Deutsch-Ukrainische Agrardelegation auf den DLG-Feldtagen 2026
Fachbesuch im Rahmen des APD Ukraine auf den DLG-Feldtagen in Bernburg-Strenzfeld – Wissensaustausch zu Pflanzenschutz und Düngung unter EU-Anforderungen – Praxisnaher Austausch zwischen Deutschland und der Ukraine – EU-Integration im Fokus
Eine Delegation des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs (APD UA) hat im Rahmen eines zweitägigen Fachprogramms an den DLG-Feldtagen 2026 teilgenommen. Die DLG-Feldtage 2026 fanden vom 16. bis 18. Juni auf dem Gelände des Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrums (IPZ) in Bernburg-Strenzfeld statt. Leitthema der Messe war „Pflanzenbau out of the Box“. Im Mittelpunkt des Delegationsbesuchs standen passend dazu neue Technologien, Entwicklungen und innovative Konzepte im Pflanzenbau. Weiteres zentrales Thema des Fachbesuchs waren die Auswirkungen europäischer Regulatorik auf die landwirtschaftliche Produktion – insbesondere im Kontext des EU-Beitrittsprozesses der Ukraine. Der Delegationsbesuch wurde von der DLG Markets im Rahmen des vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs (APD UA) organisiert. Der APD UA unterstützt die Ukraine seit 2006 bei der Modernisierung ihres Agrarsektors und bei der Vorbereitung auf den EU-Beitritt. Die DLG Markets, die innerhalb der DLG-Gruppe internationale Kooperationsprojekte verantwortet, ist Teil des Konsortiums der laufenden Projektphase des APD Ukraine seit Januar 2026.
Ein zentrales Highlight des Delegationsbesuchs war die Podiumsdiskussion des APD UA: „Pflanzenschutz und Düngung unter EU-Anforderungen – Chancen und Herausforderungen aus deutscher und ukrainischer Perspektive“. Diskutiert wurden die EU-regulatorischen Rahmenbedingungen im Pflanzenschutz sowie die Herausforderung, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und ökologische Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Besonderes Augenmerk galt den Implikationen der Regelungen für die ukrainische Agrarwirtschaft im Zuge des Beitrittsprozess zur EU.
Angleichung an EU-Standards: notwendige Herausforderung
Die Moderation übernahmen Dr. Olga Trofimtseva, Projektleiterin APD UA und ehemalige stellvertretende Ministerin für Europäische Integration der Ukraine, sowie Frederik Tipp, Leiter internationale Kooperationsprojekte bei der DLG Markets. Auf dem Podium diskutierten Wilfried Misslbeck als Vertreter der deutschen Landwirtschaft, Landwirt Pavlo Davydiuk von der Felix Agro GmbH, Vladyslav Sedyk, Berater des Generaldirektors des Ukrainian Agribusiness Club (UCAB), sowie Dr. Bernd Rodemann, stellvertretender Leiter des Instituts für Pflanzenschutz am Julius Kühn-Institut.
Die Perspektiven aus Praxis, Wissenschaft und Politik verdeutlichten die Komplexität, die bei der Implementierung der EU-Standards in Düngung und Pflanzenschutz für die Agrarwirtschaft in beiden Ländern im Rahmen des EU-Beitritts entstehen. „EU-Integration bedeutet nicht nur neue Zollsätze, sondern vor allem auch die Anpassung von Standards. Für ukrainische Landwirtinnen und Landwirte ist das insbesondere im Bereich des Pflanzenschutzes eine erhebliche Herausforderung. Aber der Schritt ist alternativlos: Eine frühzeitige Implementierung der EU-Standards sichert der ukrainischen Land- und Lebensmittelwirtschaft langfristig den Zugang zum europäischen Binnenmarkt – mit erheblichen Vorteilen für beide Länder“, unterstrich APD-Projektleiterin Dr. Olga Trofimtseva.
