Pflanzenbau

Ein Netzwerk für die Kichererbse

Im Vernetzungsprojekt PIONEER werden zahlreiche Projekte zur Nutzung alternativer Proteinquellen für die menschliche Ernährung miteinander verbunden. Eins davon: CiceRegio, ein Projekt zu Anbau, Verwertung und Vermarktung Brandenburger Kichererbsen. Der folgende Beitrag ist erschienen im Getreidemagzin # 4 2026 im DLG-Verlag. 

Prof. Anna Maria Häring ist Gesamtkoordinatorin des Projektes CiceRegio. Foto: Reischauer

Das Vernetzungsprojekt PIONEER will viele einzelne innovative Projekte zum Thema Proteinquellen für die menschliche Ernährung vereinen. Gestartet zu Beginn dieses Jahres im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), verbindet es Dutzende Projekte aus den verschiedensten Bereichen und mit verschiedensten Rohstoffen. Ihnen allen ist gemein, dass sie vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) gefördert werden. Das PIONEERProjekt, koordiniert von der DLG gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und der Food- Processing Initiative, soll diese vielen Projekte unterstützen, Synergien schaffen und eventuelle systemische Schwachstellen identifizieren. Kichererbsen aus Brandenburg Eines von fünf Projekten, die sich innerhalb des Netzwerkes mit der Erhöhung der Nachhaltigkeit und Verbraucherakzeptanz von alternativen Proteinen beschäftigen, ist das Projekt CiceRegio: Kichererbsen aus regionaler Erzeugung in Wertschöpfungsketten für Lebensmittel – das Beispiel der Modellregion Berlin/Brandenburg. Koordiniert von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde HNEE und unter Mitarbeit der Partner Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung ZALF und der Technischen Universität Berlin, will es im boomenden Markt der alternativen Proteinprodukte Platz schaffen für solche mit regionalem Ursprung. Denn derartige Märkte entstehen nicht von allein. 

Zwar sind Kichererbsen durch diverse Food-Trends längst in der Ernährung der Bevölkerung angekommen, die Rohstoffe werden jedoch bislang zum Großteil importiert. Der heimische Anbau ist marginal, regionale Wertschöpfungsketten existieren kaum. Von Anfang bis Ende der Wertschöpfungskette Und deshalb beinhaltet das Projekt CiceRegio auch weit mehr, als ein paar Sorten auszusuchen und ein hübsches Etikett für den neuen Brotaufstrich zu entwerfen: Das versteht man beim Lesen der umfangreichen Projektbeschreibung des bis Ende 2027 laufenden Vorhabens. Wissen über Anbau, Verarbeitung, Qualitätsanforderungen und Marktpotenzial regionaler Kichererbsen soll generiert werden. Dafür werden im Living Lab Kichererbse Akteure aus Erzeugung, Verarbeitung, Beratung, Forschung, Bildung und weitere Multiplikatoren miteinander vernetzt. 

Im Ergebnis dieses intensiven Erfahrungsaustausches sollen: 

  • Optimierte Anbaumethoden und geeignete Sorten gefunden sowie Verarbeitungsverfahren entwickelt werden. 
  • Produkteigenschaften regional erzeugter Kichererbsen im Hinblick auf Lebensmittelqualität, -sicherheit und ernährungsphysiologische Wertigkeit evaluiert werden. 
  • Qualitätsanforderungen entlang regionaler Wertschöpfungsketten analysiert werden, basierend auf Analysen verschiedener Sorten und Qualitäten aus Anbauversuchen und Praxisbetrieben der Region. 
  • Die Akzeptanz bei Konsumierenden erforscht werden. 
  • Wissenstransfer und Vernetzung von AkteurInnen entlang der Wertschöpfungskette ermöglicht werden.

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Ausgangspunkt Versuchsgelände 

Der Weg eines jeden künftigen Lebensmittels beginnt auf dem Feld. Deswegen ist das Versuchsgelände der HNEE-Lehr- und Forschungsstation in Wilmersdorf bei Angermünde einer der zentralen Ausgangspunkte des Projektes. Allerdings nicht der einzige, wie Prof. Ralf Bloch erklärt. Er hat die Professur für Agrarökologie und nachhaltige Anbausysteme inne und übernimmt im CiceRegio-Projekt die Untersuchung des vorhandenen Sortenmaterials auf Anbaueignung: „Nun mag Brandenburg ja nicht so riesig sein, dennoch hat es die verschiedensten Standortbedingungen. Diese Fläche hier zum Beispiel ist sehr heterogen. daneben gibt es aber auch ganz leichte oder etwas bessere Standorte. Deswegen steht dieser Anbauversuch, den wir hier durchführen, auch an zwei weiteren Orten, nämlich in Müncheberg und Dedelow, zwei Standorten mit deutlich anderen Bedingungen. Zusätzlich integrieren wir die im Kichererbsen- Ring zusammengeschlossenen Biobetriebe, indem wir deren Erfahrungen nutzen und sie um den Anbau interessanter Kandidaten bitten.“ 

Der vor einigen Jahren von der Regionalwert AG initiierte und nun unter Leitung von ZALF bestehende Kichererbsen- Ring Brandenburg befasst sich als Forschungs- und Praxisnetzwerk vor allem mit dem Anbau von Kichererbsen in Brandenburg. Doch zurück auf das Wilmersdorfer Versuchsgelände. Ralf Bloch steht vor den ersten Parzellen und erklärt: „Kichererbsen unterteilen sich in zwei Sortentypen: zum einen die Desi-Typen mit dunkler Samenschale, zum anderen die Kabuli-Typen mit cremefarbener Schale. Letztere finden sich hierzulande weitaus mehr im Supermarktregal, wenn man an Kichererbsen im Glas, Hummus oder andere Produkte denkt. Wir möchten aber auch herausfinden, ob sich die dunkleren Desi-Typen, die in Indien sehr verbreitet sind, vielleicht mehr für den Anbau eignen und ob sich Verbraucher davon überzeugen lassen könnten, Produkte daraus zu kaufen?“ Zu den 22 Sorten, die auf der Versuchsfläche verschiedene Anbauversuche durchlaufen, zählen demzufolge Vertreter beider Sortentypen sowie solche des Gulabi- Typs, einer Untergruppe des Desi-Typs mit eher rötlicher Farbe. 

Für sie alle gilt zunächst, dass sie warmes, sonnenreiches Klima mögen und trockenheitsverträglicher als Sojabohnen sind. Sie schätzen leichte, durchlässige, sich schnell erwärmende Böden und dank ihrer tiefen Pfahlwurzel kommen sie gut an Wasser in tieferen Bodenschichten. Die 22 Kandidaten, erklärt Ralf Bloch weiter, wurden verschiedenen Versuchsanordnungen ausgesetzt, um ihre Stärken und Schwächen zu identifizieren. „Zum jetzigen Stadium sehen wir, dass die Keimfähigkeit des Saatgutes grundsätzlich stark variierte. Unser Beizversuch hat bislang keine besonderen Vorteile einer Saatgutbehandlung ergeben. Wir haben den Anbau in drei Saatzeiten gestaffelt, ich bin gespannt, welche Auswirkungen das auf Bestand und Ertrag hat. Zu erkennen ist aber bereits, dass die beiden Desi-Typen Olga und Irenka im Vergleich mit den anderen Sorten überdurchschnittlich gut aussehen.“ 

Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift Getreidemagazin # 7 im Juli 2026 im DLG-Verlag erschienen. Sie können ihn hier vollständig als pdf lesen.  

Bericht: Catrin Hahn, freie Agrarjournalistin
catrin.hahn@hahn-agrar.de>

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