Effizienzsteigerung in der Mineraldüngung

Möglichkeiten im Controlled Row Farming System  

Stefan Kiefer von den Amazonen-Werken sprach im DLG-Interview über die neue, innovative Form der Mineraldüngung im Rahmen des Controlled Row Farming Systems. Er berichtete über die Chancen und Herausforderungen dieser neuen Vorgehensweise bei der Mineraldüngerausbringung. 

 

DLG: Seit 2020 läuft das Langzeit-Feldversuchsprogramm zum Controlled Row Farming (CRF) bei Amazone. Mit welchen Zielsetzungen starteten Sie dieses Versuchsprogramm? Und welche Ziele konnten Sie nach nun sechs Jahren Laufzeit bereits erreichen?

Stefan Kiefer: Zum Beginn des Versuchsprogramms stand die zentrale Frage, wie sich Effizienzsteigerung und Nachhaltigkeit im Ackerbau systemisch miteinander verbinden lassen. Ziel war es nicht, einzelne Maschinen oder Verfahren zu optimieren, sondern ein ganzheitliches, reihenbezogenes Ackerbausystem zu entwickeln, das Betriebsmittel gezielt einsetzt, ökologische Leistungen verbessert und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig bleibt.

Nach sechs Jahren Laufzeit lässt sich festhalten, dass das Grundprinzip des Controlled Row Farming funktioniert. Insbesondere konnten wir zeigen, dass wir keine Ertragseinbußen in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig haben wir wertvolle Erkenntnisse zur Bestandsführung, zur Rolle von Begleitpflanzen sowie zur technischen Umsetzbarkeit über verschiedene Kulturen hinweg gewonnen. CRF hat sich damit von einer Vision zu einem belastbaren Systemansatz entwickelt.

 

Wo lagen die größten Herausforderungen?  

Die größten Herausforderungen lagen eindeutig im Systemdenken. Ein reihenbezogenes Ackerbausystem erfordert, dass alle Prozessschritte – von der Saat über Düngung und Pflanzenschutz und vor allem auch die Gestaltung der Fruchtfolge – exakt aufeinander abgestimmt sind. Besonders anspruchsvoll waren dabei das Begleitsaat- und Unkrautmanagement in Verbindung mit Mulchsaatverfahren.

 

Und welche Prozessschritte haben reibungslos funktioniert?

Sehr reibungslos funktionierten hingegen die technischen Prozessschritte, etwa die präzise Saat in festen Reihenrastern, die reihenbezogene Applikation von Herbiziden oder auch die Kontrolle von Begleitpflanzen mit der Messerwalze. 

 

Mit Blick auf die Mineraldüngung: Wie ließ sich die Effizienz dieses Arbeitsschrittes im neuen System verbessern? 

Die Effizienzsteigerung in der Mineraldüngung ist einer der zukünftigen Potenziale des CRF-Systems. Durch die platzierte, reihenbezogene Applikation von Stickstoff wird der Dünger gezielt im unmittelbaren Wurzelraum der Kulturpflanze verfügbar gemacht. Verluste durch Auswaschung oder gasförmige Emissionen lassen sich dadurch reduzieren.
Versuche, unter anderem im Wintergerstenanbau, zeigen, dass mit rund 20 % weniger Stickstoff nahezu gleiche Erträge erzielt werden können. 

Gleichzeitig steigt die Einzelpflanzenleistung, was sich unter anderem in einem höheren Rohproteingehalt widerspiegelt. Die Düngung wird damit nicht nur sparsamer, sondern auch wirksamer – ein entscheidender Schritt in Richtung höherer N-Nutzungseffizienz. 

Wir konnten feststellen, dass das untersuchte System gerade auf sensiblen Standorten - etwa im Hinblick auf N-Verluste und Bodenschutz - besonders vorteilhaft sein kann.

Stefan Kiefer. Quelle: DLG/L.Reimann
Stefan Kiefer. Quelle: DLG/L.Reimann

Zur Person:

Stefan Kiefer hat in Bonn Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Bodenkunde und Geoinformationssysteme studiert. 1997 erfolgte der Berufseinstieg bei den Amazonen-Werken in Hasbergen-Gaste. 2000 wechselte er zum Landtechnikhersteller John Deere in den Vertrieb. Schwerpunkt waren die jungen Produktlinien Pflanzenschutztechnik und Agrar-Managementsysteme. 

2006 übernahm Kiefer das Produktmanagement Pflanzenschutztechnik bei den Amazonen-Werken, 2012 übernahm er die Leitung Produktmanagement bei den Amazonen-Werken. Die zunehmende Bedeutung der Kundenorientierung im Entwicklungsprozess führte zum weiteren Ausbau der Agrarkompetenz im Unternehmen. Seit 2021 ist Kiefer Leiter Pflanzenbauinnovation. Die strategische Ausrichtung der Produkte im Hinblick auf die sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen steht neben der Weiterentwicklung des Produktmanagements im besonderen Fokus.

Gibt es spezifische Standortkriterien, die erfüllt sein müssen, damit diese Form des Ackerbaus gelingen kann – oder ist es an jedem Standort möglich? 

Controlled Row Farming ist grundsätzlich standortunabhängig umsetzbar, allerdings nicht standortunabhängig identisch. Entscheidend ist, dass das System an die jeweiligen Boden-, Klima- und Fruchtfolgebedingungen angepasst wird. Gute Befahrbarkeit, schüttfähige Böden und weite Fruchtfolgen sind vorteilhaft für das System.

Standorte mit mittleren bis guten Böden bieten häufig einen schnelleren Einstieg, da sie Fehlertoleranzen besser abpuffern. Gleichzeitig zeigen unsere Versuche, dass gerade auf sensiblen Standorten – etwa im Hinblick auf N-Verluste oder Bodenschutz – die systemischen Vorteile von CRF besonders deutlich werden können.

Was würden Sie Landwirten empfehlen, die ihre Felder auf dieses Ackerbausystem umstellen wollen? 

Unsere wichtigste Empfehlung lautet: schrittweise einsteigen. Controlled Row Farming kann ein Systemwechsel sein, aber genauso auch nur in einzelnen Fruchtfolgegliedern oder Arbeitsgängen umgesetzt werden. Landwirte sollten mit einzelnen Kulturen oder Schlägen beginnen und zunächst Erfahrungen sammeln – insbesondere in der Bestandsführung und im Hinblick auf das Zusammenspiel der einzelnen Arbeitsgänge.

Zudem ist eine präzise Planung entscheidend: feste Reihenabstände, abgestimmte Technik und klare Ziele für Saat, Düngung und Pflanzenschutz. Wer CRF nicht als starres Rezept, sondern als lernendes System versteht, kann die Vorteile dieses Ansatzes gezielt für den eigenen Betrieb nutzbar machen.

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