Zugang zu Wissen sichert Wasserressourcen und Ernährung

GFFA: Technologien und Anpassungsstrategien aus Sicht der Landwirtschaft und Landtechnik

Die Teilnehmer beim GFFA-Panel: Dr. Thomas Breuer, Beth Bechdol, Moderatorin Nele Herrmann Valente, Mary Boote und Christian Radons (v.l.n.r.). Fotos: da

Die Globale Lebensmittelproduktion durch eine nachhaltige Wasserversorgung sichern, lautete der Titel der Panel-Diskussion auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) zur Grünen Woche in Berlin. Die DLG war Mitveranstalterin des hochkarätigen Experten-GFFA-Panels. Welche Strategien, Technologien und Bewirtschaftungsmethoden es bedarf, um eine umweltverträglichere Wassernutzung in der Landwirtschaft umzusetzen, stellten die Panlisten jeweils aus ihrem Blickwinkel vor. Die Moderation führte Nele Herrmann Valente, Bayer Crop Science. Die DLG hat das Panel im Januar 2026 zusammen mit vier weiteren Verbänden ausgerichtet. 

Die Stimme der Farmer muss gehört werden, ist die Botschaft von Mary Boote. Sie vertritt als CEO das Global Farmer Network, das in fast 70 Ländern vertreten ist. „Wir sprechen in unserem Forum über Vermarktung, Finanzen, Klima, Anbau, Technik und Rentabilität. Alle Farmer auf der Welt müssen mit den gleichen Herausforderungen klarkommen. Es gibt nicht die eine Lösung, doch im Netzwerk können die Landwirte voneinander lernen. Besonders von den Ideen der jungen Landwirte profitieren alle.“

Wasserprobleme haben verschiedene Ausprägungen: Durch Starkregen gibt es oft zu viel Wasser oder es kommt zur falschen Zeit. Oder Landwirte sind der Trockenheit ausgesetzt, wenn Wassermangel herrscht. Im GFFA‑Panel berichtet Landwirtin Boote von Überschwemmungen, zerstörten Reisfeldern sowie Salzwasser, das die Böden unbrauchbar macht. Wasser ist nicht nur für die Landwirtschaft elementar. „Wenn man Frieden will, muss man den Menschen den Zugang zu Wasser ermöglichen, damit sie überleben können und Nahrungsmittel anbauen.“

Beth Bechdol vertritt als Vize-Generaldirektorin die Stimme der UN-Organisation Food and Agriculture Organization (FAO). Sie bringt den Begriff des integrierten Wassermanagements in die Diskussion ein. Die Agrarexpertin erweitert das Problem der Wasserknappheit um die Wasserverschmutzung. Ein integriertes Wassermanagement ist ein Ansatz, in dem wir eine knappe Wasserverfügbarkeit mit der Landwirtschaft aus einer regionalen Perspektive verknüpfen, erläutert die FAO‑Vizepräsidentin. Dabei stehen die Sammlung von Daten und der Einsatz von Sensorik im Vordergrund.

Die FAO‑Mitarbeitenden leisten dabei große Arbeit, vor allem in Ländern, in denen der Zugang zu Informationen schwierig ist. Diesen Zugang sicherzustellen, sieht Beth als eine große Aufgabe von Wissenschaft, Politik und Organisationen.

Extreme Klimaverhältnisse wie Wasserstress sind nahezu weltweit in der Landwirtschaft zur Normalität geworden. Global kämpft die Landwirtschaft mit den gleichen Problemen. „Wie in der Corona‑Pandemie haben wir in irgendeiner Art und Weise die gleichen Erfahrungen gemacht“, beschreibt Beth die Situation. Deshalb spricht sie sich in ihrem Statement dafür aus, ein System zu entwickeln, in dem alle politischen Entscheidungsträger in allen Sparten – wie Tierhaltung, Pflanzenbau, Ökonomie und Landtechnik – zusammenarbeiten können.

Landwirte an die neuen Bedingungen heranführen

Für Dr. Thomas Breuer, Fachplaner bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), ist eine funktionierende Koordination von Regierung, Verbänden und Organisationen sowie Industrie und Landwirtschaft entscheidend. „Wir brauchen intersektorale Ansätze“, so der Experte. Dazu stellte er auf dem GFFA‑Panel ein Projekt in Thailand vor, wo mehr als 250.000 Landwirte ihr bisheriges Reis-Anbausystem umstellen. „Früher haben wir über Preise gesprochen, heute reden alle über die Wasserknappheit – die Klimakrise ist vor allem auch eine Wasserkrise.“ Landwirte weltweit müsse sich dem Klimawandel anpassen. 

