Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben die Lieferungen von Erdöl und Erdgas eingeschränkt und nahezu zum Erliegen gebracht. Wegen der faktischen Sperrung der Straße von Hormus sind von den schätzungsweise insgesamt 150 Frachtern, die im Persischen Golf feststecken, etwa 20 Schiffe, beladen mit 1 Mio. t Düngemitteln. Sie können seit fast drei Wochen die Meerenge in Richtung Golf von Oman und damit zum Arabischen Meer nicht passieren. Fast ein Drittel der weltweit gehandelten Düngemittel und die Hälfte von Schwefel stammen aus der Golfregion und werden über diese Route transportiert. Vor allem Harnstoff wird in der Golfregion produziert. Harnstoff ist der Leitdünger auf dem Weltmarkt. Der Preis ist seit Kriegsausbruch Anfang März um 30 Prozent auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).
Dritte Stickstoffgabe just in time
Für die kommenden Wochen bleiben nach Ansicht von Marktbeobachtern die Vorzeichen am Düngermarkt fest gestimmt. Damit könnte der Kauf von Stickstoffdüngern für die dritte Qualitätsgabe im Weizen teuer werden. Angesichts der Weizenpreise, die um die 200 €/t an der Pariser Euronext notieren, raten Berater den Düngereinkauf genau zu kalkulieren und die Marktinformationen zu verfolgen. Trotz der kurzfristigen Verkaufswelle Anfang März als die Weizenkurse gestiegen sind, vermuten Händler immer noch beträchtliche Mengen an unverkaufter Ware aus der Ernte 2025. Daher sollten Landwirte Preissprünge zum Abschluss von Vorverträgen nutzen oder alterntige Ware verkaufen.
USA kaufen AHL-Vorräte leer
Wegen der Zerstörungen von Raffinerien und der Infrastruktur im Iran und in den Golfstaaten haben die Rohölnotierungen die Marke von 102 US-$/Barrel (159 Liter) überschritten. Damit verteuert sich neben Rohöl auch das Erdgas, das zur Produktion von Ammoniak benötigt wird. Westeuropäische Produzenten haben wegen der hohen Produktionskosten die Preise für Stickstoffdünger gewaltig nach oben gesetzt.
US-Farmern fehlen Düngemittel
Engpässe sind auch in der EU und in Deutschland spürbar angesichts der geopolitischen Krisen. So treffen in den USA zum Start der Frühjahrsdüngung keine Schiffe mit Harnstoff aus den Golfstaaten ein. Daher kaufen US-amerikanische Händler verstärkt den Flüssigdünger AHL auf dem Weltmarkt ein. In Europa führt diese große Nachfrage dazu, dass beispielsweise Frankreich, ein traditionell großer Abnehmer von AHL, wegen der Verteuerung auf Kalkammonsalpeter (KAS) ausweicht. Dadurch kommt es auch bei KAS zu einer knappen Versorgungslage in Deutschland, was die Preise in die Höhe treibt. Teilweise sind die Mengen kontingentiert.
Preisverfall nach Kriegsende befürchtet
Die Kurse für KAS ab norddeutsches Landlager sind in den vergangenen 14 Tagen bis Mitte März um mehr als 60 auf 445 €/t gestiegen. Der Schwefeldünger ASS legt um rund 40 auf 452 €/t zu. Granulierter Harnstoff mit Ureaseinhibitor verzeichnet mit einem Plus von 85 auf 660 €/t den höchsten Preissprung. Teilweise sind die Notierungen ausgesetzt. Händler berichten von Preisen für AHL in Höhe von 425 €/t ab Lager. Der Maisdünger DAP ist mit 770 €/t teuer. Marktteilnehmer empfehlen, Tagesnotierungen im Blick zu haben. Vorkäufe sind wegen der regionalen Zuteilungen derzeit kaum möglich. Sollte sich die Lage am Golf entspannen, ist mit einem Überangebot an Ware und gleichzeitig einem Preisverfall zu rechnen.
Mit weniger Überfahrten Sprit sparen
Pflanzenbauberater empfehlen, Düngergaben zusammenzufassen. Zum einen, um möglichen Trockenperioden oder auch starken Niederschlagsereignissen entgegenzuwirken – unter noch feuchten Bedingungen kann der Dünger appliziert werden und sich lösen und ist dennoch vor Auswaschung geschützt. Zum anderen sparen Landwirte eine Überfahrt und somit Sprit, was bei diesen Preisen nicht unerheblich sein kann, heißt es beim Düngeberatungsdienst duengefuchs.de.
IVA: Genug Ware am Markt
Trotz der Kriegshandlungen im Nahen Osten mit ihren globalen Auswirkungen bestehen in der aktuellen Düngesaison noch keine Probleme bei der Versorgung der deutschen Landwirtschaft mit Mineraldüngern. So lautet die Einschätzung des Industrieverbands Agrar (IVA), der die Interessen der deutschen Produzenten von Mineraldüngern vertritt. Bislang seien erste Auswirkungen auf die Preisentwicklung zwar spürbar, aber von Preisspitzen wie nach Russlands Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren sei der Markt noch weit entfernt. “Die deutschen Hersteller allein können 75 Prozent des Bedarfs hierzulande mit ihren Anlagen decken”, teilt der IVA mit. Importen könnten ebenfalls den Bedarf verlässlich abdecken.