Komfort in der Liegebox 

Grundlage für Tierwohl im Boxenlaufstall 

Eine komfortable Liegebox unterstützt Milchkühe dabei, ihr natürliches Ruhe-, Abliege- und Aufstehverhalten auszuüben. Entscheidend ist dabei nicht allein die Weichheit des Belags, sondern das Zusammenspiel aus Boxengeometrie, Hygiene, Sicherheit und dauerhafter Elastizität. DLG-Prüfungen machen ausgewählte technische Eigenschaften von Liegeboxenbelägen objektiv vergleichbar und bieten damit eine Orientierung für die betriebliche Investitionsentscheidung.

Foto: AdobeStock
Die Liegebox ist nicht einfach ein Platz im Stall: Sie ist der zentrale Ruheort, an dem die Kuh wiederkauen und ihre Gelenke entlasten kann. Foto: AdobeStock

Eine Milchkuh verbringt einen großen Teil des Tages liegend. In dieser Zeit ruht sie, kaut wieder und entlastet ihre Gliedmaßen. Die Liegebox ist deshalb weit mehr als ein Platz im Stall: Sie ist ein zentraler Funktionsbereich für Tiergesundheit und Tierwohl. Ist die Liegefläche zu hart, unelastisch, rutschig oder verschlissen, kann das Abliegen und Aufstehen erschwert werden. Die Folge können verkürzte Liegezeiten, Ausweichverhalten und eine stärkere Belastung von Gelenken und Haut sein.

Komfort in der Liegebox entsteht allerdings nicht allein durch eine weiche Matte. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus einer passenden Boxengeometrie, einer trockenen und sauberen Oberfläche, ausreichender Bewegungsfreiheit sowie einem elastischen und dauerhaft funktionsfähigen Liegeboxenbelag. Die DLG-Anerkannt-Prüfungen von Bodenbelägen liefern hierfür objektive Anhaltspunkte. Sie machen ausgewählte technische Eigenschaften wie Verformbarkeit, Elastizität und Dauerhaftigkeit unter standardisierten Bedingungen sichtbar.
 

Liegekomfort beeinflusst zentrale Verhaltensabläufe

Rinder haben ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis. Das Abliegen und Aufstehen erfolgt dabei in charakteristischen Bewegungsabläufen: Die Kuh kniet sich zunächst mit den Vorderbeinen auf den Boden, senkt den vorderen Teil des Körpers und legt anschließend Hinterbeine und Hinterteil ab. Beim Aufstehen richtet sie sich in umgekehrter Reihenfolge auf: Erst stellt die Kuh ihre Hinterbeine, danach die Vorderbeine auf. Während dieser Bewegungen wirken hohe Kräfte auf die Vordergliedmaßen, insbesondere auf den Bereich der Karpalgelenke. Ein elastischer Untergrund kann die Belastung gegenüber einem harten Betonboden reduzieren und den Bewegungsablauf unterstützen.

Für die Beurteilung eines Liegeboxenbelags sind daher zwei Eigenschaften besonders wichtig: Verformbarkeit und Elastizität. Der Belag soll unter Belastung nachgeben, ohne dass die Kuh tief einsinkt oder instabil steht. Gleichzeitig soll er nach der Belastung in seine Ausgangsform zurückkehren. Bleibende Verformungen können die Funktion beeinträchtigen und außerdem auf eine Materialermüdung hinweisen.

Die DLG prüft diese Eigenschaften nicht nur im Neuzustand. Im Rahmen der Dauertrittbelastung wird die Beanspruchung eines Belags auf einem Prüfstand simuliert. Nach Angaben des DLG-Testzentrums Technik und Betriebsmittel erfolgen dabei 100.000 Wechselbelastungen mit 10.000 N, entsprechend etwa 1.000 kg. Ein künstlicher Kuhfuß mit einer Aufstandsfläche von 75 cm² bildet die Belastungssituation an der Klaue nach. Anschließend wird erneut geprüft, wie verformbar und elastisch der Belag ist und ob bleibende Verformungen oder Schäden aufgetreten sind.

