Wo investieren Milchviehbetriebe – und warum?

Im Rahmen der DLG-Agrifuture Insights Befragung Winter 2025/26 wurden Milchviehbetriebe nach ihren geplanten Investitionen befragt. Hier spielten bauliche und verschiedene technische Bereiche auf den Betrieben eine Rolle.

An erster Stelle standen zum Befragungszeitpunkt der Stallneubau, -umbau oder die Stallerweiterung. Dies zeigt den Investitionswillen und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung der Betriebe. Dabei dürfte es sich aktuell vor allem um den Stallumbau und die Stallerweiterung handeln und weniger um Stallneubauten. 

AMS mit höchstem Stellenwert bei Melktechnik

Bei der Melktechnik dominieren Automatische Melksysteme (AMS) die Investitionsbereitschaft. Als Motive dafür sind die Arbeitszeitentlastung zu nennen – und die wachsende Schwierigkeit, geeignete Fachkräfte für das Melken zu finden. Der Roboter übernimmt in diesem Fall eine Tätigkeit, die einen Großteil der Routinearbeitszeiten auf einem Milchkuhbetrieb ausmacht und für die qualifiziertes Personal immer schwerer zu gewinnen ist.

Anders stellt sich die Situation bei der Fütterungstechnik dar: Hier planen die Betriebe vor allem Investitionen in konventionelle Technik, also klassische Futtermischwagen statt automatisierter Fütterungssysteme. Die Gründe sind vielschichtig: Die Investition in automatische Fütterungssysteme ist im Vergleich zum Futtermischwagen erheblich teurer, erfordern ein spezifisches Stallsystem und lassen eine spätere Umrüstung je nach System kaum zu. 

Kameras und KI: Große Dynamik erwartet

Kamera- und Sensortechnik stehen bei jeweils rund 20 Prozent der Betriebe auf der Investitionsliste. Sensortechnik ist in der Milchviehhaltung bereits weit verbreitet – entsprechend ist der unmittelbare Investitionsbedarf hier geringer. Kameratechnik hingegen ist eine Zukunftstechnologie: Für leistungsfähige KI-gestützte Auswertung werden große Mengen an Trainingsdaten benötigt. Das Potenzial dieser Technologie ist hoch – die wirtschaftliche Reife für die breite Praxis und verschiedenste Einsatzbereiche ist nur eine Frage der Zeit.

Besonders spannend bleibt der Blick auf KI-basiertes Datenmanagement. Hier wollen 15 Prozent der Betriebe investieren. Das Marktangebot ist ausbaufähig, auf Betrieben fallen in unterschiedlichen Systemen eine Vielzahl an Daten an, die bisher kaum in ein einzelnes Auswertungssystem zur Analyse und Entscheidungsfindung zusammengeführt werden. Genau darin liegt aber das Potenzial – in keinem anderen Bereich dürfte die Dynamik in den kommenden Jahren so groß sein.

DLG-Agrifuture Insights

DLG-Agrifuture Insights ist die DLG-Wissensmarke und -plattform für internationale Trendanalysen im Agrarsektor. Sie untersucht das Geschäftsumfeld in der Landwirtschaft in Deutschland und weltweit. Hierfür werden jährlich Landwirte und Personen aus dem Agribusiness, der Wissenschaft und der Beratung zu ihren Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation und Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe, sowie zu Techniktrends und Innovationen in den einzelnen Betriebszweigen befragt. An der aktuellen Befragung im Winter 2025/26 nahmen insgesamt 1.772 Personen teil.