Hinter dem EAF-Netzwerk stehen Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Europa, die ihre ganz eigenen Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven in die Branche einbringen. Mit dieser Interviewreihe möchten wir die Menschen hinter dem Netzwerk vorstellen, die Realitäten ihrer täglichen Arbeit beleuchten und zeigen, wie der internationale Austausch die Landwirtschaft in ganz Europa stärken kann.
Dieses Mal gibt Arnaud Meurisse, Landwirt aus Frankreich, Einblicke in seinen Betrieb, die Entscheidungen, vor denen er steht, und die übergeordneten Entwicklungen, die die europäische Landwirtschaft heute prägen.
Bitte stellen Sie Ihren Betrieb kurz vor.
Ich bewirtschafte gemeinsam mit meiner Frau mehrere Betriebe in Eigenregie und im Lohnauftrag in einem Umkreis von 110 km rund um Reims, Frankreich. Die Bodenarten sind sehr vielfältig: von sehr sandig bis hin zu 60 % Tonanteil, mit Übergängen über verschlämmungsanfällige Schluffböden und Kreideböden. 55 % der Flächen sind mit Getreide bestellt, der Rest verteilt sich auf Kartoffeln, Zuckerrüben, Lein und Industriegemüse.
Wie sind Sie zum ersten Mal auf den EAF aufmerksam geworden?
Ich habe den EAF über meine Familie kennengelernt – Familienmitglieder waren bereits vor mir Mitglieder.
Was hat Sie motiviert, Mitglied zu werden?
Bereits seit 10 Jahren bin ich Mitglied des EAF. Die Atmosphäre ist wirklich herzlich; viele Mitglieder sind inzwischen echte Freunde geworden. Sie sind neugierig und öffnen mir die Augen für die Entwicklungen unseres Berufs in ganz Europa.
Welche Herausforderung in Ihrem Betrieb kennen Landwirtinnen und Landwirte in anderen Ländern vermutlich ebenfalls?
In allen Ländern haben wir dasselbe Problem mit der Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Im osteuropäischen Raum ist das Problem der Maschinenkosten ausgeprägter als in Frankreich – aber dafür kommen dort Landwirtinnen und Landwirte mit deutlich älterem Gerät zurecht, als wir es uns bei uns vorstellen könnten.
“Für mich ist der EAF ein Atemzug frischer Luft – den Alltag hinter sich lassen”
Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen den Ländern?
Die größten Unterschiede kommen oft aus der Politik. In Litauen zum Beispiel, was dieses Jahr unser Exkursionsziel war, gibt es den klaren Willen, produktiv zu sein – während in Frankreich politische Überlegungen dazu führen, dass große, exportorientierte Betriebe schlecht angesehen werden. Das macht es viel schwieriger, Projekte umzusetzen. Auf unserer Exkursion ins Baltikum konnten wir das konkret beobachten: Die Milchproduktion wird dort vom Staat gefördert, was es ermöglicht, Betriebe mit mehreren tausend Milchkühen aufzubauen – ein Modell, das in vielen anderen europäischen Ländern kaum denkbar wäre.
Hat ein EAF-Austausch schon einmal eine Entscheidung auf Ihrem Betrieb beeinflusst?
Ja, auf jeden Fall. Über meine EAF-Kontakte habe ich Kundinnen und Kunden in Holland und Belgien kennengelernt. Ich habe auch technische Beraterinnen und Berater gefunden, mit denen ich heute noch zusammenarbeite. Ich rufe häufig EAF-Mitglieder an, bevor ich Entscheidungen treffe – ob technisch oder strategisch –, weil viele Mitglieder in bestimmten Bereichen sehr tiefes Fachwissen haben.
Über welches Thema sollten europäische Landwirtinnen und Landwirte offener diskutieren?
Über unsere Wettbewerbsfähigkeit. Mir fällt auf, dass viele französische Betriebe im Vergleich zu anderen europäischen Ländern Nachteile im Wettbewerb sehen – unter anderem dort, wo weniger Einschränkungen gelten. Ich hatte zunächst den Eindruck, Frankreich sei besonders stark betroffen; das mag teilweise zutreffen, aber die Situation ist keineswegs auf Frankreich beschränkt. Auch in nördlichen Ländern spielt das regulatorische Umfeld eine zentrale Rolle.
Was bringt Ihnen persönlich die Mitgliedschaft im EAF persönlich?
Jedes Jahr treffen wir uns für fünf Tage zu einer immer außergewöhnlichen Studienreise – mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten. Die Exkursion dieses Jahr in die baltischen Staaten hat sich wiedermal gelohnt. Ein Besuch in der deutschen Botschaft hat uns schnell in den geopolitischen, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Kontext eingeführt. Anschließend wechselten sich Betriebsbesichtigungen und Expertenvorträge mit gemeinsamen Mahlzeiten und Abenden ab. Das hinterlässt viele Erinnerungen. Wie immer war es laut im Bus – wir haben uns immer etwas zu sagen.
In einem Satz: Was bedeutet EAF für Sie?
Für mich ist der EAF und ganz besonders die gemeiname Reise im Juni ein Atemzug frischer Luft – den Alltag hinter sich lassen, mit der Garantie auf schöne Momente und viele neue Entdeckungen.
Interview: Clara Albrecht, DLG e.V.