Hygiene

Von der Schleuse bis zur Druckluft

aus: DLG-Lebensmittel 2/2026

Hygieneschleuse, Reinraumtechnik, Luftmanagement – drei Bereiche, die in der Lebensmittelproduktion oft getrennt betrachtet werden. Dabei entscheidet genau ihr Zusammenspiel darüber, ob ein Hygienekonzept wirklich trägt. Wie Heim-EDT, RK Rose+Krieger und SMC Deutschland diese Systemkette in der Praxis lückenlos schließen.

© Petra Sarow

4.837 Lebensmittel- und Getränkerückrufe wurden in Europa im Jahr 2023 registriert – ein Zehnjahreshoch, das fünfte Rekordjahr in Folge. Mehr als 40 Prozent der Ursachen entfielen auf bakterielle Verunreinigungen (Quelle: Sedgwick European Recall Index 2024). Kontaminationsschutz ist damit längst keine Frage der Sorgfalt mehr, sondern eine betriebliche Überlebensfrage mit direkter öffentlicher Wirkung.

Was diese Zahlen auch zeigen: Hygiene lässt sich nicht mit einer einzigen Maßnahme sichern. Sie ist ein System – das am Betriebseingang beginnt, sich in der Konstruktion jedes Bauteils fortsetzt und erst dort endet, wo die letzte Druckluftdüse hygienisch einwandfreie Luft in den Produktionsbereich abgibt. Drei Unternehmen zeigen, wie sich diese Systemkette in der Praxis lückenlos schließen lässt.

Hygieneschleuse

Jede Kontamination, die einen Lebensmittelbetrieb von außen erreicht, hat irgendwann eine Eingangstür passiert. Heim-EDT aus Crailsheim (Satteldorf) ist seit über 30 Jahren auf Hygieneschleusen und Hygienestationen spezialisiert – maßgeschneidert für Lebensmittel-, Pharma- und Industriebetriebe.

Im Bereich Personalhygiene bietet Heim-EDT drei grundlegende Schleusenkonzepte an: zwangsgeführte räumliche Hygieneschleusen für große Betriebe mit hohem Personalaufkommen, zwangsgeführte kompakte Schleusen für begrenzte Raumverhältnisse sowie Hygieneschleusen gemäß Betriebsanweisung für Kleinbetriebe oder Nebeneingänge. Je nach Betriebsgröße und Anforderungsprofil reicht das Einsatzspektrum vom Großschlachtbetrieb bis zur Bäckerei mit saisonalem Personalwechsel.

ls konkretes Einstiegsmodell steht das DSR1000-Mini exemplarisch für den Heim-EDT-Ansatz: Die Schleuse kombiniert Durchlaufsohlenreinigung, Handdesinfektion und ein elektromechanisches Drehkreuz in einer kompakten Einheit. Ausgeführt in Edelstahl 1.4301, ausgelegt auf 400 V/50 Hz und 1 kW mit Schutzklasse IP64, ist sie für den rauen Dauerbetrieb in feuchten Produktionsumgebungen konzipiert. Das Ergebnis ist keine Standardlösung von der Stange, sondern eine Komplettlösung, die entsprechend den Anforderungen der Qualitätssicherung konfiguriert wird – nach Mitarbeiterzahl, Raumverhältnissen, Verschmutzungsgrad und spezifischen Hygieneanforderungen. Sie setzt HACCP-Anforderungen baulich um statt nur zu dokumentieren: Der zwangsgeführte Durchlauf stellt sicher, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter alle Hygieneschritte vollständig absolviert – unabhängig von Zeitdruck oder persönlicher Sorgfalt. Die sensorgesteuerte Handdesinfektion mit einstellbarer Dosiermenge gewährleistet eine definierte Wirkstoffkonzentration und Einwirkzeit, die als kritischer Kontrollpunkt im HACCP-Plan dokumentierbar ist.
 

