Die wichtigsten Herausforderungen für den Ackerbau in Europa im Jahr 2026

Kommentar Hans Henning Rottbøll, Landwirt in Dänemark & Präsident des European Arable Farmers Club

Der europäische Ackerbau war schon immer von Veränderungen geprägt – aber das Tempo der Veränderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind, fühlt sich anders an. Als Landwirt:innen sind wir es gewohnt, mit Unsicherheiten umzugehen. Wetterkapriolen, von starken Regenfällen über Dürren bis hin zu Temperaturschwankungen, sind in der dänischen Pflanzenproduktion nichts Neues. Doch die Notwendigkeit, sich ständig anzupassen, ist zu einem prägenden Merkmal der modernen Landwirtschaft geworden. Die Auswahl geeigneter Sorten, die Diversifizierung der Fruchtfolgen und die Stärkung langfristiger Wasserstrategien sind keine Optionen mehr, sondern wichtige Instrumente des Risikomanagements. So zeigen beispielsweise Erfahrungen aus dänischen Küsten- und Fjordgebieten, dass eine Verringerung der Belastung durch Abwassereinleitungen positive Auswirkungen auf die Wasserqualität und die biologische Vielfalt haben kann. Diese Erfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil der Gesamtbewertung künftiger Initiativen zur Verbesserung der Umwelt.

Gleichzeitig kommt der größte Druck, den viele Landwirt:innen derzeit verspüren, nicht nur vom Klima, sondern auch von politischer Regulierung. In ganz Europa befindet sich die Agrarpolitik in einer Phase des raschen Wandels. Neue Umweltanforderungen, Änderungen bei der Umsetzung der GAP und Öko-Programme sowie zunehmende Dokumentationspflichten erfordern erhebliche Anpassungen in den landwirtschaftlichen Betrieben. In Dänemark beispielsweise führen Initiativen zur Renaturierung – wie Aufforstung, Wiedervernässung von tief liegenden Böden und die Schaffung neuer Naturgebiete – zu einer Neudefinition der Landnutzung. Das beeinflusst die Verfügbarkeit von produktivem Ackerland.

Hans Henning Rottbøll

Diese Entwicklungen haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Investitionen in neue Systeme, Beratungsdienste und betriebliche Veränderungen erfordern Zeit und finanzielle Belastbarkeit. Geplante Maßnahmen wie die CO₂-Besteuerung biologischer Prozesse und strengere Stickstoff- und Pflanzenschutzauflagen ab 2027 sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Der Ausstieg aus bestimmten Pflanzenschutzmitteln, darunter PFAS-haltige Substanzen, verdeutlicht die allgemeine Herausforderung: Die Produktivität muss aufrechterhalten werden, während die Mittel zum Pflanzenschutz immer weniger werden. Brauchbare Alternativen befinden sich noch in der Entwicklung.

Gleichzeitig agiert die europäische Landwirtschaft in einem volatilen globalen Umfeld. Eskalierende geopolitische Konflikte – sei es in der Ukraine, im Rahmen globaler Handelsabkommen wie Mercosur oder durch Zollkonflikte mit den Vereinigten Staaten – wirken sich direkt auf die Ernährungssicherheit und die Marktpreise aus. Von Landwirt:innen wird erwartet, dass sie für Stabilität sorgen, während sie mit Instabilitäten weit über ihre Höfe hinaus zu kämpfen haben.

Deshalb sind Innovationen wichtiger denn je. Züchtung und neue Technologien, einschließlich neuer Genomtechniken, müssen Teil der Diskussion bleiben, wenn Europa Produktivität und Nachhaltigkeit sicherstellen will. Jahrzehntelange Forschungen zeigen bereits, wie sich landwirtschaftliche Systeme an Umweltziele anpassen können, beispielsweise durch eine deutliche Reduzierung des Stickstoffeinsatzes seit den 1980er Jahren. Die Herausforderung für die Zukunft besteht darin, sicherzustellen, dass Innovationen zugänglich bleiben und dass die Regulierung den Fortschritt unterstützt, anstatt ihn zu bremsen.

Schließlich wird eine Erkenntnis immer deutlicher: Landwirt:innen können diese Herausforderungen nicht alleine bewältigen. Der grenzüberschreitende Wissensaustausch ist von entscheidender Bedeutung. Netzwerke wie der European Arable Farmers Club spielen eine wichtige Rolle beim Brückenbau zwischen verschiedenen Perspektiven innerhalb der europäischen Landwirtschaft. Eine stärkere Zusammenarbeit wird unerlässlich sein, wenn wir auch nach 2026 eine widerstandsfähige, produktiven und nachhaltigen Ackerbau in Europa wollen.