigeren und tonigeren Standorten kann im Vor- und auch im Nachauflauf des Getreides die Ackerwalze die mechanischen Verfahren unterstützen. Das Walzen beispielsweise mit einer Cambridge- oder Prismenwalze bewirkt das Einebnen der Ackeroberfläche, das Zerdrücken von Erdkluten und die Schaffung einer schüttfähigen Oberfläche. Dadurch kann die Wirkung und die Kulturschonung von Striegel und Scharhacke wesentlich verbessert werden. Auf erosionsgefährdeten Standorten ist ein Walzen abzuwägen. Als Nebenwirkung der Ackerwalze können auflaufende Beikrautkeimlinge von den Walzenringen freigelegt werden, wodurch sie schnell vertrocknen. Allerdings können durch das Zerdrücken der Kluten und durch die Erdbewegung der Walzenringe erneut weitere Beikrautsamen zum Keimen stimuliert werden, sodass ein nachfolgendes Striegeln fest eingeplant werden sollte.
Strategien zur frühen Regulierung im Herbst
Im konventionellen Getreideanbau gehören besonders Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Kamille und Klettenlabkraut zu den dominierenden und konkurrenzstarken Arten. Sie lassen sich mit dem Striegel am wirkungsvollsten nur im frühen Fädchen- und Keimblattstadium regulieren. Bei frühen Aussaaten des Wintergetreides von September bis etwa Mitte Oktober kann der Beikrautauflauf aufgrund der Tageslängen und der milden Bodentemperaturen sehr hoch sein. Striegelmaßnahmen im Herbst sind deshalb häufig noch erforderlich und sinnvoll (Abbildung). Frühjahrseinsätze bringen meistens nur eine suboptimale Wirkung, da die Beikräuter bereits zu weit entwickelt und fest verwurzelt sind. Mit Erhöhung der Striegelintensität lässt sich die Wirkung verbessern, sie kann sich aber auch negativ auf die Kulturverträglichkeit auswirken.
Scheinsaatbett vor der Saat anlegen
Bei zu erwartendem hohem Beikrautdruck, vor allem mit Ackerfuchsschwanz oder Windhalm, kann ein Scheinsaatbett im Herbst wirksam sein. Dazu wird etwa zwei bis vier Wochen vor der geplanten Getreideaussaat die Grundbodenbearbeitung und auch die Saatbettbereitung durchgeführt. Durch die Bereitung eines Scheinsaatbetts werden Beikrautsamen stimuliert und frühzeitig zum Keimen angeregt. Die auflaufenden Beikrautwellen können dann bis zur eigentlichen Aussaat mit einem Striegel oder anderen flach arbeitenden Bodenbearbeitungsgeräten wiederholt reguliert werden. Einzelbetrieblich ist abzuwägen, ob dieses Verfahren arbeitswirtschaftlich und in Abhängigkeit vom Standort (Erosion oder Austrocknung) umsetzbar ist. Damit für das Scheinsaatbett ausreichend Zeit zur Verfügung steht, müssen gegebenenfalls Kompromisse beim Aussaatzeitpunkt bzw. spätere Aussaaten einkalkuliert werden.
Blindstriegeln im Vorauflauf
Wenige Tage nach der Getreideaussaat kann ein Blindstriegeln im Vorauflauf sehr wirksam die empfindlichen, kleinen Beikrautkeimlinge regulieren (Abbildung). Um Verluste zu reduzieren, sollte das Getreide etwas tiefer auf rund 4 cm gesät werden. Die Tiefeneinstellung der Striegelzinken muss flach auf etwa 2 cm erfolgen. Für eine exakte und kulturschonende Arbeitsweise des Striegels ist zudem ein ebener, gut rückverfestigter Acker und eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatgutes unbedingt erforderlich. Sofern der Bodenzustand es erfordert, ist ein Walzen nach der Saat vorzunehmen. Wird bereits im Vorauflauf des Getreides gestriegelt, muss damit gerechnet werden, dass durch die Bodenbearbeitung der Unkrautdruck durch die Stimulierung der Beikrautsamen sogar verstärkt werden kann und weitere Striegeleinsätze erforderlich sind.
Striegeln im frühen Nachauflauf
Im frühen Nachauflauf des Getreides sind die Striegeleinsätze an den keimenden und auflaufenden Beikräutern auszurichten. Die Striegelempfindlichkeit der Getreidepflanze ist aber in diesen frühen Entwicklungsstadien zu beachten und erfordert einen behutsamen Striegeleinsatz. Moderne Striegeltechnik mit indirekter Federung der Zinken und Stützräder zur präzisen Tiefenführung ist zu bevorzugen, da sie in diesen frühen Entwicklungsstadien wesentlich kulturverträglicher arbeitet.
