Bundeswettbewerb Melken: Testlauf in Triesdorf
Erster Testlauf nach grundlegender Überarbeitung der Testkriterien Ende April
Der Bundeswettbewerb Melken ist ein Leistungsvergleich für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Er ist ein Beitrag zur Qualitätssicherung und Imageverbesserung der Milchproduktion, dient der Ermittlung der besten Fachkräfte in der Milcherzeugung und wird im zweijährigen Turnus an unterschiedlichen Standorten durchgeführt – mit Ausnahme der Unterbrechung während der Corona-Pandemie. Er wird unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftszentren ausgetragen.
Nun wurden die Prüfungsbedingungen sowie -kriterien grundlegend überarbeitet. Die Projektverantwortlichen beider DLG, Marieke Wijn und Marc-Andre Kruse-Friedrich, erläutern im Interview, was sich geändert hat und welche Vorteile die neuen Prüfungsbedingungen bieten.
DLG: Frau Wijn, Herr Kruse-Friedrich, der Bundeswettbewerb Melken hat das letzte Mal in 2023 regulär stattgefunden, nachdem auch diese Veranstaltung eine Corona-bedingte Zwangspause einlegen musste. Können Sie kurz umreißen, welche Punkte in diesem Jahr noch abgeprüft wurden?
Marieke Wijn: Beim letzten regulären Durchlauf 2023, der auf dem Hofgut Neumühle stattfand, umfasste der Wettbewerb das Melken im Gruppenmelkstand oder im Melkkarussell, den Milchzelltest und eine schriftliche Prüfung. Beim Melken wurden die Teilnehmenden immer nur in einem Melksystem geprüft, das bedeutet, entweder im Gruppenmelkstand oder im Melkkarussell. Die besondere Herausforderung bestand auf organisatorischer Seite darin, jeweils einen passenden, externen Betrieb zu finden, der das an der Lehranstalt fehlende Melksystem zur Verfügung stellte.
Die Disziplin Melken wurde in beiden Systemen nach identischen Kriterien bewertet, sodass keinem der Teilnehmenden ein Nachteil entstand. Die Beurteilung der Melkleistung, also die gemolkene Milchmenge pro Melkdauer, wurde an festen Kuhgruppen und in einer vorher festgelegten Reihenfolge der Kühe im Testmelken durch zwei externe, unabhängige Personen durchgeführt. Diese Werte wurden als Referenz für den Wettbewerb genutzt. In der Disziplin Milchzelltest mussten die Teilnehmenden mit Hilfe eines Schalmtests an allen vier Vierteln einer Kuh die Eutergesundheit bestimmen.
Bei der schriftlichen Prüfung hatten die Prüflinge insgesamt 60 Minuten Zeit, um 40 Fragen zu beantworten. Die Themengebiete waren unter anderem das Melken inklusive Melkanlagentechnik, die Tiergesundheit und das Fütterungsmanagement.
Zur Person:
Marieke Wijn ist fachliche Ansprechpartnerin für den Bundeswettbewerb Melken im DLG-Fachzentrum für Landwirtschaft und Lebensmittel.
Zur Person:
Marc-Andre Kruse-Friedrich ist Projektleiter für den Bereich Forschung und Innovation sowie Projektleiter im Verbundprojekt Netzwerk Fokus Tierwohl. Darüber hinaus hat er die Projektleitung für die Gesamtorganisation des Bundeswettbewerbs Melken im DLG-Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel inne.
Woher kam der Anstoß, etwas an den ursprünglichen Prüfungskriterien zu verändern?
Marc-Andre Kruse-Friedrich: Den Melkwettbewerb gibt es schon sehr lange, bereits seit 1951, und die Prüfkriterien wurden auch zuvor regelmäßig angepasst – bedingt durch die fortschreitende Technisierung des Melkprozesses. Angefangen wurde 1951 mit dem Handmelken. Ab 1977 wurde die Rohrmelkanlage für den Wettbewerb eingesetzt. 1994 gab es erneut eine Anpassung: Das Melken im Side-by-Side- und im Fischgräten-Melkstand wurden hier bei den Prüfkriterien aufgegriffen. 2004 wurden die Prüflinge zum ersten Mal in einem Melkkarussell geprüft.
