DLG-MERKBLATT 510

Verwertung von strohbasiertem Pferdemist auf Grünland

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DLG-Merkblatt 510
1. Auflage, Stand 07/2026

Autoren:

  • Antje Kerber, Hauptgestüt Graditz
  • Madeline Meyer, Haupt- und Landgestüt Marbach
  • Astrid von Velsen-Zerweck, Haupt- und Landgestüt Marbach
  • Katja Wagner, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp
  • Susanne Gäckler, DLG e.V., Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel

Mit Unterstützung des DLG-Arbeitskreises Pferd

© Haupt- und Landgestüt (HuL) Marbach

1. Einleitung

Die Nutzung von strohbasiertem Pferdemist als organischer Dünger ist eine effiziente und nachhaltige Möglichkeit, um Pflanzen mit essenziellen Nährstoffen zu versorgen, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Um die Praxis der Mistverwertung in Pferdebetrieben zu analysieren, führte der DLG-Arbeitskreis Pferd im Herbst 2024 eine bundesweite Umfrage zur Verwertung von Pferdemist auf Grünland durch, an der knapp 300 Betriebe aus zwölf Bundesländern teilnahmen. Basierend auf den Umfrageergebnissen sowie unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse gibt dieser Leitfaden Empfehlungen, inwieweit die Nutzung von Pferdemist in pferdehaltenden Betrieben sinnvoll ist und worauf bei der Verwertung von strohbasiertem Pferdemist auf Grünland geachtet werden sollte. 

2. Nutzung von Pferdemist auf Grünland

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass rund die Hälfte der befragten Betriebe keinen Pferdemist auf ihren Grünlandflächen ausbringt. Etwa ein Drittel der Betriebe verwertet den anfallenden Mist vollständig innerbetrieblich, während rund ein Sechstel den Mist teilweise nutzt. Von diesen Betrieben bringen über die Hälfte den Pferdemist auch auf beweidete Flächen aus, was insgesamt knapp einem Drittel aller befragten Betriebe entspricht. Die Ausbringung erfolgt überwiegend einmal jährlich (ca. 60 % der Betriebe). Knapp ein Viertel beschränkt sich auf eine Ausbringung im zweijährigen Turnus, während etwa ein Achtel der Betriebe den Mist zweimal pro Jahr auf Weiden oder Mähweiden ausbringt. (Abb. 1: Visualisierung erstellt mit Langdock AI)

 

Nahaufnahme Pferdemist mit Strohanteilen
Abbildung 2: Pferdemist auf Strohbasis © HuL Marbach

Da Pferdemist grundsätzlich ein wertvoller Nährstoffträger mit humusbildenden Eigenschaften ist, stellt seine Verwertung im eigenen Betrieb unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten eine sinnvolle Maßnahme dar. Bei einem ­typischen Trockenmassegehalt von etwa 30 % weist Pferdemist zum Zeitpunkt der Ausbringung, unter Berück­sichtigung anrechenbarer Stall- und Lagerverluste, durchschnittlich folgende Nährstoffgehalte bezogen auf die Frischmasse auf: 

  • Der Gesamtstickstoffgehalt beträgt rund 3,4 kg/t Frischmasse (FM), davon entfallen etwa 0,34 kg/t FM auf direkt pflanzenverfügbaren Ammoniumstickstoff. 
  • Der Gehalt an Phosphat liegt bei etwa 2,5 kg/t FM.
  • Der Kaliumgehalt bei rund 9,9 kg/t FM.

Es ist zu beachten, dass es sich hierbei um Orientierungswerte handelt. Die tatsächlichen Nährstoffgehalte unter­liegen starken Schwankungen und werden durch zahlreiche Faktoren wie Fütterung, Einstreumaterial und Lager­bedingungen beeinflusst. Aus diesem Grund sind regelmäßige Nährstoffanalysen des Mists zu empfehlen, um sowohl Über- als auch Unterversorgungen der Pflanzen gezielt vermeiden zu können. Für eine bestmögliche Ausnutzung der im Mist enthaltenen Nährstoffe ist eine sachgerechte Aufbereitung und Ausbringung erforderlich. Allerdings ist ausschließlich gut verrotteter Mist für den Einsatz auf Grünlandflächen geeignet. Der Rotteprozess gewährleistet einerseits eine verbesserte Verfügbarkeit der im Mist enthaltenen Nährstoffe und trägt andererseits maßgeblich zur hygienischen Unbedenklichkeit des Materials bei, indem potenzielle Krankheitserreger wie Parasiten durch thermophile Prozesse weitgehend reduziert bzw. inaktiviert werden.

