Ökonomische Entwicklungen – Die Stimmung ist durchwachsen
In der aktuellen DLG-Agrifuture Insights Befragung im Winter 2025/26 wurden erneut Landwirte weltweit nach ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation befragt. In der Grafik des Monats betrachten wir speziell die Ergebnisse der europäischen Landwirte mit den Hauptbetriebszweigen Ackerbau, Milchviehhaltung und Schweinehaltung.
Über alle Betriebszweige hinweg sehen sich alle Betriebe aktuell mit der großen Herausforderung konfrontiert, kostendeckend zu produzieren – angesichts niedriger Erzeugerpreise, weiterhin hoher Preise für Betriebsmittel sowie einem Anpassungsdruck durch politische Vorgaben und steigende Dokumentationspflichten.
Beurteilung der Geschäftslage: Stark vom Betriebszweig abhängig
Dementsprechend bewerten die Ackerbaubetriebe ihre aktuelle Geschäftslage im Schnitt als mittelmäßig und die Geschäftsentwicklung noch etwas negativer. Als noch deutlicher im negativen Bereich beurteilen die Schweinehalter ihre aktuelle Geschäftslage und Geschäftsentwicklung. Dies verwundert angesichts der in Deutschland politischen und in der Europäischen Union (EU) marktrechtlichen Rahmenbedingungen nicht. Obwohl auch die Milchviehhalter derzeit nicht kostendeckend produzieren können, bewerten sie ihre aktuelle Geschäftslage dennoch positiver gegenüber anderen Betriebszweigen. Diese Einschätzung dürfte sowohl auf die erfolgreichen letzten Wirtschaftsjahre als auch auf die insgesamt günstigen, sowohl mittel- als auch langfristig gesehenen Entwicklungsperspektiven zurückzuführen sein.
Rentabilität: Negativ beim Schweinefleisch, positiv in der Milcherzeugung
Die europäischen Ackerbauern sehen angesichts hoher Betriebs(mittel)kosten und niedriger Erzeugerpreise besonders die Rentabilität mit 3,15 im Schnitt eher als schlecht an. Als etwas besser beurteilen sie ihre Stabilität und Liquidität.
Sie stehen insgesamt unter starkem Anpassungsdruck durch Klimawandel, Wetterextreme, politische Vorgaben und steigende Dokumentationspflichten, gepaart mit gleichzeitigen Unsicherheiten durch internationale Handelsabkommen, Änderungen in der GAP und Preisvolatilität.
Noch etwas negativer sehen die Schweinehalter die Rentabilität. Seit Mitte 2025 fallen hier die Erzeugererlöse. Gründe sind unter anderem steigende Schlachtmengen in der EU, chinesische Antidumping-Zölle, wobei gleichzeitig hohe Kostenblöcke bestehen bleiben. Hinzu kommen das Tierseuchenrisiko, vor allem durch die Afrikanische Schweinepest, die zum einen strenge Biosicherheitsmaßnahmen erfordert und zum anderen Vermarktungsprobleme in Sperrzonen verursacht, sowie neu eingeführte Zölle und Freihandelsabkommen wie Mercosur.
Die Milchviehhalter verfügen dank der Rekordergebnisse in den vergangenen Wirtschaftsjahren über ein finanzielles Polster und sehen daher auch ihre Stabilität und Liquidität als gut an. Die Profitabilität bewerten sie als mittelmäßig bis gut.
Zur Einordnung
Die Daten, auf die sich die vorangegangenen Ausführungen beziehen, wurden über den Jahreswechsel 2025/2026 erhoben. Um die Ergebnisse in ihrer Bedeutung korrekt einordnen zu können, soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass eine aktuelle Beurteilung der Geschäftslage und Rentabilität – über alle hier genannten Betriebszweige hinweg – vermutlich negativer ausfallen würde. Grund dafür ist die gegenwärtige Rohstoffkrise, ausgelöst durch die militärischen Konflikte im Nahen Osten, die sich bereits auf alle Wirtschaftsbereiche auswirkt. Dazu gehören unter anderem die Verfügbarkeit von Öl, sonstigen Energieträgern und Düngemitteln.
DLG-Agrifuture Insights
DLG-Agrifuture Insights ist die DLG-Wissensmarke und -plattform für internationale Trendanalysen im Agrarsektor. Sie untersucht das Geschäftsumfeld in der Landwirtschaft in Deutschland und weltweit. Hierfür werden jährlich Landwirte und Personen aus dem Agribusiness, der Wissenschaft und der Beratung zu ihren Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation und Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe, sowie zu Techniktrends und Innovationen in den einzelnen Betriebszweigen befragt. An der aktuellen Befragung im Winter 2025/26 nahmen insgesamt 1.772 Personen teil.