 

FAO-Direktorin Beth Bechdol. Fotos: da

Wir können nicht die Lösung für jedes Land finden, aber wir senden die Botschaft nachhaltiger Produktionspraktiken. Beth Bechdol

GIZ-Fachplaner Dr. Thomas Breuer.

Früher haben wir über Preise gesprochen, heute reden alle über die Wasserknappheit – die Klimakrise ist vor allem auch eine Wasserkrise. Dr. Thomas Breuer

Es gibt nicht die eine Lösung, doch im Netzwerk können die Landwirte voneinander lernen. Besonders von den Ideen der jungen Landwirte profitieren alle. Mary Boote

Christian Radons, Mitglied der Claas-Geschäftsführung.

Wir denken aus der Perspektive der Landwirtschaft. Christian Radons

Die GIZ‑Mitarbeiter vermitteln vor Ort den Landwirten Kenntnisse darüber, wie sie sich den neuen Bedingungen anpassen können und auch wie Finanzierung zu Anpassung bereitgestellt werden kann. Das notwendige Wissen kann von überall her kommen, manche Lösungen sind global einsetzbar, andere sehr stark an Standort und lokalen Kontext angepasst.

Kenntnisse über den Standort

Claas ist ein Unternehmen, das nah an der Landwirtschaft ist, beschreibt Christian Radons, Mitglied der Claas-Konzernleitung, den Landtechnikhersteller. „Wir denken aus der Perspektive der Landwirtschaft.“ . Viele von uns sind selbst Landwirte.“ Deshalb stellt Claas nicht einfach nur  Maschinen her, sondern bedient vielmehr die Landwirte mit Maschinen, die sich optimal in ihrem Bereich einsetzen lassen. Für Radons ist es zu eng gefasst, nur die Wasserversorgung zu optimieren. In seiner Wahrnehmung gehören dazu auch die Boden- und Standortverhältnisse sowie die Kostenstruktur. Ein ganzheitlicher Ansatz, der auch ökonomisch Sinn ergibt, ist gefragt. Fortschritte in der Digitalisierung und Pflanzenzüchtung helfen ebenfalls, den Folgen von Wasserknappheit zu begegnen.

Wie wichtig hier Partnerschaften und Kooperationen sind, darauf machte Mary Boote aufmerksam. Das Global Farmer Network bringe Reisbauern in Japan oder Ackerbauern in Argentinien zusammen. Sie könnten sich über ihre Erfahrungen in der Aussaattechnik im Hinblick auf die knappe Ressource Wasser austauschen. Unternehmer und politische Entscheidungsträger kommen mit Landwirten ins Gespräch. Ihre Schlussfolgerungen hätten durchaus Auswirkungen auf die Arbeit in der Branche.

Permanente Innovations- und Anpassungskraft 

GIZ‑Fachberater Breuer hebt in der Diskussion den gemeinsamen Austausch, landwirtschaftliches Unternehmertum, die permanente Innovations- und Anpassungskraft und die Ideenvielfalt von Landwirten hervor. Aber gerade für junge Farmer ist eine gute allgemeine Bildung, sowie eine gute fachliche Aus- und Weiterbildung wichtig, um die Innovation in der Praxis umzusetzen. 

„Wir brauchen Partnerschaften und Schlüsselakteure“, betont Beth Bechdol. In vielen der Mitgliedsstaaten sind die FAO‑Ministerien bis in die Regionen hinein vertreten. Diese unkonventionellen Bündnisse hält sie für besonders fruchtbar. So können die Mitarbeiter beispielsweise die Fragen zur Wasserknappheit zusammentragen und erörtern.

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Wettbewerb mit dem Nachbar

Claas‑Vertreter Radons bezeichnet sich selbst als großen Fan eines frei zugänglichen Datenaustausches im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und einer intensiven Datennutzung. Doch weiß er aus Erfahrung, dass der Transfer ins Stocken gerät, wenn am Ende der Nachbar bessere Erträge erzielt als man selbst. Das gilt im Kleinen wie im Großen auf das Agribusiness bezogen. Jeder sollte Zugang dazu bekommen, um mit dem Wissen seine Arbeit leichter zu verrichten oder Ressourcen zu schonen. Davon hätten alle einen Vorteil.

Allerdings zwingen geopolitische Krisenherde die internationalen Organisationen immer stärker dazu, in Konfliktregionen wie Afghanistan, Somalia, im Jemen, aber auch in der Ukraine Nothilfe zu leisten. In diesen Gebieten vermitteln wir Wissen, schildert Bechdol ihre Arbeit in den Krisengebieten.

