Datenaustausch auf Augenhöhe

Forschungsstand von Farmmangement-Informationssysteme - FLV-Ackerbautagung zum Einsatz von KI - Initiative Plattform Ackerbau der DLG

Künstliche Intelligenz (KI) ist Realität. Sie steigert bereits heute messbar die Produktivität in landwirtschaftlichen Betrieben, und ihr Potenzial ist enorm. In der KI-Welt sind Daten Produktionsfaktor, wie Arbeit, Boden und Kapital. Auf jedem Betrieb entstehen sie ständig und in großer Menge. Wie Landwirte diese Daten effizient in Informationen übersetzen und daraus Entscheidungen ableiten können, erläuterte Dr. Matthias Nachtmann auf der Ackerbautagung, veranstaltet vom Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein (FLV), im Januar . Er legte den Schwerpunkt auf den praktischen Einsatz von Farm-Informationssystemen, kurz FMiS. 

Sensorik, Robotik und digitale Schnittstellen eröffnen im Zusammenspiel mit KI eine neue Stufe von Präzision, Effizienz und Produktivität. Die Landwirtschaft ist mit intelligenten Maschinen, Sensoren und digitalen Plattformen bereits hoch digitalisiert. Dennoch reicht dies bislang nicht aus, um das vorhandene Potenzial zu heben. KI kann heute beispielsweise Pflanzenkrankheiten erkennen, Erträge prognostizieren oder Ressourcen optimieren – die Prognosen sind umso genauer, je umfangreicher die verfügbaren Datensätze sind. 
 

Datenräume regeln den Verkehr

Die Grüne Woche in Berlin 2026 zeigte Mitte Januar zum 100‑jährigen Jubiläum neue Wege in der digitalen Landwirtschaft auf. Die DLG Initiative Plattform Ackerbau (IPA) oder die Datenaustausch-Initiative des Milchindustrieverbands, erfordern effizientere und sichere Möglichkeiten sich darüber auszutauschen. Nicht wie bisher über Eins zu Eins-Schnittstellen, sondern in Zukunft über Datenräume. Das sind keine IT-Plattformen, sondern Regeln für den Datenaustausch, wie beispielsweise Verkehrsregeln im Straßennetz.

Die Diskussion über Datenräume in der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist mit der Grünen Woche in eine neue Phase eingetreten: In den Foren gab es weniger Grundsatzdebatten, sondern mehr konkrete Fragen zur Umsetzung, Ordnung, Verantwortlichkeiten und Anwendung von klaren Regeln. Diese Entwicklung bestätigte der Digital Farming-Experte Nachtmann. Auf der Ackerbautagung des FLV in Niederursel standen ebenfalls die Farmmanagement -Informationssysteme im Mittelpunkt. 
 

Rückverfolgbarkeit sicherstellen

Nachtmann, Vorstand der Friends of digital farming e.V., informierte auf der Ackerbautagung des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins über den aktuellen Stand und Entwicklungsperspektiven von Farmmanagement-Informationssystemen. Zu deren Funktionsumfang gehören heute nicht mehr nur Schlagkarteiablagen, sondern auch die Unterstützung variabler Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz oder Nachhaltigkeitsbewertungen von landwirtschaftlichen Produktionsabläufen, erläutert der Experte. Immer mehr Akteure entlang der Wertschöpfungskette verlangen Daten aus Ackerbau und Tierhaltung. Unterstützung bietet eine neue Kooperationen zwischen Handel, Verarbeitern und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die auf der Grünen Woche die Initiative Plattform Ackerbau gründeten. Ziel ist es, Lieferketten mit belastbaren Daten zu hinterlegen und die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen wie Getreide und Ölsaaten sicherzustellen. Landwirte müssen sich auf diese Anforderungen einstellen, denn zunehmend knüpfen Banken die Kreditwürdigkeit eines Betriebs an den Nachweis nachhaltiger Produktionsverfahren. Die Teilnahme erfordert eine gute Büroorganisation und passende Farmmanagement-Informationssysteme, mit denen Landwirte für unterschiedliche Produkte entsprechende Datensätze bereitstellen können.

KI-Experte Dr. Matthias Nachtmann. Foto: da

Die Initiative Plattform Ackerbau (IPA) der DLG oder die Datenaustausch-Initiative des Milchindustrieverbands, erfordern effizientere und sichere Möglichkeiten, sich darüber auszutauschen. 

Zur Person

Dr. Matthias Nachtmann ist Digital-Farming-Experte, Vorstand der Friends of Digital Farming und Kurator am Fraunhofer IESE. Er unterstützt Unternehmen entlang der agrarischen Wertschöpfungskette bei der digitalen Transformation hin zu mehr Resilienz und nachhaltiger Produktivität. Nachtmann sammelte viele Jahre Berufserfahrung bei John Deere und BASF SE. Der selbstständige KI-Experte wohnt in Landau in der Pfalz.

