Für landwirtschaftliche Betriebe mit Nutztierhaltung stellen Betriebsmittel häufig den größten Kostenblock dar, gleichzeitig haben Betriebsmittel einen maßgeblichen Einfluss auf die biologischen Leistungen und damit auch auf die Erlöse der Betriebe. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Fütterung, die Fütterungstechnik und die Futtermittel selbst. An die Fütterung von Nutztieren werden heute deutlich vielfältigere Anforderungen gestellt als noch vor einigen Jahren: Während lange Zeit vor allem Tiergesundheit, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitiger Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit im Vordergrund standen, gewinnen zunehmend weitere Aspekte an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Umwelt- und Klimaschutz, Tierwohl sowie die verstärkte Nutzung von Nebenströmen aus der Lebensmittelindustrie. Die Aussteller der EuroTier 2026 greifen diese Trends auf und präsentieren daher auch zahlreiche Innovationen rund um die „neueren“ Themen der Tierernährung.
Steigende Ansprüche an Futter und Fütterung
In den letzten Jahren konnten bei allen wichtigen Nutztierspezies die biologischen Leistungen weiter gesteigert werden, nicht zuletzt auch ein Erfolg der Tierernährung. Damit steigen aber auch die Ansprüche an den Tierhalter sowie an das Futter und die Fütterung. Die Verdauung und speziell die Darmgesundheit spielen insbesondere bei Schweinen und beim Geflügel eine immer bedeutendere Rolle, da metaphylaktisch und therapeutisch eingesetzte Antibiotika im Sinne des One-Health-Ansatzes weiter reduziert werden sollen und damit auch gesellschaftlich unter Druck stehen.
Trend zu phytogenen Substanzen und Phytobiotika
Hier setzen unter anderem phytogene Substanzen und Phytobiotika an, die ein auch deutlicher Trend bei den Innovationen der EuroTier 2026 sind. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen:
- Botanicals“, also pflanzliche Ausgangsstoffe oder daraus gewonnene Zubereitungen wie Oreganoextrakt oder Thymianöl,
- phytogene Substanzen, also Stoffe pflanzlichen Ursprungs wie Tannine oder Flavonoide sowie
- Phytobiotika, also pflanzliche Produkte mit definierter biologischer Wirkung.
Die Übergänge zwischen den drei Gruppen sind fließend. Ein weiterer sich abzeichnender Trend sind Mischungen dieser Produkte (bis zu 45 verschiedene Pflanzen) miteinander oder mit weiteren Mischpartnern wie Pflanzenölen oder Co-Produkten der Nutzinsektenproduktion. Die Vertreter dieser Produktgruppen zielen häufig auf die Stabilisierung der Darmflora - verbunden mit einer Steigerung der Futtereffizienz - oder auf die Verhinderung unerwünschter Verhaltensweisen bzw. Gesundheitsstörungen ab. Besondere Bedeutung hat die Unterstützung der Darmgesundheit beim juvenilen Monogaster, wie z.B. bei Ferkeln.
Umwelt- und Klimawirkung nicht mehr vorrangig
Die Umwelt- und Klimawirkung von Futtermitteln wird zwar immer noch von zahlreichen Innovationen adressiert, im Vergleich zu 2024 stehen methanmindernde Futterzusatzstoffe oder Zusätze für Wirtschaftsdünger zur Ammoniakminderung aber nicht mehr an erster Stelle. Mit Blick auf politische Forderungen zur Emissionsminderung werden die Hersteller dieses wichtige Thema allerdings weiterverfolgen und versuchen, die Klima- und Umweltwirkung der Nutztierhaltung weiter zu reduzieren.
Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung
Die Kreislaufwirtschaft und die Nutzung von Nebenströmen, vor allem aus der Lebensmittel- und Bioenergieproduktion, wird durch die steigende Weltbevölkerung und die immer knapper werdenden Ressourcen weiter an Bedeutung gewinnen. Die exakte Beschreibung des Futterwertes der Co-Produkte durch Laboranalysen und Fütterungsversuche in Kombination mit intelligenten Datenbanken und Rationsoptimierungsprogrammen werden die Nutztierhaltung nachhaltiger und effizienter machen.