3. Lagerung und Rotteprozess

Die Lagerungsbedingungen sowie die Lagerdauer stellen entscheidende Faktoren für die Qualität und insbeson­dere die Nutzbarkeit von Pferdemist auf Weide- und Wiesenflächen dar. Pferdemist weist zumeist einen hohen Anteil an organischer Substanz auf und benötigt daher in der Regel mindestens sechs Monate, um ausreichend verrottet und hygienisiert zu sein. Der Hygienisierung kommt dabei besondere Bedeutung zu, da frischer Pferdemist Unkrautsamen aus dem Grobfutter sowie diverse Krankheitserreger wie unterschiedliche Parasitenspe­zies, beispielsweise kleine Strongyliden oder Spulwürmer, enthalten kann. 

Nahaufnahme Pferdemist in der Heißrottephase
Abbildung 3: Mistmiete in der Heißphase der Rotte © HuL Marbach

Diese lassen sich durch die während der Heißphase1 herrschenden Temperaturen im Bereich von 55 bis 80 °C wirksam dezimieren bzw. inaktivieren. Für eine gesicherte Hygienisierung muss das gesamte Mistmaterial über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen kontinuierlich Temperaturen von ≥ 55 °C ausgesetzt sein. Grundsätzlich gilt: Je höher die Temperaturen während der Rotte, desto schneller erfolgt die Hygienisierung des Materials.

Die Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Pferdebetriebe ihren Mist vor der Ausbringung mehr als drei Monate lagert bzw. verrotten lässt.  
(Abb. 4: Visualisierung erstellt mit Langdock AI)


1 Die Heißphase beginnt bei Temperaturen ab etwa 45 °C und dauert unter optimalen Rottebedingungen in der Regel vier bis fünf Wochen. Sinkt die Temperatur im Rottegut wieder unter 45 °C, wird dies als Ende der Heißphase gewertet.

Damit die Rotte, das heißt der aerobe Abbau des organischen Materials, optimal ablaufen kann und gleichzeitig die notwendige Hygienisierung des Mistmaterials gewährleistet ist, müssen bestmögliche Rottebedingungen geschaffen werden. Optimal ist ein Feuchtegehalt von rund 60 % im Mist. Der Feuchtegehalt ist regelmäßig mittels Faustprobe zu prüfen. Dabei darf keine Flüssigkeit austreten, das Mistmaterial darf beim Öffnen der Hand aber auch nicht zer­bröseln. Um eine ausreichende Feuchtigkeit zu erhalten, kann es insbesondere im Sommer notwendig sein, den Mist vorsichtig und gleichmäßig feucht zu halten. Ist der Mist zu feucht, kann dies zu unerwünschten Fäulnisprozessen führen. Zu wenig Feuchte im Rottematerial zeigt sich häufig an grau schimmeligen Stellen an der Oberfläche des Mists.

Wichtig für einen erfolgreichen Rotte­prozess ist zudem das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff im Ausgangsmaterial. Dieses ist bei Pferdemist generell sehr weit und häufig größer als 30 : 1. Damit ist es zwar für den langfristigen Humusaufbau im Boden günstig, verlangsamt aber die Rotte und führt gegebenenfalls zur Festlegung von Stickstoff, der dann nicht pflanzenverfügbar ist. Rottemist und stärker noch Mistkompost haben günstigere bodenverbessernde Eigenschaften als Frischmist. Mist mit Stroh verrottet dabei deutlich besser als Mist mit Sägespänen. Zur Beschleunigung der Rotte gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ferner unterschiedliche Sekundärwirkungen haben. Die Schaffung optimaler Rottebedingungen ermöglicht einen stabilen und zügigen Rotte­prozess.