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Wer KI einsetzen will, muss wissen, wie gut die eigenen Daten sind.

Welche Farmmanagement-Informationssysteme am Markt existieren und welche Bereiche sie auf den Betrieben abdecken, stellte Nachtmann in seinem Vortrag vor. Seine zentrale Aussage lautet: „Wir können ein nachhaltig produktiveres Agrarsystem aufbauen, wenn wir Landwirte in die Lage versetzen, FMiS‑Daten aktiv als Produktivitäts- und Wettbewerbsfaktor zu nutzen.“
 

Schwachstelle Datenaustausch

Ein häufiges Problem ist jedoch die Vielzahl unterschiedlicher Softwareprogramme, die auf Betrieben genutzt werden. Für den Weizenanbau fallen beispielsweise Daten zu Sorte, Düngung, Pflanzenschutz und Ernte an. Hinzu kommen staatliche Programme zur Düngebilanz. Nachtmann, der zuvor bei John Deere und BASF tätig war, nennt die Schwachstelle: „Die Akteure haben es bisher versäumt, diese Datenquellen so miteinander zu verbinden, dass sie Daten einfach, effizient und sicher ausgetauscht werden können“. Dadurch bleibt der Nutzen schwer erkennbar. Landwirte müssen sich fragen, welche Daten sie aktuell benötigen und welche sie künftig für KI-Systeme nutzen können. „Wer KI einsetzen will, muss wissen, wie gut die eigenen Daten sind“.
 

Aufzeichnungen während der Überfahrt

FMiS-Produkte unterscheiden sich durch ihre Funktionen. Nachtmann ordnete sie vier Bereichen zu: Betriebsmanagement, Datenverwaltung, pflanzliche Erzeugung und Viehbestand. Ein Farminformationssystem erfasst, strukturiert und analysiert alle relevanten Betriebsdaten und liefert so einen Überblick über die Produktionsverfahren im Ackerbau. Wichtige Datenquellen sind Geodaten, Wetterdaten, Düngung, Pflanzenschutz, Ernte sowie gesetzliche Nachweispflichten. Moderne Maschinen liefern verifizierbare Aufzeichnungen während der Überfahrt. Wer variabel düngen will, benötigt zusätzlich Daten zu Boden, Gelände und Schutzzonen. Systeme wie die Geobox in Rheinland‑Pfalz oder der Agrarviewer in Hessen bieten diese zusätzliche Informationen, lassen sich jedoch noch nicht in FMiS integrieren.
 

Berater erhalten Zugriff

Die heutigen FMiS umfassen Schlagkartei-, Prognosesystem-, GIS‑ und Telemetrie-Komponenten. Bei der Auswahl müssen Landwirte prüfen, welche Funktionen sie heute benötigen und welche in Zukunft wichtig werden. Entscheidend ist zudem, wer Zugriff auf die Daten erhält – etwa Berater, Mitarbeiter, Behörden oder Lohnunternehmer. Dadurch steigt die Komplexität. Rollen und Rechte müssen klar geregelt sein, um Datensicherheit zu gewährleisten.

Die Anbieter von FMiS haben erkannt, dass sie Betriebe künftig ganzheitlich verbinden müssen. Heute dominieren Eins‑zu‑eins‑Schnittstellen, vergleichbar mit den ersten Telefonverbindungen über Stecktafeln. Künftig werden Datenräume die Grundlage bilden, in denen Akteure eindeutig identifizierbar sind. Eine Mühle könnte dann etwa zeitlich begrenzten Zugriff auf Düngedaten erhalten, um CO₂‑Fußabdrücke zu berechnen. Voraussetzung sind verifizierbare Datenpunkte, beispielsweise in Form manipulationssicherer digitaler Nachweise.

Die Akteure haben es bisher versäumt, diese Datenquellen so miteinander zu verbinden, dass sie Daten einfach, effizient und sicher ausgetauscht werden können“.

Dr. Matthias Nachtmann

Welche Farmmanagement-Informationssysteme am Markt existieren und welche Bereiche sie auf den Betrieben abdecken, stellte Nachtmann in seinem Vortrag vor. Seine zentrale Aussage lautet: „Wir können ein nachhaltig produktiveres Agrarsystem aufbauen, wenn wir Landwirte in die Lage versetzen, FMiS‑Daten aktiv als Produktivitäts- und Wettbewerbsfaktor zu nutzen.“
 

Schwachstelle Datenaustausch

Ein häufiges Problem ist jedoch die Vielzahl unterschiedlicher Softwareprogramme, die auf Betrieben genutzt werden. Für den Weizenanbau fallen beispielsweise Daten zu Sorte, Düngung, Pflanzenschutz und Ernte an. Hinzu kommen staatliche Programme zur Düngebilanz. Nachtmann, der zuvor bei John Deere und BASF tätig war, nennt die Schwachstelle: „Die Akteure haben es bisher versäumt, diese Datenquellen so miteinander zu verbinden, dass sie Daten einfach, effizient und sicher ausgetauscht werden können“. Dadurch bleibt der Nutzen schwer erkennbar. Landwirte müssen sich fragen, welche Daten sie aktuell benötigen und welche sie künftig für KI-Systeme nutzen können. „Wer KI einsetzen will, muss wissen, wie gut die eigenen Daten sind“.
 