Pflanzenschutz zwischen Wirkstoffverlust und technologischer Innovation
Ein besonders herausforderndes Beispiel für die Komplexität dieses Angleichungsprozesses ist der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, die in der Ukraine bislang zugelassen sind, in der EU jedoch nicht, wie im Zuge der Delegationsreise deutlich wurde. In der Ukraine sind noch zahlreiche Wirkstoffe im Einsatz, die in der EU nach strengen Risikobewertungen nicht mehr genehmigt sind. Für ukrainische Landwirtinnen und Landwirte bedeutet die Anpassung den Verzicht auf bewährte Mittel sowie Investitionen in alternative Bekämpfungsstrategien und die Schulung von Anwenderinnen und Anwendern.
Genau hier setzt der APD UA an. Der Fachbesuch auf den DLG-Feldtagen 2026 bot der Delegation die Möglichkeit, die Perspektive der deutschen Agrarwirtschaft auf die Pflanzenschutz-Regulatorik vertiefend kennenzulernen. Im Gespräch mit dem Industrieverband Agrar (IVA) erfuhren die Teilnehmenden, dass die EU-Regulatorik auch in Deutschland kritisch diskutiert wird: Der IVA beschrieb den nationalen Zulassungsprozess – bedingt durch die Einbindung mehrerer Behörden aus den Bereichen Agrar und Umwelt – als vergleichsweise langwierig.
Im Austausch mit dem DLG-Ausschuss für Pflanzenschutz wurde deutlich, dass chemischer Pflanzenschutz in der EU zwar relevant bleibt, jedoch in den Ansatz des Integrierten Pflanzenschutzes eingebettet ist: Vorrang haben ackerbauliche Maßnahmen wie vielfältige Fruchtfolgen, Sortenwahl, schonende Bodenbearbeitung und präventives Monitoring. Mechanische und biologische Maßnahmen sowie der chemische Pflanzenschutz folgen nachgeordnet, wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen.
Neue Technologien und Betriebsbesuche in der Magdeburger Börde
Die Teilnehmenden konnten zudem Ansätze in Augenschein nehmen, die Lösungen bei der Anpassung an EU-Standards in Pflanzenschutz und Düngung sowie an übergreifende Herausforderungen wie Extremwetterereignisse bieten – darunter Innovationen aus den Bereichen Precision Farming, Automatisierung und KI, neue Lösungen in der Landtechnik sowie innovative pflanzenbauliche Konzepte, zum Beispiel im Bereich Direktsaat. Betriebsbesuche in Löbnitz und Könnern in Sachsen-Anhalt ergänzten das Programm mit Praxiseinblicken in die Landwirtschaft am Gunststandort Magdeburger Börde.
Der Fachbesuch auf den DLG-Feldtagen war Teil einer umfassenderen Aktivitäten-Reihe im Rahmen des APD UA, die auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine entlang der gesamten Agrar- und Ernährungswertschöpfungskette abzielt. Bereits im Mai 2026 hatte die DLG das Deutsch-Ukrainische Unternehmerforum in Frankfurt ausgerichtet und dabei Akteure aus Wirtschaft, Politik und Finanzwesen zusammengebracht, um konkrete Partnerschaften und Investitionsmöglichkeiten zu fördern.
Wissenstransfer mit direktem Austausch begleitet Beitrittsprozess
Mit seinen Aktivitäten unterstützt der APD UA, umgesetzt durch ein internationales Konsortium unter Beteiligung der DLG Markets, die Modernisierung des ukrainischen Agrarsektors und fördert den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Agrarpraxis. Die DLG bringt ihr internationales Netzwerk und ihre Fachkompetenz ein und schafft Plattformen für Wissensaustausch und Kooperation, die den EU-Integrationsprozess greifbar und handlungsorientiert gestalten. Die DLG-Feldtage 2026 zogen mehr als 350 Aussteller und 13.000 Besucherinnen und Besucher auf das Messegelände in Bernburg-Strenzfeld und boten der Delegation somit vielfältige Möglichkeiten zum Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette Ackerbau.
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