Darstellung der Faustprobe zur Beurteilung der Feuchtigkeit von Pferdemist: drei Vergleichsbilder zeigen ideal feuchtes, zu trockenes und zu feuchtes Rottematerial.
Abbildung 5: Faustprobe: ideal – zu trocken – zu feucht © HuL Marbach
Nahaufnahme von Rottematerial aus Pferdemist und Stroh mit gräulich-weißem Schimmelbewuchs, der auf einen zu geringen Feuchtigkeitsgehalt während der Rotte hinweist.
Abbildung 6: Grauschimmelige Stellen im Rottematerial deuten auf zu geringe Feuchte © HuL Marbach
Ein Traktor mit Kompostwender bearbeitet eine Mistmiete aus Pferdemist und Stroh. Das Material wird beim Umsetzen aufgeworfen, um die Rotte durch bessere Belüftung zu fördern.
Abbildung 7: Grauschimmelige Stellen im Rottematerial deuten auf zu geringe Feuchte © HuL Marbach

Umsetzung des Mists

Eine wiederkehrende Umsetzung des Mists, beispielsweise mit einem Miststreuer oder speziellen Geräten, fördert die Zersetzung des Mistmaterials, indem die Heißphase durch die Einbringung von Sauerstoff und die Homogenisierung des Rottematerials neu angestoßen wird und die Umsetzungsphase intensiviert wird. Dies führt zur Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit. 

Ein möglicher Nachteil der Umsetzung besteht jedoch im Verlust gasförmiger Stickstoffverbindungen, insbesondere durch die Freisetzung von Ammoniak, wodurch es zu unwiederbringlichen Stickstoffverlusten kommt. Daher wird verschiedentlich empfohlen, eine Umsetzung erst gegen Ende der Heißphase der Rotte, also nach etwa fünf bis sechs Wochen Lagerung, vorzu­nehmen. 

Darüber hinaus findet durch die wiederkehrende Umsetzung die Homogenisierung des Mistes statt. Diese ist zwingend erforderlich, um eine Hygienisierung des gesamten Materials zu gewährleisten, da aufgrund der typischen Temperaturzonen nicht in allen Bereichen die für eine Hygienisierung erforderlichen Temperaturen erreicht werden.
 

Häckseln des Ausgangsmaterials 

Durch die Zerkleinerung des Materials wird die Oberflächenstruktur des Mists vergrößert, was die mikrobielle Aktivität fördert und sich in höheren Prozesstemperaturen und kürzeren Rottezeiten niederschlägt. Darüber hinaus kann durch die Zerkleinerung eine deutliche Reduzierung des benötigten Lagervolumens um ca. 55 % erreicht werden.

Einsatz von Rotteförderern

Die Zugabe von Rotteförderern wie z. B. Tonmineralien oder Effektiven Mikroorganismen kann unter Umständen die Zersetzung beschleunigen und die Rotte stabilisieren. Durch Unterstützung der zersetzenden Kleinlebewesen wie Pilze, Algen und Würmer bilden sich stabile Ton-Humus-Komplexe im Mist.

Grundsätzlich sind die geltenden rechtlichen Vorgaben zur Lagerung und Ausbringung von Festmist uneingeschränkt einzuhalten.
 

Eine Häckselmaschine verarbeitet einen großen Haufen Pferdemist auf einem Lagerplatz. Durch das Zerkleinern des Materials werden die Bedingungen für die nachfolgende Rotte und Kompostierung verbessert.
Abbildung 8: Häckseln des Pferdemists vor der Rotte © HuL Marbach

4. Ausbringtechnik

Ein Traktor zieht einen Miststreuer über eine Grünlandfläche. Der Pferdemist wird während der Fahrt breitflächig verteilt. Im Hintergrund sind Bäume und Waldrand zu sehen.
Abbildung 9: Ausbringung von Pferdemist auf Grünland mit dem Miststreuer © HuL Marbach

