Traktoren im Wandel
Wie das DLG-Testzentrum die Technik von morgen prüft

Martin Hanstein über Trends in der Entwicklung von Traktoren und ihre Auswirkungen auf das Prüfwesen

Alternative Antriebe, Automatisierung und digitale Systeme verändern grundlegend, wie Traktoren künftig zum Einsatz kommen. Im Interview erklärt Martin Hanstein, Leiter Business Unit DLG-Testzentrum Technik & Betriebsmittel, welche Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen Hersteller heute für eine erfolgreiche Produktentwicklung benötigen – und wie sich die Traktorenprüfung von klassischer Leistungsmessung hin zur ganzheitlichen Systemvalidierung entwickelt.

Herr Hanstein, welche Rolle spielt das DLG-Testzentrum speziell bei der Prüfung und Entwicklung von Traktoren?

Traktoren stehen im Zentrum unserer Arbeit am DLG-Testzentrum. Wir begleiten Hersteller entlang des gesamten Entwicklungsprozesses mit unabhängigen Prüf-, Mess- und Zertifizierungsdienstleistungen. Unser Fokus liegt dabei auf Leistungs-, Verbrauchs- und Effizienzprüfungen, etwa im Rahmen des DLG PowerMix, sowie auf Homologations- und Zulassungsprüfungen nach internationalen Standards, wie den OECD-Traktorcodes. Ziel ist es, Herstellern belastbare, praxisnahe Daten zur Verfügung zu stellen, mit denen sie ihre Traktoren technisch optimieren und regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen können. Was für unser Leistungsversprechen sehr wichtig ist: Unsere DLG eigenen Prüfrahmen werden mithilfe von unabhängigen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt – und stellen daher eine neutrale Bewertung eines Produktes oder einer Technologie dar. 

Welche konkreten Dienstleistungen bietet die DLG für Traktoren an?

Unsere Dienstleistungen für Traktoren umfassen unter anderen den DLG PowerMix zur Bewertung von Kraftstoffverbrauch und Leistungsfähigkeit unter praxisnahen Lastzyklen, Prüfstandtests für Motor, Zapfwelle und Hydraulik, OECD-Prüfungen zu Leistung, Geräusch und weiteren relevanten Parametern, Homologations- und Zertifizierungsleistungen, einschließlich offizieller Genehmigungsprüfungen als vom KBA benannter Technischer Dienst, sowie die Vergabe von DLG-Qualitätszeichen, die Effizienz, Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit transparent dokumentieren. Damit bieten wir Herstellern eine durchgängige Prüfinfrastruktur – von der Entwicklung bis zur Markteinführung.

Wie stellen Sie sicher, dass Traktoren unter realistischen Einsatzbedingungen geprüft werden?

Wir arbeiten mit umfangreichen realen Einsatzdaten aus Feld- und Transportarbeiten. Diese Daten bilden die Grundlage für praxisnahe Lastprofile, die wir auf unseren Prüfständen reproduzieren.Unser Hochleistungs-Rollenprüfstand ermöglicht es, Traktoren unter realistischen Fahr-, Zapfwellen- und Hydrauliklasten zu testen. Je nach Traktorklasse werden die Zyklen skaliert und unter unterschiedlichen Umgebungsbedingungen – etwa starker Hitze oderKälte und Frost– gefahren. So erhalten Hersteller reproduzierbare und zugleich realitätsnahe Ergebnisse.

Welche technischen Trends prägen aktuell die Traktorentwicklung – und damit auch Ihre Prüfungen?

Drei Trends stehen derzeit besonders im Fokus:Erstens: alternative Antriebe und Kraftstoffe. Neben der Optimierung konventioneller Antriebe gewinnen hydrierte Pflanzenöl-Kraftstoffe, kurzHVO, Rapsmethylester RME, hybride Konzepte sowie elektrische und perspektivisch wasserstoffbasierte Antriebe an Bedeutung. Für uns heißt das, Prüfstände und Messmethoden kontinuierlich weiterzuentwickeln, um unterschiedliche Energieträger, Betriebsstrategien und Effizienzpotenziale valide vergleichen zu können.Zweitens: Automatisierung und Assistenzfunktionen.

Martin Hanstein

Unser Ziel ist es, Herstellern belastbare, praxisnahe Daten zur Verfügung zu stellen, mit denen sie ihre Traktoren technisch optimieren und regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen können. 

Moderne Traktoren integrieren zunehmend teilautomatisierte Fahrfunktionen, intelligente Leistungsregelungen und softwarebasierte Assistenzsysteme. Diese Funktionen müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher und zuverlässig sein. Entsprechend erweitern sich Prüfungen von rein mechanischen Parametern hin zu funktionalen und systemischen Bewertungen.Drittens: Digitalisierung und Konnektivität.
ISOBUS, elektronische Lastregelung, Over-the-Air-Updates und datenbasierte Optimierung verändern den Traktor grundlegend. Prüfungen betreffen daher zunehmend auch Softwarefunktionen, Schnittstellen und die Interaktion zwischen Traktor und Anbaugerät.

Wie verändert sich dadurch die Rolle des DLG-Testzentrums in Zukunft?

Die Traktorprüfung entwickelt sich von der klassischen Einzelkomponentenbewertung hin zu einer ganzheitlichen Systemvalidierung. Unsere Aufgabe ist es, diese technische Komplexität beherrschbar zu machen – mit unabhängigen, transparenten und praxisnahen Prüfverfahren. Gerade vor dem Hintergrund neuer regulatorischer Anforderungen und wachsender technologischer Vielfalt sehen wir uns als Schnittstelle zwischen Entwicklung, Regulierung und landwirtschaftlicher Praxis. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: verlässliche Prüfungen, die Innovation ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit, Effizienz und Praxistauglichkeit von Traktoren gewährleisten.

Interview: Dr. Malene Conlong / DLG-Newsroom 

Über das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel

Das DLG-Testzentrum Technik & Betriebsmittel zählt zu den international führenden Prüf- und Zertifizierungsorganisationen in den Bereichen Traktoren, Agrartechnik und Betriebsmittel. Die DLG-eigenen Testmethoden werden praxisbezogen und von neutralen Kommissionen entwickelt. Neben Prüfungen nach DLG-Standards ergänzen umfangreiche Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen zur Qualitätssicherung das Angebot. Die Prüf- und Testberichte sind eine wichtige Entscheidungshilfe für Investitionen und den Einsatz in der Praxis. Vergeben werden die Siegel DLG Anerkannt, DLG Qualitätssiegel und DLG PowerMix.

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