Hohe Energiekosten treiben Düngerpreise nach oben
Die Eskalation im Nahen Osten verteuert Stickstoffdünger. Die Nachfrage ist zum Saisonstart groß. Nach der Sperrung der Straße von Hormus und dem Stopp von Erdöl- und Gas-Lieferungen aus der Golfregion steigen die Preise. Hinzu kommen Stilllegungen von Produktionsanlagen von Ammoniak und Harnstoff in den Kriegsgebieten.
Der Start in die Düngesaison 2026 beginnt für Händler und Landwirte mit einem Preisschock. Den kriegerischen Konflikt im Nahen Osten bezeichnet der Londoner Informationsdienstleister Argus als ein „großes Risiko“ für die Düngermärkte zur Frühjahrssaison.
Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran führen zu enormen Kurssteigerungen für Ammoniak und Harnstoff. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer ist seit Anfang März 2026 „fast zum Erliegen gekommen“. Tanker mit Erdgas und Harnstoff liegen in den Häfen fest. Nach Angaben der Bank of Australia wird ein Drittel des weltweiten Handels mit Harnstoff durch diese Meerenge transportiert. Die Monate März und April sind weltweit die Zeiträume mit den größten Harnstoffimporten. 20 Prozent der weltweiten Exporte von Rohöl und Flüssiggas führen über die Straße von Hormus.
Reedereien müssen ihre Frachten mit hohen Risikoprämien gegenüber Beschuss und Drohnenangriffen versichern. Die Bank of Australia berichtet von Angriffe auf Frachtschiffe aus den USA und Großbritannien in der Straße von Hormus.
Die Förderung und der Transport von Erdgas und Erdöl in den Golfstaaten finden derzeit nicht mehr statt. Der Wüstenstaat Katar hat am Mittwoch (4. März 2026) „force majeure – höhere Gewalt“ erklärt, weil er die Gaslieferverträge nicht mehr einhalten kann. Davon sind Düngemittelwerke im In- und Ausland direkt betroffen, weil ihnen der Rohstoff fehlt.
Lieferungen treffen verspätet ein
Nach Einschätzung der Analysten des Handelshauses StoneX könnte der geopolitische Konflikt für die Landwirte in Nordamerika und Europa, die jetzt Dünger benötigen, zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen beeinträchtigen den Transport von Erdgas durch die Meerenge, was zu höheren Produktionskosten für Düngemittel führen könnte. Marktteilnehmer rechnen mit verspäteten Schiffsankünften von Stickstoffprodukten, wahrscheinlich erst zum Ende der Düngesaison im Mai.
Der Londoner Marktberichterstatter Argus berichtet von Preissteigerungen in den vergangenen Tagen um 11 bis 17 Prozent für Harnstoffankünfte in New Orleans/USA. Am deutschen Kassamarkt notierte Harnstoff mit Ureasehemmer bis Ende Februar bei 570 €/t ab norddeutschem Lager. Dieser Preis dürfte Anfang März um 30 bis 50 €/t steigen. Der Düngerhandel hat die Notierungen für Harnstoff teilweise ausgesetzt. Zu ungewiss ist die Lage in den Golfstaaten, wann sie die Produktion von Harnstoff wieder aufnehmen können und die Ware in Europa eintreffen wird.
In den Golfstaaten und in Ägypten sind in den vergangenen Jahren große Düngemittelkomplexe entstanden. Sie können auf riesige Gasvorkommen zurückgreifen und damit Dünger günstiger produzieren als westeuropäische Hersteller. Daher hat sich die Produktion in diese Regionen verlagert. Gas ist der wichtigste Rohstoff für Ammoniak als Vorprodukt für die Herstellung stickstoffhaltiger Düngemittel wie Harnstoff.
Die erneute Preissteigerung trifft auf einen bereits seit dem Jahreswechsel festen Düngermarkt in Europa und Deutschland. Grund dafür waren hohe Gaspreise, nicht zuletzt wegen des langen Winters. In Europa fahren die Anlagen aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit nur mit etwa 75 Prozent ihrer verfügbaren Kapazität. Auf dem Weltmarkt ist das Angebot an Harnstoff knapp. Seit Mitte 2025 exportiert China keinen Harnstoff mehr. Düngerproduzenten in Westeuropa, darunter die BASF, haben Kapazitäten stillgelegt.
Der Anstieg der Gaspreise in den Wintermonaten hatte sich zwar zum Februar etwas normalisiert, doch mit dem Angriff der USA und Israel Anfang März sind die Preise enorm gestiegen. Zu spüren bekommt den Preisanstieg vor allem das Vorprodukt Ammoniak, das zur Herstellung von Stickstoffdüngern benötigt wird. 70 bis 80 Prozent der Produktionskosten entfallen auf die Energieform Gas. Davon sind die Hersteller von Stickstoffdüngern direkt betroffen. Wegen Drohnenangriffen auf Energieanlagen und Raffinerien in Ländern der Golfregion und im Nahen Osten haben die Betreiber Produktionsanlagen von Ammoniak und Harnstoff abgestellt.
