Dezentrale Energieversorgung:
EU-Landwirte setzen vor allem auf Speicher
und die Flexibilisierung von Biogasanlagen 

Leiterinnen und Leiter landwirtschaftlicher Betriebe sind als Betreibende von Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und Kleinwindanlagen seit Jahren wichtige Akteure der Energiewende. So erzeugen sie dezentral Energie und tragen zur regionalen Versorgungssicherheit bei.

Im Rahmen der DLG-Agrifuture Insights Befragung Winter 2025/26 wurden die Teilnehmenden gefragt, in welchen Bereichen der dezentralen Energieversorgung sie sich Innovationen erhoffen. In der Grafik des Monats zeigen wir, in welche Bereiche europäische Landwirtinnen und Landwirte ihre größten Hoffnungen setzen. 



Speicher als Schlüsseltechnologie der Energiewende

Die größten Hoffnungen setzen die Befragten in Innovationen bei den Speichermöglichkeiten. Dieses Ergebnis überrascht nicht, denn je weiter der Ausbau fluktuierender erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Wind voranschreitet, desto drängender wird die Frage, wie erzeugte Energie bedarfsgerecht gespeichert und verfügbar gemacht werden kann. Batteriespeicher gelten als Schlüsseltechnologie für Flexibilität und Wirtschaftlichkeit – besonders dann, wenn sie intelligent mit anderen Energiequellen kombiniert werden.
 

Biogas flexibel und effizient nutzen

Darüber hinaus werden Hoffnungen auf die Flexibilisierung von Biogasanlagen sowie die direkt damit verbundene, verbesserte  Effizienz von Motoren gesetzt, womit im Kontext der dezentralen Energieerzeugung vor allem die Gasmotoren in Blockheizkraftwerken (BHKW) gemeint sind. Biogasanlagen bieten gegenüber anderen erneuerbaren Energieträgern den entscheidenden Vorteil, dass sie Strom produzieren können, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen. Flexible Biogasanlagen, die auf Marktsignale reagieren und Spitzenstrom liefern können, gelten daher als wichtiger Baustein einer resilienten Energieversorgung. Gleichzeitig stellt sich vielen Betrieben in Deutschland die Frage, wie auslaufende EEG-Förderungen durch neue Geschäftsmodelle ersetzt werden können: Flexibilisierung, Gas-Direkteinspeisung als Biomethan oder perspektivisch die Herstellung von Wasserstoff sind mögliche Wege – und alle drei spiegeln sich in den Innovationswünschen der Befragten wider.

Europaweit nehmen Stunden mit negativen Börsenstrompreisen stark zu – im ersten Quartal 2026 wurden in den EU-27-Märkten bereits über 1.200 solcher Stunden gezählt, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Wer zu diesen Zeiten unflexibel einspeist, erzielt keine oder sogar negative Erlöse. Speicher und flexible Biogasanlagen sind damit nicht nur eine technische Innovation, sondern zunehmend eine wirtschaftliche Notwendigkeit für landwirtschaftliche Energieerzeugerinnen und -erzeuger in ganz Europa.

Gerade an Standorten mit bestehender Biogasanlage bietet die vorhandene Netzinfrastruktur ideale Voraussetzungen für die Integration von Speichern: flexible Lastprofile, die Möglichkeit zur Pufferung von Überschüssen und attraktive Vermarktungsoptionen machen diese Kombination zu einer wirtschaftlich attraktiven Strategie für zukunftsfähige Energiebetriebe.
 

PV und Agri-PV

Ebenfalls von Bedeutung sind für die befragten Landwirtinnen und Landwirte Photovoltaik (PV) und Agri-PV-Anlagen. Neben der bereits weit verbreiteten Nutzung von Wirtschaftsgebäuden für PV-Anlagen, bietet auch Agri-PV durch die Doppelnutzung von Flächen für Stromerzeugung und Landwirtschaft zusätzliches Potenzial. Hier können zum Beispiel auch Beschattungseffekte durch die PV-Anlage für Kulturen wie Beeren oder Gemüse genutzt werden.
 

Wasserstoff, Kleinwindanlagen und LNG: Zukunftstechnologien mit Perspektive

Wasserstoff und Flüssigerdgas (liquified natural gas, kurz: LNG) befinden sich in der breiten landwirtschaftlichen Praxis noch in einem frühen Stadium, sowohl technologisch als auch wirtschaftlich. Entsprechend stufen die Befragten Innovationen in diesen Bereichen als weniger dringlich ein. Wasserstoff aus Biogas oder erneuerbarem Strom sowie Power-to-Gas-Konzepte gelten aber langfristig als vielversprechend. 

Da Kleinwindanlagen standortbedingte Grenzen und – verglichen mit  PV – oft eine geringere Wirtschaftlichkeit aufweisen, wurden diese von den Landwirtinnen und Landwirten als weniger wichtig eingestuft. 

Messelogo "Energy Decentral".

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