Trends bei digitalen Lösungen für Herdenmanagement, Qualitätssicherung und Smart Farming
EuroTier 2026
Im Rahmen der EuroTier 2026 nehmen die digitalen Lösungen einen immer größer werdenden Raum ein. Nahezu jedes Produkt hat heute eine digitale Schnittstelle und bietet dadurch oftmals auch einen Mehrwert. Die Schwerpunkte in diesem Jahr sind Künstliche Intelligenz (KI), digitale Bots, bildgebende Verfahren sowie Gesundheitsmonitoring. Die Vernetzung komplexer Verfahren und der Systemansatz erhalten in diesem Kontext und durch den Einsatz von KI immer mehr Bedeutung. Dadurch werden den Landwirten vermehrt smarte Entscheidungshilfen an die Hand gegeben und Arbeitsprozesse werden weiter optimiert.
Hohe Innovationskraft
Die Innovationskraft der Landtechnikindustrie, das Innovationsbedürfnis der Landwirtschaft und die Trends in Richtung Digitalisierung zeigen sich gut bei den vielen Neuheitenanmeldungen zur diesjährigen EuroTier. Insgesamt 42 spannende Innovationen mit Potenzial für Gold- und Silbermedaillen sind alleine bei den digitalen Lösungen angemeldet worden.
Sensorsysteme für Rinder, Schweine und Geflügel
Moderne Sensorsysteme sind mittlerweile redundant, arbeiten über Sensoren am Tier und reichen bis hin zu kamerabasierten und bildgebenden Verfahren an der Stalldecke oder in einem selbstfahrenden Robotersystem. Damit können Arbeit eingespart und Produktionsprozesse optimiert werden. Gleichzeitig kann ein professionelles Gesundheitsmonitoring zur Steigerung des Tierwohls betrieben werden. Daten werden über das ganze Leben eines Tieres von der Geburt über die Aufzucht und die Produktionsphase bis zur Schlachtung und Verarbeitung erfasst. Sie dienen zur Früherkennung von Krankheiten, zur Zuchtauswahl geeigneter Jungtiere und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.
Mit verschiedenen Sensorsystemen für Rinder können mittlerweile neben dem Bewegungsverhalten auch Herzfrequenz, Temperatur, Stehen und Liegen sowie Lahmheiten erkannt werden. Die Auswahl reicht bei den Sensoren von Ohrmarkensensoren, Pansenboli bis zu bildgebenden Systemen. Die Vernetzung der Sensoren untereinander und auch mit einer entsprechenden Aktorik sowie mit der bestehenden Herdenmanagementsoftware ist aber immer noch ausbaufähig. Herstellerübergreifende Anwendungen sind noch selten auf dem Markt erhältlich. Einzelne Entwicklungen gehen aber in die Richtung von Systemlösungen.
In der Schweinehaltung stehen mittlerweile Ohrmarkensensoren mit UHF-(Ultrahochfrequenz)Technik zur lebenslangen Datenspeicherung vom Ferkel bis zum Schlachthof zur Verfügung. In der Geflügelhaltung sind nahezu ausschließlich bildgebende Systeme im Einsatz. In der Rindviehhaltung ist die Kombination von einzeltierbezogenen Ohrmarken und KI-unterstützten Kamerasystemen an der Stalldecke ein neuer Trend.
Abkalbungen erkennen
Das Abkalben der Kuh ist im Produktionsrhythmus eine große Belastung für Kuh, Kalb und Mensch. Mehrere angemeldete kameraunterstütze Detektionssysteme erkennen den Prozess frühzeitig, können Alarmmeldungen versenden und teilweise auch Handlungsempfehlungen ausgeben. Dies verringert die Arbeitsbelastung deutlich.
Herstellerübergreifende Vernetzung
Mehrere Hersteller bieten mittlerweile übergreifende Systemlösungen für die Vernetzung von Stall- und Lüftungstechnik verschiedener Fabrikate an. Dieser Weg ist zukunftsweisend. Ob er sich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.
Systemansatz entlang der Wertschöpfungskette
Notwendig scheint auf jeden Fall, einen datenbasierten Systemansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verfolgen. Dabei sind die Themenschwerpunkte Tierwohl, Arbeitsbelastung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit besonders zu berücksichtigen. Neben der Datenerfassung über Sensoren wird zunehmend auch eine KI eingebunden. Damit können Optimierungsprozesse zeitnah eingeleitet werden, und der Landwirt hat mehrere Handlungsoptionen zur Auswahl. Neu ist hierbei auch die Kombination von agronomischem sowie veterinärmedizinischem Wissen.
Fazit
Die diesjährigen Trends zur EuroTier verdeutlichen die immense Innovationskraft der nationalen und internationalen Firmen in der Tierhaltungsbranche. Aber auch die Forderungen nach verbesserter Wertschöpfung, geringerer Arbeitsbelastung und der Trend zu verbessertem Tierwohl werden aus den angemeldeten Neuheiten erkennbar. Ein Besuch der EuroTier 2026 lohnt sich auf jeden Fall.
Autor: Prof. Dr. habil. Matthias Schick (schm), Schick Swiss Consulting (CH)