Wenn der Prüfer selbst geprüft wird

KBA-Audit im DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel 

Alle zweieinhalb Jahre prüft das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) das DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt – drei intensive Tage, an denen das Testzentrum seine Kompetenz als benannter Technischer Dienst unter Beweis stellen muss. Maik Dubielski, Leiter des Technischen Dienstes, erklärt, was bei der sogenannten Überwachungsbegutachtung auf dem Spiel steht, wie die Vorbereitung läuft – und warum das Audit weit mehr ist als reine Routine.

DLG: Maik, wie lautet der offizielle Name des Audits und was wird dabei geprüft?

Maik Dubielski: Es handelt sich um eine Überwachungsbegutachtung im Rahmen unserer Benennung beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) als Technischer Dienst. Das bedeutet: Wir sind berechtigt, Berichte beim KBA einzureichen und Typgenehmigungen im Auftrag von Herstellern zu beantragen – das betrifft die Homologation, aber auch Leistungsmessungen und meinen Bereich, in dem wir Prüfungen von Fahrzeugkabinen durchführen. Bei der Überwachungsbegutachtung prüft das KBA zunächst unser Qualitätsmanagement. Darüber hinaus müssen wir aus jedem unserer Kompetenzfelder ein konkretes Prüfverfahren vorstellen. Ein Beispiel: Im Kompetenzfeld „Energieaufnahme" zeigen wir die ECE-R29-Prüfung – das ist die Fahrerhausprüfung mit dem Pendelschlag, die ich durchführe.
 

Wie viele Kompetenzfelder sind das insgesamt?

Wir haben zehn  Kompetenzfelder, aus jedem müssen wir ein Verfahren präsentieren. Konkret sind das: Quer-, Längs- und Vertikaldynamik; Geräuschemission; Antriebsemissionen, Geometrische Sachverhalte inkl. Anbauprüfungen, Massen; Festigkeit Komponenten und Struktur; Energieaufnahme; Elektrik/Elektronik; Optische Eigenschaften; Funktionale Sicherheit/Systembewertungen und Umweltsimulation. Das einzige Kompetenzfeld, das wir nicht abbilden, ist „Simulation und virtuelle Methoden" – dafür haben wir keine Benennung und aktuell auch keinen Bedarf.

Leitende KBA Begutachterin Jessica Wrana mit Nico Appel bei der Prüfung der Behälter für flüssigen Kraftstoff. © DLG

Und wie lange dauert so eine Überwachungsbegutachtung?

Drei Tage. Das überrascht viele, aber es ist eben sehr umfangreich. Zwei Begutachter  vom Kraftfahrt-Bundesamt teilen sich die Kompetenzfelder auf. Dazu kommt noch unser externes Partnerlabor Photometrik in Eppertshausen – wir verbringen auch einen halben Tag vor Ort, zum Beispiel für den Bereich photometrische Eigenschaften, also unter anderem die Prüfung von Rückstrahlern. Die restlichen zweieinhalb Tage finden hier bei uns in Groß-Umstadt statt.

 

 „Die letzte Re-Benennung war mit einem internationalen Joint Assessment Team – Vertreter von Behörden aus Luxemburg und Rumänien waren dabei. Das war richtig großer Aufwand."

Maik Dubielski

 

In welchem Rhythmus findet das Audit statt?

Alle zweieinhalb Jahre. Der Benennungszeitraum beträgt generell fünf Jahre, und nach fünf Jahren gibt es eine vollständige Re-Benennung – das ist noch einmal eine deutlich größere Nummer. Die letzte Re-Benennung hatten wir im Dezember 2023 bzw. Januar 2024, und das war mit einem internationalen Joint Assessment Team – da waren auch Vertreter von Behörden aus Luxemburg und Rumänien dabei. Ein wirklich großer Aufwand. Die aktuelle Überwachungsbegutachtung findet nun in der KW 35 statt.

Raphael Korte, KBA Begutachter Jan Weisbach und Falk Weigand bei der abschließenden Begutachtung des Prüfprotokolls für Anforderungen hinsichtlich der Batterie. © DLG

Welchen Stellenwert hat das Audit für das Testzentrum?

Einen sehr hohen. Wenn wir das Audit nicht bestehen würden, dürften wir die zuvor beschriebenen Prüfungen nicht mehr durchführen Das betrifft den Homologationsbereich, meinen Kabinenbereich und zu einem Teil auch die Leistungsmessung. Da hängt also eine ganze Menge dran – Geld, Nerven, Zeit.

 

„Wir müssen die Prüfstände entsprechend freihalten. Es werden zwar Kundenprodukte da sein, aber keine konkreten Prüfungen für Kunden."

Maik Dubielski

 

Wie plant ihr den laufenden Betrieb rund um das Audit?

Das ist tatsächlich zusätzlicher Aufwand, der oben drauf kommt. Als Leiter des Technischen Dienstes bin ich für die Kommunikation mit dem KBA zuständig und stimme im Vorfeld gemeinsam mit dem Ansprechpartner beim KBA den Auditplan ab – also was wir zeigen wollen und in welcher Reihenfolge. Entsprechend bereiten wir uns vor und bauen unseren Testbetrieb ein Stück weit um. Wir halten bestimmte Prüfstände frei, denn während des Audits werden zwar Kundenprodukte vorhanden sein, aber keine konkreten Kundenprojekte laufen. Es kann sein, dass im Leistungsbereich sowieso ein Prüfmuster aufgebaut ist und das Audit-Programm einfach eingeschoben wird – aber bei den meisten Verfahren müssen wir die Prüfstände extra vorbereiten. 

Wer ist bei euch alles involviert?

Eigentlich das gesamte Team: Falk Weigand, Raphael Korte, Andreas Horn, das Photometrik-Team, Heinrich Wilking, Nico Appel, Steffen Schudt – und natürlich ich. Alle sind drei Tage lang sehr eingespannt. 

Nico Appel, Falk Weigand, Raphael Korte, Heinrich-Wilking, Andreas Horn, Maik-Dubielski, KBA Begutachter Jan Weisbach und leitende KBA Begutachterin Jessica Wrana am Kabinenprüfstand. © DLG

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