Blick auf die EU und Deutschland
Rund 6 Mio. t Harnstoff importiert die EU in einem Wirtschaftsjahr darunter Ware aus Ägypten und Iran. Wegen des Krieges dürfte in den kommenden Wochen weniger Dünger auf den deutschen und europäischen Markt ankommen. Nach dem langen Winter ist die Nachfrage nach Stickstoffdüngern in Deutschland groß. Durch die Verknappung dürften sich die Preise für Harnstoff und Kalkammonsalpeter (KAS) weiter befestigen. Niedrige Lagerbestände beim Handel und auf den Höfen treiben zudem die Nachfrage und erhöhen die Preise. Die Einlagerungsquote beziffern Marktteilnehmer auf rund 60 Prozent bei Stickstoffdüngern. Seit Anfang März sind die Streuer im Einsatz, sobald die Flächen befahrbar sind.
Eine steigende Ausbringungsmenge ist von Jahr zu Jahr bei Stickstoff-Schwefeldüngern zu beobachten. Der Rohstoff Schwefel ist international knapp verfügbar, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt.
Weizenpreise enttäuschen
Ein wichtiger Impuls für den Kauf von Dünger ist der Weizenmarkt. Derzeit verharren die Kurse an den Börsen um die 190 €/t und sind für Landwirte wenig zufriedenstellend. Bei diesem Niveau ist eher Kaufzurückhaltung angesagt. Besonders vor der dritten Qualitätsgabe schauen die Landwirte auf den Getreidepreis. Steigen die Kurse, sind die Landwirte eher bereit, in Dünger zu investieren, um ihre Erträge zu maximieren und den Proteingehalt abzusichern.
Transport und Logistik
Nicht zu unterschätzen sind in diesem Frühjahr die Transportkosten in Deutschland. Sie haben einen großen Einfluss auf die Düngerpreise. Allein die vielen Gleisbaustellen, die die Deutsche Bahn für dieses Jahr in Deutschland angekündigt hat, dürften zu Verspätungen und Umleitungen führen. Hinzu kommt der zunehmende Mangel an LKW-Fahrern und Lokführern. Eisgang und gesperrte Kanäle haben in diesem Winter den Transport von Düngern gestoppt. In den Sommermonaten ist wegen Niedrigwasser beispielsweise der Rhein immer häufiger nur eingeschränkt schiffbar. Erschwerniszuschläge verteuern den Transport.
EU-Kommission setzt Abgaben aus
Positive Nachrichten kommen aus Brüssel. In Anbetracht der hohen Düngerpreise hat die EU-Kommission kurz vor den geopolitischen Krisen angekündigt, die Meistbegünstigungszölle auf Ammoniak- und Harnstoffdünger will die EU-Kommission für ein Jahr aussetzen. Diesen Eingriff hatte die EU-Kommission in Reaktion auf die Bauernproteste gegen das Mercosur-Abkommen im Januar in Brüssel in Aussicht gestellt. Gleichzeitig hat EU-Agrarkommissar Christophe Hansen auf der Grünen Wochen zugesagt, die seit Januar geltende C02-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) auf den Prüfstand zu stellen, sollten die Stickstoffdünger durch die Zölle zu sehr steigen. Um die Auswirkungen von CBAM auf Düngemittel zu verringern, hat die EU-Kommission eine Ausnahme für Düngemitteln eingeführt. Der mögliche Aufschlag wurde auf 1 Prozent begrenzt, anstelle von maximal 10 Prozent. Mit der CBAM werden Importprodukte belegt, die nicht die selben Produktionsstandard wie in der EU vorweisen können. Diese Abgabe hat mit für den Preisanstieg zum Jahreswechsel geführt.
Die Märkte sind nach Einschätzung der Marktteilnehmern hoch volatil. Wie lange die militärischen Aktionen im Nahen Osten dauern, ist ungewiss und wann die Handelsströme wieder im normalen Takt fließen.
Landwirte sollten daher aufmerksam die Informationen zur Dünger- und Getreidemärkten zu verfolgen und alle Möglichkeiten nutzen, um die Düngereffizienz zu erhöhen, wie den Einsatz von NS-Düngern, N-Tester und auf exakte Streuer-Einstellungen achten. Wer noch kurzfristigen Bedarf hat, sollte seinen Agrarhändler ansprechen, ob er genügend Ware vor Ort hat und wie lange die Lieferzeiten dauern. Die Warenverfügbarkeit ist in Westeuropa eingeschränkt. Die BASF hat die Produktion von Stickstoffdüngern eingestellt, die Domo in Leuna befindet sich in einer Schieflage. Die Produktionsbedingungen seien aktuell angesichts hoher Energiepreise nicht die besten. Weitere Schließungen in Westeuropa seien nicht auszuschließen.