Allgemein kann man sagen, dass der Wettbewerb immer an die aktuellen Gegebenheiten sowie an die neusten technischen Standards angepasst wurde. So hat man in den letzten Jahren festgestellt, dass sich durch die Automatisierung in der Landwirtschaft auch das Melken verändert hat. Ein weiterer Grund für die Anpassung der Prüfkriterien war sicherlich auch, dass die Lehr- und Versuchsanstalten immer mehr das automatische Melken mit in die überbetriebliche Ausbildung aufnehmen; auch beim Neubau von Milchkuhställen werden immer häufiger Automatische Melksysteme (AMS) eingebaut.
Welche Kriterien sind entfallen und welche sind neu dazu gekommen?
Wijn: Wir als Ansprechpartner bei der DLG haben zusammen mit der Fachkommission drei neue Disziplinen für den Wettbewerb entwickelt und aufgenommen. Neu dazugekommen ist die Disziplin AMS / Technik. Hier soll das Management am Melkroboter abgeprüft werden: Abgefragt werden die täglichen Kontrollaufgaben des AMS, das Reinigen der Sensoreinheiten ebenso wie das Filterwechseln. Aber auch der Melkprozess an einem Melkroboter soll von den Prüflingen beschrieben werden.
Die Disziplin Tierwohl wurde außerdem neu in den Wettbewerb aufgenommen: Das Tierwohl hat erheblichen Einfluss auf die Milchleistung der Kühe und wurde daher ein wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs. Dabei sollen verschiedene Tierwohlkriterien mithilfe der Tierschutzindikatoren des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) bewertet werden. Diese Disziplin wird direkt am Tier stattfinden. Zunächst beurteilt der Prüfling allein die betreffende Kuh und präsentiert im Anschluss den Prüfenden seine Ergebnisse. Dabei muss die oder der Teilnehmende die entsprechende Stelle zeigen, benennen und eine Note nach den KTBL-Tierschutzindikatoren vergeben.
Eine weitere Neuerung ist das Ziehen einer BU-Probe, also die bakteriologische Untersuchung einer Milchprobe. Diese wird im Wettbewerb im Anschluss an das Melken von jedem Prüfling an einer Kuh gemolken. Zudem ist die Beurteilung der Eutergesundheit in der Herde anhand von wichtigen Kennzahlen aus dem Eutergesundheitsmonitoring eines realen MLP-Berichtes Bestandteil der Prüfung.
Kruse-Friedrich: Im Wesentlichen entfällt ein großer Block, und zwar das Testmelken und die Suche nach einem externem Betrieb. Bisher musste im Vorfeld des Wettbewerbs sowohl auf der Lehr- und Versuchsanstalt ebenso wie auf dem externen Praxisbetrieb jeweils dieselbe Kuh in derselben Kuhgruppe möglichst zur selben Zeit am selben Platz gemolken werden.
Das war eine organisatorische Meisterleistung und bedeutete einen hohen Zeitaufwand, sowohl für die Lehr- und Versuchsanstalt als auch für den externen Betrieb. Viele Wochen vorher wurden die Tiere darauf konditioniert, damit es am Tag des Wettkampfes reibungslos ablief. Dieser hohe Organisationsaufwand, zu dem auch das Testmelken und die Kuhgruppenbildung gehörte, fällt durch die Neuerung des Wettbewerbs weg, da nach den neuen Kriterien auf die Ermittlung der Melkleistung verzichtet wird.
Durch die Aktualisierung des Wettbewerbs entsteht eine realistische und umfassendere Bewertung der Fähigkeiten der Teilnehmenden.
Marieke Wijn
Welche Vorteile ergeben sich aus den neuen Prüfkriterien – für die Prüflinge, die Prüfer sowie Organisatoren als auch den allgemeinen Ablauf?
