DLG Bewässerungstagung

Bewässerung ist nicht gleich Beregnung

Marisa Sonntag von der LWK Niedersachsen im Interview

Vom 23. und 24. Juni 2026 findet die DLG-Bewässerungstagung in Venlo statt. Im Vorfeld sprach Referentin Marisa Sonntag, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, über unterschiedliche Bewässerungstechniken, Wasserverluste und individuelle Standortbedingungen.
 

Beregnung ist gleich Bewässerung – oder gibt es hierbei Unterschiede?

Marisa Sonntag: Bewässerung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen und Techniken, bei denen landwirtschaftlichen Flächen gezielt Wasser zugeführt wird, mit dem Ziel, Wachstum und Ertrag zu sichern oder zu steigern.

Die Beregnung ist eine spezielle Form der Bewässerung, bei der das Wasser oberirdisch, meist über dem Pflanzenbestand in Tropfenform und damit vergleichbar mit natürlichem Regen, verteilt wird. Dies erfolgt beispielsweise mithilfe von Düsenwagen oder Großregnern. Techniken wie die Tropfbewässerung zählen hingegen nicht zur Beregnung, da das Wasser hierbei auf oder direkt im Boden ausgebracht wird.
 

„Bewässerung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen und Techniken, bei denen landwirtschaftlichen Flächen gezielt Wasser zugeführt wird, mit dem Ziel, Wachstum und Ertrag zu sichern oder zu steigern.

Marisa Sonntag

 
Marisa Sonntag. Foto: Charnia Films
Marisa Sonntag. Foto: Charnia Films

Marisa Sonntag ist Technische Sachbearbeiterin für Feldberegnung und Wassermanagement bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen und arbeitet am Standort in Hannover. Sie betreut die Beregnungsversuche in Hamerstorf (Landkreis Uelzen), ist Beraterin in Bewässerungsfragen und zudem für den Fachverband Feldberegnung zuständig.

Welche Bewässerungstechniken gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Die Wahl des passenden Beregnungssystems hängt stark von den betrieblichen Gegebenheiten und den angebauten Kulturen ab. Mobile Beregnungsmaschinen mit Großregner bieten zum Beispiel eine hohe Einsatzflexibilität. Sie eignen sich für unterschiedliche Feldformen und Kulturen und sind besonders für kleine bis mittlere Betriebe interessant, da der Kapitalbedarf noch vergleichsweise moderat ist. Allerdings haben sie auch einige Nachteile: Der Energiebedarf ist relativ hoch, der Arbeitsaufwand ebenfalls, und die Systeme reagieren sehr empfindlich auf Wind, was zu einer ungleichmäßigen Wasserverteilung führen kann.

Eine Alternative stellen mobile Beregnungsmaschinen mit Düsenwagen dar. Diese sind durch die bodennahe Ausbringung deutlich windunempfindlicher und ermöglichen eine gleichmäßigere Wasserverteilung über die gesamte Arbeitsbreite. Zudem ist ihr Energiebedarf geringer, weshalb sie sich gut für Intensivkulturen wie Gemüse oder Kartoffeln eignen. Demgegenüber stehen jedoch ein höherer Arbeitsaufwand, eine oft als schwierig empfundene Handhabung sowie ein insgesamt höherer Kapitalbedarf.

Linear- oder Kreisberegnungssysteme punkten vor allem durch ihren geringen Energiebedarf und den niedrigen Arbeitsaufwand, da sie weitgehend automatisiert arbeiten. Sie sorgen für eine sehr gleichmäßige Wasserverteilung und ermöglichen auch kleinere, gezielte Wassergaben. Allerdings sind diese Systeme nur auf größeren Flächen – in der Regel ab etwa 20 Hektar – wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar. Außerdem sind sie stationär und an feste Flächen gebunden, und die Investitionskosten sind vergleichsweise hoch.

Die Tropfbewässerung gilt schließlich als besonders effizient: Sie zeichnet sich durch einen sehr geringen Wasser- und Energieverbrauch aus und verringert das Risiko von Blattkrankheiten, da die Pflanzen nicht über die Blätter benetzt werden. Auch der Arbeitsaufwand während der Bewässerungssaison ist niedrig. Nachteile liegen jedoch in dem hohen Installationsaufwand und den sehr hohen Investitionskosten. Zudem ist das System nur für Reihenkulturen geeignet, verursacht einen hohen Kunststoffverbrauch auf dem Feld und kann bei Wasser mit hohem Eisengehalt problematisch sein.
 

