Tiefkühlkost, Convenience und Snacks

In großer Vielfalt produzieren

aus: DLG-Lebensmittel 1/2026

Die Abwechselung am Point of Sale nimmt zu. Hersteller von Tiefkühlkost, Fertiggerichten und Snacks müssen sich jederzeit an die Marktanforderungen und Verbraucherwünsche anpassen können. Ein Blick auf innovative Zutaten und flexible Anlagen, mit denen sich die steigende Produktvielfalt, Fachkräftemangel und Effizienzanforderungen meistern lassen.

Die Zahlen sprechen für sich: Während 1960 im Durchschnitt 800 Gramm Tiefkühlprodukte pro Person und Jahr verzehrt wurden, sind es heute laut einer Absatzstatistik vom Deutschen Tiefkühlinstitut (dti) rund 50 Kilogramm. Das zeigt, wie stark sich die Essgewohnheiten verändert haben. In einer Gesellschaft, in der für viele wenig Zeit zum Kochen bleibt, bieten Tiefkühlprodukte eine praktische Lösung. Sie sind lange haltbar, schnell zubereitet und meist jederzeit verfügbar. 

Produktionsband mit industriell hergestelltem Blätterteig
© Multivac

Frisch und unkompliziert

Doch TK ist nicht nur praktisch. Es ist auch ein Segment, das viel Auswahl bietet. Laut YouGov Shopper Panel 2024 bietet der Lebensmittelhandel aktuell rund 11.000 tiefgefrorene Artikel an. Am häufigsten gekauft werden TK-Gemüse und -Kräuter, tiefgekühlte Kartoffelprodukte, TK-Pizza und -Fisch. Das zeigt das aktuelle „TK-Trendbarometer“, eine Verbraucherbefragung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des dti. „Tiefkühlprodukte sind hoch relevant für eine leckere, frische und bezahlbare Lebensmittelversorgung“, erklärt Dr. Sabine Eichner. „Sie sind dank der natürlichen Kraft der Kälte frischer als frisch und vor allem zeitsparend und unkompliziert zuzubereiten. Damit unterstützen sie die Menschen in ihrem modernen, beschäftigten Alltag, schenken Zeit für Gemeinschaft und unbeschwerten Genuss“, so die dti-Geschäftsführerin. 

Good-4-U-Produkte

Auf der Anuga Frozen Food präsentieren Hersteller alle zwei Jahre in Köln, wie kreativ die Tiefkühlwirtschaft neue Trends aufgreift. Im vergangenen Oktober zählten dazu Innovationen wie Algenkroketten, High Protein Cheese Sticks und Ananas-Gyoza. Eine neue Vielfalt, die unterstreicht: Neben Tiefkühlprodukten spielen Convenien­ce-­Lebensmittel und Snacks eine zentrale Rolle in der modernen Ernährung. Zudem steigt die Nachfrage nach gesünderen Optionen mit weniger Zucker, Salz oder Fett, dafür mehr pflanzliche Proteine und Ballaststoffe, kurze Zutatenlisten und nachvollziehbare Rohstoffe. Ingredientsspezialisten wie Loryma fassen darunter einen Verbrauchertrend zusammen, bei dem Genuss, Verträglichkeit und ein stimmiges Nährwertprofil zusammenkommen. 

Wie Hersteller dazu die passenden „Good-4-U-Produkte“ kreieren, veranschaulicht das Unternehmen mit funktionellen Inhaltsstoffen. Zur Proteinanreicherung von Backwaren, Pasta, Füllungen, Cremes oder Kuvertüren bietet Loryma hochkonzentrierte, weizenbasierte Proteine in hydrolysierter, extrudierter oder pulvriger Form. Sie liefern bis zu 82 Prozent Protein in der Trockenmasse und eignen sich so für Produkte mit High-Protein-Auslobungen. Durch ihren neutralen Geschmack können sie in verschiedenen Rezepturen eingearbeitet werden, beispielsweise Backwaren aller Art, Fleisch-Alternativen oder knusprige Snacks und Pasta.

Plus an Ballaststoffen

Für ein Plus an Ballaststoffen sorgt die Weizenstärke Lory Starch Elara mit einem Ballaststoffgehalt von 90 Prozent. Werden Mehl oder Hartweizengrieß anteilig durch diese Stärke ersetzt, entstehen ballaststoffreiche Back- und Teigwaren mit weniger Kohlenhydraten und geringerem Kaloriengehalt. Die geschmacks- und geruchsneutrale Spezialstärke eignet sich für Anwendungen, bei denen der Nährwert verbessert werden soll, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen. Mit Lory Crumb NonFry und der Lory Starch Opal steht ein Konzept auf Weizenbasis zur Wahl, das ohne Frittieren auskommt und den Trend nach fettarmen und damit gesünderen panierten Convenience-Produkten bedient.

