Ist der Bestand nach dem Winter einheitlich grün und der Raps startet mit der Entwicklung, wäre es Zeit für die Wachstumsregler- und Fungizid-Maßnahme. Allerdings sollten sowohl die Witterung als auch die angebauten Sorten vor einer Entscheidung berücksichtigt werden. Der folgende Beitrag ist im Getreidemagazin # 01/2026 erschienen.
Im vergangenen Jahr konnte eine frühe fungizide Applikation kaum Wirkung entfalten. Die Ursache ist einfach - es war zu trocken. Um das zu verstehen, sollte man sich die Gründe einer Frühjahrsapplikation noch einmal ins Gedächtnis rufen. Einerseits wird sie als fungizide Maßnahme gegen ein Phoma-Auftreten angewendet, andererseits stellt sie eine wachstumsregulierende Maßnahme dar, um Lager zu verhindern.
Letzteres hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren, sind doch die Sorten in den vergangenen Jahren signifikant stabiler geworden und fallen seltener ins Lager. Die natürliche Standfestigkeit hat sich deutlich erhöht. Sorten wie LG Adonis, Archivar, PT 303, Humboldt oder Ernesto KWS zeigen eine nur geringe Lageranfälligkeit und das trotz teilweise langer Pflanzen. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, denn durch die natürliche bessere Standfestigkeit muss nicht mehr so stark mit einer wachstumsregulatorischen Maßnahme dagegen gesteuert werden. Der zweite Hauptgrund ist Phoma lingam.
Die Krankheit ist weit verbreitet, ihre negativen Auswirkungen können aber von Jahr zu Jahr stark schwanken. Voraussetzung für die Pilzausbreitung sind Feuchtigkeit und Niederschläge. Milde Temperaturen im Herbst und Winter lassen den Pilz im darauffolgenden Frühjahr direkt weiterwachsen. Bei einer Vorbelastung im Herbst und Winter ist also ein verregneter März günstig für den Pilz. Dann werden nicht nur Blätter befallen, sondern auch die Stängel. Eine Phoma-Bekämpfung ist gut möglich, die Fungizide zeigen eine gute Wirkung. Zudem weisen zahlreiche Sorten eine Phomaresistenz (Rlm7) auf.
Die aktuelle Situation - Phoma lingam
Durch die normale, nicht allzu nasse Witterung im Herbst und den etwas kälteren Winter ist der Raps nicht so stark durch Phoma vorbelastet. Beginnt das Frühjahr spät, und zeigen sich Frosttage auch noch im März, ist ein stärkeres Phoma- Auftreten unwahrscheinlich. Ältere, im Herbst befallene Blätter fallen ab. Auf neuen Blättern können Symptome sichtbar werden, die ohne nennenswerte Niederschlagsphasen jedoch wenig Möglichkeiten haben, weiterzuwachsen. Sehr trockene Witterung im März und April wie im Frühjahr 2025 lässt auch sichtbare Infektionen absterben und steht einer weiteren Ausbreitung des Pilzes im Weg. Bei einer niederschlagsreichen Zeit, in der es mehrere Wochen regnet, müsste je nach Sorte über eine fungizide Maßnahme nachgedacht werden. Ansonsten kann sie ausbleiben.
Wachstumsreglermaßnahmen
Der Termin für die wichtigste wachstumsregulatorische Maßnahme im Raps ist im Herbst. Sie soll das Überwachsen vor dem Winter und eine frühe Stängelbildung verhindern.
Im Frühjahr wird häufig darauf verzichtet. Der Grund ist simpel: Die natürliche Standfestigkeit ist häufig - wie beschrieben - durch die Sorte gegeben oder mindestens verbessert. Sollte der Raps gut ohne größere Stängelbildung aus dem Winter kommen und die Sorte eine natürliche Standfestigkeit mitbringen, ist eine wachstumsregulatorische Maßnahme im Frühjahr wenig zielführend. Nur bei Beständen, die sehr früh in die Vegetation starten und eine höhere Pflanzenlänge aufweisen, kann eine Maßnahme sinnvoll sein. Ansonsten sollte Phoma in den Mittelpunkt gestellt werden. Dabei sollte nicht auf die letzte Pflanze gewartet werden, sondern der Termin gesetzt werden, an dem die Mehrheit der Pflanzen in die Streckungsphase übergeht.
Der vollständigen Beitrag lesen Sie hier und im Getreidemagazin/Raps 1 / 2026, erschienen im DLG-Verlag.