"Biosicherheit ist als zentraler Baustein der Prävention fest verankert"

Prof. Dr. Carola Sauter-Louis, Friedrich-Loeffler-Institut, zu Tierseuchen und Regionalsierungsabkommen

Tierseuchen zeigen immer wieder, wie schnell sich Rahmenbedingungen verändern können. Ein einzelner Seuchenfall kann Handelsströme beeinflussen, Exportmärkte schließen, Preise unter Druck setzen und betriebliche Planungen infrage stellen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Prävention und Biosicherheit. Investitionen in vorbeugende Maßnahmen kosten Geld, ein Seuchenausbruch kostet meist mehr.  Prof. Dr. Carola Sauter-Louis vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist Referentin auf dem Impulsforum:  “Tierseuchen – Prävention, Handel und ökonomische Risiken für Nutztierhalter” am 2. September auf den DLG-Unternehmertagen 2026 in Würzburg. Vorab informiert die Wissenschaftlerin im DLG-Interview zu Biosicherheit und Regionalisierungsabkommen.

DLG: Wie lautet Ihre Prognose für die Verbreitung der Vogelgrippe mit dem Vogelzug nach dem Sommer?

Prof Dr. Carola Sauter-Louis: Eine genaue Prognose ist schwierig. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen jedoch, dass die Vogelgrippe inzwischen regelmäßig über die Wintermonate auftritt – sowohl bei Wildvögeln als auch in Geflügelbeständen. Daher müssen wir auch nach dem Sommer und mit Beginn des Vogelzugs wieder mit Ausbrüchen rechnen.

Wie hoch ist die Akzeptanz der Maßnahmen zur Biosicherheit beispielsweise bei Geflügelbetrieben?

Die Akzeptanz ist hoch: Die Mehrheit der Geflügelbetriebe hat in den vergangenen Jahren gezielt in Biosicherheit investiert und dabei teils innovative Konzepte entwickelt. Das zeigt, dass Biosicherheit als zentraler Baustein der Prävention fest verankert ist. 

In Brandenburg und Sachsen kam es nach längerer Zeit wieder zu Funden von infizierten Wildschweinen. Was bedeutet dies für Betriebe in den Restriktionszonen, die erneut mit Einschränkungen konfrontiert sind? 

Die erneuten ASP-Fälle sind für Betriebe, Veterinärbehörden und Jagdausübende ein deutlicher Rückschlag. Sie zeigen, dass die Gefahr weiterhin besteht. Zugleich bestätigt sich, wie wichtig der Schutzkorridor für die Risikominimierung ist. Für die betroffenen Regionen bedeutet das, bewährte Maßnahmen konsequent wieder einzusetzen.

Wie steht es um die Zusammenarbeit, beispielsweise mit den Behörden in Polen, wo die ASP besonders auftritt? 

Die Abstimmung mit den polnischen Behörden gestaltet sich auf lokaler Ebene unmittelbarer als auf nationaler Ebene. Zugleich ist nachvollziehbar, dass die polnische Seite dem Schutz von Regionen mit hoher Hausschweinedichte besondere Priorität einräumt. Diese Gebiete liegen jedoch nicht unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. 

China ist ein wichtiges Einfuhrland für Schweinefleisch und -teile. Doch gibt es zwischen China und Deutschland immer noch kein Regionalisiserungsabkommen. Wo liegen die Knackpunkte eines solchen Abkommen und wie haben es die Spanier geschafft?

Regionalisierungsabkommen setzen ein hohes Maß an Vertrauen und Transparenz auf beiden Seiten voraus. Entscheidend ist, die Wirksamkeit der Bekämpfungsmaßnahmen nachvollziehbar darzustellen und zu belegen, dass von nicht betroffenen Regionen ein vernachlässigbares Risiko ausgeht. Spanien befand sich dabei in einer günstigeren Ausgangslage, da das Abkommen noch vor dem ersten ASP-Ausbruch Ende 2025 abgeschlossen werden konnte. 

Prof. Dr. Carola Sauter-Louis. Foto: FLI

Die Erfolge zeigen, dass unsere Maßnahmen konsequent, wirksam und international anerkannt sind.

Zur Person

Prof. Dr. Carola Sauter-Louis leitet den Bereich Epidemiologie am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Insel Riems. Das Arbeitsgebiet der ausgebildete Tierärtzin umfasst heimische Tierseuchen wie: Afrikanischen Schweinepest, Blauzungenkrankheit sowie Maul- und Klauenseuche bei Rindern und Vogelgrippe. 

Die Regierung in Peking hat gegenüber Bundesagrarminister Alois Rainer vor Kurzem in Aussicht gestellt, Inspekteure nach Deutschland zu schicken, die sich über die Schutzmaßnahmen in Deutschland gegen die ASP informieren. Mit welchen Argumenten und Maßnahmen könnten Sie hier überzeugen? 

Die deutschen Bekämpfungsmaßnahmen haben ihre Wirksamkeit mehrfach bewiesen: Ein punktueller Eintrag in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2021 konnte vollständig getilgt werden. Zugleich ist es Deutschland als erstem betroffenem Land gelungen, auch einen großflächigen Eintrag so weit einzudämmen, dass die Restriktionszonen an der polnischen Grenze bis auf einen kleinen Korridor zurückgeführt werden konnten. Diese Erfolge zeigen, dass unsere Maßnahmen konsequent, wirksam und international anerkannt sind.

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