Freya von Czettritz, CEO der DLG Holding GmbH, über den VLI‑Ehrenpreis, strategische Weichenstellungen und die Rolle der DLG in einer Branche im Wandel.
DLG-Newsroom: Frau von Czettritz, Sie sind mit dem renommierten Tilo von Wilmowsky-Ehrenpreis der Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie (VLI) ausgezeichnet worden. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie – persönlich und in Ihrer Rolle als CEO der DLG Holding GmbH?
Freya von Czettritz: Die Auszeichnung bedeutet mir persönlich sehr viel. Sie ist für mich eine große Ehre und gleichzeitig eine Bestätigung für den Weg, den wir mit der DLG in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben. Zugleich verstehe ich den Preis ausdrücklich als Ansporn, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Die Land- und Lebensmittelwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen, und wir als DLG haben die Verantwortung, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.
Besonders wichtig ist mir, dass mit dem Preis die strategische Weiterentwicklung der DLG gewürdigt wird. Unser Anspruch ist es, Innovation, Praxis und Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette enger miteinander zu verbinden. Dass dies von der Branche gesehen und anerkannt wird, ist eine starke Motivation.
Die Land- und Lebensmittelwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen, und wir als DLG haben die Verantwortung, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.
Freya von Czettritz, CEO DLG-Holding GmbH
Zur Person
Freya v. Czettritz ist studierte Betriebswirtin und seit 2008 bei der DLG. Ein Jahr später verantwortete sie die Weltleitmesse für Landtechnik AGRITECHNICA. Sie entwickelte die Messe zur führenden internationalen Plattform für innovative Landtechnik und modernen Pflanzenbau. Seit 2016 leitete sie den Bereich Messen Pflanzenbau bei der DLG mit den internationalen Leitmarken AGRITECHNICA, DLG-Feldtage, DLG-Waldtage, PotatoEurope und AGRITECHNICA ASIA. Als CEO der DLG Holding GmbH treibt sie seit 2022 die Professionalisierung der DLG und die Verzahnung von Agrar und Food international voran.
Sie führen die DLG in einer Doppelspitze mit Dr. Lothar Hövelmann seit fast vier Jahren. Auf welche Weichenstellungen blicken Sie zurück?
Als wir unsere Aufgaben übernommen haben, war uns klar, dass die DLG sich in einer Phase der Weiterentwicklung befindet. Wir wollten die Organisation noch klarer als internationale Plattform für Wissenstransfer, Innovation und Austausch positionieren.
In den vergangenen Jahren haben wir deshalb die fachliche Profilierung der DLG geschärft und unsere Aktivitäten stärker international ausgerichtet. Gleichzeitig haben wir unsere Rolle als Test- und Zertifizierungsorganisation weiterentwickelt und neue Impulse für die Branche gesetzt, etwa durch themenübergreifende Initiativen oder durch den Ausbau unserer Fachmedien.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Förderung des Branchennachwuchses und der Stärkung von Diversität. All diese Entwicklungen folgen einem gemeinsamen Leitgedanken: Die DLG soll Orientierung geben und als Partner für das Agribusiness wirken, der Impulse setzt und Dialog ermöglicht.
Die Landwirtschaft befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Welche Akzente setzt die DLG für eine zukunftsfeste Positionierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft?
Wir sehen derzeit eine Phase tiefgreifender Transformation. Die Anforderungen an die Branche wachsen – zugleich entstehen neue Möglichkeiten durch Technologie, Digitalisierung und veränderte Marktbedingungen.
Unser Ansatz ist es, diese Entwicklungen zusammenzuführen. Wir verbinden fachliches Know-how mit praktischer Erfahrung aus den Betrieben und bringen zugleich neue technologische Perspektiven ein. Gerade die Digitalisierung und der Einsatz von Daten spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.