Hygieneschleuse mit Fluchttür und Schaftreinigung von Heim-EDT. © Heim-EDT

Die Einsatzbereiche sind breit: Von der Fleischverarbeitung über Bäckereien, Molkereien und Großküchen bis hin zu industriellen Produktionsstätten. Allen gemeinsam ist die Anforderung, dass Mitarbeitende beim Betreten hygienisch sensibler Zonen zuverlässig dekontaminiert werden – schnell, reproduzierbar und ohne Umgehungsmöglichkeit. Betriebe, die auf ein professionelles Schleusenkonzept setzen, reduzieren nachweislich den Aufwand bei Hygieneaudits und minimieren das Risiko von Beanstandungen durch Lebensmittelkontrollbehörden.
Besonders in der Fleisch- und Molkereiverarbeitung, wo Feuchtigkeit, organische Rückstände und häufige Personalwechsel zwischen Zonen ein dauerhaftes Kontaminationsrisiko darstellen, ist die Schleuse mehr als ein Hygienehinweis – sie ist eine physische Barriere, deren Wirksamkeit direkt messbar ist. Die Anlagen von Heim-EDT sind für genau diese Bedingungen ausgelegt: robust, reinigungsfreundlich und so konzipiert, dass die Einhaltung der Hygienemaßnahmen nicht vom Wohlwollen einzelner Mitarbeitender abhängt, sondern baulich erzwungen wird. „Hygiene lässt sich nicht von der Stange kaufen. Jeder Betrieb hat andere Räumlichkeiten, andere Personalströme, andere Verschmutzungsgrade. Deshalb entwickeln wir jede Anlage individuell – vom ersten Gespräch bis zur Inbetriebnahme“, so Daniel Sperr, Geschäftsführer Heim-EDT GmbH 

Dieser Ansatz spiegelt sich auch in der konstruktiven Gestaltung wider: Alle eingesetzten Materialien entsprechen den Anforderungen lebensmittelnaher Produktionsumgebungen, sind korrosionsbeständig und für aggressive Reinigungsregime ausgelegt. Die Oberflächen sind glatt und spaltfrei, um Biofilmbildung zu verhindern. Damit wird die Schleuse selbst nicht zur Kontaminationsquelle – ein Detail, das in der Praxis häufig übersehen wird.

„Hygiene lässt sich nicht von der Stange kaufen. Jeder Betrieb hat andere Räumlichkeiten, andere Personalströme, andere Verschmutzungsgrade. Deshalb entwickeln wir jede Anlage individuell – vom ersten Gespräch bis zur Inbetriebnahme.“ 

Daniel Sperr, Geschäftsführer Heim-EDT GmbH

Modulare Edelstahltechnik 

Ist der Personaleintritt gesichert, verlagert sich die Hygiene­frage ins Innere der Anlage. Hier setzt RK Rose+Krieger an: Das Unternehmen aus Minden ist Spezialist für modulare Verbindungs- und Positioniersysteme – darunter Edelstahl-Lösungen speziell für Reinraum- und Hygieneumgebungen. Im Reinraum genügt es nicht, nur die Luft partikelfrei zu halten: Auch jedes Trägersystem, jede Halterung und jedes Verbindungselement darf keine Kontaminationsquelle darstellen.

„Doch nicht nur das Material selbst ist entscheidend, sondern auch dessen Verarbeitung und Geometrie“, erklärt Björn Riechers, Geschäftsführer von RK Rose+Krieger. Alle eingesetzten Edelstahlkomponenten – ob Rohr, Verbindungselement oder Spannelement – sind auf hygienisches Design ausgelegt: glatte Übergänge, keine unnötigen Kanten, große Reinigungsöffnungen und Sacklochausführungen verhindern Partikelablagerungen. „Für den Transport durch Schleusen werden alle Bauteile ordnungsgemäß gereinigt und zweifach luftdicht verpackt – ein Detail, das oft unterschätzt wird, aber essenziell für den Partikelschutz ist“, ergänzt Riechers.