 

„Jedes Bewässerungssystem ist ein Kompromiss zwischen Flexibilität, Effizienz und Kosten – die optimale Wahl hängt immer vom Betrieb und der Fläche ab.“

Marisa Sonntag




 Wie hoch sind die Wasserverluste bei den verschiedenen Techniken?

Je nach eingesetzter Technik und den vorliegenden Witterungsbedingungen können bei der Bewässerung Wasserverluste auftreten. Diese entstehen insbesondere durch Verdunstung, Windabdrift und eine ungleichmäßige Wasserverteilung.

Exakte Zahlen zu den Verlusten der verschiedenen Techniken konnten bislang durch Versuche nur unzureichend bestimmt werden. Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass Systeme mit hoher Ausbringungshöhe und großer Wurfweite, wie etwa Großregner, windanfälliger sind als Verfahren wie die Kreisberegnung oder der Düsenwagen, bei denen das Wasser näher am Pflanzenbestand ausgebracht wird.

Die Verluste bei der Tropfbewässerung werden als vergleichsweise gering eingeschätzt. Werden Tropfschläuche unterirdisch verlegt, kann das Wasser verdunstungsarm und gezielt im Wurzelbereich der Pflanzen verteilt werden.  

Welche Punkte müssen Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter beachten, wenn sie die Anschaffung einer Beregnungsanlage planen?

Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sollten sich zunächst zwei zentrale Fragen stellen: Besteht eine Beregnungsbedürftigkeit und ist die Beregnung wirtschaftlich sinnvoll, also beregnungswürdig? Die Beregnungsbedürftigkeit beschreibt, ob eine Bewässerung notwendig oder sinnvoll ist. Dabei sind mehrere Kriterien zu berücksichtigen. 

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen die Standortbedingungen, das Klima sowie die Bodenverhältnisse. Entscheidend sind unter anderem die Verteilung der Niederschläge, das Vorkommen von Grundwasser sowie die Bodenart und die damit verbundene Wasserspeicherfähigkeit. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die rechtliche Verfügbarkeit von Wasser. Es muss geklärt werden, ob für den jeweiligen Standort ein Wasserrecht mit ausreichendem Kontingent erteilt werden kann. Darüber hinaus spielt die Fruchtfolge eine wichtige Rolle. Verschiedene Kulturen unterscheiden sich deutlich in ihrem Wasserbedarf und reagieren unterschiedlich auf Bewässerung beziehungsweise Trockenstress. Ebenso sollten sich Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter frühzeitig mit der Frage auseinandersetzen, welche Bewässerungstechnik für ihren Betrieb und Standort am besten geeignet ist.

Im nächsten Schritt geht es um die Beregnungswürdigkeit. Diese beantwortet die Frage, ob sich die Investition in die Bewässerung auch wirtschaftlich lohnt. Hierbei sollten die entstehenden Kosten, insbesondere Investitions-, Betriebs- und aktuell hohen Energiekosten, dem möglichen Mehrerlös durch Ertragssteigerungen gegenübergestellt werden.
 

 

„Am Anfang stehen zwei entscheidende Fragen: Ist Bewässerung überhaupt nötig – und lohnt sie sich wirtschaftlich?“

Marisa Sonntag

 

 

Welche Standortbedingungen könnten der Installation einer Beregnungsanlage an individuellen Betriebsstandorten entgegenstehen?

Witterungs- und Standortbedingungen können die Installation und den Betrieb einer Beregnungsanlage einschränken. Besonders Regionen mit häufig starkem Wind können problematisch sein, da es hier zu Abdriftverlusten kommt und die Effizienz der Beregnung sinkt. 

Beim Standort spielen die Boden- und Geländeverhältnisse eine Rolle. Flächen mit großer Hangneigung sind oft ungeeignet, da sie Erosion begünstigen, Oberflächenabfluss fördern und eine gleichmäßige Wasserverteilung erschweren. Auch die Bodenart ist maßgeblich: Sehr sandige Böden weisen eine geringe Wasserspeicherfähigkeit auf, während stark tonige Böden die Infiltration hemmen. Beides kann die Effizienz der Beregnung beeinträchtigen.

Ein wesentlicher begrenzender Faktor ist die Wasserverfügbarkeit. Niedrige Grundwasserstände, ein fehlender Zugang zu Wasserressourcen oder gegenseitige Beeinflussungen bei der Wasserentnahme, beispielsweise durch sogenannte Absenktrichter, können die Nutzung einer Beregnungsanlage erheblich einschränken. 

Zudem spielt die Betriebsstruktur eine Rolle: Kleine, verstreut liegende Schläge erschweren sowohl den Aufbau einer effizienten Bewässerungsinfrastruktur als auch den wirtschaftlichen Einsatz der Beregnungstechnik.

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