So wurden beispielsweise Wetterdaten zur Installation von Frühwarnsystemen eingesetzt. Damit konnten Tausende Flüchtlinge in den Lagern rechtzeitig vor Starkregen gewarnt und umgesiedelt werden, da wir vorhersagen konnten, wann die Fluten eintreffen, schildert Bechdol Ereignisse in Somalia.

Gleichzeitig konnten Farmer, die wegen ihrer bevorstehenden Ernten das Gefahrengebiet nicht verlassen wollten, umgestimmt werden. Sie konnten das frühzeitig geerntete Getreide als Viehfutter einsetzen. Als die Fluten zurückgingen, gaben die Berater den Landwirten Hinweise zum Anbau einer zweiten Kultur. Die Geschichte klinge einfach, so Bechdol, doch sie zeige, wie wertvoll Partnerschaften sind. Lokale Farmer bekommen dadurch den Anstoß, es einmal anders als traditionell zu versuchen.

Die US-Amerikanerin Boote schilderte ein Beispiel aus Sizilien, wie der Klimawandel den Anbau verändert. Die Wasserknappheit schränkt den Anbau von Limonen und Oliven stark ein. Ein sparsamer Einsatz von Wasser und das Wissen um Anbaumethoden ermöglichen es den Farmern nun, ein Einkommen mit dem Anbau von Bananen sowie Litschis und Mangos zu erzielen. Sicher helfe dabei die Technik, aber einen großen Beitrag leiste die Kommunikation im Global Farmer Network, das die Sizilianer bei der Umstellung unterstützt hat.

Gesunder Boden spart Wasser

Ein gesunder Boden kann Wasser besser speichern und damit sparen, weiß Radons. Sicher bräuchte man Technik, um die Arbeit und die Erträge zu verbessern. „Gleichzeitig wollen wir bei Claas nicht nur die Körner ernten, sondern die Pflanzenteile wieder dem Boden zum Humusaufbau zurückgeben“. Das Landtechnikunternehmen habe in smarte Technologien investiert. „Damit können wir vor allem junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern“. Bodenschonung durch Raupenlaufwerke, Kreislaufwirtschaft durch optimale Strohverteilung und Optimierung durch Automatisierungstechnologie sind die drei Schlüsselwörter.

Die notwendige und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Entwicklungsorganisationen und der Privatwirtschaft erläutert Breuer am Beispiel der Kooperation mit Danone in Marokko. Dort investiert das Unternehmen in die Milchwirtschaft und eine ganzheitliche Verbesserung ihrer zuliefernden landwirtschaftlichen Betriebe. Nach sieben Jahren Dürre in Folge und massiv gestiegenen Futterkosten, stellt sich für viele Landwirte die zentrale Frage wie Sie ihren Futterbau wasserresilienter machen können, auch hierzu beraten die GIZ-Mitarbeiter die Bauern im Feld. 

Schwierige Diskussionen über den Klimawandel

Abschließend machte die FAO‑Vizepräsidentin auf die langen Zyklen aufmerksam, bis sich neue Entwicklungen und neues Wissen in den Regierungen implementieren. „Landwirtschaft ist ein hochpolitischer Bereich“. Das sehe man  jeden Tag in der FAO. Viele Überzeugungsarbeit wäre erforderlich. Die Diskussionen über den Klimawandel seien oft nicht einfach. Deshalb müssen die FAO standhaft bleiben. „Wir können nicht die Lösung für jedes Land finden, aber wir senden die Botschaft nachhaltiger Produktionspraktiken“.

Wenn sich vor Ort Landwirte organisieren, können sie viel erreichen, mit ihrem Wissen viel bewegen und Erträge realisieren. Hierzu passte ein Beitrag aus dem Publikum. Der Teilnehmer betonte für Afrika und Asien die Verfügbarkeit von stressresistenten Sorten, Zuchtmaterial, Wetterdaten und Technik. 

Politik ist der Elefant im Raum bei der globalen Diskussion „Wir wollen die nationalen Regierungen einbinden Programme zu stabilen, gesunden Pflanzen etablieren“, fasst die FAO-Generaldirektorin zusammen.  Regionen haben unterschiedliche Präferenzen, wenn es darum geht, Maßnahmen zur Wasserknappheit umzusetzen. Man brauche Partnerschaften, aber es müssten die unterschiedlichen Regierungen und deren Beweggründe berücksichtig werden – wie in Afghanistan und Somalias . „Mir bricht das Herz, wenn ich sehe, wie die Menschen dort mit der Hand wirklich schwer bearbeitbares Land zu bewirtschaften, während wir gleichzeitig versuchen, technische Innovationen voranzubringen,“ so Bechdol in der Abschlussrunde.