Verlässlicher Sparringspartner der Betriebe

Das Marktumfeld ist derzeit so herausfordernd und angespannt wie seit Langem nicht mehr. Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus treiben die Preise für Dünger und Energie auch in Deutschland und Europa massiv in die Höhe. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das: Zum anhaltenden Strukturwandel treten zusätzliche, teils existenzielle Belastungen hinzu.

Diese Entwicklungen wirken wie ein Brennglas auf den bereits bestehenden Handlungsdruck. Gefordert sind konsequente Prozessoptimierungen auf den Betrieben, ein weiter professionalisiertes Risikomanagement sowie eine nachhaltige Steigerung von Effizienz und Erträgen – bei gleichzeitig hohem, fachlich fundiertem Anspruch an Klima- und Artenschutz.

Zusätzliche Regulierung und weitere Subventionen mögen in einer solchen Situation kurzfristig Entlastung versprechen. Langfristig wird die Land- und Lebensmittelwirtschaft jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit aus eigener Stärke heraus im Markt behauptet.

Die DLG versteht sich in dieser Situation als verlässlicher Sparringpartner der Betriebe. Unser Ziel ist es, praxisnahes Know-how zu vermitteln, etwa zur Anwendung innovativer Technologien wie Künstlicher Intelligenz, und deren souveräne Nutzung zu unterstützen. Gleichzeitig treiben wir Konzepte für eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung regenerativer Energien voran und setzen uns für resiliente, integrierte Lieferketten ein.

Gerade in Zeiten zunehmender protektionistischer Verwerfungen braucht es robuste Strukturen in Deutschland und Europa. Dazu gehört eine strategisch austarierte Balance zwischen Just-in-Time-Beschaffung und einer gezielten Lagerhaltung als Puffer, um Versorgungssicherheit und Wertschöpfung zu gewährleisten.
 

Biokraftstoffe konsequent einsetzen

Die landwirtschaftlichen Betriebe bekommen in der aktuellen geopolitischen Krise die Energieabhängigkeit von Erdgas und fossilen Kraftstoffen massiv zu spüren. Hier sei die EU-Kommission gefordert, eine wegweisende Lösung zu finden, um die Importabhängigkeit zu reduzieren und die Versorgung in der EU sicherzustellen, sagte Dr. Anna Catharina Voges, DLG-Vizepräsidentin und Geschäftsführerin der Saat-Gut Plaußig Voges KG aus Leipzig.

Die Agrarunternehmerin war Teilnehmerin des Agrarpolitischen Forums der Landesbauernverbände auf der agra 2026, das vor einer Woche in Leipzig stattfand. Die DLG ist Mitveranstalterin der größten Landwirtschaftsausstellung in Mitteldeutschland. Welchen Weg schlägt die EU ein? Werden fossile Brennstoffe in der EU gefördert oder will die EU die Landwirtschaft dabei unterstützen, mehr regenerative Energien zu erzeugen? Das würde nach den Worten von Betriebsleiterin Voges bedeuten, Biokraftstoffe konsequent einzusetzen und HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) als Brückentechnologie zu nutzen. “Das sind kurzfristig drängende und gleichzeitig längerfristige strategische Fragen der Versorgungssicherheit und des Ressourcenschutzes – für meinen Betrieb und für Europa.”

Agrarpolitisches Forum auf der agra 2026: Heike Zeller, Torsten Krawczyk, Dr. Anna Catharina Voges, Christophe Hansen und Joachim Rukwied (v.l.n.r.) Foto: Claudia Duda

„Hier brauchen wir Lösungen“, sagte Voges zu EU-Agrarkommissar Christophe Hansen, der mit ihr und Vertretern der Bauernverbände an der Podiumsdiskussion „Europäische Agrarpolitik heute und morgen – gemeinsam wettbewerbsfähig, produktiv und widerstandsfähig gestalten“ teilnahm. Regulatorische Hürden, die der EU-Agrarkommissar angesprochen hatte, müssten ihrer Meinung nach aus dem Weg geräumt werden. Bei Preisen von weit unter 200 Euro pro Tonne sollten die Vorgaben für die Produktion von Biokraftstoffen gelockert werden, hatte Hansen zuvor gefordert.
 

