Die DLG-Feldtage 2026 finden vom 16. bis 18. Juni 2026 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) statt. Unter der Überschrift „Pflanzenbau out of the box“ präsentiert die Messe Vielfalt auf dem Acker, Biodiversität, neue Technologien und alternative Anbausysteme. Dr. Bruno Görlach ist für das Fachprogramm verantwortlich und gibt im DLG-Interview wertvolle Tipps für die Teilnahme an den vielfältigen Veranstaltungen rund um den Pflanzenbau.
DLG: Die DLG schreibt Leitthema „Pflanzenbau out of the box“ der DLG-Feldtage konsequent fort. Worauf legen Sie als Verantwortlicher für die Gestaltung des Fachprogramms den Fokus für die Besucher?
Dr. Bruno Görlach: Aktuell haben wir eine angespannte Situation im Pflanzenbau – hohe Kosten für Energie und Betriebsmittel bei gleichzeitig geringen Erlösen. Hinzu kommt, dass der Anbau durch klimatische Veränderungen, Resistenzbildungen, Wirkstoffverluste und weiteren Herausforderungen nicht einfacher wird. Unter den Aspekten möchten wir mit „Out of the Box“ Verfahren vorstellen, welche ein Weiterentwicklung des eigenen Produktionsverfahren darstellen könnten bzw. ein weiterer Ansatz für den Umgang mit einer bestimmten Herausforderung darstellen. Wir müssen als Branche den Blick über den Tellerrand wagen.
Zum Beispiel präsentieren wir in den DLG-Spotlights sowohl das Planting Green als auch Dammkulturverfahren. Mit Formaten wie der „Sprechstunde“ wollen wir den direkten Dialog zwischen Praktikern ermöglichen – den Austausch direkt an der Parzelle oder im Spotlight zu einem bestimmten Thema. Hinzu kommen kurze Beiträge auf der DLG-Expert Stage und DLG-Plaza Stage – 25 Minuten Input zu einer bestimmten Fragestellung wie zum Beispiel der Umgang mit Erdmandelgras oder Kurzinterviews mit Landwirten, um einen Einblick in andere Ansätze zu bekommen – warum wird es so gemacht, wie es gemacht wird, was waren die Herausforderungen? Dabei wollen wir auch darüber sprechen was weniger gut geklappt hat, damit andere vielleicht nicht in die gleiche Falle tappen.
Nicht zu vergessen sind unsere Maschinenvorführungen. Altbekannte Themen werden wieder aufgegriffen (Pflanzenschutz, Düngung, Hacken und Striegel) und neue Themen sind dazugekommen (Direktsaat und Strip Till, tiefe Bodenbearbeitung und bodenschonender Traktoreinsatz). Die Anforderungen an die Hersteller im Bereich Pflanzenschutz und Düngung wurden auch in diesem Jahr weiterentwickelt. Die Besucher dürfen sich auf praxisnahe und von Experten kommentierte Vorführungen freuen.
Der Fokus auf digitale Anwendungen und Automatisierung wird im Bereich Farmrobotix erneut aufgegriffen. So wird beispielsweise wieder Robotik im praktischen Einsatz zu sehen sein. Ein Vergleich mit 2024 lohnt sich: Die Entwicklungen schreiten kontinuierlich voran und machen die Fortschritte sehr anschaulich.
Unsere Pop-up Talks greifen aktuelle und innovative Ansätze direkt vor Ort an den Parzellen der Aussteller auf – praxisnah, dialogorientiert und auf den Punkt. Hierbei ist auf die Schilder im Feld zu achten – sie zeigen, wo der nächste Talk startet.
Als DLG sind wir die Plattform für den Austausch von Erfahrungen und sammeln neuer Erkenntnisse, dies gilt auch für unsere Messen.
Der Wegfall wichtiger Wirkstoffe im Pflanzenschutz erfordert neue Strategien. Inwiefern bietet das Fachprogramm auf den DLG-Feldtagen Landwirten pflanzenbauliche Lösungen und alternative Verfahren?
Hier haben wir eine konkrete Herausforderung, die uns in den kommenden Jahren vor Schwierigkeiten stellen wird. Umdenken ist angesagt. Aus dem Grund haben wir zum Beispiel täglich eine Sprechstunde zum Thema „Ungrasstrategien Praxis“. Berater, Landwirte und Industrie diskutieren an einer Parzelle über die oft unterschätzte Bedeutung des Nacherntemanagements, ackerbauliche Maßnahmen rund um die Aussaat, bestmöglichen Herbizideinsatz oder neue Mittel. Am DLG-Spotlight Planting Green wird über Herbizidreduktion durch Zwischenfruchtanbau diskutiert – was ist möglich. Politik und Verwaltung wollen reagieren und Maßnahmen zur Beschleunigung und Vereinfachung der Zulassungsverfahren anstreben: Auf EU-Ebene sollen Omnibus-Verfahren Bürokratie abbauen und national sollen Reformen angestrebt werden, um die Wirkstoffvielfalt zu sichern. Diese Ansätze und weiterer Reformbedarf möchten wir am Mittwoch in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Landwirtschaftsministerium, Bundespolitik und Landwirtschaft diskutieren.