Die Ausbringung von Mist mit einem hohen Anteil an organischer Substanz erfolgt üblicherweise mit einem Miststreuer. Um Grünlandflächen, insbesondere solche, die als Weideflächen vorgesehen sind, möglichst wenig oberflächlich zu verschmutzen, ist eine dünne und feine Verteilung des Pferdemists erforderlich. Für eine optimale Ausbringung empfehlen sich entsprechend:

  • eine Ausbringmenge von nicht wesentlich mehr als 20 t/ha
  • eine gute Zerkleinerung über die Fräswalzen, insbesondere bei grobem und langstieligem Einstreumaterial
  • eine geringe Vorschubgeschwindigkeit des Kratzbodens
  • die Verwendung von Tellerstreuwerken

Ist das Streubild nach der Ausbringung zu grob, ist gegebenenfalls im Frühjahr eine Nacharbeit mit geeigneter Technik zur Weidepflege wie z. B. einem Striegel zur Auflösung von Placken und zur feineren Verteilung erforderlich.

Vor der Rotte gehäckselter Mist bietet auch im Hinblick auf die Ausbringung deutliche Vorteile. Zum einen weist ­dieser Mist ein geringeres Transportvolumen auf. Zum anderen hat der Mist nach der Lagerung eine feinere Struktur, was die Ausbringung erleichtert. Außerdem ist der gehäckselte Mist in der Regel stärker verrottet, was die notwendige Umsetzungszeit auf der Fläche verkürzt und somit die Fläche schneller wieder nutzbar macht.

5. Zeitpunkt der Ausbringung

Der Ausbringungszeitpunkt ist entscheidend, um einerseits die Pflanzen zum Zeitpunkt des Nährstoffbedarfs optimal zu versorgen. Andererseits können durch einen gezielten Ausbringungszeitpunkt negative Effekte wie das Risiko einer Reinfektion mit Parasiten oder die Futterverschmutzung minimiert werden. Die Vorgaben der Düngeverordnung (DüV) sind dabei stets einzuhalten. Die DüV regelt, dass Mist von Huf- und Klauentieren ganzjährig mit Ausnahme der Sperrfrist vom 1. Dezember bis 15. Januar (DüV § 6 (8)) ausgebracht werden darf. Darüber hinaus darf der Mist nicht ausgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist (DüV § 5 (1)). Auch wenn der Schutz der Gewässer vor Stickstoffeintrag selbstverständlich Vorrang hat, hat das Verbot einer Ausbringung auf gefrorenen Boden unter Umständen zur Folge, dass dann durch Befahren nassen Bodens Flurschäden entstehen oder bei später Ausbringung das Futter durch den Mist verschmutzt ist.

Es wird empfohlen, ausschließlich gut verrotteten Mist abhängig von der Nutzung der Grünlandflächen entweder nach der letzten Mahd oder nach dem Ende der Weidesaison im Herbst auszubringen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die gedüngten Flächen die Nährstoffe weitgehend aufgenommen haben und im Frühjahr frei von Mistrückständen sind. Alternativ sollte der Mist frühestmöglich nach dem Ende der Sperrfrist ausgebracht werden. Während der Vegetationsperiode und Weidesaison wird von der Ausbringung unaufbereiteten Mists auf Grünlandflächen insbesondere aufgrund des Infektionsdrucks abgeraten.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine Ausbringung von Pferdemist zwischen Weidegängen oder Schnitten durchaus möglich ist. Allerdings ist dabei zwingend darauf zu achten, dass der Mist hygienisiert ist, einen hohen Rottegrad aufweist und eine Nut­zungs­ruhe eingehalten wird. Im Rahmen von Versuchen zeigte gehäckselter Mist mit anschließender Kompostierung die mit Abstand beste Eignung für eine Ausbringung während der Weidesaison. 