Robust Clamps – hochfeste, temperatur- und korrosions­beständige Rohrverbinder aus Edelstahl. © RK Rose+Krieger

Der klassische Weg – verschweißte Edelstahlgestelle – stößt in der Reinraumpraxis an klare Grenzen: Schweißnähte und Bearbeitungsspuren schaffen Schmutznester, geschweißte Gestelle lassen sich kaum durch Schleusen transportieren, und im Reinraum selbst ist Schweißen ohnehin unzulässig. Wer eine Produktionslinie ändert, muss das gesamte Gestell neu anfertigen lassen.
Die Antwort sind zwei aufeinander abgestimmte Produktlinien: das Edelstahl-Montage-System EMS und die Robust Clamps. Das EMS-System kombiniert Edelstahl-Verbindungselemente per Spanntechnik mit zugeschnittenen Rohren – ohne Schweißen, ohne Schleifen, ohne Beizen. Die Montage erfordert lediglich einen Innensechskantschlüssel. Die Spanntechnik ist das Herzstück: Bei Rundrohren sorgen zwei Halbschalen für einen zentrierten Vierpunktkontakt, bei Vierkantrohren erzeugt eine diagonale Verspannung sechs Anlageflächen – Toleranzen bis 2 mm werden ausgeglichen, ein Kippeln oder Lösen der Verbindung zuverlässig verhindert. Verbindungsstellen können bei Bedarf mit Abdeckungen aus lebensmittelechtem Kunststoff verschlossen werden.

Für mechanisch hochbeanspruchte Anwendungen – etwa in der Fördertechnik – ergänzen die Robust Clamps das Portfolio. „Diese Elemente lassen sich ebenfalls ohne Spezialwerkzeug montieren, bieten aber zusätzliche Stabilität für stoßsichere oder hochbeanspruchte Anwendungen“, betont Riechers. Große Schlitze, glatte Übergänge und Sackloch-Ausführungen verhindern Schmutzansammlungen, außenliegende Schrauben erleichtern die Montage. Verfügbar in Varianten wie Flansch-, Winkel-, Fuß- oder Kreuzklemmstücke in den Baugrößen 12 bis 50 mm.
Modularität allein wird künftig nicht mehr genügen. Verbindungssysteme müssen sich intelligent in digitale Produktionssysteme integrieren lassen – etwa durch sensorisch überwachbare Komponenten oder digitale Planungs- und Konfigurationsschnittstellen.

Das Zusammenspiel aus Material, Design und Systemarchitektur sorgt dafür, dass sich die Systeme leicht reinigen, anpassen und erweitern lassen – ohne Betriebsunterbrechung. Die Demontierbarkeit jedes Verbindungselements ermöglicht auch temporäre Konstruktionen – eine Eigenschaft, die bei sich häufig ändernden Produktionsprozessen oder Auditvorgaben gefragt ist. Ablaufbohrungen in EMS-Fußelementen verhindern Flüssigkeitsreste nach der Reinigung. Als Tochter der Phoenix Mecano AG fließt internationales Know-how in Produktentwicklung und Systemarchitektur ein.

Aktuell umfasst das Produktprogramm jeweils fünf verschiedene EMS-Elemente für Rund- und Vierkantrohre. © RK Rose+Krieger

Luftmanagement

Luftmanagement in der Lebensmittelproduktion wird häufig auf Raumbelüftung, UV-Strahlung- und Filteranlagen reduziert. Dabei wird ein entscheidender Faktor übersehen: Druckluft. In pneumatischen Systemen wird Druckluft – entweder bewusst als Teil des Prozesses oder unbewusst durch Leckagen – direkt in die Produktionsumgebung abgegeben. Druckluft ist damit kein isoliertes Betriebsmittel, sondern aktiver Bestandteil der Raumluft im Produktionsbereich. Wer Luftmanagement ernst nimmt, muss auch die Druckluft kontrollieren.