Mehr Flexibilität bei mehr Vielfalt

Doch ob tiefgekühlt oder nicht: Zentral für die Zukunftsfähigkeit von Fertiggerichten und Co. ist für Maschinenbauer wie Dietmar Bohlen, Vice President bei Multivac Deutschland, der Umgang mit dem zunehmenden Fachkräftemangel und der steigenden Nachfrage nach Flexibilität in der Produktion. „Viele Aufgabenbereiche an den Verpackungslinien unserer Kunden waren bisher mit einem hohen manuellen Aufwand verbunden. Unser Ziel besteht daher darin, möglichst viele dieser Prozesse zu automatisieren, mit integrierten vollautomatisierten Linien, aber auch durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz“, erklärt Bohlen. „Um der steigenden Nachfrage nach kleineren Losgrößen und wachsender Produktvielfalt gerecht zu werden, bieten wir Maschinen, die sich besonders schnell und einfach umrüsten lassen – auch durch Personal ohne spezielle Kenntnisse.“

Verpacken von Fertiggerichten

Exemplarisch hierfür steht eine Linie zum Verpacken von Fertiggerichten, die neben dem leistungsfähigen, kompakten Traysealer TX 620 einen Transportbandetikettierer mit einem KI-basierten Inspektionssystem zur Produktkontrol­le im Einlauf sowie einer Etiketten- und Druckkontrolle im Auslauf umfasst. Entwickelt für ein breit gefächertes Anwendungsspektrum mit schnellen Produktwechseln und hoher Taktleistung, zeichnet sich der TX 620 durch eine intelligente Maschinen- und Liniensteuerung und den hohen Hygienestandard aus. Die befüllten Trays werden von einem Cobot in Kisten gestapelt. Verpackt werden die Fertiggerichte anschließend unter Schutzatmosphäre in einem nachhaltigen Kartontray, das mit einer recyclingfähigen, dünnen Folie versiegelt wird.

Im Nu abgekühlt

Ein weiteres Beispiel von Multivac ist das Cooling-at-Packing-System. Dabei handelt es sich um eine Vakuumtechnologie zur Kühlung von Backwaren, die den Abkühlprozess in eine Tiefziehverpackungsmaschine verlagert. Dadurch können Produkte unmittelbar nach dem Backen verpackt werden, was die Produkthaltbarkeit und Frische steigert. Ein Roboter legt dazu etwa die Baguettes, Brote oder Kekse direkt aus dem Ofen hygienegerecht in die offenen Packungen der Beladestation einer Tiefziehverpackungsmaschine für das Hochleistungssegment. In der Maschine werden sie durch das Vakuumieren der Kammern innerhalb weniger Sekunden von etwa 95 Grad 
Celsius auf rund 30 Grad Celsius heruntergekühlt. 

Schnelle Rezepturwechsel

Wollen Hersteller die wachsende Vielfalt am Point of Sale gewährleisten, müssen neben den Verpackungsmaschinen auch Produktionsanlagen häufiger umgerüstet werden. Gefordert sind flexible Lösungen, mit denen schnelle Rezepturwechsel möglich sind. Zeppelin Systems bietet für diesen Zweck das kontinuierliche Misch- und Knetsystem Codos. Mit der Anlage können unterschiedliche Teige verarbeitet werden. Ein weiterer Clou sind die unterschiedlichen Beschickungspunkte entlang des Trogs, wodurch Rückteige, sensitive Zutaten und Fett zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingebracht werden können. Dies verhindert ein Überkneten des Rückteigs und Bruch der sensitiven Zutaten. Der kompakte und geschlossene Aufbau reduziert gleichzeitig die Staubent­wicklung und verhindert Teigaustritt. Dadurch sinkt der Reinigungsaufwand erheblich. Hinzu kommt ein hoher Automatisierungsgrad, der für Prozessgenauigkeit und -überwachung im Sekundentakt sorgt. „So können alle Rohstoffparameter, wie Leistung, Temperatur oder Drehzahl, je nach Rohstoffqualitäten manuell angepasst werden“, erklärt Tobias König, Sales Manager Food Plants & Process Machines bei Zeppelin Systems. „Damit“, so König, „können wir den Prozess sehr genau kontrollieren, wodurch möglicher Ausschuss auf ein Minimum reduziert wird.“ 

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