Ferner sind Witterungsbedingungen zu beachten. Mangelt es beispielsweise an Feuchtigkeit, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Mist auf der Fläche ausreichend weiter verrottet, Nährstoffe eingebracht werden und eine zeitnahe Nutzung erneut möglich ist. (Abb. 10: Visualisierung erstellt mit Langdock AI)
 

6. Pferdemist auf Weideflächen

Laut Umfrage bringt rund ein Drittel der pferdehaltenden Betriebe ihren Mist auf Weideflächen aus. Bei der Düngung der Weiden mit Pferdemist sollten allerdings ein paar Grundsätze beachtet werden, die insbesondere der Weidehygiene gelten.

Um den Parasitendruck so gering wie möglich zu halten, sollte grundsätzlich nur sehr gut verrotteter bzw. kompostierter Mist auf Weiden ausgebracht werden, siehe Kapitel 3. Zudem wird empfohlen, zwischen Ausbringung und Beweidung mehrere Wochen bis Monate zu warten, damit die Flächen weitgehend sauber sind und die Schmack­haftigkeit des Futters nicht beeinträchtigt ist. Die Wartezeit ist individuell und richtet sich unter anderem nach dem Rottegrad sowie dem Hygienestatus des Mists, der Witterung und dem Vegeta­tionszustand.  (Abb. 11: Visualisierung erstellt mit Langdock AI)

Laut Umfrage warten viele Betriebe (knapp 45 %) mehr als drei Monate, bis sie die Pferde wieder auf die organisch gedüngten Flächen lassen. Die Schmackhaftigkeit des Futters sehen die allermeisten Betriebe als nicht beeinträchtigt an (87 %). 

Ein nachhaltiges Parasitenmanagement beim Pferd ist komplex. Eine bedarfsgerechte Entwurmung der Pferde ist zu empfehlen, da sie sich auf der Weide über die Aufnahme von Wurmlarven bzw. infektiösen Eiern immer wieder reinfizieren können. Um der weiteren Entwicklung von Resistenzen gegen die in Wurmkuren enthaltenen Wirkstoffe entgegenzuwirken, sollten Wurmbehandlungen nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ erfolgen. Unspezifisches Entwurmen ist mit Blick auf die Resistenzbildung, aber auch auf die Belastung des Organismus mit Medikamenten heute kritisch zu bewerten. Auf ihrer Webseite www.pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/entwurmung/entwurmung-von-pferden gibt die Deutsche Reiterliche Vereinigung Hinweise zu zeitgemäßen Entwurmungskonzepten. Ausführliche Informationen und Empfehlungen bietet auch der Leitfaden der deutschen Gruppe des European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP Deutschland e.V.) 
https://www.esccap.de/empfehlung/pferde/.

Interessanterweise gaben nahezu alle Betriebe (96 %) in der Umfrage an, dass sie keinen erhöhten Parasitendruck auf mit Pferdemist gedüngten Weiden beobachten konnten. Allerdings führt die Hälfte der Betriebe gezielt Entwurmungen während der Weidesaison durch.

Maßnahmen zur Wurmbekämpfung wie die Düngung der Weideflächen mit Kalkstickstoff vor Beginn der Weide­saison, das regelmäßige Absammeln von Pferdeäpfeln und nach Möglichkeit die Anwendung eines Wechsel­weidesystems mit mehrwöchiger (4 – 6 Wochen) Weideruhe können dabei helfen, die Wurmpopulation in Schach zu halten.
 

7. Einfluss anderer Tierarten

Eine komplementäre Beweidung von Pferdeweiden durch andere Tiere ­(Rinder, Schafe) ist im Sinne der Bio­diversität und einer gleichmäßigen Nutzung der Grasnarbe positiv zu bewerten. Da Rinder- und Schafparasiten teilweise aber auch Pferde befallen können, ist eine regelmäßige Parasitenkontrolle unerlässlich. Erfahrungen zeigen aber auch, dass eine Mischbeweidung dazu beitragen kann, die Wurm­population zu senken.

Organische Düngemittel wie Rindergülle oder Schweinegülle können grundsätzlich auch auf Pferdeweiden eingesetzt werden, wenn Zeitpunkt und Anwendung auf die besonderen Bedingungen abgestimmt sind. Am besten erfolgt die Ausbringung im Frühjahr, noch vor dem Weidebeginn, und nur auf ausreichend abgetrocknetem Boden. Eine Düngung im Herbst ist aus Sicht des Ge­wässerschutzes nicht zu empfehlen, da in dieser Zeit mit höheren Niederschlägen gerechnet werden muss, die zu Nährstoffverlagerungen führen können.