Hinzu kommt ein physikalisches Grundprinzip, das in der Praxis häufig unterschätzt wird. Gelangt unkontrollierte Druckluft in den Produktionsbereich, gefährdet sie die Produkthygiene im gesamten Bereich. Selbst neue Zylinder und Ventile können bereits eine Mikroleckage haben, die mit der Zeit zunimmt. SMC Deutschland liefert die Systemlösung, um diesen Lufteintrag zu kontrollieren und auf definierte Reinheitsklassen zu bringen. „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Verdichtung von Luft auf 10 bar die in ihr enthaltenen Kontaminanten im Vergleich zum Atmosphärendruck um den Faktor 10 konzentriert.“ – Björn Prinz, Team Manager Food & Packaging, SMC Deutschland GmbH

Die modulare Filterserie HF2-BF von SMC Deutschland – drei Stufen für hygienisch klassifizierte Druckluft nach ISO 8573-1 und ein Bakterienfilter. © SCM Deutschland GmbH

Grundlage ist die ISO 8573-1:2010, die Reinheitsklassen für drei Kontaminantentypen definiert: Feststoffpartikel [A], Wasser [B] und Öl [C] – ausgedrückt als Klasse [A:B:C]. Dabei legt nicht die Norm, sondern der Lebensmittelhersteller selbst fest, welche Reinheitsklasse sein Prozess erfordert. Für produktberührende Druckluft empfiehlt SMC die Klasse [1:4:1] – also höchste Reinheit bei Partikeln und Öl, mittlere Anforderung an Feuchtigkeit.

Für den Einsatz in lebensmittelverarbeitenden Betrieben hat SMC die Serie HF2-BF entwickelt – ein modulares System aus vier aufeinander abgestimmten Filterstufen zur Aufbereitung produktberührender Druckluft. Die antibakteriellen Filter HF2-BFA (5 µm) und HF2-BFB (0,1 µm) erreichen einen antibakteriellen Aktivierungswert von 4 oder höher nach JIS L 1902. Der nachgeschaltete Geruchsfilter HF2-BFC reduziert den Restölgehalt auf maximal 0,003 mg/m³. Den Abschluss bildet der Bakterienfilter HF2-BFD (0,01 µm) mit einer Filterleistung von LRV ≥ 9. Alle kunststoff- und gummihaltigen medienberührenden Bauteile entsprechen den FDA-Anforderungen sowie dem japanischen Lebensmittelhygienegesetz; die Schmierung ist NSF-H1-zertifiziert. Die Serie unterstützt zudem den Erwerb der FSSC-22000-Zertifizierung – einem der international angesehensten Standards für Lebensmittelsicherheitsmanagementsysteme.

Damit das Luftmanagement-Konzept lückenlos bleibt, reicht Filtration allein nicht aus – es braucht kontinuierliche Überwachung. SMC-Monitoring-Systeme erfassen Feuchte, Temperatur, Differenzdruck und Durchfluss in Echtzeit. Der Nutzen ist direkt auf die Anforderungen der Lebensmittelproduktion ausgerichtet: Verhinderung von Keimwachstum und Kreuzkontamination durch kontrollierte Parameter, Frühwarnung bei Filterverschleiß oder Leckagen, bevor Stillstände entstehen, sowie lückenlose Dokumentation für HACCP- und ISO-22000-Audits.

Fazit

Heim-EDT, RK Rose+Krieger und SMC Deutschland adressieren unterschiedliche Ebenen derselben Herausforderung: Kontaminationsschutz in der Lebensmittelproduktion lückenlos zu gestalten – vom Personaleintritt über die Anlagenkonstruktion bis hin zur Druckluftqualität. Jede Ebene besitzt ihre eigene Schwachstelle, jedes Unternehmen liefert darauf eine spezifische Antwort.
Was alle drei Ansätze verbindet: Sie schaffen nicht nur hygienische Zustände, sondern auditfähige Prozesse. Der Schleusendurchlauf ist dokumentierbar, Verbindungselemente sind prüfbar und rückverfolgbar, die Druckluftqualität klassifiziert und kontinuierlich überwacht. Für Betriebe unter gängigen Lebensmittelstandards bedeutet das konkret: weniger Aufwand bei der Auditvorbereitung und mehr Sicherheit beim Wirksamkeitsnachweis.

Für Qualitätsverantwortliche ergibt sich daraus ein zentraler Denkansatz: Hygiene ist keine Summe zertifizierter Einzelprodukte – sie ist eine Systemfrage. Welche Kontaminationspfade im eigenen Betrieb noch offen sind, entscheidet nicht nur über das Audit-Ergebnis von morgen, sondern über die Produktsicherheit von heute.

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