DLG-Ausschuss Technik Tierhaltung zu Gast im LVZ Futterkamp 

Der DLG-Ausschuss Technik Tierhaltung besuchte im Rahmen seiner 104. Sitzung jüngst das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp und erhielt dabei einen umfassenden Einblick in die vielseitigen Aufgaben, aktuellen Projekte und strategischen Investitionen des Standortes. 

Der Standortleiter Claus-Peter Boyens eröffnete den Besuch mit einer Darstellung des breiten Bildungs- und Dienstleistungsangebots, das von Fort- und Weiterbildungen über gutachterliche Tätigkeiten bis zu agrarpädagogischen Klassenfahrten reicht. Aushängeschild ist auch die Baulehrschau mit rund 230 Ausstellern und regelmäßig stattfindenden Baulehrschau-Tagen, welche die Bedeutung des Standortes als regionales Wissens- und Transferzentrum unterstreicht.

Mit dem AgriSkills-Lab verfügt Futterkamp seit 2025 über eine in Deutschland einzigartige Einrichtung zur praxisnahen Aus- und Weiterbildung. Realitätsnahe Tier-Dummies ermöglichen das sichere Üben von Eingriffen am Tier, was bereits auf großes mediales Interesse gestoßen ist. Die Ausstattung reicht von Tiermodellen im Wert von mehreren tausend Euro bis hin zu VR-Brillen als Tieraugen-Simulator.

Ina Stellwag (r.) erläutert den Ausschuss-Mitgliedern das AgriSkills-Lab. Fotos: DLG

“Der Standort verbindet wissenschaftliche Kooperationen, Versuchstätigkeit und die Ausbildung künftiger Fachkräfte auf beispielhafte Weise und liefert damit wichtige Impulse für tierhaltende Betriebe und die Beratung.”

Auch die Schweinehaltung präsentierte sich als vielseitiger und moderner Betriebszweig. Besonders eindrucksvoll war der neue Deck- und Wartestall, der 2025 in Betrieb genommen wurde. Mit großzügigen Platzangeboten, Tiefstreubereichen, Fressständen und tierindividueller Fütterung im Wartebereich setzt er Maßstäbe hinsichtlich Funktionalität und Tierwohl. Ergänzende Neubauten wie der Abferkelstall mit 60 Buchten sowie der Maststall aus dem Jahr 2012 ermöglichen eine transparente Darstellung moderner Haltungssysteme über alle Bereiche der Schweinehaltung. Eine echte Herausforderung für die Stallungen mit Außenklima war in diesem Jahr der strenge und lange Winter, der in Kombination mit starkem Ostwind Tier, Mensch und Material zusetzte.

Die Ausschuss-Mitglieder bei der Einführung in das LVZ Futterkamp.

Nach der allgemeinen Vorstellung folgte ein Rundgang mit Besichtigung des Milchvieh- und Schweinebereichs des LVZ. In den letzten zwei Jahren konnten auch Dank Landes-Fördermittel zahlreiche Bereiche des Standortes modernisiert werden. Neue Ställe für Deck-, Warte- und Abferkelbereiche wurden bereits errichtet, weitere Projekte sind in Vorbereitung. Ein weiterer Meilenstein ist die Erweiterung des Milchviehstalls, der auch für Fütterungs- und Haltungsversuche mit automatisierter Fütterungstechnik genutzt wird. Parallel investiert das LVZ in eine verbesserte Energieautarkie durch die Ertüchtigung der vorhandenen Biogasanlage und die Erweiterung der Photovoltaik.

Im Rinderbereich werden die 200 Kühe über ein einheitliches Herdenmanagementsystem betreut, ergänzt durch eine automatisierte Stallsteuerung, in die sowohl Klima- als auch Tiersensorik integriert sind. Die Tiere werden ausschließlich automatisiert gemolken, langfristig wird das Ziel einer verlängerten Zwischenkalbezeit von bis zu zwei Jahren verfolgt. 
Maßnahmen zur Hitzestressreduktion – darunter ein Gründach und eine optimierte Belüftung – unterstützen das Tierwohl in den warmen Sommermonaten. Die Ausstattung aller Tiere mit Bolus-Sensor hat sich besonders beim Ausbruch der Blauzungen-Krankheit im Jahr 2024 bewährt.

Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie konsequent das LVZ Futterkamp in moderne Tierhaltung, nachhaltige Energieversorgung und praxisnahe Aus- und Weiterbildung investiert.