Unabhängig und sicher: 
Warum das DLG-Prüfsiegel für Hersteller interessant ist

Prüfingenieur Tommy Pfeifer über die Förderfähigkeit von Techniken zur Emissionsminderung

Das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) fördert Investitionen zur Verbesserung von Wettbewerbsfähigkeit, Tierwohl sowie Umwelt- und Klimaschutz. Zielgruppe sind Landwirtinnen und Landwirte sowie landwirtschaftliche Unternehmen in ganz Deutschland. Prüfingenieur Tommy Pfeifer vom DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel erklärt, welche Technik zur Emissionsminderung konkret förderfähig ist und warum das auch für die Hersteller dieser Technik interessant sein sollte.

 

DLG: Herr Pfeifer, es gibt einige emissionsmindernde Maßnahmen bzw. Techniken und Anlagen, die im Rahmen des AFP förderfähig sind. Was gehört dazu?

Tommy Pfeifer: Nach unseren Erfahrungen werden viele Maßnahmen und Techniken im Stall subventioniert, wenn dadurch das Emissionsverhalten oder die Tiergerechtheit im Stall verbessert wird. Es kommt dabei aber sehr genau darauf an, wo der Stall steht, da die AFP-Förderung bundeslandspezifisch ist. Wir als Prüfingenieure am DLG-Testzentrum informieren interessierte Landwirtinnen und Landwirte zum einen auf unserer Website darüber, welche Techniken oder Anlagen im einzelnen förderfähig sind, und zum anderen natürlich auch im persönlichen Gespräch. Darüber hinaus besteht immer die Möglichkeit, sich direkt an die entsprechenden Förderstellen zu wenden. 
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, um technische Entwicklung fördern zu lassen – den wenigsten Praktikerinnen und Praktikern ist das bewusst. Indem wir hier beraten und unterstützen, leisten wir einen großen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von landwirtschaftlichen Firmen und Betrieben. 
 

Im Hinblick auf die Förderung kommt es konkret darauf an, wo ein Stall steht - denn die AFP-Förderung ist bundeslandspezifisch.

Können Sie erläutern, warum es explizit für die Hersteller dieser Techniken bzw. Anlagen interessant ist, ihr Produkt durch die DLG und damit unabhängig prüfen zu lassen?

Vorab möchte ich kurz erläutern, dass der Fokus einer DLG-Zertifizierung im Wesentlichen in der Betrachtung und Bewertung von emissionsmindernden Maßnahmen zum Schutze des Klimas und der Umwelt liegt. Die DLG prüft und bewertet im Prozess neben der sicheren Funktionalität auch weitere Kriterien, die für den Anwender hilfreich sind. Beispielsweise prüfen wir auch die Arbeitssicherheit an technischen Geräten, die Haltbarkeit von Techniken, Dokumentationsmöglichkeiten und die Handhabung sowie Anwenderfreundlichkeit. Durch Aufnahme der Verbrauchswerte (Wasser, Energie etc.) während der Prüfung können wir zudem wichtige Informationen zu den laufenden Kosten geben. Auf Anfrage können auch weitere Aspekte im Zuge der Prüfung beurteilt werden.

DLG-geprüfte Qualität wird in Deutschland und mittlerweile auch im Ausland von Genehmigungsbehörden anerkannt. Da die gesetzlichen Vorgaben weitestgehend mit den Prüfvorschriften der DLG übereinstimmen, können Produkte, die durch die DLG geprüft wurden, auch im Rahmen der Regelung der TA Luft eingesetzt werden. Die Minderungsleistungen solcher Produkte werden von den Behörden anerkannt und übernommen. Die Prüfung wird generell auch immer von einem Technical Committee (TC, ehem. Prüfungskommission) begleitet, welches ehrenamtlich tätig ist und später die Bewertung der Messergebnisse vornimmt.

 

Welche Voraussetzungen müssen Hersteller beachten, um eine Anlage durch die DLG TestService prüfen zu lassen?

Neben den vollständigen technischen Unterlagen muss eine Möglichkeit gegeben sein, um die sichere Funktion auch im „normalen“ Praxiseinsatz nachzuweisen. Hierzu eignen sich vor allem elektronische Aufzeichnungen (z.B. über Sensoren). Wo dies nicht möglich ist, können Dokumente, wie Lieferscheine oder Einkaufsbelege, oder Laboruntersuchungen diese Aufzeichnungen ersetzen. Dies wir im Rahmen einer DLG-Prüfung ebenfalls geprüft und bewertet.

Geprüft wird immer auf einem Praxisbetrieb, der vom Hersteller der emissionsmindernden Technologie zur Verfügung gestellt wird. Sofern kein Praxisbetrieb „greifbar“ ist, kann die DLG bei der Suche unterstützen.

