Ernte 2026 
Zwischen Freude und Frust

Die extreme Hitzewelle hat die Abreife der Bestände  beschleunigt, sodass in diesem Jahr die Erntearbeiten sehr früh begonnen haben.  Die Stimmung ist angespannt angesichts hoher Produktionskosten und niedriger Erzeugerpreise. Umso mehr kommt es auf den richtigen Vermarktungszeitpunkt an.  

Erstaunlich früh ist Mitte Juni in den Frühdruschgebieten die Gerstenernte gestartet. Die ersten Ergebnisse stimmen zuversichtlich. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Deutsche Bauernverband erwarten beide eine Erntemenge von rund 9,3 Mio. t Gerste und damit etwas weniger als im Vorjahr mit 9,5 Mio. t, da die Hektarerträge im Mittel mit 7,4 t/ha niedriger ausfallen dürften nach den rekordverdächtigen Werten im Vorjahr. Die Hektorlitergewichte im Südwesten liegen zwischen 63 und 68 kg. 

Damit erfüllt die Gerste erneute die Ansprüche an Ertrag und Qualität. Die Kulturen sind gesund, regional ist gegen Ende der Saison din leichter Befall von Ramularia aufgetreten. Wegen der frühen Abreife ist es jedoch zu keinen größeren Schäden mehr gekommen.

Auf leichten Böden fehlt Wasser

Weitaus gedämpfter sind die Aussichten beim Weizen. Landwirte, Händler und Verarbeiter stellen sich die bange Frage, wie sich die Hitzewelle Ende Juni auf die Pflanzen ausgewirkt haben könnte. Die Bestände sind unter der sengenden Sonne sehr schnell abgereift und es fehlte den leichten und sandigen Standorten an Bodenfeuchtigkeit. Diese Umstände können zur Kornfüllungsphase beim Weizen  zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führen. Hinzu kommen die Einschränkungen bei der Düngung aufgrund der rasant gestiegenen Düngerpreise mit Beginn des Krieges im Nahen Osten und der Sperrung der Strasse von Hormus und Frachter mit Erdöl- und gas sowie Ammoniak nicht von der Stelle kamen. 

Mit Spannung werden die ersten Druschergebnisse erwartet, berichtet Stefanie Stöver-Cordes, Fachreferentin Marktanalyse bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der DRV veranschlagt eine Weichweizenerzeugung von 20,6 Mio. nach 22,5 Mio. t im Vorjahr.

Ernte der Wintergerste in Brandenburg. Foto: LBV
Quelle: agrarticker.de

Ob es bei dem erhofften Ertrag von 7,7 (Vorjahr: 7,8) t/ha bleibt, ist ungewiss. Die Flächeneinschränkung betrug mit 2,7 Mio. ha knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr.  Beim Hafer geht es in diesem Jahr rapide bergab. Mit geschätzten 878.000 t fällt die Produktion um 6 Prozent geringer als im Vorjahr aus. Für Körnermais ist eine Vorhersage von 4,8 (4,9) Mio. t noch vage.

Der Standort entscheidet

„Wir gehen von einer durchschnittlichen Ernte mit großen regionalen Unterschieden aus – der Standort entscheidet. Die Aussaatbedingungen im Herbst 2025 waren gut, das Frühjahr tendenziell zu trocken. Das uneinheitliche Witterungsbild hat sich im Mai fortgesetzt", sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) beim Ernteauftakt in dieser Woche in Groß Machnow, Brandenburg. 

„Die Niederschlagsmengen unterschieden sich je nach Region stark. In der ersten Junihälfte herrschten stabile Bedingungen, in der zweiten Junihälfte setzte die Hitze den Beständen in der Kornfüllungsphase massiv zu. Die Folgen des Klimawandels sind unmittelbar spürbar. Extremwetterlagen wie Hitze, Starkregen und Trockenperioden treten häufiger auf. Landwirte stellen sich auf die Veränderungen des Klimawandels ein durch wassersparende Anbauverfahren und Diversifizierung im Anbau, führte Rukwied aus. 