Rindergülle ist grundsätzlich einsetzbar, bringt jedoch ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Botulismus oder Infektionen mit E. coli mit sich. Deshalb sollte sie möglichst nur außerhalb der Weidesaison oder mit einer entsprechend langen Weidepause von mehreren Wochen verwendet werden. Schweinegülle gilt aufgrund ihres hohen Anteils an schnell verfügbarem Stickstoff und des intensiven Geruchs als weniger geeignet für Pferdeweiden.

Hühnertrockenkot birgt ein erhöhtes Krankheitsrisiko (Salmonellengefahr) und sollte auf Pferdegrünland grundsätzlich nicht ausgebracht werden. 

Gärreste aus Biogasanlagen können grundsätzlich auch auf Pferdegrünland eingesetzt werden, sollten dort jedoch nur gezielt und möglichst außerhalb der Weidesaison ausgebracht werden.
 

Rinder weiden auf einer grünen Hangfläche im Rahmen der Wechselbeweidung. Mehrere Tiere grasen verteilt auf der Weide, die von Wiesenvegetation und Bäumen umgeben ist.
Abbildung 12. Wechselbeweidung mit Rindern am Haupt- und Landgestüt Marbach © HuL Marbach

8. Weitere Düngemaßnahmen

Viele Betriebe setzen zusätzlich Mineraldünger ein, um ihre Grünlandflächen mit Nährstoffen zu versorgen. Die am häufigsten eingesetzten Düngemittel sind der Umfrage zufolge Volldünger (N/P/K) und Kalkammonsalpeter (KAS), aber auch Kalkstickstoff. Kalkstickstoff hat, im zeitigen Frühjahr ausgebracht, den zusätzlichen Effekt, dass damit Weideparasiten und rosettenartig wachsende Unkräuter (z. B. Löwenzahn) bekämpft werden können. Eine antiparasitäre Wirkung ist allerdings nur bei sehr hohen Ausbringungsmengen (über 400 kg N/ha) zu erwarten. Eine derart hohe Dosierung birgt jedoch ein erhebliches Risiko einer Stickstoffüberdosierung. Über die gezielte Düngung des Grünlandes kann indirekt auch die Mineralstoffversorgung der Pferde positiv beeinflusst werden (Mg, Na, Cl, Ca und andere). In ökologisch wirtschaftenden Betrieben darf Kalkstickstoff als mineralischer Dünger nicht eingesetzt werden.

Für eine angepasste Versorgung des Bodens mit Grundnährstoffen und zur Vermeidung von Überdüngung sind Bodenuntersuchungen in regelmäßigen Abständen – empfohlen wird ein dreijähriger Turnus – unerlässlich.
 

9. Pflege des Grünlands

Abbildung 13: Wiesenschleppe im Einsatz © Saphir Maschinenbau GmbH

Grünflächen, insbesondere, wenn sie so stark beansprucht werden wie Pferde­weiden, bedürfen umfassender Pflege. Dazu gehört das Schleppen oder Striegeln der Wiesen im Frühjahr, um Trittschäden und Maulwurfshügel einzu­ebnen und die Gräser zur Bestockung anzuregen. Der Wiesenstriegel sollte eingesetzt werden, wenn die Fläche stark vermoost ist. Auf Flächen ohne Moos ist die Wiesenschleppe in der Regel aus­reichend. Bei sehr unebener Grasnarbe und Wildschäden muss die Fläche gegebenenfalls mit der Walze rückver­festigt werden. Wichtig dabei: Auf Weideflächen sollten vor allen mechanischen Maßnahmen zunächst die Pferdeäpfel abgesammelt werden, um darin eventuell vorhandene Parasiten nicht mit den Geräten flächig zu verteilen. Grundsätzlich empfiehlt sich das wöchentliche Absammeln der Weideflächen, um den Infektionsdruck so gering wie möglich zu halten. Bei großen Flächen, die nicht abgesammelt werden können, kann zuerst Kalk(-stickstoff) ausgebracht werden, der die Parasiten dezimiert und die Pferdeäpfel innerhalb weniger Tage zerfallen lässt.