Aufzeichnungen während der Überfahrt

FMiS-Produkte unterscheiden sich durch ihre Funktionen. Nachtmann ordnete sie vier Bereichen zu: Betriebsmanagement, Datenverwaltung, pflanzliche Erzeugung und Viehbestand. Ein Farminformationssystem erfasst, strukturiert und analysiert alle relevanten Betriebsdaten und liefert so einen Überblick über die Produktionsverfahren im Ackerbau. Wichtige Datenquellen sind Geodaten, Wetterdaten, Düngung, Pflanzenschutz, Ernte sowie gesetzliche Nachweispflichten. Moderne Maschinen liefern verifizierbare Aufzeichnungen während der Überfahrt. Wer variabel düngen will, benötigt zusätzlich Daten zu Boden, Gelände und Schutzzonen. Systeme wie die Geobox in Rheinland‑Pfalz oder der Agrarviewer in Hessen bieten diese zusätzliche Informationen, lassen sich jedoch noch nicht in FMiS integrieren.
 

Berater erhalten Zugriff

Die heutigen FMiS umfassen Schlagkartei-, Prognosesystem-, GIS‑ und Telemetrie-Komponenten. Bei der Auswahl müssen Landwirte prüfen, welche Funktionen sie heute benötigen und welche in Zukunft wichtig werden. Entscheidend ist zudem, wer Zugriff auf die Daten erhält – etwa Berater, Mitarbeiter, Behörden oder Lohnunternehmer. Dadurch steigt die Komplexität. Rollen und Rechte müssen klar geregelt sein, um Datensicherheit zu gewährleisten.

Die Anbieter von FMiS haben erkannt, dass sie Betriebe künftig ganzheitlich verbinden müssen. Heute dominieren Eins‑zu‑eins‑Schnittstellen, vergleichbar mit den ersten Telefonverbindungen über Stecktafeln. Künftig werden Datenräume die Grundlage bilden, in denen Akteure eindeutig identifizierbar sind. Eine Mühle könnte dann etwa zeitlich begrenzten Zugriff auf Düngedaten erhalten, um CO₂‑Fußabdrücke zu berechnen. Voraussetzung sind verifizierbare Datenpunkte, beispielsweise in Form manipulationssicherer digitaler Nachweise.
 

Daten sind öffentliches Gut

Zum besseren Verständnis der Chancen von Datenräumen führten die Friends of Digital Farming mit DLG, Bauernverband, Raiffeisenverband, Lebensmittelhandelsverband, GS1 und appellando eine Seminare zu Datenräumen durch. Nachtmann verweist darauf, dass China in den kommenden Jahren rund 100 solcher Datenräume – auch für Agrar und Ernährung – freischalten wird. Dort gelten Daten bereits als öffentliches Gut. In Deutschland existieren bereits Ansätze wie das Nachhaltigkeitsprogramm des Milchindustrieverbandes oder QS‑Systeme für Gemüse und Schweinefleisch. Erfolgreich ist auch der niederländische Datenraum JoinData mit 260 Datenanbietern: Landwirte können dort kurzfristig Datenfreigaben erteilen, etwa für Schlachtunternehmen. Nachtmann stellte abschließend das von der EU-Kommission mit 10 Mio. € geförderte CEADS‑Projekt (Common European Agricultural Data Space) zum Aufbau von Datenräumen vor. Ziel ist der effizientere Datenaustausch und die Stärkung der Datensouveränität. Landwirte sollen auf Augenhöhe Daten austauschen können und aus Jahren gesammelter Betriebsdaten Nutzen ziehen.

In der Diskussion ging es darum, wem die Daten gehören und wie Landwirte motiviert werden können, sie zu teilen. Nachtmann betont: „Daten sind vergleichbar mit Nutzungsrechten. Der Landwirt erzeugt die Daten bei der Arbeit auf dem Feld, und er kann entscheiden, wer sie nutzen darf. In China gehören Daten dem Staat, in den USA den Unternehmen.“ In Deutschland sollten Landwirte ihre Datenhoheit aktiv sichern.

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