Düngemittel
Kaufentscheidung zur ersten Gabe 

Die Preise für Stickstoffdünger haben in den vergangenen Wochen nochmals angezogen. Landwirte schieben daher ihre Kaufentscheidung auf einen späteren Zeitpunkt hinaus. Hersteller reagieren auf die Lage, einige haben die Kapazitäten gedrosselt. Agrarhändler berichten von Transportschwierigkeiten und hohen Frachtkosten. Sie raten dazu, einen Vorrat für die Frühjahrssaison 2027 rechtzeitig anzulegen. 

Die Entscheidung, jetzt Dünger zu erschwinglichen Preisen für das Frühjahr einzukaufen oder noch zu warten, ist aktuell schwierig. Sie beschäftigt derzeit viele Betriebe. Häufig steht dahinter die Hoffnung, dass die Preise bis zum Jahreswechsel oder kurz vor der ersten Stickstoffgabe noch einmal nachgeben. Die nachfolgende Analyse des Düngermarktes könnte zur Entscheidungsfindung beitragen. 

Düngerwerke, wie auf dem Bild der SKW Piesteritz, produzieren mit reduzierter Auslastung. Foto: da

Die geopolitischen Krisen im Nahen Osten und in der Schwarzmeerregion halten weiter an und damit auch die Sperrung der wichtigen Durchgangsroute, der Straße von Hormus, zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Diese Situation hat direkte Auswirkungen auf die Preise für Energie und damit auch auf die Verfügbarkeit von Düngemitteln. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs passieren die Straße von Hormus. Im Zuge der Sperrung haben sich Stickstoffdünger im Vergleich zum Herbst 2025 um rund 70 €/t verteuert. Belastend für Betriebe kommen die hohen Dieselpreise hinzu, die gerade im Sommer und Herbst bei den Feldarbeiten ihre Liquidität stark in Anspruch nehmen. Daher stellen Betriebsleiter ihre Einkaufspläne für Düngemittel hinten an. Ein Indiz für diese Kaufzurückhaltung ist die schwache Einlagerungsquote für Stickstoffdünger. Sie erreicht Ende Oktober 2026 knapp 30 Prozent. Das ist ein zu geringer Wert, um sicherzustellen, dass zum Bedarfszeitpunkt Agrarhandel und Betriebe genügend Ware vor Ort im Lager haben, so die Einschätzung. Ein weiterer Grund für die feste Preistendenz ist die seit Monaten eingeschränkte Befahrbarkeit der Flüsse. Das Niedrigwasser, besonders am Rhein, bringt die Logistik an ihre Grenzen.

Die Oktober-Niederschläge haben die Situation auf den Binnenwasserstraßen nur geringfügig entspannt. Mitte Oktober liegt der Kauber Pegel bei rund 18 cm und damit weit unterhalb des langjährigen Mittelwassers von 208 cm. Für die Engstelle bei Kaub wird bis Ende Oktober weiterhin ein Wasserstand von unter 30 cm erwartet. Die daraus resultierenden Erschwerniszuschläge verteuern den Transport von Düngemitteln und anderen Agrargütern erheblich. Auf der Strecke Mainz-Straubing beträgt der Zuschlag 21 €/t, nach Heilbronn sind es 23,50 €/t und nach Kelheim 28,50 €/t. Da die Schiffe nur mit wenig Ladung fahren können, treibt dies die Frachten in die Höhe. Ein Ausweichen der Transporte auf Bahn und Lkw ist nur bedingt möglich. Die verfügbaren Kapazitäten sind begrenzt. Zusätzlich beeinträchtigen Bauarbeiten an wichtigen Bahnverbindungen wie die Strecke Passau-Nürnberg sowie die rechte Rheinstrecke zwischen Wiesbaden und Köln und zwischen Hamburg und Hannover eine zügige Fahrt. Dadurch kommt es weiterhin zu Aufschlägen entlang der gesamten Lieferkette. 