Während des Auflaufens (EC 9–10) ist das Getreide wegen der noch schwachen Wurzelausbildung empfindlich und sollte möglichst nicht oder nur bei sehr hohem Beikrautdruck vorsichtig gestriegelt werden. Ab dem Ein- bis Zweiblattstadium (EC 11–12) ist ein flaches Striegeln mit geringer Geschwindigkeit von ca. 2 bis 4 km/h und reduziertem Druck an den Zinken und/oder ein flacherer Anstellwinkel der Zinken möglich. Moderne Striegeltechnik mit indirekter Zinkenfederung arbeitet in diesen frühen Getreidestadien wesentlich kulturschonender. Ab dem Dreiblattstadium (EC 13) verbessert sich die Verträglichkeit des Getreides (Abbildung).
Grenzen und Risiken des Striegelns
Die Striegelzeiträume können im Herbst witterungsbedingt sehr begrenzt sein oder auch gar nicht bestehen. Nur bei gegebener Befahrbarkeit, schüttfähigem Boden und frostfreier, trockener und möglichst sonniger Witterung kann ein Herbststriegeln noch sehr wirkungsvoll sein. Regelmäßige Flächenkontrollen und Wetterprognosen sind elementar. Besonders bei späteren Aussaaten etwa ab der letzten Oktoberdekade können die möglichen Striegelzeitfenster immer kleiner werden. Dann ist abzuwägen, ob ein Einsatz noch zielführend ist. Durch die Bodenbearbeitung des Striegels werden Unkräuter reguliert, aber auch weitere Unkrautsamen zum Keimen stimuliert. Sind aber witterungsbedingt weitere Striegeldurchgänge nicht mehr möglich, kann sich bis zum kommenden Frühjahr ein konkurrenzstarker und nur noch begrenzt regulierbarer Beikrautbesatz entwickeln. Davon abgesehen sind günstige Striegelzeitfenster auch noch im November nicht auszuschließen. Zu beachten ist, dass sich das Getreide bis zum Vegetationsende wieder ausreichend vom Striegeln durch die Verschüttungswirkung aufrichten kann. Die Regeneration des Getreides ist besonders vom Witterungsverlauf, den Tageslängen und auch von der Frohwüchsigkeit der Sorten abhängig. Das Striegeln im Spätherbst sollte deshalb nicht mit zu hohen Verschüttungsintensitäten erfolgen.
Getreide als Hackfrucht
Grundsätzlich kann Getreide auch als Hackfrucht angebaut werden. Mit einem Hacksystem im Getreide ist ein höherer Beikrautregulierungserfolg realisierbar als mit einem reinen Striegelsystem. Insbesondere auf schweren tonigen oder lehmigen Böden, wo der Zinkenstriegel bei Verschlämmungen und Austrocknung schnell an seine Grenzen kommen kann, hat das Hacken Vorteile. Aber auch auf Sandböden ist ein Hacksystem grundsätzlich möglich. Besonders im konventionellen Anbau, wo im Gegensatz zum Ökolandbau ein deutlich höherer Stickstoffeinsatz erfolgt und darüber auch ein wesentlich stärkerer Beikrautdruck induziert wird, kann das Hacken von Getreide deutlich wirkungsvoller sein als der Zinkenstriegel.
In der Praxis hat sich der doppelte Getreidereihenabstand von rund 25 cm bewährt. Aber auch engere Abstände sind technisch möglich. Kamera- oder RTK-gesteuerte Scharhacken erleichtern bei engen Reihenabständen die Hackarbeit erheblich und entlasten den Fahrer. Bei frühen Aussaaten des Wintergetreides und hohem Beikrautdruck kann bereits im Herbst das Hacken sinnvoll sein. Das Hacken von Getreide kann mit einem nachfolgenden Zinkenstriegel gut ergänzt werden. Dadurch lässt sich der Regulierungserfolg verbessern, indem die gelockerten oder abgeschnittenen Beikräuter intensiver von der Erde befreit werden und schneller vertrocknen können. Zu berücksichtigen ist, dass die Sä- und Hacktechnik bezüglich der Arbeitsbreite aufeinander abgestimmt sein muss. Soll mit 6 m Arbeitsbreite gehackt werden, muss auch mit 6 m gesät werden. Beim Getreide wird in der Praxis häufig mit 3 m Arbeitsbreite gesät. Die Schlagkraft ist dann aber beim Hacken zu gering. Einzelne Hersteller bieten dafür eine Scharhacke mit zwei Verschieberahmen mit jeweils 3 m Arbeitsbreite und zwei Kamerasystemen an. So kann auch auf 6 m Arbeitsbreite gehackt werden. Grundsätzlich erhöhen sich mit einem Getreide-Hacksystem die Verfahrens-kosten gegenüber einem Striegelsystem.
Markus Mücke
Fachbereich Ökologischer Landbau
Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hannover
markus.muecke@lwk-niedersachsen.de