Die Nachsaat lückiger Stellen in der Grasnarbe, die gerne an bevorzugten Kotstellen der Pferde entstehen, ist der nächste Schritt nach den mechanischen Maßnahmen auf Weideflächen.

Am Ende der Weidesaison ist ein wichtiges Instrument die Nachmahd bzw. das Mulchen. Damit wird restlicher nicht gefressener Aufwuchs, darunter weniger schmackhafte Pflanzen und stärkerer Bewuchs rund um Geilstellen einheitlich gekürzt. Dies verhindert auch, dass unerwünschte Pflanzen aussamen und sich ausbreiten.
 

10. Fazit

Die Verwertung von strohbasiertem Pferdemist auf von Pferden genutztem oder für die Futterproduktion vorgesehenem Grünland erfordert eine sorgfältig abgestimmte Strategie in Bezug auf Lagerung, Aufbereitung, Ausbringung und Parasitenmanagement. Als wertvoller organischer Nährstoffträger eignet sich Pferdemist grundsätzlich dazu, Böden und Pflanzen mit essenziellen Nährstoffen zu versorgen, die Bodenfruchtbarkeit im Sinne einer nachhal­tigen Bewirtschaftung zu fördern und gleichzeitig, sofern eine vollständige Hygienisierung sowie ein hoher Rottegrad erreicht wurden, die Kontamination von Futterpflanzen und damit das Infektionsrisiko für Pferde wirksam zu minimieren.

Amlinger, F., Barth, R., Bieker, M., Blumenstein, B., Bruns, C., Fuchs, J., Gottschall, R., Klöble, U., Krause, M., Reiser, M., Schultheiß, U., Strohmaier, S., Zerger, U. (2024): Kompostierung im landwirtschaftlichen Betrieb – Verfahren – Recht – Kosten. 
In: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) (Hrsg.): Kompostierung im landwirtschaftlichen Betrieb – Verfahren – Recht – Kosten. KTBL-Schrift. (KTBL), Darmstadt.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (2013): Pferdeweiden – Nutzung, Pflege und Düngung – LfL-Information. 3. Auflage. PDF. 

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (2024): Basisdaten – Nährstoffgehalte organischer Dünger zum Zeitpunkt der Ausbringung, nach Berücksichtigung der anrechenbaren Stall- und Lagerverluste, Tabelle 5a, Stand: November 2024. PDF. 

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V., Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei e.V. (2025): Entwurmung von Pferden: Parasitenkontrolle und Wurmkur. Verfügbar unter: www.pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/entwurmung/entwurmung-von-pferden

DLG e.V., Arbeitskreis Futter und Fütterung (2023): Praxisratgeber Pferdefütterung, Arbeiten der DLG, Band 209, DLG-Verlag GmbH.

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In: Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) (2022): Merkblätter für die Umweltgerechte Landbewirtschaftung, Pferdeweiden Anforderungen-Maßnahmen-Pflege. Nr. 17, 3. Auflage, November 2022.11. PDF. 

European Scientific Counsel for Companion Animal Parasites (ESCCAP) (2019): Empfehlungen zur Behandlung und Kontrolle gastrointestinaler Parasiten bei Pferden und anderen Equiden. Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung, Nr. 8, August 2019. PDF. ESCCAP Secretariat, Malvern, United Kingdom.

Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) (2024): Kompostierung im landwirtschaftlichen Betrieb – Verfahren – Recht – Kosten, ISBN 978-3-949930-04-1.

Raupp, J., Elsäßer, M. (2012): Düngewirksamkeit von Pferdemist. Ist das alles Mist oder was? Reiterjournal, Matthes Medien GmbH & Co. KG, Stuttgart, 4/2012 140-142 und 5/2012, 135-137.

Verband der Landwirtschaftskammern (2022): Praxishandbuch – Grünland für Pferde.
 

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