Reduzierte Düngung

Wie sehr die geopolitischen Krisen den Absatz von Mineraldüngern beeinflussen, zeigt die aktuelle Statistik für das abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2026/27 (Juli/Juni). Nach aktuellen Zahlen, die das Statistische Bundesamt (Destatis) vor Kurzem veröffentlichte, ist der der Absatz stickstoffhaltiger (N-)Düngemittel von Juli 2025 bis Juni 2026 um 4,4 Prozent auf 1,074 (Vorjahr: 1,124) Mio. t N gesunken. Landwirte haben, als im März der Nahostkrieg zwischen den USA und dem Iran begann, die Ausbringung von Nährstoffen stark zurückgefahren. Mehrere Hundert Tanker, beladen mit Erdöl und Erdgas, konnten die Meerenge aufgrund kriegerischer Angriffe monatelang nicht passieren. Für die Agrar- und Düngemittelmärkte ist das besonders relevant, weil die Störung der Schifffahrt zu steigenden Öl-, Gas-, Diesel- und damit auch Düngerkosten führt. Weltweit kam es dadurch zu einer Verknappung von Öl und Gas, die Energiepreise explodierten. Auch Schiffe mit Düngemitteln saßen fest und das mitten in der Saison. Zwar war die deutsche Agrarwirtschaft aufgrund einer ausreichenden Einlagerung bis zum Frühjahr 2026 mit Düngemitteln für die erste Gabe versorgt. Doch schlugen die globalen Preiserhöhungen auf dem deutschen Düngermarkt im weiteren Verlauf voll durch. Nachkäufe fanden deshalb in einem weitaus geringeren Umfang statt. Laut Destatis ist allein der Absatz von Kalkammonsalpeter (KAS) um 10,4 Prozent auf 370.200 t N im Wirtschaftsjahr gesunken. Der wichtige Stickstoffdünger ist zu Beginn der Düngesaison im März infolge der nicht passierbaren Straße von Hormus um rund 70,00 €/t auf aktuell 460 €/t im Preis gestiegen. Auch die Abzahlen von Kali, Phosphat und Kalk verzeichneten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2025/26 eine rückläufige Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. So gab es bei Phosphat-Düngern einen Rückgang um 10.000 t auf 130.600 t P205.

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Starker Rückgang bei Kalk 

Kali-Düngemittel sanken gegenüber dem Vorjahr um 27.000 t auf 340.000 t K2O. Die Kalkdünger entwickelten sich nach den Zuwächsen im Wirtschaftsjahr 2024/25 rückläufig und erreichten 2,6 (Vorjahr: 3,1) Mio. t. Die Absatzdaten zeigen, wie zurückhaltend der Saisonstart bislang ausgefallen ist: Von Mai bis August 2026 wurden in Deutschland 225.000 t N abgesetzt gegenüber 368.500 t N im Vorjahreszeitraum. Das sind 143.500 t beziehungsweise rund 39 Prozent weniger Stickstoffdünger, gemessen in t N. Bei einem Absatz auf Vorjahresniveau wären bis Ende März rechnerisch noch rund 809.000 t N auszuliefern, teilten Marktbeobachter mit. Schon jetzt zeichnet sich ab, wie umfangreich die noch für das Frühjahr erforderlichen Düngermengen sind. Daher dürfte es eng werden, um auf alle Wunschdünger zurückgreifen zu können. Zu diesen Engpässen beim Transport kommen die eingeschränkten Kapazitäten der Hersteller. Seit Monaten hat beispielsweise die SKW Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg die Kapazitäten gedrosselt. Mit dem Ende von Domo Caproleuna in Leuna im Sommer entfällt die Produktion des Schwefeldüngers Schwefelsaures Ammoniak (SSA). 

Unsichere Prognose

Neben der Ermittlung des richtigen Einkaufszeitpunktes und -preises sollten Betriebe die Lieferfähigkeit der Dünger zur ersten Gabe berücksichtigen. Wenn viele erst kurz vor Saisonbeginn bestellen, konzentriert sich die Nachfrage auf ein kürzeres Zeitfenster. Das wird angesichts der geschilderten Verkehrssituation schwierig werden. Was ein schneereicher Eis-Winter wie 2025 für Probleme bringen kann, war von Januar bis Februar zu sehen. 

Ob die Preise bis Weihnachten oder zum Jahreswechsel noch einmal sinken, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Für die Einkaufsentscheidung zählt jedoch nicht nur der Preis: Ebenso wichtig ist, ob der passende Dünger rechtzeitig zur ersten Gabe auf dem Hof ist. Betriebe sollten deshalb ihren Bedarf und die Liefermöglichkeiten frühzeitig mit ihrem Handelspartner besprechen. Denn ein günstiger Einkaufspreis hilft wenig, wenn der Dünger nicht zum benötigten Zeitpunkt verfügbar ist. Eine Möglichkeit ist, den Bedarf auf mehrere Kaufzeitpunkte zu verteilen und zunächst die Mengen für die erste Stickstoffgabe abzusichern. So lassen sich Preisrisiken streuen und zugleich die Voraussetzungen für einen planbaren Saisonstart verbessern. Wie stark die Nachfrage in den kommenden Monaten anzieht, bleibt offen. Genauso ungewiss ist, ob und wann die Auseinandersetzungen im Nahen Osten und in der Schwarzmeerregion ein Ende haben und die Handelsströme wieder in geordneten Bahnen fließen können.