DLG-Forum Spitzenbetriebe Milcherzeugung 2026

Zwischen KI, Klima und Ökonomie

Mit mehr als 250 Teilnehmenden war das Forum vollständig ausgebucht. Fotos: DLG

Unter dem Motto „Zwischen KI, Klima und Ökonomie“ trafen sich rund 250 Milcherzeuger und deren Berater vom 20. bis 21. Februar 2026 in Hohenroda. Die Veranstaltung war ausgebucht – ein deutliches Zeichen für die hohe Relevanz der präsentierten Themen für die Branche der Milcherzeuger. 

Aktuelle Entwicklungen in Ökonomie und Klimabilanz

Zum Auftakt präsentierte Dr. Steffan Weber von der LMS-Agrarberatung die ökonomische Auswertung der rund 280 am Betriebsvergleich teilgenommenen Betriebe des Wirtschaftsjahres 2024/25. Beachtlich gute Naturalleistungen, 19% höhere Erlöse aus dem Milchverkauf sowie 21% höhere Einnahmen aus dem Tierverkauf haben für ein deutlich positives kalkulatorisches Betriebszweigergebnis von durchschnittlich 10,91 Ct/kg ECM bei den Spitzenbetrieben gesorgt. Für das laufende WJ 25/26 wird durch die extrem fallenden Milchpreise im ersten Halbjahr 2026 mit deutlichen Ergebnisverschlechterungen zu rechnen sein. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt durch die im Vergleich zu Milchpreisentwicklung geringer gestiegenen Produktionskosten eine positive Perspektive auf. Eine ausführliche Darstellung des Betriebsvergleiches kann in den DLG-Mitteilungen 4/ 2026 unter dem Titel „Betriebsvergleich: Ein Polster für schlechte Zeiten“ nachgelesen werden. 

Erstmalig wurde die Klimabilanzen der Spitzenbetriebe präsentiert. Dazu haben 200 Betriebe ihre Auswertungen erstellt und schneiden im Durchschnitt dieser Betriebe mit 0,923 kg CO2eq/kg FPCM sehr gut ab. Durch eine Schnittstelle zwischen BZA-Office und LfL-Klimarechner kann die Klimabilanz nun für die Spitzenbetriebe mit einem Zusatzaufwand von rund 15 Minuten nach internationalen Standards ermittelt werden.

Bewusst verlängerte Zwischenkalbezeit 

Dr. Anke Römer von der LFA-Mecklenburg Vorpommern widmete sich der bewusst verlängerten Zwischenkalbezeit. Sie betonte, dass Entscheidungen hierzu immer tier- und betriebsindividuell getroffen werden müssen. Entscheidend sind Körperkondition, Persistenz, Gesundheit der Kühe und die Möglichkeit angepasst füttern zu können. Das Forschungsprojekt VerLak zeigte positive Effekte bei Betrieben, die die genannten Parameter berücksichtigten.

Key Note Speaker Sanjay Sauldie weist auf die Bedeutung und die rasante Entwicklung von KI in Landwirtschaft und Gesellschaft hin.
Andrea Rahn-Farr berichtet über ihre betrieblichen Erfahrungen im Einsatz von Melkrobotern in ihrer Herde.
Maren Ebinger berichtet über die Milcherzeugung in Argentinien.

Künstliche Intelligenz

Im Abendvortrag zeigte Sanjay Sauldie, Berater und Trainer Digitalstrategie und Kompetenzaufbau, eindrucksvoll, welche Dynamik Künstliche Intelligenz, besser als Kolaborative Intelligenz bezeichnet, für die Landwirtschaft entfalten kann. Er erwartet deutliche Effizienzgewinne und Veränderungen beruflicher Tätigkeiten. Anhand der sechs KI‑Ebenen und verschiedener Praxisbeispiele wurde deutlich, dass KI‑basierte Prozessoptimierungen auf jedem Betrieb sinnvoll einsetzbar sind. Die Innovationen im Einsatz von KI schreiten rasant voran und daher empfahl er den Teilnehmenden sich intensiv mit dieser Technologie zu befassen.

