Forum Proteine der Zukunft auf den Teller

Innovationen bringen Proteinvielfalt voran

Eine Delegation des "Forums Proteine der Zukunft auf den Teller" hat Anfang Oktober 2026 sein Positionspapier "Wirtschaftswachstum durch deutsche Innovationskraft" Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer im Bundesagrarministerium (BMLEH) vorgestellt.  Am Hintergrundgespräch über zentrale Aussagen sowie anschließenden Übergabe des Positionspapiers des Stakeholderforums „Proteine der Zukunft auf den Teller“ nahm für die DLG, Clara Bardua, vom DLG-Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel, teil. Die DLG ist Mitglied des Forums. 

Um Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen, spricht sich das Forum für verlässliche, wissenschaftsbasierte und praxistaugliche Rahmenbedingungen aus. Dazu gehören eine stärkere Forschungsförderung, die Bündelung von Kompetenzen in Innovationsclustern sowie effiziente Zulassungsverfahren unter Wahrung der hohen Standards für Lebensmittelsicherheit. Weitere Einschränkungen geläufiger Bezeichnungen für pflanzliche Fleischalternativen müssen nach Auffassung des Forums unbedingt vermieden werden. 

Mitglieder der Delegation des "Forums Proteine der Zukunft auf den Teller" zusammen mit Bundesagrarminister Alois Rainer (3. v. r.) in Berlin.
Bundesagrarminister Alois Rainer nimmt das Positionspapier entgegen.

Wertvolle Anregungen 

Bundesminister Rainer dankte nach dem Gespräch den Delegationsmitgliedern für Arbeit und ihre wertvollen Anregungen. “Deutschlands Land- und Ernährungswirtschaft sind starke, innovative Branchen. Neue Produkte und Verfahren können zusätzliche Wertschöpfung, Arbeitsplätze und neue Absatzmärkte schaffen. Der Koalitionsvertrag gibt uns dabei ein klares Ziel vor: Wir wollen den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen stärken, unsere Abhängigkeit von Importen verringern und die Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine voranbringen. Dafür wollen wir Forschung und Innovation unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Für mich ist wichtig, dabei nicht pflanzliche und tierische Produkte gegeneinander auszuspielen. Was am Ende auf den Teller kommt, entscheiden die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst. Dafür müssen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und Raum für Innovation erhalten. Das 'Forum Proteine der Zukunft auf den Teller' liefert dafür wichtige Impulse”, führte Rainer weiter aus. 

Vom politischen Anspruch zur praktischen Umsetzung 

Im Gespräch mit Minister Rainer erörterte die Delegation, wie die im Positionspapier beschriebenen Potenziale und Handlungsempfehlungen in konkrete politische Schritte überführt werden können. Dies könnte zum Beispiel ein schlanker und praxisnaher Aktionsplan "Proteine der Zukunft" sein: Ein solcher, vom BMLEH angestoßener Prozess, könnte politische Zielsetzungen aufgreifen, vorhandene Aktivitäten bündeln, Zuständigkeiten definieren und Orientierung für die weitere Umsetzung geben. Dieser Ansatz knüpft an den Koalitionsvertrag. 

Darin haben die Regierungsparteien vereinbart, sich für eine umfassende und ambitionierte europäische Eiweißstrategie einzusetzen und die Entwicklung sowie Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine zu fördern. Das Forum sieht darin eine wichtige Grundlage, um die wirtschaftlichen Chancen der Proteinvielfalt stärker für den Innovationsstandort Deutschland, die heimische Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu nutzen. 

Diskussionsrunde im Bundesagrarministerium. Fotos: BMLEH

Chancen für Agrar- und Ernährungswirtschaft

Das Positionspapier betrachtet Proteinvielfalt ausdrücklich nicht als Gegenmodell zu tierischen Erzeugnissen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr zusätzliche Wahlmöglichkeiten, ein breites Lebensmittelangebot und neue wirtschaftliche Perspektiven. Der technologieoffene Ansatz umfasst unverarbeitete Proteinpflanzen wie Hülsenfrüchte, Lebensmittel auf Basis pflanzlicher Alternativen, Produkte aus Fermentation und Zellkultivierung, sowie weitere bislang weniger genutzte Proteinquellen wie Algen und Pilzmyzel.

Deutschland verfügt über gute Voraussetzungen, um die mit diesen Entwicklungen verbundenen wirtschaftlichen Chancen zu nutzen. Mit einem Marktvolumen von 1,71 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist Deutschland der größte europäische Markt für pflanzenbasierte Produkte. Mindestens 150 Unternehmen sind bereits Teil dieser Wertschöpfungskette.

Abhängig von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, könnte der Bereich alternativer Proteine bis 2045 jährlich zwischen 20 und 65 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung beitragen, bis zu 250.000 Bruttoarbeitsplätze schaffen und Exportmöglichkeiten von nahezu 35 Milliarden Euro im Jahr eröffnen.

Mit der Übergabe des Positionspapiers verbindet das Forum die Einladung, den begonnenen Austausch mit dem Bundesministerium sowie interessierten Kreisen aus Politik und Gesellschaft auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene fortzusetzen.

Das Positionspapier steht unter www.ble.de/Forum-Proteine-der-Zukunft-auf-den-Teller zur Verfügung.

Forum Proteine der Zukunft auf den Teller

Im "Forum Proteine der Zukunft auf den Teller" arbeiten rund 40 Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette daran, das Thema alternative Proteine in der Humanernährung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker zu verankern, um nachhaltige Ernährungssysteme voranzubringen. Das Forum zählt (Stand Oktober 2026) 20 reguläre und 8 beratende Mitglieder, darunter die DLG. Zusätzlich lädt es regelmäßig Gäste ein, die die Diskussionen aus verschiedenen Blickwinkeln bereichern. Dem Forum kann als reguläres oder beratendes Mitglied beigetreten werden. Das Forum wurde im November 2024 ins Leben gerufen im Rahmen der BMLEH-Eiweißpflanzenstrategie. Die Koordination des auf Beschluss des Bundestages längerfristig eingerichteten Forums, liegt beim "Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft" der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

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