Einen spannenden Einblick liefern die Vorführungen der Pflanzenschutzspritzen in der Live Arena. Auf dem Parcours demonstrieren dreizehn moderne Pflanzenschutzspritzen ihre Leistungsfähigkeit. Im Fokus stehen intelligente Gestängeführungssysteme und moderne Düsentechnologien unter realitätsnahen Einsatzbedingungen. Die Hersteller zeigen, wie innovative Gestängeführungen und präzise Düsentechnik horizontale, unkontrollierte Bewegungen aktiv kompensieren und so die Verteilgenauigkeit auch unter anspruchsvollen Bedingungen sichern. Im Anschluss präsentieren die Maschinen zukunftsweisende Applikationstechnologien wie Bandapplikation und Spot Spraying in Reihenkulturen. So wird das hohe Potenzial zur gezielten Wirkstoffapplikation und zur deutlichen Reduzierung von Betriebsmitteln direkt erlebbar. Neu ist die Live‑Drohnenbegleitung: Auf einer LED‑Wand werden die Parcoursdurchfahrten aus neuen Perspektiven übertragen und ermöglichen einen zusätzlichen, detaillierten Blick auf Technik, Präzision und Funktion im Einsatz.
Wie können sich Besucher bei der Vielzahl der Angebote gezielt vorbereiten?
Am besten die App herunterladen. Dort sind alle Vorträge auf den Bühnen (Expert Stage und Plaza Stage), Pop-up Talks, Sprechstunden, Maschinenvorführungen und unsere weiteren fachlichen Angebote gelistet. Im Menu kann ich nach Formaten, Themen oder Bühnen suchen, spannende Beiträge favorisieren oder gar in den eigenen Kalender übertragen.
Wer es aber lieber analog haben möchte, kann sich gerne das Programm als PDF auf der Homepage herunterladen. Zu finden sind die PDFs auf der Programmseite: https://www.dlg-feldtage.de/de/programm.
Das Programm ist sehr vielfältig. Daher rate ich dazu, sich vorab auf der Homepage und der App mit dem Programm vertraut zu machen.
Wie setzen Sie die Facharbeit der DLG, beispielsweise „Planting Green", auf den Feldtagen sichtbar für die Besucher um?
Wir setzen die Facharbeit der DLG auf den Feldtagen als erlebbares Praxisformat direkt am Thema um, wie zum Bespiel im DLG-Spotlight „Planting Green“: Besucher sehen das Verfahren live und bekommen praxisnahe Einblicke von der Technik bis zur Umsetzung im Betrieb.
Konkret machen wir „Planting Green“ sichtbar durch:
- Anschauliche Vor-Ort-Vermittlung des Verfahrens. Versuchsparzellen wurden im Herbst und Frühjahr angelegt, um die unterschiedlichen Stadien des Verfahrens demonstrieren zu können einschließlich einer Einordnung als Baustein regenerativer und konservierender Anbausysteme.
- Praxisorientierte Demonstration und Erklärung, worauf es bei der Umsetzung ankommt. Dies tun wir gemeinsam mit Partnern wie GKB, Agrisem und Landwirtschaft ohne Pflug, kurz LOP.
- Wir führen den direkten Austausch mit erfahrenen Praktikern und liefern kompakte Informationen und Beratung am Stand.
- Kurze Wissensimpulse über Pop-up Talks gibt es direkt im Spotlight-Umfeld.
Uns geht es um eine wertfreie Vorstellung des Verfahrens. Wir preisen es nicht als die Lösung für die zukünftigen Herausforderungen an, sondern möchten interessierten Besuchern die Möglichkeit bieten, das Verfahren näher kennenzulernen und gemeinsam mit anderen Praktikern über das Verfahren diskutieren zu können.
Die Initiative Plattform Ackerbau (IPA) wurde in diesem Jahr von führenden Institutionen der gesamten Wertschöpfungskette Ackerbau, darunter die DLG, gegründet. Wie können Landwirte als Kettenglied vom Saatgut bis zum Lebensmitteleinzelhandel auf sich aufmerksam machen?
Wir haben in diesem Jahr ein DLG-Spotlight zur Wertschöpfungskette Weizen mit insgesamt zwölf Mitausstellern realisiert. Innerhalb des Spotlights sind alle Glieder der Kette vertreten – vom Pflanzenbau über den Agrarhandel, die Mühlenwirtschaft und Backindustrie bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel.
Im Mittelpunkt stehen die aktuellen Herausforderungen rund um Qualitätsweizen, Nachhaltigkeit sowie CO₂-Reduktion. Ziel ist es, dass die einzelnen Kettenglieder ihre Herausforderungen und Lösungsansätze vorstellen, mit den Besucherinnen und Besuchern diskutieren und so die Basis für ein besseres gegenseitiges Verständnis schaffen.
Gerade Landwirtinnen und Landwirte können hier direkt mit den Akteuren entlang der Kette ins Gespräch kommen und Praxisfragen, Zielkonflikte und mögliche Lösungswege offen diskutieren.
Zusätzlich haben alle Landwirte die Möglichkeit, in der Pagode Ackerbau ihre eigenen Herausforderungen zu platzieren. Wir freuen uns über jeden Beitrag – denn nur so gewinnen wir einen noch klareren Überblick über die zentralen Herausforderungen im Anbau von Qualitätsweizen. Diese Rückmeldungen sind für unsere weitere Arbeit als Vertreter der Landwirtschaft innerhalb der IPA von großer Bedeutung. Und natürlich ist in dem Spotlight die Initiative Plattform Ackerbau anzutreffen. An einem Infostand können sich die Besucher informieren oder dem ein oder anderen Pop-up Talk mit Mitgliedern der IPA über zum Beispiel die Ansätze der CO2-Reduktion innerhalb der Kette folgen.