Geprüfte Sicherheit, Komfort und Tiergerechtheit im Stall 

Bodenbelagsprüfungen der DLG begleiten Produktentwicklung und sorgen für Orientierung im Markt

 Bodenbeläge zählen zu den zentralen Funktionsbauteilen moderner Stallanlagen. Sie beeinflussen Tiergesundheit, Verhalten und Leistungsfähigkeit maßgeblich und wirken sich gleichzeitig auf Arbeitssicherheit und Wirtschaftlichkeit im Stall aus. Entsprechend hoch sind die Anforderungen, die unter anderem Tierwohlprogramme wie das Schweizer BTS-Programm (Besonders Tierfreundliche Stallhaltung) oder Förderinstrumente wie die niederländische Maatlat Duurzame Veehouderij (Maßstab für nachhaltige Viehzucht) an elastische Stallbodenbeläge stellen. Hersteller sehen sich daher mit der Herausforderung konfrontiert, wie sich diese vielfältigen Anforderungen objektiv, nachvollziehbar und zugleich marktwirksam belegen lassen. Genau hier setzen die neutralen Bodenbelagsprüfungen der DLG an.

 

Anforderungen an Bodenbeläge 

Liegeboxen für Milchkühe:  Zwischen Komfort und Beständigkeit

Milchkühe verbringen einen Großteil des Tages im Liegen. Nur durch ausreichende Ruhezeiten können sie intensiv wiederkäuen, Nährstoffe optimal verwerten und ihre Leistung in Milch- und Fleischproduktion langfristig sichern. Ein komfortabler Liegebereich ist somit eine zentrale Voraussetzung für Tiergesundheit, Wohlbefinden und Wirtschaftlichkeit.

Ein geeigneter Liegeboxenbelag muss den Kühen daher genügend Komfort bieten und gleichzeitig dafür sorgen, dass Druckstellen an Gelenken und Gliedmaßen vermieden werden. Aus Tiersicht ist eine ausreichende Elastizität zur Entlastung von Karpal- und Sprunggelenken, eine gleichmäßige Druckverteilung sowie eine rutschhemmende Oberfläche erforderlich, um Sicherheit beim Abliegen und Aufstehen bieten zu können. Zu harte, rutschige oder verformte Beläge führen zu Unsicherheit sowie zu verkürzten Liegezeiten und können langfristig Gelenkprobleme, Hautläsionen oder Bewegungsstörungen begünstigen.

Tierwohl-Programme legen daher besonderen Wert auf Liegekomfort, dauerhafte Materialbeständigkeit und eine definierte Elastizität, teilweise ergänzt durch Anforderungen an die Rutschhemmung. Innerhalb dieses Anwendungsbereichs unterscheiden sich Bodenbeläge deutlich, etwa in ihrer Materialzusammensetzung, der Elastizität oder in der dauerhaften Stabilität unter Stallbedingungen. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf das Liegeverhalten, die Akzeptanz der Liegeboxen und damit auf die Tiergesundheit aus.
 

Laufwege für Rinder und Pferde: Rutschfest und elastisch

Auf Laufwegen stehen gegenüber den Liegebereichen andere Anforderungen im Vordergrund. Hier müssen sich Tiere auch bei Nässe, Verschmutzung oder hoher Frequentierung sicher, flüssig und ohne Angst vor dem Ausrutschen bewegen können. Bei Rindern sind diese Prämissen eng mit der Klauen- und Gelenkgesundheit verbunden, während bei Pferden zusätzlich schnelle Richtungswechsel, abrupte Bewegungen und hohe Punktbelastungen eine wichtige Rolle spielen.

Der ideale Laufgangboden erfordert eine Kombination aus hoher Trittsicherheit und Rutschfestigkeit sowie einer gewissen Elastizität, um Stoßbelastungen auf Gelenke und Sehnen zu reduzieren. Gleichzeitig zählt der Laufbereich zu den am stärksten beanspruchten Zonen im Stall. Die Beläge müssen nicht nur den Tierbewegungen standhalten, sondern auch mechanischen Belastungen durch Mistschieber, Reinigungsgeräte sowie dem Befahren mit Traktoren oder Hofladern.

Diese Mehrfachbelastung stellt hohe Anforderungen an Abriebfestigkeit, Formstabilität und die sichere Verankerung der Bodenbeläge. Nur das Zusammenspiel aus hoher Sicherheit für die Tiere und dauerhafter Beständigkeit unter intensiver Nutzung ermöglicht es, dass Laufgangbeläge langfristig tiergerecht und von den Landwirten wirtschaftlich genutzt werden können.
 

“Je nachdem, ob Bodenbeläge in Liegeboxen oder auf Laufgängen verwendet werden, müssen sie grundsätzlich verschiedene Eigenschaften aufweisen.”

Alena Scholz

Prüfverfahren der DLG: Von unabhängigen Experten festgelegt

Die Prüfungen für elastische Stallbodenbeläge werden im DLG-Testzentrum in Groß-Umstadt in der Abteilung Betriebsmittel nach klar definierten Prüfrahmen durchgeführt. Diese orientieren sich an anerkannten Regelwerken, DIN-Normen sowie an DLG-eigenen, praxisnahen mit unabhängigen Expertinnen und Experten entwickelten Prüfverfahren. Ziel ist es, die realen Einsatzbedingungen im Stall möglichst genau abzubilden, die Materialalterung und den Verschleiß über die Jahre zu simulieren und gleichzeitig eine objektive Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Produkten zu gewährleisten. Die Festlegung des Prüfrahmens erfolgt durch das Technical Committee Tierhaltungstechnik Rind, welches sich aus Experten aus Forschung, Praxis und Normung zusammensetzt, sodass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Anforderungen der modernen Tierhaltung kontinuierlich in die Prüfrahmengestaltung einfließen.

