Die Produktfamilie der Verpackungen mit Papier wächst. Gefragt bei Produzenten sind Drop-in-Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft und solche, bei denen Qualität,
Produktschutz und Verarbeitbarkeit weiterhin auf gewohnt hohem Niveau bleiben.
Papierbasierte Verpackungen erschließen sich zunehmend Anwendungsfelder, die bislang Kunststoffverbunden vorbehalten waren. Laut Experten wie Prof. Dr. Carsten Kortum könnten sie bis 2030 eine zentrale Rolle im europäischen Verpackungsmix einnehmen. „Es handelt sich nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern um einen tiefgreifenden Wandel, getrieben durch neue gesetzliche Vorgaben, ein gestiegenes Umweltbewusstsein in Verbindung mit einem veränderten Konsumentenverhalten sowie technologische Innovationen“, sagt der Studiengangsleiter der BWL-Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn (DHBW). Kortum analysierte dazu jüngst im Rahmen einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen die Perspektiven der sogenannten Paperisation. Befragt wurden Entscheider aus Industrie und Handel.
PPWR als Katalysator
Die Ergebnisse zeigen: Als wesentlicher Beschleuniger für flexible Verpackungen aus Papier und Karton gilt die neue EU-Verpackungsverordnung. „Die PPWR erzeugt bei Industrie und Handel hohen Handlungsdruck“, so Kortum. „Gleichzeitig bestehen in vielen Bereichen noch Unsicherheiten. Unternehmen fordern deshalb klare Standards und wirtschaftliche Anreize.“
Hinzu kommt: Da Papier zuverlässige Barriereeigenschaften gegenüber Feuchtigkeit, Sauerstoff oder Fett fehlen, braucht es hier neue Lösungen, die gleichzeitig den steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen.
Studie von DHBW und Heidelberg
Die Studie bietet Einblicke aus 21 Experteninterviews mit Entscheidern aus Handel und Industrie. Sie zeigt, wie Unternehmen das Potenzial papierbasierter Verpackungen strategisch nutzen können, zwischen Machbarkeit, Marktanforderung und Markenwirkung. Weitere Informationen unter https://heidelberg.com/paperisation
Funktionalisierte Barrierepapiere
Die technologischen Innovationen, die diese Anwendungen ermöglichen, sind daher zentrales Thema von Verpackungsspezialisten. Auch Heidelberger Druckmaschinen arbeitet an neuen Verfahren, um papierbasierte Verpackungen funktional weiterzuentwickeln und gleichzeitig deren Recyclingfähigkeit zu erhalten. Zu den Neuerungen zählt ein System, mit dem Barriereschichten direkt im bestehenden Rollen-Flexodruckprozess präzise auf Papierverpackungen aufgebracht werden können. Die Beschichtung erfolgt dabei registergenau und ausschließlich an den funktional notwendigen Stellen der Papierbahn.
Porridge neu verpackt
Weitere Beispiele für Papierverpackungen mit Barriere liefert Koehler Paper. NexPlus Seal Pure MOB ist heißsiegelfähig, mit integrierter Mineralölbarriere und für flexible Verpackungen trockener Lebensmittel geeignet. RUF Lebensmittelwerk nutzt es, um darin Porridge-Pulver abzufüllen. Das eingesetzte Barrierepapier bietet die erforderlichen Produktschutzeigenschaften und ist laut Confederation of European Paper Industries (CEPI) im Papierkreislauf recycelbar. „Mit der neuen Papierverpackung kommen wir unseren Nachhaltigkeitszielen einen weiteren entscheidenden Schritt näher“, sagt Martina Baumann, Teamleiterin Einkauf Verpackung von RUF. „Gleichzeitig stellen wir sicher, dass Qualität, Produktschutz und Verarbeitbarkeit weiterhin auf gewohnt hohem Niveau bleiben.“
Boom-Boom-Kaugummi in Papier
Der pakistanische Süßwarenhersteller Volka Food International setzt bei der Verpackung seiner Boom-Boom-Kaugummis auf das metallisierte Barrierepapier Koehler NexCoat Smart M. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Verpackungsverarbeiter Metatex sowie den Partnern Koehler Paper, Jacob Jürgensen Papier, Zellstoff und Trade International. Im Fokus stand dabei ein flexibles, recycelbares Verpackungspapier, das speziell für Anwendungen im Lebensmittelbereich entwickelt wurde. Das Material kombiniert eine hohe Bedruckbarkeit und Glanzwirkung mit einer guten Verarbeitbarkeit auf bestehenden Druck- und Verpackungsanlagen und erfüllt damit zentrale Anforderungen an industrielle Drop-in-Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
Zertifiziert nach CEPI-Methode
Die Confederation-of-European-Paper-Industries-(CEPI-)Methode ist ein europäisches Prüfverfahren zur Bewertung der Recyclingfähigkeit papierbasierter Verpackungen. Dabei wird simuliert, wie sich beschichtete oder laminierte Verpackungen im Papierrecycling verhalten. Verpackungen gelten als recyclingfähig, wenn Fasern im Standard-Recyclingprozess zurückgewonnen werden können und Beschichtungen den Prozess nicht wesentlich beeinträchtigen.
Flexible Papiere
Die Produktreihe NexFlex umfasst Standardprodukte im Bereich der gestrichenen und ungestrichenen Papiere, wie sie in Verbundstoffen für Beutel, Sachets und andere Anwendungen zum Einsatz kommen und sich damit für eine Vielzahl von Verpackungen eignen. Zur Produktfamilie gehören außerdem einseitig gestrichene Papiere mit guter Dimensionsstabilität und hoher Glätte sowie ungestrichene Papiere mit natürlichem Erscheinungsbild. Die Recyclingfähigkeit bestätigt die Papiertechnische Stiftung (PTS) anhand der aktuellen CEPI-Methode.
MAP-Schalen aus Papier
Eine Alternative zu herkömmlichen Hartplastikschalen für Frischfleisch und Fertiggerichte bietet Hartmann Packaging. Der Hauptbestandteil der FiberWise-Schalen ist Recyclingpapier. Durch ihren Einsatz lässt sich der Kunststoffanteil im Vergleich zu herkömmlichen PET- oder PP-Schalen um bis zu 90 Prozent reduzieren. Dies hilft Herstellern, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig die Ziele der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Die Schalen sind mit bestehenden Hochgeschwindigkeitsanlagen zum Entstapeln und Versiegeln kompatibel und bieten eine Plug-and-Play-Lösung, die kaum oder gar keine zusätzlichen Investitionen oder betrieblichen Änderungen erfordert. Die MAP-Schalen FiberWise wurden nach der Cepi-Methode als technisch recycelbar in Standard-Papierfabriken zertifiziert. Dies vereinfacht die Entsorgung für Verbraucher und ermöglicht die Integration der Verpackung in bestehende Papierrecyclingsysteme.