Getreide feiert Geburtstag

Die preisliche Entwicklung für die neue Ernte beurteilen Marktteilnehmer als weitgehend stabil. Für die Futtergerste pendeln die Preise um 150 bis 170 €/t, für den B-Weizen sind Gebote um 177 bis 185 €/t aufgerufen, lautet die erste Einschätzung der Marktfachfrau. Die Nachfrage für die neue Ernte ist verhalten. In vielen Silos bei den Verarbeitern, aber auch auf den Höfen feiert Brot- und Futtergetreide des Vorjahres ersten Geburtstag. 

Beim Qualitätsweizen entscheiden Rohproteingehalt, Hektolitergewicht und die Fallzahl, ein Wert, der angibt, wie weit die Stärke im Korn bereits abgebaut ist, und der stark von der Witterung beeinflusst wird, am Ende  über Preisaufschläge gegenüber Futterweizen. Vielmals gibt es in trockenen Jahre oft vielen kleine Körnern bei gleichzeitig höheren Proteingehalten. Doch haben die Extremtemperaturen im Juni Spuren hinterlassen. In den Frühdruschgebieten im Südwesten berichten Agrarhändler von einem hohen Anteil kleiner Körner bei durchschnittlichen Rohproteingehalten von um die 12 Prozent. Die Hektolitergewichte sind mit 74 kg passabel. Die Fallzahlen liegen über den erforderlichen 220 sec.

Den durchaus positiven Ernteaussichten stehen schwache Weizenpreise gegenüber. Der September-Weizen an der Euronext Paris war Mitte Juni 2026 nach der angekündigten Wiedereröffnung der Straße von Hormus auf 200 €/t und damit den niedrigsten Stand seit Ende Februar 2026 gefallen. Die Hitzewelle vor allem in Frankreich gab kurzfristig den Preisen etwas Auftrieb. Dieses Auf und Ab zog sich durch die gesamte Vermarktungssaison 2025/26, die in dieser Woche endete. Immer gab es wie zuletzt im Mai bei den Weizenkursen Ausreißer nach oben und damit kurzfristig attraktive Verkaufschancen.  

Steigende Personalkosten

Doch an der Grundtendenz dürfte sich wenig ändern. Der Rückgang der Erzeugerpreise hat sich laut Statistischen Bundesamt beschleunigt: Im April 2026 sanken die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Vorjahresvergleich um 12,3 Prozent. Das stellt den stärksten Erzeugerpreisrückgang seit elf Jahren dar. Kostenseitig bleibt der Druck für die Landwirte hoch. Belastungen ergeben sich durch die Preissteigerungen bei Energie, insbesondere Diesel und Düngemitteln, sowie der stetig steigenden Personalkosten. 

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Zwischen Freude und Frust schwankt daher die Gemütslage in der Landwirtschaft zur diesjährigen Ernte. „Als Landwirte schauen wir auf erfreulich gut dastehende Bestände, als Unternehmer jedoch auf denkbar schlechte Rahmenbedingungen für die Ernte in diesem Jahr“, sagte Christoph Plass, Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, auf der Erntepressekonferenz.

Stickstoffpreise steigen um 60 Prozent

„Die Relation zwischen den Ausgaben für Betriebsmittel, Energie, Personalkosten und den Erzeugerpreisen im Ackerbau und in der Tierwirtschaft hat sich massiv zu Lasten der Landwirtschaft verschlechtert“, stellt Plass fest. „Die Preise allein für Stickstoffdünger stiegen seit der Sperrung der Straße von Hormus um bis zu 60 Prozent, während die Erzeugerpreise diesem Anstieg nicht annähernd folgten. Ob wir mit der voraussichtlich guten Ernte in diesem Jahr auch schwarze Zahlen auf den Betrieben schreiben, ist erschreckend ungewiss und führt zu großer Planungsunsicherheit auf den Betrieben.“ Hier rückt das Risikomanagement - Kernthema der diesjährigen DLG-Unternehmertage 2026 vom 1. bis 2. September 2026 in Würzburg - besonders in den Fokus. 

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