Die Mitwirkung von Fachorganisationen wie der DLG ist heute mehr denn je entscheidend für die Weiterentwicklung, den Erfolg und den Know-How-Transfer für wichtige Messeprofile u.a. wie die Interforst 2026. Nur so kann ein klassisches Messekonzept fachlich erweitert und vor allem attraktiv gestaltet werden. Das Fachprogramm erlaubt auch Themen aufzugreifen, die aus dem Ausstellerbereich eher nicht initiiert werden und auch im Bereich zukünftiger Visionen / Möglichkeiten angesiedelt sind. Ziel muss es sein, nicht nur den Status quo abzubilden sondern auch Wege der Weiterentwicklung aufzuzeigen.
Die Interforst 2026 hat ihr Fachprogramm hierfür weiter ausgebaut. Die Messe für Forstwirtschaft und Forsttechnik brachte rund 42.000 Besucher und 400 Aussteller aus 28 Ländern nach München. In zwei Veranstaltungsteilen des Fachprogrammes - dem Kongress und dem Forum – wurde diese Kooperation zwischen der DLG und der Messe München gelebt und unter der Moderation von Thomas Wehner, Bereichsleiter Forstwirtschaft der DLG Markets GmbH, wurden in beiden Formaten Präsentationen zur Forsttechnik und zur Technikentwicklung in der Branche präsentiert.
Kongress auf der Interforst: „Zukunftstechnik Forst“
Am Freitag den 16. Oktober stand das Leitthema „Forsttechnik auf neuen Wegen“ im Mittelpunkt. Hier wurden ganz verschiedene Neuigkeiten aus der Forsttechnik vorgestellt.
Der erste Vortrag zu Trends in der Forstwirtschaft von Jyri Kylä-Kaila (Epec Oy) und Miika Soininen (Ponsse) zeigte die Zukunft der modernen Arbeitsmaschine auf. Neben einem Überblick über IT-Hardware und Systemsoftware für Forstmaschinen, stellten die beiden Kollegen auch modere Forstmaschinensoftware vor, darunter die Vernetzung der Maschinen, der Datenaustausch und den Einsatz neuer KI-Werkzeuge am Bordcomputer OPTI von Ponsse. Wie solche Kommunikationstools sich auch in den Arbeitsplatz Forstmaschine integrieren lassen, konnte man bei der Fa. Wahlers (Ponsse) als neues Kabinenkonzept besichtigen. So zeigte sich, dass Hard- und Softwareentwicklung kein Selbstzweck darstellt, sondern immer mit dem Blick auf den Operator konzipiert sein muss.
Kleinraupen und Bodenschutz im Fokus präsentiert durch Dr. Lorenz Breinig (Abt. Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie der Universität Göttingen) war ein Beitrag zur Technikfolgenabschätzung. Dr. Breinig stellte die Ergebnisse dynamischer Messungen zur Bodenbelastung unter Klein- / Forstraupen vor. Da diese Fragestellung bislang nur unzureichend betrachtet wurde, aber die Bodenpfleglichkeit solcher Systeme auch in den Zertifizierungssystemen stärker fokussiert wird, wurden an der Universität Göttingen Prüfstandsmessungen der dynamischen Bodendruckverteilung unter Forstraupen in Zusammenhang mit typischen Lastzuständen durchgeführt. Der Vortrag stellte die wesentliche Ergebnisse dieser Messungen vor und diskutierte die Konsequenzen für einen bodenpfleglichen Einsatz von Forstraupen.
Abgerundet wurde der Technikblock des Kongresses mit Christoph Stocker von der Technische Universität Graz. Er präsentierte die Arbeiten und den Entwicklungsstand zu einem vollautomatisierten Be- und Entladungssystem welches u.a. die Erkennung, Klassifizierung und Handhabung von Stämmen ermöglicht. Wesentlicher Teil der Präsentation zeigte auf, welche Kombination aus Sensorik, robuster Objekterkennung und geeigneter Aktorik nötig sind um deren Integration in einen zuverlässiges Gesamtkonzept bzw. -prozess zu realisiseren.
Der Vortagsblock verband sehr eindrucksvoll Maschinenhersteller, Forschung und Praxis. Er zeigte, wie sich Forsttechnik über Bodenschonung, Automatisierung und Digitalisierung weiterentwickelt und welche Visionen bzw. Veränderungen folgen können. Die angeregte Diskussion mit dem Plenum zeigte diese auch sehr eindrucksvoll.
Das Forum: „Vision. Innovation. Zukunft.“
In Zusammenarbeit mit dem KWF Groß-Umstadt und dem Projektteam der Interforst entstand die Idee, den Sonderausstellungsbereich Systems & Components Forestry auch im Fachprogramm stärker in den Fokus zu nehmen. Dafür stand Samstagnachmittag, der 17. Oktober zur Verfügung und die vier Präsentationen erläuterten eindrucksvoll wie Zukunftstechnologien Einzug in die Forsttechnik und forstliche Prozessmanagement halten.
Thomas Wehner von der DLG führte in drei Vorträge aus dem Bereich Technikentwicklung ein und moderierte sie. Eröffnet wurde die Session mit einer „Keynote - Vision. Innovation. Zukunft.
