„Alle Welt spricht von KI“

Holger Tägder, Verwalter von Gut Brockshof

Unter dem Leitthema „Pflanzenbau out of the Box” finden die DLG-Feldtage vom 11. bis 13. Juni 2024 auf dem Gut Brockhof in Erwitte bei Lippstadt in Nordrhein-Westfalen statt. Holger Tägder verwaltet mit seiner Familie das Gut. Er ist selbst langjähriger Besucher der DLG-Feldtage und freut sich, dieses Jahr die Veranstaltung auf seiner Fläche auszurichten. Aktuelle Herausforderungen sieht er in dem wachsenden gesellschaftlichen und politischen Druck auf die Landwirtschaft sowie zunehmende Wetterextreme. KI und eine zunehmende Automatisierung sind für ihn mögliche Lösungen.

Das Luftbild eines landwirtschaftlichen Ackers. Braune und Grüne Quadrate sind zu erkennen
Ein Blick auf das DLG-Feldtage-Gelände, Stand Dezember 2023. Foto: K+S

DLG: Wie war es für Sie, als die DLG auf Sie zugekommen ist und gefragt hat, ob Sie Interesse daran hätten, die DLG-Feldtage auf Gut Brockhof auszutragen?

Holger Tägder: Ich bin schon sehr lange DLG-Mitglied und habe die DLG-Feldtage in der Vergangenheit regelmäßig besucht. Dass die DLG dann Gut Brockhof als Austragungsort angefragt hat, war natürlich eine Ehre für mich. Die erste Anfrage kam schon im Jahr 2017 für die DLG-Feldtage 2020. Wegen Corona musste die Veranstaltung dann jedoch auf das nächste Jahr verschoben werden. Im Frühjahr 2021 haben wir dann endgültig die Reißleine gezogen, da uns das Risiko zu groß war. Dieses Jahr starten wir den dritten Anlauf. Dieses Mal aber wirklich.

Was macht Gut Brockhof aus Ihrer Einschätzung als Austragungsort für die DLG-Feldtage interessant?

Gut Brockhof liegt in der Soester Börde. Wir haben hier gleichmäßige Ackerböden mit einer guten Bodenzahl. An unserem Standort gibt es einen homogenen Lösslehm-Boden. Zudem ist Gut Brockhof gut an den Verkehr angebunden. Von Osten her kann man über die A44 fahren und vom Westen über die A1. Und auch über die öffentlichen Verkehrsmittel sind wir gut angebunden.

Zudem ist es hier dichter besiedelt als an anderen Standorten. Wir haben demnach auch viele Nachbarn, die mit Landwirtschaft nicht viel zu tun haben. Auch deswegen fand ich es interessant, die Veranstaltung in unsere Region zu holen.

Das Leitthema der diesjährigen DLG-Feldtage ist „Pflanzenbau out of the Box“: Inwiefern findet auf Gut Brockhof „Out of the Box“-Pflanzenbau statt und was verbinden Sie persönlich mit dem Leitthema?

Für mich bedeutet das Leitthema vor allem eines: Der Pflanzenbau kämpft massiv mit dem Klimawandel. Wir müssen uns in vielen Arbeitsfeldern komplett neu aufstellen, auch weil der politische und gesellschaftliche Druck wächst. Auf Gut Brockhof setzen wir auf nachhaltigen Ackerbau:

  • Wir nutzen eine 5-jährige, vielfältige Fruchtfolge (nur zweimal Getreide).
  • Wir setzen konsequent auf Begrünung durch Zwischenfrüchte.
  • Wir arbeiten bodenschonend und überwiegend pfluglos.

Dennoch stehen wir vor neuen Problemen: In den vergangenen Jahren hatten wir im Juni oder Juli regelmäßig Starkregenereignisse mit 60 bis 70 Millimetern. Da fehlen mir oft noch die passenden agronomischen Antworten. Ich hoffe, dass die innovativen Lösungen der Feldtage uns Landwirten hier neue Anreize liefern.

Wie laufen aktuell die Vorbereitungen für die DLG-Feldtage 2024?

Durch die enormen Niederschläge sind wir bei den Bestellarbeiten leider genauso spät dran wie im Vorjahr. Trotzdem laufen die Vorbereitungen sehr gut. Es ist faszinierend, durch die bereits angelegten Versuchsparzellen zu laufen. Eine Firma hat zu Demonstrationszwecken sogar schon erste Agri-PV-Anlagen auf meinen Flächen installiert. Das wird extrem spannend.

Worauf können sich die Besucher besonders freuen und was ist aus Ihrer Sicht ein besonderes Highlight?

Alle Welt spricht von KI und wir als Landwirtschaft können und werden uns davor nicht verschließen. Und diese intelligente Technik wird sicherlich Einzug halten bei Hacktechnik, Spot-Spraying und vielleicht auch bei selbstfahrenden Arbeitsmaschinen. All das kann zukünftig helfen, den gesellschaftlichen und politischen Forderungen nach zum Beispiel einer Reduktion von Pflanzenschutzmitteln gerecht zu werden. Und ich bin mir sicher, dass das ein großer Anziehungspunkt für die Besucher auf den DLG-Feldtagen sein wird.

Interview: Jana Sondermann, Redaktion DLG-Newsroom

Betriebsspiegel

Gut Brockhof liegt in der Soester Börde (Hellwegregion) zwischen Lippstadt und Soest (Nordrhein-Westfalen). Die Eigentümerin des landwirtschaftlichen Betriebes ist Carolin Möller. Verwalter sind Holger Tägder und seine Familie. Der Hof beschäftigt vier Festangestellte Mitarbeiter, die durch Auszubildende und Praktikanten regelmäßig unterstützt werden. Die bewirtschaftete Fläche umfasst insgesamt 300 Hektar, davon sind 170 Hektar eigene landwirtschaftliche Nutzfläche. Des Weiteren übernimmt der Betrieb die Bewirtschaftung von Kooperationsbetrieben. Die Fruchtfolgen sind 5-jährig: Angebaut werden Kartoffeln - Weizen - Zuckerrüben - Mais - Weizen oder Kartoffeln- Weizen- Wickroggen- Mais - Weizen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 10,3 Grad Celsius mit einem jährlichen Niederschlag von 773 Millimetern. Der Bodentyp ist Lösslehm, die Bodenart schluffiger Lehm. Zudem betreibt der Betrieb eine Hähnchenmast mit 90.000 Plätzen. Seit 2018 nimmt Tägder am Tierwohlprogramm teil. Zusätzlich gibt es seit dem Jahr 2010 eine 500 kWh Biogasanlage mit Flexibilisierung (2560 kW installierter Leistung mit Nahwärmenetz) auf dem Gut. Für die DLG-Feldtage werden rund 55 Hektar der betriebseigenen Fläche verwendet. Besucher erreichen die Messe über die A 44, Abfahrt Erwitte-Anröchte sowie über die B 55 von der A 2 aus.

Ein weißer Mann mit kurzen grauen Haaren und einem grauen Vollbart. Er trägt eine Brille und ein blaues Sweatshirt.

“Alle Welt spricht von KI und wir als Landwirtschaft können und werden uns davor nicht verschließen.”

Holger Tägder, Verwalter von Gut Brockhof