Effizientere Grobfutterversorgung ist aktuelles Thema
Mit einem Mittelwert von jeweils 1,53 sehen die befragten Landwirtinnen und Landwirte die höhere Effizienz der Grobfutterversorgung sowie die Verbesserung der Tiergesundheit als sehr wichtig an. Die Produktion von qualitativ hochwertigem Grobfutter ist für die Betriebe eine Herausforderung und gleichzeitig ein entscheidender Hebel für Tiergesundheit, Herdenleistung und Profitabilität.
Die systematische Kontrolle des Grobfutters von der Ernte bis zur Aufnahme durch das Tier sorgen dafür, dass der Nährwert, die Futteraufnahme und die aerobe Stabilität gewährleistet werden können.
Insbesondere durch die Dürre im Jahr 2026 und die damit verbundene Futtermittelknappheit rückt die Futtergewinnung und -verwertung noch weiter in den Fokus. Futter muss so effizient wie möglich und ohne Verluste verwertet werden. Darüber hinaus wird in diesen herausfordernden Zeiten ebenso die Futterqualität immer bedeutender.
Tiergesundheit hat ebenso hohen Stellenwert
Die Tiergesundheit, aber auch die Verbesserung des Herdenmanagements und der Tierbeobachtung, werden von den befragten Landwirten ebenfalls als sehr wichtig eingestuft. Durch das Monitoring und frühzeitige Erkennen sowie durch Maßnahmen, um den Komfort der Kühe zu verbessern, kann ein gesunder und leistungsfähiger Bestand erhalten werden und es ergeben sich wirtschaftliche Vorteile. Nur gesunde Kühe geben zuverlässig Milch. Dementsprechend wünschen sich die Teilnehmenden der Befragung auch in diesem Bereich Innovationen.
Bedarfsgerechte Fütterung
Neben der höheren Effizienz der Grobfutterverwertung wünschen sich die Befragten auch Innovationen bei der bedarfsgerechten Fütterung. Trotz der vorhandenen theoretischen Grundlagen zur Fütterung passt das Fressverhalten oft nicht zu den Analyseergebnissen der Silage. Hier erhoffen sich die Betriebe mehr Informationen und vor allem Transparenz. Beachtet werden muss auch unbedingt das Wechselspiel mit der bereits thematisierten Bedeutung der Qualität der Silage. In diesem Zusammenhang spielen allgemeingültige und zuverlässige Vorgaben zum Bedarf bzw. zur bedarfsgerechten Versorgung der Milchkuh mit Energie und Nährstoffen und zur Rationsgestaltung eine wesentliche Rolle. Die von der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie 2023 veröffentlichten neuen Empfehlungen wurden vom DLG-Arbeitskreis Futter & Fütterung für die praktische Anwendung umgesetzt, die erarbeiteten Beratungsempfehlungen stehen inzwischen vollständig zur Verfügung und werden ebenso auf dem Spotlight im Rahmen der EuroTier 2026 vorgestellt.
Vermarktung von Milch- und Milchprodukten
Die Vermarktung von Milch und Milchprodukten ist in Deutschland regional an einzelne Molkereien gebunden. Daher besteht für die Betriebe kaum Spielraum, um den Abnehmer zu wechseln oder Einfluss auf den Preis oder die Vermarktung zu nehmen. Hier wünschen sich die Betriebe Innovationen und Verbesserungen.
Arbeitsorganisation und Datenmanagement
Darüber hinaus wünschen sich die Teilnehmenden Innovationen im Bereich der Arbeitsorganisation. Automatisierung und digitale Assistenzsysteme können Routinetätigkeiten unterstützen und dazu beitragen, Arbeitsabläufe zu strukturieren. Voraussetzung ist jedoch, dass die Technik zuverlässig arbeitet und in die betrieblichen Prozesse passt.
Ebenfalls unter den TOP 10 ist das Datenmanagement. In der Milchviehhaltung sind bereits verschiedene Sensor- und Monitoringsysteme verfügbar. Eine Herausforderung besteht darin, diese unterschiedlichen Anwendungen miteinander zu verknüpfen und die Daten ohne zusätzliche Komplexität im Betrieb nutzbar zu machen.
Insgesamt erwarten die befragten Milchviehhalter Innovationen vor allem dort, wo sie unmittelbar zur Tiergesundheit, zur Futtereffizienz und zur betrieblichen Entscheidungsfähigkeit beitragen. Die Rangfolge macht zugleich deutlich, dass technische Neuerungen nicht als Selbstzweck betrachtet werden: Sie sollen Transparenz schaffen, Arbeitsabläufe verbessern und die wirtschaftliche Stabilität der Milchviehbetriebe unterstützen.
Das Thema Biosicherheit und Hygiene von den Landwirtinnen und Landwirten mit einem Mittelwert von 1,9 als wichtig eingestuft, schafft es damit aber nicht unter die TOP 10. Das ist deshalb erstaunlich, weil Tierseuchen inzwischen auch im Bereich der Rinder- und Milchkuhhaltung immer öfter auftreten und damit an Bedeutung gewinnen.
EuroTier 2026: DLG-Spotlight: Grobfuttererzeugung
Diverse DLG-Ausschüsse arbeiten intensiv an diesem Thema und veröffentlichen in Kürze zum Beispiel das Handbuch zur Futter- und Substratkonservierung. Zudem widmet die EuroTier 2026 der Grobfuttererzeugung ein eigenes Spotlight.
DLG-Agrifuture Insights
DLG-Wissensmarke und -plattform für internationale Trendanalysen im Agrarsektor
Sie untersucht das Geschäftsumfeld in der Landwirtschaft in Deutschland und weltweit. Hierfür werden jährlich Landwirte und Personen aus dem Agribusiness, der Wissenschaft und der Beratung zu ihren Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation und Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe, sowie zu Techniktrends und Innovationen in den einzelnen Betriebszweigen befragt. An der aktuellen Befragung im Winter 2025/26 nahmen insgesamt 1.772 Personen teil.