Globale Perspektiven aus Argentinien

Mit praxisnahen Einblicken in die argentinische Milcherzeugung beeindruckte Großtierärztin und Dozentin Maren Ebinger. Sie zeigte Produktionsbedingungen und Herausforderungen durch hohe Inflation sowie die Auswirkungen teurer Fremdfinanzierungen auf Investitionen.

Weitere Informationen zum Forum: DLG-Forum Spitzenbetriebe Milcherzeugung 2026

 

Arbeitskreise: 
Praxisnaher Austausch zu zentralen Zukunftsthemen

KI im Betriebsalltag: 
Unter dem Motto „starten statt warten“ arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst mit KI‑Tools. Es wurden konkrete Anwendungen gezeigt, um Büroarbeit und Management effizienter zu gestalten. Anhand einer Teambesprechung wurde beispielsweise gezeigt, wie Ergebnisse verschriftlicht und Aufgaben durch KI zugeteilt werden.

Kapitalstrategien außerhalb der Landwirtschaft:
Vor- und Nachteile verschiedener Anlageformen – von ETFs über Immobilien bis zu Anleihen. Ziele, Zeitaufwand, Risiko und Rendite wurden praxisnah gegenübergestellt.

Eigen- oder Fremdmechanisierung in der Grassilage: 
Zwei Praxisbetriebe schilderten ihre komplett unterschiedlichen Mechanisierungskonzepte. Es wurde festgestellt, dass nicht das System selbst entscheidend ist, sondern dessen konsequente Umsetzung.

Neues Fütterungssystem – GfE 2023: 
Fachleute der DLG und LfL vermittelten die neuen Empfehlungen der Energie- und Nährstoffbewertung. Im Fokus standen neue Kenngrößen, Auswirkungen auf Rationsberechnung sowie praktische Fragen zur Umstellung.

Eutergesundheit & Antibiotikareduktion: 
Ein Praxisbetrieb aus Schleswig Holstein zeigte gemeinsam mit Tierarzt und Herdenmanagerin, wie betriebliches Management unter Nutzung der Daten aus Melkroboter und CowManager sowie selektives Trockenstellen gezielt genutzt werden können, um die Eutergesundheit nachhaltig zu verbessern.

Automatisches Melken im Großbetrieb: 
Praktiker verglichen Systeme wie Einzel-, Doppelboxensysteme und Batchmilking und diskutierten Investitionen, Betriebskosten und Managementanforderungen.

THG‑Bilanzen: 
Der Arbeitskreis zeigte, wie THG‑Bilanzen im Rahmen des Forums im Milchviehbetrieb erstellt werden. Anhand eines Praxisbetriebs wurden Emissionsquellen, Vergleichswerte und wirksame Stellschrauben zur Verbesserung diskutiert.

Rahmenprogramm: 
Zwei Betriebe stellen sich vor

Im Rahmenprogramm stellte sich der Milchkuhbetrieb Hemme Milch mit Hofmolkerei und Direktvermarktung aus Wedemark vor. Hemme Milch hat eine starke Regionalmarke aufgebaut und gab Einblicke in die Betriebsentwicklung und das Vermarktungskonzept.

Der Milchkuhbetrieb Schick GbR in Amöneburg ermöglichte mit einer Betriebsbesichtigung vor Ort einen Einblick in seine beiden Stallsysteme: Liegeboxenlaufstall und Kompostierungsstall.

Überregionaler Austausch

Auch dieses Jahr bot das Forum wiederholt Landwirten und Beratern eine exklusive Möglichkeit sich mit Berufskollegen aus ganz Deutschland auszutauschen und sich unter den Besten der Branche über ihre Region hinaus zu vergleichen.