Von Grünland bis Gruyère

DLG-Ausschüsse tagen in der Schweiz

100 Jahre Grünlandforschung, neue Versorgungsempfehlungen für Milchkühe und ein Käse, der ohne Silage auskommt: Die Frühjahrstagung der DLG-Ausschüsse Grünland und Futterbau sowie Futter- und Substratkonservierung setzte fachliche Akzente – mit Blick auf die EuroTier 2026 und den International Grassland Congress 2027 in Leipzig.

Im Ausschuss Grünland und Futterbau standen vor allem zwei Themen im Mittelpunkt: Zum einen wurde über die Anwendung der neuen Versorgungsempfehlungen für Milchkühe beraten – ein Thema mit unmittelbarer Praxisrelevanz für die gesamte Milchwirtschaft. Insbesondere ist hier der einheitliche Gebrauch angepasster und neuer Kenngrößen zur Energie- und Proteinbewertung zu nennen. 

Zum anderen wurden aktuelle Versuchsaktivitäten im Projekt MultiSpecies vorgestellt, das auf die Entwicklung eines besser an künftige Klimabedingungen angepassten Feldfutters und Grünlands abzielt. Hervorzuheben ist dabei der Fokus auf Ertragspotentiale, Umweltwirkungen und Verwertung in der Fütterung des klassischen Feldfutters Weidelgras gegenüber Multispecies-Kulturen sowie der Vergleich zum Anbau von Silomais.

Foto: DLG
Die Teilnehmenden aus den DLG-Ausschüssen Grünland und Futterbau sowie Futter- und Substratkonservierung nutzten die Zeit in der Schweiz auch für fachliche Einblicke in die Grünlandwirtschaft. Foto: DLG
Prof. Dr. Hubert Spiekers wurde anlässlich seines Ruhestands als Ausschussmitglied verabschiedet. Foto: DLG

Ausschuss Futter- und Substratkonservierung

Im Ausschuss Futter- und Substratkonservierung standen zwei zentrale Vorhaben im Fokus: die laufenden Arbeiten zur Aktualisierung des DLG-Gärfutterschlüssels – einem wichtigen Referenzwerk für die Praxis, untergliedert in Teil A und B, zur sensorischen und chemischen Bewertung von Grünfutter und Heu sowie der Gärqualität von Silage.

Darüber hinaus wurde der aktuelle Bearbeitungsstand der Neuauflage des Praxishandbuchs Futter- und Substratkonservierung aufgerufen und die letzten anstehenden Arbeiten und zeitlichen Vorgaben konkretisiert. Ein besonderer Moment war zudem die offizielle Verabschiedung von Prof. Dr. Hubert Spiekers, der anlässlich seines Eintritts in den Ruhestand in würdigem Rahmen als Mitglied aus dem Ausschuss verabschiedet wurde.

Gemeinsamer Ausblick: International Grassland Congress 2027 in Leipzig

Ein wichtiger gemeinsamer Ausblick beider Gremien gilt dem International Grassland Congress 2027 in Leipzig, der unter dem Leitthema „100 Jahre Grünlandforschung – Wege in die Zukunft“ stattfinden wird. Beide Ausschüsse bringen sich aktiv in die fachliche und inhaltliche Vorbereitung ein, unter anderem durch die gemeinsame Organisation von Satellite-Meetings. Diese sollen Kongressbesucherinnen und -besuchern tiefe Einblicke in die Arbeitsweise der DLG-Gremien ermöglichen und die daraus entstehenden DLG-Fachinformationen einem internationalen Publikum näherbringen. Die historische Verbindung der DLG mit der Grünlandbewegung verleiht dem Kongress dabei eine besondere Bedeutung, denn 1927 fand die erste Versammlung der Weide- und Wiesenwirte auf Einladung der damaligen DLG-Ackerbauabteilung ebenfalls in Leipzig statt.

Bezug zur EuroTier 2026 

Nicht zuletzt fließen die Erkenntnisse aus Sitzungen und Exkursion direkt in die Vorbereitungen der EuroTier im November 2026 in Hannover ein. Mit dem Spotlight „Grobfuttererzeugung“ und speziell ausgerichteten Grobfutter-Tagen wird dort ein thematischer Schwerpunkt gesetzt. 

In diesem Rahmen sollen die in der Schweiz diskutierten Fragestellungen aufgegriffen und  den Fachbesucherinnen und -besuchern damit wertvolle Informationen und Tipps zur eigenen praktischen Anwendung zur Verfügung gestellt werden.

Foto: DLG
Ziel der ersten Station der Exkursion war die Schweizer Bundesbehörde Agroscope. Foto: DLG
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Im Gespräch mit dem Leiter des Praxisbetriebes wurde die Silage-Verzicht-Strategie erläutert. Foto: DLG

Fachexkursion: Grünlandbasierte Milchproduktion und Hartkäseherstellung in der Region Gruyère

Die gemeinsame Exkursion führte die Teilnehmenden zu vier Stationen, die das schweizerische Produktionssystem von der Pflanze bis zum fertigen Käselaib erlebbar machten.
 

  • Station 1 – Agroscope: Schweizer Bundesbehörde für Agrarforschung

Vorstellung von Sorten- und Feldversuchen zu trockenheitsangepassten Grünland- und Grasmischungen. Im Fokus stand die Frage, wie Grünlandbestände angesichts sich verändernder Witterungsbedingungen resilienter gestaltet werden können.
 

  • Station 2 – Heutrocknungsanlagen

Besichtigung verschiedener Trocknungstechniken wie am Gutsbetrieb des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve mit unterschiedlichen Belüftungs- und Entfeuchtungstechniken sowie eine Anlage zur technischen Heißlufttrocknung von Gras, Luzerne, Getreide und Maisganzpflanzen. Die daraus gewonnenen Produkte wurden fachlich kritisch bewertet und diskutiert.
 

  • Station 3 – Milchkuhbetrieb der Region

Im Gespräch mit dem Betriebsleiter wurde das schweizerische Erfolgsmodell erläutert: Die vollständige Silage-Verzicht-Strategie – also die ausschließliche Fütterung mit Heu bzw. Frischgras und weiteren getrockneten Futtermitteln, ohne jegliche Gärfutter – ist eine traditionelle Besonderheit, die in dieser Region konsequent gelebt wird und eine Voraussetzung für die Rohmilchkäseherstellung darstellt.
 

  • Station 4 – Käserei (Gruyère)

Einblick in die Herstellung des Gruyère-Käses, der ausschließlich aus unbehandelter Rohmilch produziert wird. Die lange Reifung der Käselaibe und die damit verbundenen Qualitätsanforderungen an die Rohmilch machten deutlich, wie eng Fütterungsmanagement, Milchqualität und Endprodukt miteinander verknüpft sind.

 

Fazit: Wertvolle Kombi

Die Kombination aus Gremienarbeit und Praxisexkursion erwies sich erneut als besonders wertvoll: Fachliche Diskussionen aus den Ausschüssen wurden unmittelbar mit konkreten Praxiseindrücken verknüpft. Das schweizerische Produktionssystem lieferte wertvolle Impulse – insbesondere zu den Themen Klimaanpassung im Grünland, effiziente Grobfuttererzeugung und die Wertschöpfungskette von der Pflanze bis zum Premiumprodukt.

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