Wijn: Ein Vorteil für die Prüflinge ist meines Erachtens, dass sie durch die Neuerungen an einem aktuellen und zukunftsorientierten Wettbewerb teilnehmen können, der die modernen Anforderungen der Milchviehhaltung wiederspiegelt. Zudem lernen sie zusätzlich zum Melken noch andere wichtige Themenschwerpunkte im Umgang mit Milchkühen kennen.
Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, sich frühzeitig mit praxisrelevanten Aspekten wie dem Tierwohl auseinanderzusetzen, die längst die Aufmerksamkeit der Gesellschaft erreicht haben. Die landwirtschaftlichen Nachwuchskräfte bekommen dadurch die Chance, neue Kenntnisse direkt im eigenen Betrieb umzusetzen und damit die gute fachliche Praxis weiterzuentwickeln.
Für die Prüfenden bedeutet die Neugestaltung eine Zeitersparnis, da das Testmelken sowie der Besuch des externen Praxisbetriebs entfällt. So haben Prüferinnen und Prüfer die Möglichkeit, das Wissen der Prüflinge ganzheitlicher zu beurteilen, da ein breiteres Spektrum der Milchviehhaltung abgefragt wird. Durch die Aktualisierung des Wettbewerbs entsteht eine realistische und umfassendere Bewertung der Fähigkeiten.
Kruse-Friedrich: Wenn man die Vorteile für die Organisation des Wettbewerbs betrachtet, ist sicherlich als größter Vorteil der Wegfall des externen Betriebs zu nennen. Die Lehr- und Versuchsanstalten müssen nicht mehr nach externen Betrieben suchen, die sehr aufwändig auf den Wettbewerb vorbereitet werden müssen. Das bedeutet eine erhebliche Zeitersparnis. Wie hoch diese tatsächlich ist, ergibt sich allerdings erst nach dem Testlauf. Bereits jetzt lässt sich festhalten, dass weniger Zeit auf die Vorbereitung des Wettbewerbs entfällt.
Allgemein entspannt sich der Ablauf im Vorfeld als auch während der Wettbewerbstage. Es bleibt genug Zeit für das Netzwerken. Durch die neuen Disziplinen wird der gesamte Wettbewerb zudem hinsichtlich seiner Praxisnähe aufgewertet, gleichzeitig moderner und damit attraktiver, da er die Teilnehmenden besser auf die praktische Milchviehhaltung vorbereitet. Dieser Relaunch war dringend nötig für den Bundeswettbewerb Melken.
Wichtige Zeit zum Netzwerken war bei der Neugestaltung des Wettbewerbs ein wichtiges Kriterium, das wir berücksichtigt haben.
Marc-Andre Kruse-Friedrich
Im Jahr 2028 wird der erste reguläre Durchgang nach den neuen Prüfkriterien in Aulendorf, Baden-Württemberg, stattfinden. Können Sie bereits jetzt kurz darstellen, wie sich der neue Ablauf über die drei Wettbewerbstage darstellen wird?
Wijn: Der Wettbewerb in Aulendorf wird sich in großen Teilen an dem Testlauf in Triesdorf orientieren. Es werden allerdings anstelle von zwölf Teilnehmenden voraussichtlich mindestens 24 Personen an den Start gehen, davon mindestens zwei aus jedem Bundesland. Außerdem planen wir wieder mit einer internationalem Beteiligung am Wettbewerb - das heißt, es können sich auch aus anderen deutschsprachigen Nationen Teilnehmende bewerben.
Nach Abschluss des Testlaufes werden wir intensiv daran arbeiten, gemeinsam mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum (LAZBW) in Aulendorf, wo der Wettbewerb 2028 ausgetragen wird, ein spannendes Rahmenprogramm zu erstellen. Teil dieses Programms sollen beispielsweise Exkursionen zu zukunftsorientierten Milchkuhbetrieben sein.
Für den letzten Abend ist geplant, einen Abschlussabend inklusiver Siegerehrung zu organisieren. Hierzu werden Ehrengäste aus dem Vorstand der DLG eingeladen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) als Schirmherr des Bundeswettbewerbs Melken wird vertreten sein, um den Teilnehmenden zu gratulieren und die Siegerin oder den Sieger zu küren.
Haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.