Die European Pig Producer (EPP) trafen sich im Mai zu Ihrem Jahreskongress in Posen/Polen. Ein modernisiertes, professionelleres Polen könnte hier zu einem wichtigen Baustein der europäischen Schweineproduktion werden. Polen ist Partnerland des International Farmers’ Day auf der EuroTier 2026.
Die europäische Schweineproduktion hat sich seit den 1990er-Jahren stark verändert. Besonders deutlich zeigt sich das an der Verschiebung der Produktionsschwerpunkte innerhalb der EU: Spanien konnte seinen Schweinebestand zwischen 2006 und 2025 um 46 Prozent ausbauen, während andere große Produzenten in diesem Zeitraum Rückgänge verzeichneten:
- Dänemark minus 5 Prozent
- Niederlande minus 8 Prozent
- Belgien minus 17 Prozent
- Deutschland und Frankreich jeweils minus 20 Prozent
In Deutschland führten gesetzliche Vorgaben und zunehmender gesellschaftlicher Druck zu einem beschleunigten Strukturwandel. Dänemark bleibt führend bei Genetik, Effizienz und Ferkel-Exporten, während die Niederlande trotz Spitzenproduktivität stark durch Umweltauflagen begrenzt sind. Der Rückzug traditioneller Produktionsländer eröffnet daher neuen Akteuren wie zum Beispiel in Polen Spielräume.
Polen: Starker Rückgang – und gleichzeitig Professionalisierung
Polen verzeichnete in den vergangenen 20 Jahren den stärksten Rückgang unter den großen Erzeugerländern: Der Schweinebestand sank nach mehreren Krisenwellen um 47 Prozent – von rund 19 Mio. Tieren nach dem EU-Beitritt Polens im Jahr 2004 auf etwa 9 Mio. Tiere im Jahr 2023. Noch drastischer fällt der Strukturwandel bei den Betrieben aus: Die Zahl der Schweinehalter ging um 86 Prozent zurück von 315.000 auf 43.000 Betriebe. Auch die Sauenbestände sanken deutlich um minus 66 Prozent.
Parallel dazu fiel die Selbstversorgung mit Schweinefleisch von 101 auf 87 Prozent. Polen ist damit zum Nettoimporteur geworden. Ein sichtbares Zeichen dafür sind steigende Ferkelimporte – allein aus Dänemark plus 203 Prozent in den Jahren von 2013 bis 2025 auf fast 7,8 Mio. Tiere pro Jahr.
Trotz dieser negativen Eckdaten zeigt sich aber auch eine klare Konsolidierung und Effizienzsteigerung: Die durchschnittliche Herdengröße stieg um 294 Prozent von von 54 auf 213 Schweine und die Schlachtungen nahmen um 13 Prozent zu – obwohl es deutlich weniger Betriebe gibt.
In Polen existieren heute drei zentrale Geschäftsmodelle nebeneinander:
- vertikal integrierte Systeme (bereits mehr als 40 Prozent der Produktion, mit geringem Marktrisiko für Landwirte),
- horizontal integrierte Kooperativen sowie
- unabhängige Erzeuger.
Insgesamt bleibt die Landwirtschaft jedoch stark fragmentiert: Rund 1,2 Mio. Betriebe bewirtschaften im Schnitt 11,4 ha; nur etwa 300.000 produzieren marktorientiert.
Zentrale Herausforderungen: Tiergesundheit, Marktvolatilität, Kosten- und Regulierungsdruck
Die akuteste Bedrohung ist die Afrikanische Schweinepest (ASP): Bis Mai wurden in diesem Jahr 1.081 Ausbrüche bei Wildschweinen registriert. ASP erhöht die Anforderungen an Biosicherheit, Monitoring und im Ernstfall kann es zu Bestandsräumungen kommen. Dies beschleunigt damit insbesondere den Ausstieg kleinerer Betriebe, die notwendige Investitionen nicht tragen können.
Zusätzlich belasten volatile Futter- und Schweinepreise sowie internationale Markteinflüsse wie Schwankungen in den chinesischen Schweinebeständen die Planungssicherheit. Spaniens hohe Produktion wirkt preisdämpfend innerhalb der EU. Der Krieg in der Ukraine und anderen Regionen verstärken den Kostendruck durch Preiseffekte auf Getreide, Dünger und Energie.
Potenziale und Ausblick: Modernisierung, Integration und Qualität statt Masse
Mit Blick nach vorn kommen weitere Treiber hinzu: steigende Produktionskosten durch den EU Green Deal, gesellschaftlicher Druck wie vegane Ernährung und Tierrechtsbewegungen, neue und wachsende Handelsabkommen (wie zum Beispiel Mercosur, Indien, Ukraine) sowie mögliche Einschränkungen im Tiertransport. Als weiteres Nadelöhr gilt ein sehr langsamer Genehmigungsprozess für Investitionen in neue Ställe.
Gleichzeitig hat Polen gute Voraussetzungen: 14,8 Mio. ha Ackerland, starke Getreidebasis, wachsende Investitionsbereitschaft und eine unternehmerische Kultur. Ein Beispiel für das Modernisierungspotenzial ist Goodvalley: Das Unternehmen arbeitet mit 20.000 Sauen auf 28 Standorten, schlachtet 13.500 Schweine pro Woche im eigenen Schlachthof und betreibt 7 Biogasanlagen, die den Strombedarf vollständig decken. Der geschlossene Kreislauf mit eigenen Feldfrüchten, Futter, Tierhaltung, Biogas aus Gülle und der Rückführung von Nährstoffen senkt Emissionen und stärkt die Ressourceneffizienz.
Die zentrale Botschaft des EPP Congress 2026 lautet: Europas Wettbewerbsfähigkeit liegt weniger in der Menge, sondern in Qualität, Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Know-how, Technologie und Klimaleistung. Ein modernisiertes, professionelleres Polen könnte hier zu einem wichtigen Baustein der europäischen Schweineproduktion werden – passend dazu ist Polen Partnerland des International Farmers’ Day auf der EuroTier 2026 im November 2026. Entscheidend bleibt, ob Wachstum so gestaltet werden kann, dass die Branche wirtschaftlich tragfähig, gesellschaftlich akzeptiert und nachhaltig wettbewerbsfähig ist.