In seiner Einführung beschrieb Wehner, die gegenwärtige Situation innerhalb einer Branche, die zwar alle Werkzeuge zukünftiger Logistik- und Prozessmanagementsysteme hat, diese aber nur schwer implementieren kann und dies aus vielerlei Hinsicht bzw. Hintergründe. Die Halle B6 zeigt eindrucksvoll, so Wehner, wie das Forstmanagement und die Forsttechnik gegenwärtig eine digitale Revolution erlebt. Komponenten, digitale Plattformen und Datenaustausch werden durch Sensorik, Telematik und Datenanalyse einschließlich KI neu geprägt. „Leuchtturmprojekte“ vor allem aus der privaten Forstwirtschaft zeigen, dass eine Realisierung möglich ist, dennoch scheitert ein durchgängiges Prozessmanagement oft an Schnittstellen und nötigen „revolutionären“ Veränderungen im Gesamtsystem. Selbst die moderne Forstmaschine zeigt, das obwohl es seit Jahrzehnten einen StanForD Standard gibt, immer noch „Dialekte“ in der Programmierung, ein ungehinderter, markenübergreifender Datenaustausch sein Probleme hat. Ziel muss es für die Branche sein, mit z.B. moderner KI, digitalem Zwilling als Datenplattform und modernster Sensorik und Applikationen, die Forstbetriebe und ihre Organisation noch nachhaltiger, ergonomischer und effizienter zu gestalten.
Mit Johannes Gondan vom Fraunhofer IIS - Bayerisches Chip Design Center und seinem Vortrag „Vom Sensor zum System“ war diese Runde eröffnet und er zeigte, wie robuste, energieeffiziente Sensorsysteme mit maßgeschneiderter Mikroelektronik entstehen können. Da es nicht unüblich ist in der Forsttechnikbranche in verhältnismäßig kleineren Stückzahlen zu produzieren, ist die Möglichkeit eine individualisierte Elektronik zu verwenden sehr vorteilhaft. Die Nutzung von Massenware schränkt ein und bedingt Kompromisse, die solche z.T. fast schon individuellen Produktentwicklungen hemmen können. Der Bogen von Machbarkeitsstudien bis zur Serienfertigung wurde gespannt und zeigte, dass hier am Bayerischen Chip Design Center Lösungen gemacht werden. Der Vortrag richtete sich an Unternehmen auch mit kleinen bis mittleren Stückzahlen.
Wo Hardware entsteht benötigt es heute auch modernste Lösungen auf Basis von KI. Dr. Alexander Kaulen (KWF Groß-Umstadt) beschrieb dies in seinem Vortrag „KI in der Forstwirtschaft – eine Revolution“ sehr eindrucksvoll. Wie mit hoher Präzision und unter Verwendung von modernster Fernerkundungsmethodik digitale Waldzwillinge generiert werden, die unsere Wälder zunehmend einzelbaumgenau abbilden können. Oder das KI-Systeme Informationen aus Fernerkundung und anderen Quellen zusammen tragen und damit Entscheidungsgrundlagen für Waldbau, Holzernte, Logistik und Verwaltung bieten. Diese Vision einer vernetzten Daten- und Dienste-Infrastruktur in der kommunizieren Menschen, Maschinen und Software miteinander und unterstützen sich gegenseitig bei Planung und Umsetzung, diese wurde von Herrn Kaulen eindrucksvoll dargestellt.
Wenn Soft- und Hardware harmonieren und KI den Entscheidungsprozess maßgeblich verbessert, steht die Autonomie sozusagen vor der Tür. Prof. Dr. Thomas Linkugel (HAWK Göttingen, Autonomous Mobile Robotics Lab) stellte in seinem Vortrag „Autonome Robotik im Forst“ den von seiner Arbeitsgruppe entwickelten Scorpion vor. Das geländegängige System kartiert Bestände multisensorisch, navigiert selbstständig und übernimmt den automatisierten Freischnitt von Jungpflanzen. Prof. Linkugel zeigte im Kontext auch der Vorgängerpräsentationen sehr schön auf, das Forstwirtschaft skalierbarer wird. „Vom Mikroklima bis zur Einzelbaumentnahme fokussieren sich neue Technologien zunehmend auf ökologische und bedarfsgerechte Lösungen, um aktuelle Herausforderungen ökonomisch tragen zu können, so Linkugel. Die Forschung seiner Arbeitsgruppe im Autonomous Mobile Robotics Lab (AMRL) liegt an eben dieser Schnittstelle. Zeit- und arbeitsintensive Maßnahmen können teilautomatisiert oder sogar automatisiert werden. So wird eine Digitalisierung der Bestände vorangetrieben, die wiederum eine autonome Technik real werden lässt.
Die DLG war auf der Interforst 2026 erstmals mit einem eigenen Bereich vertreten: SYSTEMS & COMPONENTS Forestry by DLG in Halle B6. Auch auf Grund dieses Engagement und Kooperation mit der Messe München waren die Vortragsreihen eine gelungene Ergänzung. Die Zuhörer waren reichlich in den Vortragsreihen und angeregte Diskussionen fanden ebenfalls statt. Das Beweist, dass die Themen moderne Forstmaschinenentwicklung, Technikfolgenabschätzung, Teilautonome Systeme mit modernster Sensorik, Künstliche Intelligenz und Robotik den Zuhöre abgeholt haben.
Fazit
Ein spannender Bogen vom Bauteil, der Datenerfassung und -analyse bis zur KI gestützten, autonomen Maschine wurde realisiert. Damit war die DLG über ihre Sonderschau hinaus inhaltlich im Fachprogramm präsent.
Mit Kongress, Forum und der neuen Sonderschau SYSTEMS & COMPONENTS Forestry hat die Interforst 2026 die Forsttechnik als Innovationsfeld sichtbar gemacht. Die DLG verband Technik, Wissenschaft und Zulieferindustrie in einem Programm. Die Kooperation mit dem KWF stärkte den Praxisbezug.
Ein Dank geht an das Projektteam der Interforst, die diese Möglichkeiten realisieren konnte.