"Die Food-Industrie ist mit KI auf dem Optimierungsweg"

Dr. Klemens van Betteray zu Effizienz, Transparenz und Vertrauen entlang der gesamten Vermarktungskette

Die DLG-Wintertagung 2026 stellt Künstliche Intelligenz (KI) als „Produktivitätsturbo für den Betrieb“ in den Mittelpunkt. In Hannover diskutieren am 24. und 25. Februar  Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Agrartechnik, Lebensmittelwirtschaft und Forschung, wie KI Effizienz, Präzision und Entscheidungsprozesse nachhaltig verändert. Ein besonderer Fokus der DLG-Wintertagung 2026 liegt auf der Vernetzung von Land- und Lebensmittelwirtschaft.  Im DLG-Interview beschreibt Dr. Klemens van Betteray, Vice-President CSB-System SE, die KI-Prozesse in der Lebensmittelverarbeitung.  Der Food-Tech-Experte nimmt im Plenum auf der DLG-Wintertagung an der  Podiumsdiskussion  “KI aus der Lebensmittelperspektive” teil.  

DLG-Newsroom:  In welcher Prozessstufe ist KI schon in den Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung angekommen?

Dr. Klemens van Betteray: In der Food-Industrie wird KI zur Verbesserung der Prozesse an verschiedensten Stufen eingesetzt, bei der Tierwohlkontrolle in den Ställen der Schlachtunternehmen, bei der Zustandskontrolle der Schwänze in der Schweineschlachtung, bei der Geschlechtserkennung sowie der Schinkentypbewertung von Schweinen direkt in der Schlachtlinie. Generell wird KI schon in vielen Prozessen installiert, wie bei der Prognose von Verkaufsdaten in Bäckereien zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle, der Qualitätskontrolle von Back- und Süßwaren in der Produktion, der Unterstützung von Zertifizierungsaktivitäten oder bei der Umsetzung von Weiterbildungsaktivitäten. 

Auch die direkte KI-Integration von Stimmen bei Telefonbestellungen und die dazugehörige koordinierte Integration in die Unternehmenssoftware ist aktuell in der Umsetzung. Die Food-Industrie ist in sehr vielen Prozessen mit Hilfe der KI auf dem Optimierungsweg.

Dr. Klemens van Betteray. Foto: CSB-System SE

Zur Person

Dr. Klemens van Betteray ist seit 2004 Vice President der CSB-System SE mit Sitz in Geilenkirchen/NRW. Er hat als Sohn eines Landwirtes praktische Erfahrungen und studierte Agrarökonomie an der Universität in Bonn. Seit 1991 ist Klemens van Betteray bei der CSB-System engagiert und unterstützt als Vice-President intensiv die CSB-System SE bei der Internationalisierung und der Erweiterung der Kompetenzen im Food-Bereich. Er ist Mitglied im DLG-Ausschuss Robotik. 

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Zum Programm

Wie verändert KI die Lieferkette in Hinblick von landwirtschaftlichen Rohstoffen: Welche Vorleistungen müssen beispielsweise Landwirte und Verarbeiter wie Mühlen oder Schlachtunternehmen erbringen, um reibungslose Prozesse in der Lebensmittelindustrie zu ermöglichen?

Schon immer haben Landwirte und die Erfassungsstufen transparente Qualitätsindikatoren für Ihre individuellen Lieferungen abgesprochen. In den vergangenen Jahren sind diese Absprachen immer intensiver geworden, Nachhaltigkeitsinformationen wie Tierwohl, Carbon-Foot-Print, Produktion nach Bio-Standards sind hierfür transparente Beispiele. Digitale KI-Plattformen ermöglichen jetzt sehr detaillierte überbetrieblichen Auswertungen, dazu ist stufenübergreifende Daten-Governance aktiv vorzubereiten und umzusetzen. So haben jetzt die Erntemaschinen, wie Maishäcksler, Mähdrescher und Kartoffelroder diese relevanten Erntedaten vorliegen, deren übergeordnete Freigabe zu organisieren ist. 

Erntemaschinen, wie Maishäcksler, Mähdrescher, und Kartoffelroder haben diese relevanten Erntedaten vorliegen, deren übergeordnete Freigabe zu organisieren ist. 

Dr. Klemens van Betteray, Vice President CSB-System SE

Sie sind Mitglied in der Initiative Food Processing. Welche innovativen Lösungen können Sie an dieser Stelle mitteilen: Wie groß ist in Ihrer Branche die Bereitschaft, Erfahrungen untereinander auszutauschen?

Die Food-Processing-Initiative unterstützt mit ihrem großen Engagement Aktivitäten in Kooperation mit der TH OWL zur „Digitalen Transformation“ der Ernährungsindustrie. Vor etwa zehn Jahren war Skepsis und Vorsicht in der Branche angesagt, dann erfolgt die Phase der Intensivierung der KI-Einführungsaktivitäten, die derzeit durch das Projekt „High-Five“ begleitet werden. 

Dabei stehen KI-Implementierungsaktivitäten in der Sensorik, bei der Bildverarbeitung, sowie beim Datenmanagement im Vordergrund, weitere KI-Projekte beim Qualitätsmanagement sowie der Weiterbildung sind gestartet. Für die Zukunft ist eine enge Kooperation mit KI.NRW sowie weitere Forschungsaktivitäten geplant. Die Themen Datenmanagement und Daten-Governance werden dazu auch eine große Rolle spielen. Die Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch ist dabei sehr wichtig.
 

Die Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch ist in den Projekten und Kooperationen sehr wichtig.

Das Leitmotiv der DLG ist die Nachhaltige Produktivitätssteigerung. Welche Assoziationen verknüpfen Sie damit in der Lebensmittelwirtschaft in Hinblick auf Rentabilität und Ressourcenschutz? 

Nachhaltige Produktivitätssteigerung erfolgt durch die Verbesserung zahlreicher Prozesse in der Vermarktungskette durch die KI, viele kleine Erfolgsschritte tragen zur Verbesserung der Effizienz bei. Eine Optimierung der eingesetzten Ressourcen gehört zu den Verbesserungsschritten, entscheidend ist aber Effizienz, Transparenz und Vertrauen über die gesamte Vermarktungskette.

Interview: Daphne Huber, DLG-Newsroom

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