 

Was DLG-Prüfungen sichtbar machen

Die DLG-Prüfung elastischer Stallbodenbeläge kann – abhängig vom gewählten Prüfprogramm – unter anderem die Kriterien Verformbarkeit und Elastizität, Dauertrittbelastung, Abriebfestigkeit, Rutschfestigkeit, Säurebeständigkeit und Reinigungsabstand umfassen. Grundlage sind der DLG-Prüfrahmen für elastische Stallbodenbeläge und DIN 3763 „Elastische Stallbodenbeläge im Lauf- und Liegebereich von Rindern und Milchkühen – Anforderungen und Prüfung“. 

Damit lassen sich Produkteigenschaften vergleichbar beschreiben. Das ist für Investitionsentscheidungen wichtig, denn die Bezeichnung „komfortabel“ allein sagt wenig über die tatsächliche Belastbarkeit oder das Verhalten eines Belags nach intensiver Nutzung aus. Eine Prüfung nach dem Prüfrahmen für das Siegel DLG-Anerkannt in Einzelkriterien ist dabei als Nachweis für die jeweils geprüften Eigenschaften zu verstehen – nicht als pauschale Aussage über alle Aspekte eines Stallsystems.

Foto: Wilson Agri
Foto: Wilson Agri

Vier geprüfte Systeme, ein gemeinsamer Anspruch

Wilson Agri Duo Supreme Matratze

Die dreischichtig aufgebaute Duo Supreme Matratze von Wilson Agri erfüllte im geprüften Umfang die Anforderungen des DLG-Prüfrahmens und der DIN 3763. Die DLG ermittelte eine Verformbarkeit und Elastizität von 34,6 mm im Neuzustand und 42,3 mm nach Dauertrittbelastung. Der Auflagedruck am Carpalgelenk betrug 7,7 N/cm² im Neuzustand und 6,2 N/cm² nach der Dauertrittbelastung. Die Verformbarkeit und Elastizität wurden der Klasse 4 nach DIN 3763 zugeordnet. 

Für die Einordnung gilt auch hier: Die Werte sind Ergebnisse standardisierter Prüfungen am Produkt. Sie beschreiben nicht direkt Liegezeiten, Klauengesundheit oder das Auftreten von Verletzungen im Bestand. Diese Tierwohlindikatoren müssen im Betrieb zusätzlich beobachtet und bewertet werden.

Foto: Promat
Foto: Promat

Promat Dual Comfort Matte

Die Promat Dual Comfort Matte wurde im DLG-Anerkannt-Test in den Einzelkriterien Verformbarkeit und Elastizität sowie Dauertrittbelastung geprüft. Die DLG-Messungen ergaben im Neuzustand eine Verformbarkeit und Elastizität von 43,0 mm. Nach der Dauertrittbelastung wurden 47,4 mm gemessen. Der Auflagedruck bei Belastung des Carpalgelenks lag im Neuzustand bei 6,2 N/cm² und nach der Dauertrittbelastung bei 5,6 N/cm². Die Anforderungen des DLG-Prüfrahmens und der DIN 3763 wurden erfüllt; die Verformbarkeit und Elastizität entsprachen Klasse 4 nach DIN 3763. 

Die Ergebnisse zeigen beispielhaft, warum eine Prüfung vor und nach Dauerbelastung wichtig ist. Nicht allein die Ausgangseigenschaften entscheiden über den Gebrauchswert. Ebenso zählt, ob ein Belag seine elastischen Eigenschaften unter wiederkehrender Belastung beibehält.

Foto: Kraiburg
Foto: Kraiburg

WELA, WELA Puzzle und WELA Longline

Beim Liegeboxenbelag WELA, WELA Puzzle und WELA Longline standen die Kriterien Haltbarkeit, Handhabung und Verlegen, Rutschfestigkeit sowie Verformbarkeit und Elastizität im Mittelpunkt. Der DLG-Prüfbericht weist für die geprüften Varianten die Anerkennung in diesen Einzelkriterien aus. 