Ein zentrales Anliegen ist es, die verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette stärker zu vernetzen. Mit Initiativen wie der Plattform Ackerbau schaffen wir Räume für Zusammenarbeit, in denen gemeinsame Lösungen entstehen können. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass wir nicht isoliert denken, sondern die gesamte Kette im Blick behalten – vom Feld bis zum Verbraucher.
VLI-Ehrenpreis – Renommierte Auszeichnung des Agribusiness
Mit dem VLI‑Ehrenpreis reiht sich Freya von Czettritz in den Kreis hochrangiger Persönlichkeiten aus Agribusiness, Wissenschaft und Praxis des Agrar‑ und Ernährungssektors ein, die diese Auszeichnung seit 2012 erhalten haben. Der Preis zählt zu den renommiertesten Ehrungen im deutschen Agribusiness und wird jährlich an Repräsentantinnen und Repräsentanten der Branche vergeben, die sich durch außerordentliches Engagement, strategische Weitsicht und nachhaltige Wirkung um die Wertschöpfungskette Agrar und Ernährung verdient gemacht haben. Er erinnert an Tilo Freiherr von Wilmowsky, einen der Gründerväter der VLI, der frühzeitig die Bedeutung der engen Verzahnung von Landwirtschaft und Industrie erkannt hat – ein Leitgedanke, der auch heute das Verständnis moderner Wertschöpfungsketten prägt.
Die DLG versteht sich als Plattform. Was bedeutet das konkret in Ihrer Arbeit?
Für mich bedeutet Plattform vor allem, Menschen, Ideen und Perspektiven zusammenzubringen. Die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, lassen sich nicht in einzelnen Bereichen lösen. Sie erfordern einen engen Austausch zwischen Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft.
Die DLG schafft genau diese Räume für Dialog und Zusammenarbeit. Das geschieht auf unseren Messen ebenso wie in unseren Fachgremien oder in unseren Medien. Unser Ziel ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Impulse zu setzen und konkrete Lösungen anzustoßen.
Dabei spielt auch die internationale Vernetzung eine große Rolle. Die Landwirtschaft ist längst in globale Zusammenhänge eingebettet, und entsprechend müssen auch Lösungen international gedacht werden.
Sie setzen sich auch stark für den Branchennachwuchs und für mehr Diversität ein. Warum ist das ein strategisches Thema für die DLG?
Die Zukunftsfähigkeit der Branche hängt entscheidend davon ab, ob wir junge Menschen für diese Themen begeistern können. Gleichzeitig brauchen wir unterschiedliche Perspektiven, um mit der Dynamik der Transformation umgehen zu können.
Mir ist es wichtig, dass wir gezielt Räume schaffen, in denen neue Ideen entstehen können. Initiativen wie die Female Agri Fellows zeigen, wie relevant es ist, Frauen in der Branche stärker sichtbar zu machen und zu unterstützen. Vielfalt führt zu besseren Entscheidungen und stärkt die Innovationskraft.
Am Ende geht es darum, die Branche so aufzustellen, dass sie auch in Zukunft leistungsfähig, attraktiv und gesellschaftlich akzeptiert bleibt.
Am Ende geht es darum, die Branche so aufzustellen, dass sie auch in Zukunft leistungsfähig, attraktiv und gesellschaftlich akzeptiert bleibt.
Freya von Czettritz, CEO DLG Holding GmbH
Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Was treibt Sie an?
Mich treibt die Überzeugung an, dass wir als DLG einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Land- und Lebensmittelwirtschaft leisten können. Der VLI‑Ehrenpreis ist für mich kein Abschluss, sondern vielmehr ein Zwischenpunkt. Er bestätigt uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und er motiviert, diesen Weg mit Entschlossenheit weiterzugehen.
Unser Ziel bleibt es, die DLG als starke, internationale Plattform weiterzuentwickeln, die Innovation ermöglicht, Wissen zugänglich macht und Menschen miteinander vernetzt. Genau darin sehe ich unsere zentrale Aufgabe.
Interview: Stefanie Pionke, DLG-Newroom