Mechanische Prüfungen

Ein zentraler Bestandteil der Prüfungen ist die Bewertung von Elastizität und Komfort. Standardisierte Kraft-Weg-Messungen zeigen, wie der Bodenbelag unter definierten Lasten reagiert, wie stark er sich verformt und wie gleichmäßig der Druck verteilt wird. Auf dieser Basis lässt sich beurteilen, in welchem Maß Gelenke und Gliedmaßen der Tiere belastet werden. Zur Beurteilung der Dauerbelastbarkeit werden die Bodenbeläge zyklischen Belastungen unterzogen und langfristige Beanspruchungen durch Tierbewegungen und Reinigungsarbeiten simuliert. Dabei wird geprüft, ob der Belag seine funktionellen Eigenschaften über einen langen Nutzungszeitraum beibehält.
Die Rutschfestigkeit und Trittsicherheit wird an einem speziellen Prüfstand untersucht, in den die Prüfgegenstände tierartspezifisch eingespannt werden. Die Messungen erfolgen sowohl unter trockenen als auch unter nassen, verschmutzten Bedingungen, um typische Stallsituationen realitätsnah abzubilden. So lässt sich zuverlässig ermitteln, ob der Reibbeiwert innerhalb der vorgegebenen Richtwerte liegt und die Tiere sicher auftreten, wenden und aufstehen können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Abriebfestigkeit. Sie wird mithilfe genormter Abriebprüfverfahren ermittelt, ergänzt um DLG-spezifische Kriterien, die die Belastung durch Klauen, Hufe oder Mistschieber praxisgetreu berücksichtigen.

Chemische Prüfungen

Auch die chemische Beständigkeit der Bodenbeläge wird innerhalb des definierten Prüfrahmens untersucht. Dabei wird geprüft, wie stalltypische Substanzen wie Gülle, Harn sowie Reinigungs- und Desinfektionsmittel die Materialstruktur, Elastizität und Oberflächenbeschaffenheit beeinflussen.

Ein weiterer Test, um auch die Stallhygiene sicherzustellen, ist der HD-Reiniger-Test. Hierbei wird der geringste Abstand der Flachstrahldüse bzw. des Dreckfräsers ermittelt, bei dem keine Schäden am Material entstehen.

Foto: DLG
Foto: DLG

Unabhängige Prüfung von Bodenbelägen

Der Stallboden ist die einzige Stalleinrichtung, die von den Tieren 24 Stunden täglich genutzt wird. Elastische Stallbodenbeläge von guter Qualität unterstützen das Tierwohl. Die DLG TestService prüft, ob das Tier sich artgerecht verhalten kann und es durch die Nutzung des Bodensystems keinen Schaden nimmt. Die Prüfung der Bodenbeläge erfolgt nach den DLG-Prüfprogrammen und der Norm DIN 3763 (Rinder) sowie DIN 7861 (Pferde).

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Vorteile für Hersteller: Prüfung im Entwicklungsprozess

Für Hersteller besteht eine zentrale Herausforderung darin, den Zielkonflikt zwischen Tierkomfort, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu lösen. Weiche Beläge bieten einen hohen Liegekomfort, müssen jedoch gleichzeitig den mechanischen und chemischen Belastungen im Stall dauerhaft standhalten. Laufgangbeläge hingegen dürfen nicht zu weich ausgeführt sein, um Sehnen und Gelenke der Tiere nicht übermäßig zu belasten und eine sichere, stabile Bewegung zu gewährleisten. Hinzu kommen steigende regulatorische Anforderungen sowie die Vorgaben von Tierwohlprogrammen und Förderstellen.

Eine frühzeitige, neutrale Prüfung durch die DLG hilft dabei, Entwicklungsrisiken zu minimieren, Produkte gezielt zu optimieren und Markteinführungen zuverlässig vorzubereiten. Für Landwirte schafft ein erfolgreich geprüftes Produkt zusätzliches Vertrauen. Sie können sich auf die unabhängigen DLG-Prüfergebnisse verlassen und sparen im Rahmen von Audits oder Förderprogrammen häufig zusätzlichen Prüfaufwand. Wird ein Bodenbelag mit dem DLG-Prüfzeichen oder dem DLG-Qualitätssiegel ausgezeichnet, gelten die relevanten Tierwohlanforderungen als objektiv nachgewiesen und müssen in der Regel nicht erneut einzeln überprüft werden.

Eine frühzeitige, neutrale Prüfung durch die DLG hilft Herstellern dabei, den Zielkonflikt zwischen Tierkomfort, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu lösen.

Alena Scholz

Fazit: Prüfungen bieten Orientierung - in Industrie, Landwirtschaft und Förderwesen

DLG-geprüfte Bodenbeläge bieten Herstellern, Landwirten und Förderstellen gleichermaßen Orientierung. Sie schaffen Vertrauen, liefern belastbare Argumente für Beratung und Vertrieb und erhöhen die Relevanz der Produkte im Rahmen nationaler und internationaler Tierwohlprogramme. Wer seine Produktprüfungen frühzeitig plant, kann Markteinführungen gezielt vorbereiten, Fachmessen wie die EuroTier 2026 optimal nutzen und sich einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Neben Bodenbelägen für Rinder und Pferde unterstützt die DLG Hersteller auch mit maßgeschneiderten Prüfkonzepten für andere Tierarten sowie in weiteren Bereichen der Tierhaltungstechnik, neutral, praxisnah und anerkannt.

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