Für die Praxis ist die Kombination der Kriterien relevant. Ein Belag muss nicht nur beim ersten Eindruck weich wirken, sondern auch sicher begehbar, fachgerecht zu verlegen und dauerhaft belastbar sein. Gerade im Boxenlaufstall ist die Schnittstelle zwischen Liege- und Laufbereich entscheidend: Die Kuh muss die Liegebox sicher betreten und verlassen können. Komfort und Rutschfestigkeit dürfen deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Foto: Royal De Boer
Foto: Royal De Boer

Royal De Boer Akwatopsoft Wasserbett

Das Akwatopsoft Wasserbett von Royal De Boer ist ein elastischer Bodenbelag für den Liegebereich von Hochboxen. Im DLG-Anerkannt-Test wurden Verformbarkeit und Elastizität, Dauertrittbelastung, bleibende Verformung und Verschleiß untersucht. Die Anforderungen des DLG-Prüfrahmens sowie der DIN 3763 wurden erfüllt; die Verformbarkeit und Elastizität entsprachen Klasse 4 nach DIN 3763. 

Im Detail betrug die Eindringtiefe im Neuzustand 36,0 mm. Nach 100.000 Wechselbelastungen verringerte sie sich auf 32,4 mm; der Auflagedruck stieg von 7,4 auf 7,6 N/cm². Der Prüfbericht dokumentiert außerdem keinen nennenswerten Verschleiß und keine feststellbare bleibende Verformung nach dem Dauerversuch. Diese Ergebnisse belegen die im Prüfprogramm untersuchten Komfort- und Haltbarkeitseigenschaften des Wasserbetts.

Komfort braucht mehr als einen geprüften Belag

Ein elastischer Liegeboxenbelag ist eine wichtige Grundlage, ersetzt aber keine regelmäßige Kontrolle des gesamten Liegebereichs. In der Praxis sollten Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter mindestens folgende Punkte im Blick behalten:

  • Boxengeometrie: Die Kuh muss sich ohne Behinderung ablegen, liegen, aufstehen und die Box wieder verlassen können.
  • Oberfläche: Der Belag muss sauber, trocken und frei von Beschädigungen sein. Verschmutzungen und Nässe mindern den Komfort und erhöhen das Hygiene- und Rutschrisiko.
  • Einstreu und Pflege: Auch Matratzen und Wasserbetten benötigen ein passendes Pflege- und Reinigungskonzept. Eine geeignete Einstreu kann Liegekomfort und Hautschutz ergänzen.
  • Übergänge und Befestigung: Falten, hochstehende Kanten oder offene Verbindungen können zu Stolperstellen werden. Der Belag muss plan und sicher befestigt sein.
  • Tierbeobachtung: Liegeverhalten, Abliege- und Aufstehverhalten, Verschmutzung, Hautveränderungen und Gelenksbonitierungen liefern Hinweise darauf, ob die Liegebox im Bestand tatsächlich angenommen wird.

Die DLG-Prüfmethodik unterscheidet ausdrücklich zwischen technischen Prüfungen auf Prüfständen und weitergehenden Praxisprüfungen. Beim DLG-Anerkannt-Test „BTS-Rindvieh1“ werden beispielsweise Gelenksbonitierungen und Verhaltensbeobachtungen in Praxisbetrieben mit Messungen der Verformbarkeit kombiniert. Die hier betrachteten Produktprüfungen zu WELA, Promat, Duo Supreme und Akwatopsoft sind dagegen Prüfungen ausgewählter technischer Einzelkriterien. 

 

Fazit: Komfort ist eine Managementaufgabe

Eine komfortable Liegebox unterstützt die Kuh bei einem natürlichen Verhalten: Sie kann sich sicher ablegen, ausreichend lange ruhen und ohne unnötige Belastung wieder aufstehen. Elastizität und Verformbarkeit des Belags sind dabei wesentliche technische Voraussetzungen. Die DLG-Prüfungen zeigen an mehreren unterschiedlichen Systemen, wie sich diese Eigenschaften standardisiert erfassen und nach Dauerbelastung bewerten lassen.

Für die Entscheidung im Betrieb sollten die Prüfergebnisse jedoch immer in das Gesamtkonzept eingeordnet werden. Ein geprüfter Bodenbelag ist ein wichtiger Baustein für Tierwohl, aber erst das Zusammenspiel aus passender Box, funktionierender Oberfläche, guter Hygiene, regelmäßiger Instandhaltung und aufmerksamer Tierbeobachtung macht aus technischer Elastizität tatsächlich tiergerechten Liegekomfort.

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