 

Tommy Pfeifer. Foto: DLG

Zur Person

Tommy Pfeifer ist seit 14 Jahren Prüfingenieur beim DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt. Der studierte Umwelttechniker mit Abschluss von der Fachhochschule Amberg-Weiden nimmt im Bereich Betriebsmittel unter anderem folgende Prüfungen ab: Emissionsminderungsanlagen bzw. -techniken, Stallleuchten, Umweltsimulationen, Getreidefeuchtemesser und Bauteile fürs Stallklima. 

Über das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel

Das DLG-Testzentrum Technik & Betriebsmittel zählt zu den international führenden Prüf- und Zertifizierungsorganisationen in den Bereichen Traktoren, Agrartechnik und Betriebsmittel. Die DLG-eigenen Testmethoden werden praxisbezogen und von neutralen Kommissionen entwickelt. Neben Prüfungen nach DLG-Standards ergänzen umfangreiche Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen zur Qualitätssicherung das Angebot. Die Prüf- und Testberichte sind eine wichtige Entscheidungshilfe für Investitionen und den Einsatz in der Praxis. Vergeben werden die Siegel DLG Anerkannt, DLG Qualitätssiegel und DLG PowerMix.

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Symbolbild DLG Prüfsiegel Anforderungen erfüllt.
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Bild: DLG
Luftwäscher können eine effektive Maßnahme sein, um Emissionen zu reduzieren. Foto: DLG

 

Durch die DLG geprüfte, emissionsmindernde Produkte können auch im Rahmen der Regelungen der TA Luft eingesetzt werden.

 

Die Zertifizierung einer einzelnen Minderungsmaßnahme in Bezug auf Emissionen, egal ob Abluftreinigung oder verfahrensintegrierte Minderungsmaßnahme (sog. Indoor-Maßnahme), ist sicherlich recht aufwändig und kostenintensiv. Wer kommt für die Kosten auf und wie können auch Anmelder mit kleinem Geldbeutel eine Zertifizierung bei der DLG durchführen?

Eine Neuzertifizierung ist tatsächlich aufwändig, wobei ein Großteil auf die Messdurchführung fällt. Die Kosten trägt dabei allein der Anmelder. In den meisten Fällen ist dies auch der Hersteller der Technik bzw. Maßnahme.

Es gibt aber verschiedene Wege, um die Kosten zu reduzieren. Beispielsweise kann man das Produkt recht einfach als Kombination mit anderen Maßnahmen prüfen. Auch denkbar ist die Durchführung einer Gruppenprüfung mit mehreren Herstellern. Hier lassen sich die Kosten letztlich doch recht weit senken. Wem das alles zu kompliziert ist, kann sein Produkt über ein Forschungsvorhaben ganz oder teilweise finanzieren lassen. Neben einer Zertifizierung können dann auch weitere innovative Eigenschaften der Emissionsminderungsmaßnahme intensiv beleuchtet werden, z.B. Tierwohleigenschaften. Hierzu beraten wir gerne individuell. 

 

Die Kosten für eine Neuzertifizierung lassen sich auf verschiedenen Wegen effektiv senken. 

 

Und welche Vorteile bieten sich den Landwirtinnen und Landwirten, wenn sie sich für eine von der DLG geprüfte Technik bzw. Anlage entscheiden – gegenüber anderen Produkten?

Zum einen könnenLandwirte sicher sein, dass die geprüfte Technik gut und sicher funktioniert. Wenn das TC und die DLG nicht hundertprozentig hinter den Testergebnissen stehen, wird auch kein Prüfzeichen vergeben. Zum Anderen bietet eine DLG-Zertifizierung allen Herstellen von Minderungsmaßnahmen die Möglichkeit, dass diese Maßnahmen auch im Rahmen der Emissionsminderung der TA Luft von Behördenseite anerkannt werden. Ein DLG-Prüfzeichen erfährt zudem auch im Ausland eine steigende Wertigkeit. 

Die DLG-Prüfung ist eine Gebrauchswertprüfung, die sowohl Herstellern als auch Anwendern maximale Sicherheit gibt. Dadurch, dass das Produkt spätestens nach fünf Jahren im Rahmen einer Prüfzeichenverlängerung erneut angeschaut und einem Komplett-Check unterzogen wird, kann man sicher sein, dass auch nach längerer Nutzungsdauer die uneingeschränkte Funktion erhalten bleibt.


 Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

 

Ein weiteres Interview mit Tommy Pfeifer, in dem er über Emissionen und Innovationen spricht, lesen Sie online

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