Es ist ein regnerischer Wintertag auf dem gepflegten, einladenden Aussiedlerhof bei Limburg, als Betriebsleiter Ruben Knapp durch die Lagerhallen führt. Der Tannenberghof steht exemplarisch für viele spezialisierte Kartoffelbetriebe, die vor der Entscheidung stehen, in neue Lagertechnik zu investieren, um den Vermarktungszeitraum zu verlängern und sich Qualitäts- sowie Preisvorteile zu sichern. Der Beitrag ist in der Zeitschrift Kartoffelbau # 4 2026 im DLG-Verlag erschienen.
Ruben Knapp bewirtschaftet den 230-Hektar-Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn Lennen. Angestellte gibt es nicht, zur Ernte helfen Freunde. Neben Weizen und Gerste baut die Familie seit 1991 auch Speisekartoffeln an. In den Anfangsjahren waren es rund fünf Hektar. Seither hat sich der Betrieb weiter spezialisiert. Heute ist der Tannenberghof einer der größten Speisekartoffelproduzenten in der Umgebung. „Getreide läuft bei uns nebenbei“, sagt Knapp, der aktuell etwa 70 ha Kartoffeln anbaut.
Bereits 2004 errichtete Knapps Vater die erste Kartoffellagerhalle, ein Flachlager mit 1.000 t Lagerkapazität. Doch schnell war klar, dass die Kapazität nicht ausreicht. Vier Jahre später übernahm Ruben Knapp den Betrieb. Rückblickend ist der Agrartechniker froh über die damalige Entscheidung seines Vaters, eine Lagerhalle zu errichten. 2010 folgte der Bau einer weiteren Lagerhalle, sodass insgesamt 2.000 t eingelagert werden konnten. Die Standorte beider Hallen sind aus heutiger Sicht gut gewählt und bieten ausreichend Rangierfläche. Die Verlängerung des Vordaches um 15 m der älteren Lagerhalle bietet außerdem die Möglichkeit, trocken zu verladen. Der ursprüngliche Plan, in der zweiten Lagerhalle auch Getreide einzulagern, ging jedoch nicht auf. Tatsächlich lagerte dort nur zweimal Getreide. Die Getreideernte geht direkt an den Landhandel. Das Lagern von Getreide lohnt sich nicht, dafür sind die Anforderungen an die Kartoffellagerung gestiegen: höhere Qualitätsansprüche, mehr Flexibilität in der Vermarktung und die Notwendigkeit, nach dem Wegfall von Chlorpropham optimale Lagerbedingungen auch ohne Keimhemmer zu schaffen.
Zwölf Jahre später, 2021, begann Familie Knapp mit dem Umbau der 2010 errichteten Halle zu einem modernen Kistenkühllager. Dafür nahmen sie an einem Förderprogramm des Landes Hessen teil. Die Lagerfläche wurde neu strukturiert und stieg um weitere 750 t. Durch die Kistenlagerung ist die Fläche effizienter nutzbar und mit dem optimierten Kühlverfahren sind schon Qualitätsvorteile sichtbar. Früher mussten die Kartoffeln im Flachlager häufiger umgelagert werden, zulasten der Qualität. Heute geht das dank der Modernisierung alles geordneter. Einmal in der Kiste, müssen die Kartoffeln nicht mehr angefasst werden, bis sie ausgelagert werden. Das kommt der Qualität ebenfalls zugute. Insgesamt entstanden drei Kühlbereiche, wobei zwei mit Rolltoren verschlossen sind, um den Energieverlust in den wärmeren Monaten gering zu halten: zwei geschlossene Kühlboxen mit jeweils 550 m³ sowie ein offener Kühlbereich mit 700 m³. In jede Kühlbox passen rund 195 Kisten à 1,3 t.