Die Bedeutung der sinnvollen Nutzung jeglicher Form von Co-Produkten wird weiter steigen. Futtermitteln und Zusatzstoffen, die den Einsatz solcher Futterkomponenten erleichtern beziehungsweise effizienter gestalten, kommt somit eine weiter wachsende Relevanz zu.
Fütterungstechnologie und -technik weiter optimieren
Technologische Innovationen im Bereich der Futterherstellung sowie der Fütterung selbst bieten spannende Ansätze zur weiteren Optimierung der Tiergesundheit und des Tierwohls. Neben neuen Formen der Beschäftigung durch Futter in Verbindung mit der Fütterungstechnik stehen bei einigen Innovationen auch neue Konzept zur Anfütterung von Jungtieren im Vordergrund.
Innovationen, die zugleich den Arbeitsschutz erhöhen und den Einsatz von kritischen Stoffen in der Produktion verringern, sind hierbei zu begrüßen.
Spannende Möglichkeiten betrieblicher Optimierung
Es muss nicht immer die Entwicklung eines neuen Produktes sein, das eine Innovation darstellt. Auch durch die intelligente Kombination von etablierten Methoden und Technologien kann für den Nutztierhalter ein deutlicher Mehrwert geschaffen werden. Spezielle Innovationen, beispielsweise im Bereich der Wirtschaftsdüngerbehandlung zur Verringerung der Emissionen oder bei der Klauenpflege durch pflanzliche Produkte, liefern spannende Möglichkeiten der betrieblichen Optimierung und machen den Besuch in Hannover lohnenswert.
Klimatische Herausforderungen
Viele Teile Europas, wie etwa Süddeutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Großbritannien, hatten dieses Jahr mit geringen Niederschläge und hohen Temperaturen zu kämpfen. Diese Probleme verschärfen die Wirtschaftlichkeit durch geringere oder zumindest variablere Ernteerträge, vor allem beim Grobfutter, und stellen die Tierernährung vor weitere Herausforderungen. Innovationen, die Futterverluste reduzieren und die Effizienz der eingesetzten Futtermittel steigern, sind daher von besonderem Interesse.
Auf der EuroTier 2026 wird eine Innovation gezeigt, die bei Rindern nicht die Veränderung des Futtermittels selbst, sondern die Erhöhung der Aufnahme der Nährstoffe im Tier zum Ziel hat. Dieselbe Menge Futter führt somit zu mehr tierischer Leistung und reduziert zugleich den Ressourcenverbrauch. Dadurch lassen sich Emissionen verringern und die Effizienz der Produktion erhöhen. Die verbesserte Nährstoffversorgung des Tieres bei hohem Nährstoffbedarf fördert zugleich Gesunderhaltung und Langlebigkeit.
Ausblick
Die Zukunft der Tierernährung liegt in der intelligenten Verbindung von Tiergesundheit, Futtereffizienz, Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und praxistauglicher Fütterungstechnik. Dabei werden präzise Analysen, digitale Rationsoptimierung und innovative Zusatzstoffe ebenso an Bedeutung gewinnen wie Lösungen, die die Nährstoffaufnahme verbessern, Futterverluste reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Tiere stärken. Angesichts zunehmender klimatischer und wirtschaftlicher Herausforderungen kommt es künftig mehr denn je darauf an, vorhandene Ressourcen effizient zu nutzen und biologische Leistungen nachhaltig abzusichern. Die EuroTier 2026 zeigt, wie aus neuen Produkten, weiterentwickelten Verfahren und intelligent kombinierten Technologien konkrete Lösungen für die betriebliche Praxis entstehen – ein guter Grund, sich in Hannover selbst ein Bild von den Innovationen rund um Futter, Fütterung und Tiergesundheit zu machen.
Autoren: Prof. Dr. Ludwig E. Hoelzle, Universität Hohenheim, Prof. Dr. Jürgen Hummel, Georg-August-Universität Göttingen, Dirk Krowas, Milchwirtschaftliche Lehr- und Versuchsanstalt (MLUA) Oranienburg e. V., Prof. Dr. Stephan Schneider, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen