Die ehemals geliebte Cash-Cow-Raps verkommt in den letzten Jahren immer stärker zur nervenzehrenden Lotterie. Trotz aller technischen Errungenschaften, darunter seien nur mal Precision Farming oder die Züchtungserfolge in Sachen Resistenzen genannt, kommt der propagierte Ertragsfortschritt nicht im erwünschten Maße in der Praxis an. So widmete sich eine internationale Studie von 2021, durchgeführt vom Berliner Forschungsunternehmen und Thinktank HFFA, dem Einfluss der Pflanzenzüchtung in der EU. Sie zeigt für den Zeitraum 2001 bis 2020 sehr eindrucksvoll, dass der Ertragszuwachs für Raps europaweit 0,63 % pro Jahr beträgt.
Deutschland dagegen schneidet mit nur 0,09 % deutlich schwächer ab. Hier stellt sich deutlich die bereits eingangs aufgeworfene Frage: „Schenken wir vielleicht den modernen Rapssorten und ihrem richtigen Einsatz nicht genügend Aufmerksamkeit?“
Politische Einflussnahme drückt auf den Ertrag
Der Rapsanbau hat in den vergangenen Jahren einige einschneidende Einflussfaktoren
erfahren müssen. Neben den klimatischen, genetischen und technischen Veränderungen
zählen dazu auch gesellschaftspolitische Einflüsse. Während viele Landwirte das unkalkulierbare Wetter und den sich daraus ergebenden Stress als wichtigen Einflussfaktor auf Ertragsschwankungen empfinden, liegt der Ursprung der heutigen Ertragsvolatilitätaber
mehr als zehn Jahre zurück: Mit der EU-Verordnung 485/2013 wurde ab dem 1. Dezember
2013 das Aus der neonikotinoiden Saatgutbeize eingeläutet. Während 2014 in Deutschland noch ein Jahrhundertertrag von 4,5 t/ha erreicht wurde, wurde in den folgenden Jahren die Bedeutung der Neonikotinoide für den nachhaltigen Schutz gegenüber dem Rapserdfloh drastisch sichtbar: Denn ab 2015 verlor der deutsche Rapsanbau jährlich 10 % an Ertrag. Bis er 2018 mit weniger als 3 t/ha auf einem historischen Tief angekommen war. Eine Untersuchung
der im ersten Abschnitt bereits erwähnten HFFA Research GmbH sprach damals von einem
branchenübergreifenden Verlust von 900 Mio. € pro Jahr in Europa.
Die Internationale Rapszüchtung reagierte mit der Entwicklung frohwüchsiger Hybriden. Besonders ab 2018 wurde mit der Einführung der ersten Wasserrübenvergilbungsvirus-(
TuYV-)resistenten Hybriden – wie zum Beispiel LG Architect oder Ludger – ein neues Niveau erreicht. Doch neben dem Verlust der insektiziden Saatgutbeizung erschwert auch die Düngeverordnung eine dem Wachstumsbedarf angepasste Nährstoffversorgung der Kulturen im Spätherbst.
Und natürlich blieben die Bedingungen bei der Schädlingskontrolle außerordentlich
kompliziert: Der Verlust der insektiziden Beizung (2013/2018), die Nichtverlängerung
der Thiacloprid-Zulassung (Biscaya) 2020 und die schärferen Reglementierungen
beim Einsatz von Acetamiprid (Mospilan) 2021 lassen den Rapsanbauer mit einem übersichtlichen Insektizidportfolio zurück.
Mehrfachspritzungen mit Pyrethroiden fördern seitdem nicht nur die Resistenzentwicklung, sondern reduzieren auch die Anbausicherheit. Massive klimatische Veränderungen in Deutschland Die klimatischen Bedingungen hierzu lande haben sich massiv verändert. Die vom Deutschen Wetterdienst erstellte Abbildung 1 zeigt eindrucksvoll, dass wir allein im Zeitraum 2014 bis 2025 siebenmal über der kritischen Temperaturanomalie von 2,0 °C lagen. Damit liegt Deutschland, als eins der führenden Industrieländer der Welt, deutlich über der globalen Entwicklung. Dieser Trend ist auch in der Landwirtschaft zu spüren. Nicht nur, dass wir extreme Wetterereignisse (Hitze, Trockenheit, hohe Sonneneinstrahlung, Starkregen) deutlich häufiger beobachten, der kontinuierliche Temperaturanstieg führt auch zu kulturspezifischen Entwicklungsverschiebungen im Kalender. Am deutlichsten kann man dies an der Rapsblüte beobachten. Milde Winter mit kaum noch auftretenden längeren Frostperioden führen zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Pflanzen. Sobald der Raps nach dem 1. Januar 500 Gradtage akkumuliert hat (summierte Tagesmitteltemperatur über 0 °C), beginnt die Rapsblüte.
Erste Blüten im März
Das warme Frühjahr 2024 hat hierbei einen zweifelhaften Höhepunkt dargestellt, als die ersten Blüten bereits zum 17. März in Baden-Württemberg beobachtet wurden. Der Deutsche Wetterdienst weist, wie in der Abbildung erkennbar, für Deutschland nicht nur einen Temperaturanstieg von 2,5 °C (im Jahresmittel seit 1881, Stand Februar 2026) aus, sondern auch eine Zunahme von „heißen“ Tagen über 30 °C. Das alles bedeutet eine deutliche Einflussnahme durch den globalen Klimawandel über das gesamte Anbaujahr. Winter raps als Feinsämerei reagiert empfindlich während der Keimung auf die erschwerten Aussaatbedingungen und die zur Aussaat aufgewärmten Böden mit dem ausgetrockneten Saatbett.
Der vollständigen Beitrag lesen Sie hier und ist im Getreidemagazin/Raps 2/ 2026 im DLG-Verlag erschienen.