Digitale Zwillinge des Betriebes erstellen

In ihren Ausführungen ging Voges auf den transformativen Prozess ein, in dem sich die Landwirtschaft befindet: Stichwort Präzisionslandwirtschaft mit Hilfe digitaler Tools. Die Saat-Gut Plaußig Voges KG beschäftige sich intensiv mit KI-gestützten Anwendungen und wolle digitale Zwillinge des Betriebs erstellen, um Prozesse besser abzubilden, Entscheidungen zu erleichtern sowie schneller und präziser handeln zu können.

Die Digitalisierung habe ein großes Potenzial zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung, führte die promovierte Agraringenieurin aus. Gleichzeitig warnte sie vor neuen Abhängigkeiten von Unternehmen, die nicht dem europäischen Recht unterliegen, „in die wir uns begeben. Wir sind abhängig von geschlossenen Herstellersystemen, aber auch von der vorhandenen Bandbreite und Netzabdeckung.“ Die Saat-Gut Plaußig Voges KG liege vor den Toren der Stadt Leipzig, verfüge jedoch über keinen Glasfaseranschluss.
 

Datensouveränität behalten

Mit Blick auf die Wertschöpfungskette stellen sich Voges – wie vielen anderen Berufskollegen – Fragen nach Datenzugriff und Datenschutz. Auch hier könne die EU einen – wenn auch maßvollen – Rechtsrahmen setzen. Gleichzeitig müssten die Unternehmen die Datensouveränität behalten und vor Missbrauch geschützt werden. Seien diese Sicherheiten gegeben, bestehe auch das Vertrauen zum Datenaustausch, der allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette Vorteile bringe.

Voges, die „mit den Stiefeln auf dem Acker steht“, wie Moderatorin Heike Zeller sie bezeichnete, sieht den Klimawandel als weitere Herausforderung, von dem Landwirte in zweifacher Hinsicht betroffen seien. 
 

Anbausysteme, die Lösungen bieten

Wir als Landwirtinnen und Landwirte sind Verursacher, müssen Lösungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, und zur Verbesserung der Artenvielfalt und des Tierwohls finden. Gleichzeitig sind wir Betroffene – Trockenheit, starke Hitze, vermehrtes Auftreten von Schädlingspopulationen bedrohen unsere Produktionsgrundlagen. In diesem Spannungsfeld zwischen nachhaltiger Produktivitätssteigerung und ressourcenschonender Bewirtschaftung brauche ich Anbausysteme oder auch einzelne Technologien, die Lösungen bieten. Und zwar Lösungen, die den Zielkonflikt zwischen Ertragsstabilität auf der einen Seite und schonendem Ressourceneinsatz auf der anderen Seite minimieren.“ 
 

Breiter Werkzeugkasten

Um diesen Konflikt zu minimieren, nannte Voges auf dem Agrarpolitischen Forum der agra 2026 vielfältige Lösungsansätze: „Das können neue Züchtungstechniken, veränderte Anbauverfahren sein oder auch die Sicherstellung, dass bestehende Pflanzenschutzmittel in der Zulassung bleiben oder neue Wirkstoffe zugelassen werden. Der Weg ist offen, und der Werkzeugkasten ist breit."

 „Wichtig ist, dass wir diese Instrumente dauerhaft und praxisnah einsetzen dürfen und damit einen messbaren und in der Praxis zielführenden Gewinn erzielen – einen Gewinn für den Ressourcenschutz, aber auch einen monetären Gewinn in der nachhaltigen Produktivitätssteigerung und im wirtschaftlichen Betriebsergebnis der Saat-Gut Plaußig Voges KG“, betonte Voges. “Gleichzeitig müssen wir in der Branche offen für innovative Ansätze und Technologien sein und positive Lösungen finden.”
 

Verzichtsauflagen sind der falsche Weg

Als Unterstützung von außen könne sie sich von einem maßvollen regulatorischen Rahmen bis zu monetären Anreizsystemen vieles vorstellen. Was für die promovierte Agraringenieurin hingegen überhaupt nicht funktioniere, seien pauschale Aufwandentschädigungen für Restriktionen, Verzichtsauflagen und Verbote. „Die lösen unsere Probleme nicht. Das beruhigt vielleicht, aber es bringt nichts“, sagte Voges im bis auf den letzten Platz gefüllten Platz im Saal auf der agra 2026 in Leipzig.

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