Arbeiten im grünen Wandel des Handels

Nachhaltigkeit managen

Der grüne Wandel eröffnet Absolventinnen und Absolventen neue Einstiegsmöglichkeiten. Während Rewe das Thema Nachhaltigkeit zunehmend in Management-, Einkaufs- und Logistikprogramme integriert, bietet Edeka ein eigenes Traineeprogramm mit diesem Schwerpunkt an. Dort stehen Themen wie Klimabilanzierung, ressourceneffiziente Lieferketten, Biodiversität oder CSRD-Berichterstattung im Mittelpunkt. Gemeinsam zeigen die Programme: Green Skills entwickeln sich im Handel von einer Zusatzqualifikation zu einer Kernkompetenz für Fach- und Führungskräfte.

Stilisierter Einkaufswagen mit grünen Blättern als Symbol für nachhaltigkeit
Erstellt mit ChatGPT

Nachhaltigkeit wird zur Kernkompetenz

Auf dem Dach vom Berliner Green-Farming-Markt durchlaufen die Salate einen automatisierten, hydroponischen Anbauprozess. „Der Salat wächst auf speziellen Trays, die mehrmals am Tag mit einer Nährlösung geflutet werden“, erklärt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke, der hinter dem Konzept steckt. Nach der täglichen Ernte wird der Salat im Markt verarbeitet, verpackt und für den Verkauf vor Ort oder den Transport vorbereitet. Perspektivisch wachsen im Jahr bis zu 900.000 Salatmischungen in der Dachfarm. Rewe beliefert damit rund 500 Supermärkte in der Hauptstadtregion. Kernelement der neuen Supermarkt-Generation ist Holz. Durch die modulare Bauweise lassen sich die Hölzer demontieren und für ein zweites Leben aufbereiten. Auch im Betrieb schließt sich der Kreislauf: Abwärme aus dem Markt, eine Wärmepumpe und Regenwasser aus einer Zisterne ermöglichen optimale Wachstumsbedingungen für den Stadtsalat auf dem Dach. Was heute noch besonders wirkt, wird Peter Maly zufolge morgen zum Standard: „Unsere neue Supermarkt-Generation geht jetzt in Serie, dank der modularen Bauweise können wir die Dachnutzung optimal an den Standort anpassen. Wir planen bereits weitere Holzbau-Märkte in Deutschland“, so der Vorstand der Rewe Group.

Ein Supermarkt, auf dessen Dach im Gewächshaus Lebensmittel angebaut werden
© REWE Green Farming Berlin Luftaufnahme; Foto: Christoph Große

Kompetenzen erproben

Während Rewe mit Green Farming die Verbindung von Lebensmittelhandel und urbaner Landwirtschaft erprobt, setzt Edeka beispielsweise mit seinem Zukunftsmarkt in Nauen auf klimafreundliche Holzbauweise, energieeffiziente Gebäudetechnik und nachhaltigen Marktbetrieb. Parallel dazu entstehen neue Karrierewege: So bietet Edeka etwa ein Traineeprogramm mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an, in dem Hochschulabsolventinnen und -absolventen an Themen wie Klimabilanzierung, Biodiversität, nachhaltigen Lieferketten und der CSRD-Berichterstattung arbeiten. 

Green-Skills-Kompass

Der Green-Skills-Kompass des Fraunhofer IRB beschreibt vier zentrale Handlungsfelder nachhaltigkeitsbezogener Kompetenzen:

  • Nachhaltigkeit verstehen und systemisch denken
  • Nachhaltigkeit strategisch in Organisatione verankern
  • Branchenspezifische Green Skills praktisch anwenden
  • Nachhaltige Wirkung durch Digitalisierung, Kommunikation und Zusammenarbeit fördern

Quelle: Blum, S.; Köhler, M. (2024): Green Skills und Kompetenzen für die Nachhaltigkeitstransformation – die eigene Organisation für die Zukunft stärken. Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB. https://doi.org/10.24406/w-34193 

Edeka-Traineeprogramm Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Die Trainees beschäftigen sich beispielsweise mit CSRD-Reporting, Klimabilanzen, Biodiversitätsstrategien, nachhaltigen Lieferketten, Rohstoffsicherung, Nachhaltigkeitscontrolling. 

Als Studiengänge werden unter anderem gesucht: Betriebswirtschaft, Umweltwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik.

Mehr erfahren

Green Skills

Beispiele, die zeigen, dass Nachhaltigkeit heute keine einzelne Maßnahme mehr ist. Wer in einem solchen Umfeld arbeitet, benötigt nicht nur Fachwissen für den eigenen Aufgabenbereich, sondern muss ökologische, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Hier setzen die Green Skills an. Also Kompetenzen, die notwendig sind, um nachhaltige Lösungen im Berufsalltag zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehören gemäß Kompetenzmodell des Fraunhofer IRB sowohl fachliche Kenntnisse als auch methodische, soziale und personale Kompetenzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das systemische Denken, denn Nachhaltigkeit betrifft nahezu immer mehrere Unternehmensbereiche gleichzeitig. Entscheidungen im Einkauf beeinflussen beispielsweise Transportwege, Energieverbrauch oder CO₂-Emissionen. Mitarbeitende müssen deshalb Wechselwirkungen erkennen und bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Ebenso wichtig ist Nachhaltigkeitswissen. Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz oder Biodiversität gehören zunehmend zum Grundverständnis vieler Berufe im Handel. Beschäftigte müssen beurteilen können, welche Maßnahmen tatsächlich nachhaltiger sind und welche Auswirkungen sie auf den Betrieb haben.

Digital Skills 

Eng damit verbunden sind digitale Kompetenzen. Energieverbrauch, Gebäudetechnik oder Warenströme werden heute vielfach digital überwacht und gesteuert. Wer Prozesse nachhaltig optimieren möchte, muss Daten interpretieren, digitale Anwendungen anwenden und technologische Entwicklungen einordnen können. Green Skills und Digital Skills wachsen deshalb immer stärker zusammen. Nicht zuletzt gewinnen Kommunikationskompetenzen an Bedeutung. Verbraucher interessieren sich zunehmend für Herkunft, Produktionsbedingungen und Umweltwirkungen von Lebensmitteln. Mitarbeitende werden häufiger gefragt, warum bestimmte Produkte regional erzeugt werden, wie nachhaltige Anbaumethoden funktionieren oder welche Maßnahmen ein Markt zum Klimaschutz ergreift. Nachhaltigkeit verständlich und glaubwürdig zu vermitteln, wird damit zu einer wichtigen Aufgabe im direkten Kundenkontakt.

Rewe-Praktikum Nachhaltigkeit
Infos unter: jobs.rewe-group.com 

Zum Thema