"Für den Betrieb von Biogasanlagen brauchen wir in der Fläche Mais"

Agrarunternehmer Sven Borchert zur Entlastung für die mitteldeutsche Landwirtschaft und nachhaltige Produktivitätssteigerung

Sven Borchert: "Wir brauchen eine Produktivitätssteigerung, durch möglichst effizienten Mitteleinsatz für ein Optimum auf der Ertragsseite. Foto: da

Die agrarpolitischen Foren der agra2026 vom 9. bis 12. April 2026 in Leipzig finden erstmals an drei Tagen statt. Hochrangige Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbänden diskutieren zentrale agrarpolitische Fragestellungen – von europäischen Rahmenbedingungen bis zu konkreten Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe in den Regionen. Zu Gast ist unter anderem EU-Agrarkommissar Christophe Hansen. Sven Borchert ist Vizepräsident beim Bauernverband Sachsen-Anhalt. Er spricht im DLG-Interview zu den möglichen Entlastungen der Landwirtschaft in Mitteldeutschland. 

DLG-Newsroom: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und innovativen Technologien soll die landwirtschaftliche Praxis revolutionieren. Welche Unterstützung braucht die ostdeutsche Landwirtschaft, um dieses Versprechen umsetzen zu können?

Sven Borchert: Wir haben in Sachsen-Anhalt noch immer Lücken in der Netzabdeckung, nicht nur in den letzten Winkeln, sondern teilweise im Siedlungsgebiet. Es gibt ja viele innovative Technologien, die wir auf den Flächen einsetzen können. Praxisberichte und Messen zeigen, was da alles geht. Dazu brauchen die Betriebe aber die grundlegende IT-Infrastruktur. Wenn diese nicht ausreichend gegeben ist, wird sich ein Betrieb keine Hightech einkaufen. Und nicht zuletzt brauchen wir Kollegen und Mitarbeiter, die mit der Technik umgehen können. Das kann man aber erst aufbauen, wenn man die entsprechende Technik auch hat, die jedoch kostenintensiv ist. Dieser Investitionsbedarf muss erstmal aufgebracht werden können.

Die Aufschrift auf dem Gärbehälter vermittelt regionale Zugehörigkeit und schafft eine positive Akzeptanz. Foto: da

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) soll reformiert werden. Sind die Ansätze eines höheren Maiseinsatzes ein gangbarer Weg, mit denen die Betreiber von Biogasanlagen in Zukunft wirtschaftlich arbeiten können?

Viele Anlagenbetreiber würden gerne investieren, werden aber durch die Regularien des EEG und eine fehlende Perspektive aus der Politik abgehalten. Es wäre insgesamt der richtige Weg, die Vorgaben für die Betreiber von Biogaslangen mit mehr Spielräumen zu gestalten. Wir brauchen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Biogasanlagen in der Fläche den Maiseinsatz unbedingt, auch in Kombination mit der Fruchtfolge. Durch die anhaltende Dürre und den Druck auf Kulturen wie Zuckerrüben und Kartoffeln steigt die Bedeutung von Mais für die Betriebe.

Wir hoffen, das ein Umdenken stattfindet, hin zu mehr regulären Zulassungen.

Sven Borchert, Betriebsleiter Groß Germersleben

Die Wahl, das richtige Sommergetreide anzubauen wird angesichts des Preisverfalls bei Braugerste und Hafer immer schwieriger. Welche Alternativen Kulturen bauen Sie im Betrieb an?

Braugerste und Hafer haben in unserem Betrieb nur eine kleine Rolle und wurden in den vergangenen Jahren hauptsächlich für Biodiversitätsmaßnahmen angebaut. Aufgrund der mittlerweile permanenten Trockenheit konzentrieren wir uns auf Kulturen mit eine möglichst effizienten Wassernutzung und natürlich positiven Deckungsbeiträgen.

Die EU-Kommission und das Bundesagrarministerium, kurz BMLEH, arbeiten daran, wieder mehr Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe für die landwirtschaftliche Praxis zuzulassen. Ist hier eine Entlastung schon spürbar oder eher das Gegenteil, das weitere Wirkstoffe nicht mehr angewendet werden dürfen?

Die Meldung aus dem BMLEH, dass man den Zulassungsstau abgearbeitet hat und das Verfahren zukünftig wirklich nur noch 120 Tage dauern soll, und nicht mehrere Jahre, stimmt uns da vorsichtig zuversichtlich. Aktuell ist die Lage aber noch, dass wir deutlich zu wenige Wirkstoffe und Anwendungsmöglichkeiten haben. Wenn es notwendig war, sind vergangenes Jahr auch Notfallzulassungen erteilt worden, wir hoffen aber, das in dem Punkt ein Umdenken stattfindet, hin zu mehr regulären Zulassungen.

 

Sie sind Vorreiter auf ihrem Betrieb mit fortschrittlichen Pflanzenbaumethoden. Wie setzen Sie den Fortschrittsbegriff der DLG, die Nachhaltige Produktivitätssteigerung, praxisnah um?

Es ging lange nur um Extensivierung, viel zu lange möchte ich sagen Wir werden die Herausforderungen bei der Ernährungssicherheit und dem Artenschutz aber nicht meistern, wenn wir weniger machen. Wir brauchen eine Produktivitätssteigerung, durch möglichst effizienten Mitteleinsatz für ein Optimum auf der Ertragsseite. Je besser wir Betriebsmittel einsetzen, zum Beispiel durch exakte Applikation und optimales Timing, desto nachhaltiger wirtschaften wir. Und so ein Umdenken ist auch im Artenschutz nötig. Es gibt mittlerweile einen ganzen Strauß mit Maßnahmen, die mit einem absehbaren Input ein konkretes Ergebnis liefern.  

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