„Wir haben viel selbst gemacht, vor allem im Winter bis zum Kartoffelsetzen“, erzählt Knapp. „Eigenleistung lohnt sich nur, wenn man sehr genau arbeitet und Zeit hat“, betont der Landwirt. 600 Kisten wurden angeschafft und selbst zusammengebaut „Uns hat es aber auch Spaß gemacht“, so der motivierte Agrartechniker. Kurz vor der Ernte 2023 war das Lager einsatzbereit, das Rolltor wurde allerdings erst vor wenigen Wochen montiert. Die Kühl- und Belüftungstechnik ließ Knapp bewusst von Fachfirmen installieren. Die modernisierte Halle verfügt über drei getrennte Kühlräume, die individuell gesteuert werden können. Jede Reihe ist mit Temperaturfühlern ausgestattet, die Kisten besitzen Kühlund Lüftungsschlitze. Die Zwangsbelüftung sorgt für eine gleichmäßige Durchströmung. Knapp kann flexibel zwischen Außenluftkühlung und maschineller Kühlung wechseln. Die Steuerung erfolgt lokal und vom Büro aus. „Wir kühlen bevorzugt nachts mit Außenluft und schalten die Technik nur zu, wenn es draußen zu warm ist“, berichtet der Betriebsleiter.
Die Kartoffeln lagern bei 4 bis 4,5 °C, ideale Bedingungen für eine Vermarktung bis in den Sommer. Die Kühlleistung liegt pro Raum bei etwa 15 kW, insgesamt rund 75 kW inklusive Lüftern. Im ersten Betriebsjahr lief die Anlage noch vollständig über den Stromversorger, da sich die Installation der Photovoltaikanlage (98 kW) wegen Insolvenz der ursprünglich beauftragten Firma verzögert hatte. Ziel ist es, so viel Strom wie möglich selbst zu erzeugen, sodass weniger Strom zugekauft werden muss.
Hohen Qualitätsansprüchen begegnen
Nach dem Wegfall von Chlorpropham verzichtete der Kartoffelanbauer auf Keimhemmung im Lager. In diesem Jahr setzte er erstmals wieder einen Keimhemmer ein, allerdings nur im Flachlager, das nicht mit einer aktiven Kühlung ausgestattet ist. Zur Verneblung des Orangenöls hat er sich von einem befreundeten Betrieb eine Verneblungsmaschine ausgeliehen. Ob er ab jetzt öfter zu dem Mittel greift und sich selber sogar eine Verneblungsmaschine anschafft, steht noch offen. „Dieses Jahr müssen Kartoffeln offenbar nicht nur schmecken, sondern gleich auch noch Schönheitswettbewerbe gewinnen“, kommentiert Knapp die durch das hohe Angebot gestiegenen Qualitätsanforderungen.
In 2025 erntete der Betrieb mit einem Ertrag von 35 bis 45 t/ha ebenfalls mehr Kartoffeln als üblich. Auf den schweren, zum Teil hängigen Böden liegen die Erträge meist unter dem deutschen Durchschnitt. Steine sind auf den Flächen kein Problem, dafür bereiten Kluten in trockenen Jahren Schwierigkeiten. Bewässerung kommt für ihn trotz Regenschattenlage nicht infrage. „Das lohnt sich hier nicht, dafür liegen die Schläge zu weit ausei-nander“, begründet es Knapp. Die Fruchtfolge ist viergliedrig: Weizen, Stoppelweizen, Braugerste, Kartoffeln. Dieses Jahr ist Raps nach Jahren wieder hinzugekommen. Flächentausch nutzt Knapp ebenfalls, um die Anbaupause einzuhalten. Die Düngung ist auf die Kartoffel ausgerichtet, Weizen erhält nur Stickstoff. Gepflügt wird vor der Braugerste und vor Kartoffeln. Alle Stoppelfelder werden bis auf 20 cm Tiefe drei- bis viermal gegrubbert.
Der vollständigen Beitrag lesen Sie hier und ist in Kartoffelbau # 4 2026 auf den Seiten 12 bis 13 im DLG-Verlag erschienen.