Die Save Food Packaging Design Guidelines sind ein praxisorientiertes Regelwerk, das Verpackungsdesigner, Hersteller und Marken dabei unterstützt, Lebensmittelabfälle durch intelligente Verpackungen zu reduzieren. Sie bilden eine Brücke zwischen der Vermeidung von Lebensmittelverlusten und dem Erreichen globaler Nachhaltigkeitsziele.
Nerida Kelton, geschäftsführende Direktorin des Australasian Institute of Packaging (AIP), Vizepräsidentin für Nachhaltigkeit & Save Food bei der World Packaging Organization (WPO) sowie Vertreterin der WPO bei der SAVE FOOD Initiative, erläutert im Interview, wie Unternehmen mithilfe der Guidelines Verpackungen gezielt nachhaltiger gestalten und damit einen messbaren Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten leisten können.
Können Sie uns einen technischen Überblick über die Save Food Packaging Design Guidelines geben und den Entwicklungsansatz erläutern?
Die Save Food Packaging Design Guidelines sind ein systematisch entwickelter, wissenschaftlich fundierter Leitfaden zur gezielten Reduzierung von Lebensmittelabfällen durch eine optimierte Verpackungsgestaltung. Sie wurden vom Australasian Institute of Packaging in Zusammenarbeit mit der RMIT University und End Food Waste Australia entwickelt. Inzwischen werden sie vom World Packaging Institute in Kooperation mit internationalen Forschungspartnern aus den Bereichen Verpackungstechnologie, Lebensmittelwissenschaft und Nachhaltigkeit global weiterentwickelt.
Der Ansatz basiert auf der Analyse kritischer Verlustpunkte entlang des gesamten Produktlebenszyklus – vom Transport und der Lagerung bis hin zur Nutzung und Entsorgung. Verpackung wird dabei nicht nur als Behälter verstanden, sondern als funktionales System, das mechanischen, chemischen und mikrobiologischen Produktschutz, Benutzerfreundlichkeit sowie Informationsvermittlung integriert. Ziel war es, diese Erkenntnisse in klar strukturierte, technisch umsetzbare Gestaltungsprinzipien zu übersetzen, die Unternehmen jeder Größe in ihre Designprozesse integrieren können.
Auf welche technischen Schwerpunkte konzentrieren sich die Save Food Packaging Design Guidelines zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen?
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Schutzfunktion der Verpackung. Die Save Food Packaging Design Guidelines definieren Anforderungen an die mechanische Stabilität, die Barriereeigenschaften gegenüber Sauerstoff, Feuchtigkeit und Licht sowie den Schutz vor Kontamination, Schädlingen und klimatischen Einflüssen während Transport und Lagerung. Dazu gehört auch die Berücksichtigung von Material‑ und Designlösungen, die die Haltbarkeit verlängern, ohne unnötige Umverpackungen zu erzeugen. Darüber hinaus betonen die Save Food Packaging Design Guidelines funktionale Aspekte wie Wiederverschließbarkeit, Portionskontrolle sowie intelligente Öffnungs- und Dosiersysteme. Diese Designmerkmale sind entscheidend, um Abfälle auf Endverbraucherebene zu minimieren, insbesondere bei Mehrportions- oder lang haltbaren Produkten. Zusätzlich berücksichtigen die Richtlinien den Einsatz aktiver und intelligenter Verpackungstechnologien, beispielsweise zur Qualitätsüberwachung oder zur verbesserten Kennzeichnung des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Welche Rolle spielen gezielte Verbraucherinformationen und die Kommunikation auf der Verpackung aus technischer Sicht?
Missverständnisse seitens der Verbraucher gehören zu den häufigsten Ursachen für vermeidbare Lebensmittelverschwendung. Die „Save Food“-Richtlinien für Verpackungsdesign gehen gezielt auf dieses Problem ein, indem sie eine klare, eindeutige und verbraucherorientierte Kommunikation auf der Verpackung vorschreiben. Dazu gehören gut lesbare Lagerungs- und Verwendungshinweise, klare Anweisungen zum Wiederverschließen sowie verständliche Erläuterungen zu Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdaten.
Die Integration dieser Informationen in das gesamte Verpackungsdesign ist technisch relevant, beispielsweise durch strukturierte Informationshierarchien, robuste Drucklösungen oder digitale Erweiterungen. Die Leitlinien betrachten Information und Kommunikation somit als funktionalen Bestandteil der Verpackung, der direkt zur Verlängerung der Haltbarkeit und zur Vermeidung von Abfall beiträgt.
Verpackungen können Problem und Lösung zugleich sein. Wie gehen die Save Food Packaging Design Guidelines mit dem Spannungsfeld zwischen Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Nachhaltigkeit um?
Ein zentrales Prinzip der Save Food Packaging Design Guidelines ist der systemische Ansatz zur Nachhaltigkeit. Verpackungsdesign wird stets im Zusammenhang mit dem zu schützenden Lebensmittel betrachtet. Die Richtlinien machen deutlich, dass der ökologische Fußabdruck der Verpackung in vielen Fällen deutlich kleiner ist als der des entsorgten Lebensmittels. Dementsprechend empfehlen die Richtlinien Lösungen, die Lebensmittelverluste vermeiden und gleichzeitig Faktoren wie Recyclingfähigkeit, Materialreduktion und Trennbarkeit berücksichtigen. Dazu zählen beispielsweise Barrierekonzepte auf Monomaterialbasis, recycelbare Verschlüsse sowie Design-for-Recycling-Ansätze. Ziel ist es, Unternehmen eine fundierte fachliche Entscheidungsgrundlage zu bieten, damit sie Verpackungen entwickeln können, die sowohl regulatorische Nachhaltigkeitsziele als auch funktionale Schutzanforderungen erfüllen.
Wie können Unternehmen die Save Food Packaging Design Guidelines praktisch umsetzen? Werden sie dabei von Ihnen unterstützt oder müssen sie sich auf ihre eigene Expertise verlassen?
Die Save Food Packaging Design Guidelines sind bewusst so konzipiert, dass sie eigenständig anwendbar sind und sich nahtlos in bestehende Entwicklungs-, Qualitäts- und Innovationsprozesse integrieren lassen. Sie dienen als strukturiertes Referenzrahmenwerk für die Verpackungsentwicklung, das Qualitätsmanagement und die Nachhaltigkeitsbewertung und können sowohl in frühen Designphasen als auch zur Optimierung bestehender Lösungen eingesetzt werden.
Gleichzeitig werden Unternehmen nicht sich selbst überlassen. Die Save Food Packaging Design Guidelines sind Teil eines begleitenden Wissenstransfer-Ökosystems des World Packaging Institute sowie des Australasian Institute of Packaging und werden weltweit durch das World Packaging Institute und seine 66 Mitgliedsländer unterstützt. Dieses umfasst fachlichen Austausch, praxisorientierte Formate sowie Bewertungs- und Benchmarking-Tools. Ziel ist es, Unternehmen aktiv bei der Umsetzung wirksamer, nachhaltiger Verpackungskonzepte zu unterstützen.
Kontakt: nerida@worldpackaging.org
Weitere Infos: https://www.worldpackaging.org, aipack.com.au