DLG-Feldtage Spotlight Ökolandbau

Schonende Bearbeitung bringt Ertrag 

Praxisnaher Austausch auf den DLG-Feldtagen. Foto: DLG-Jaworr

„Pflanzenbau out of the Box“: unter diesem Leitthema stehen die DLG-Feldtage 2026. Dazu passend finden Besucherinnen und Besucher auf dem Messegelände in Bernburg-Strenzfeld ein vielfältiges Fach- und Ausstellerangebot rund um den Öko-Ackerbau. Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) ist Föderorganisation der DLG-Feldtage. Auf ihren Versuchsflächen führt das LLG-Team täglich vom 16. bis 18. Juni 2026 Exkursionen zu Kulturen und Gemenge auf dem Trockenstandort durch. Über die Bedeutung von langjährigen Versuchsanlagen und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit informiert der folgende Fachbeitrag. 

Die Entwicklung des ökologischen Landbaus erforderte in den vergangenen Jahrzehnten eine stetige Weiterentwicklung von Fruchtfolgen und Anbausystemen. Um diesem Forschungsbedarf zu begegnen, wurde ein Versuchsfeld der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) im Jahr 1992 auf ökologischen Landbau umgestellt. Dies befindet sich in der Lößlandschaft des mitteldeutschen Trockengebiets am Standort Bernburg. Der Standort zeichnet sich im langjährigen Mittel (1991-2020) durch geringe Jahresniederschlagssumme von 516 mm und eine Jahresdurchschnittstemperatur von 10,1 °C aus. Der Boden ist ein Normtschernosem aus Löss mit der Bodenart stark toniger Schluff, die Ackerzahl beträgt 85 – 96. Kennzeichnend ist die hohe Wasserspeicherfähigkeit mit einer nutzbaren Feldkapazität von 210 mm bezogen auf 1 m Tiefe. 
 

Kichererbsenanbau im Fokus

Im Rahmen der Landespräsentation Sachsen-Anhalt werden für das Spotlight Ökolandbau zu den DLG-Feldtagen täglich Exkursionen auf das ökologische Versuchsfeld der LLG angeboten. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Flächen der DLG-Feldtage besteht die Möglichkeit, hier produktionstechnische Versuche zum Kichererbsenanbau, Linsen im Gemengeanbau und Versuche zur mechanischen Unkrautbekämpfung zu besichtigen. Ein zentraler Teil der Versuchsanlagen sind zwei Dauerversuche zum Ökologischen Anbau, welche bereits seit mehr als 30 Jahren durchgeführt werden. 
 

Anbausysteme im Vergleich 

Dauerversuche spielen eine entscheidende Rolle bei der Beobachtung und Quantifizierung von potentiellen, langsamen Veränderungen im Boden und ermöglichen eine Bewertung von Ackerbausystemen im Hinblick auf Bodenfruchtbarkeit, Produktivität und Nachhaltigkeit. 

Mit der Aussaat im Herbst 1993 wurde auf einer Fläche von 2,6 ha ein Dauerversuch angelegt, bei dem Fruchtfolgen eines konventionell-integrierten Marktfruchtbetriebes, eines ökologischen Marktfrucht- und eines ökologischen Gemischtbetriebes verglichen werden. Das Hauptziel des Versuches besteht im Leistungsvergleich von Produktionsverfahren auf den Schwarzerden des mitteldeutschen Trockengebietes. 
 

Fruchtfolge über acht Jahre 

Die ursprünglich dreifaktorielle Spalt-/Streifenanlage umfasste die drei Prüffaktoren Bewirtschaftungsform, Düngungsintensität und Fruchtfolge. Seit 2018 wird je Variante nur noch eine Düngungsstufe geprüft. Aktuell befindet sich der Versuch im ersten Versuchsjahr der 5. Rotation. 

Die Anbausysteme kennzeichnen sich durch eine achtgliedrige Fruchtfolge, welche an die Betriebserfordernisse angepasst ist (siehe Übersicht). Allen Betriebssystemen ist ein Getreideanteil von 50 Prozent, sowie 25 Prozent Hackfrüchten und 25 Prozent Leguminosen gemein. 

Übersicht: Fruchtfolgen der Anbausysteme

IntegriertÖkologisch, MarktfruchtbauÖkologisch, Gemischtbetrieb
Zwischenfrucht/SojaLuzerne, einjährigLuzerne, Sommeransaat
KörnermaisSommerhaferKörnermais
Winterweizen 1Winterweizen 1Winterweizen 1
Zwischenfrucht/KartoffelZwischenfrucht /KartoffelZwischenfrucht /Kartoffel
WinterspelzWinterspelzWinterspelz
FuttererbseFuttererbseFuttererbse
Winterweizen 2Winterweizen 2Winterweizen 2
Zwischenfrucht/SommerhaferZwischenfrucht /SonnenblumeZwischenfrucht /Sommerhafer

Quelle: LLG

Düngung mit Stallmist

Im integrierten System erfolgt die Düngung ausschließlich mineralisch. Die Düngung im ökologischen Gemischtbetrieb erfolgte bis zum Jahr 2018 mit Stallmist und seitdem mit Hühnertrockenkot-Pellets. 

Seit 2014 ist ein Bodenwassermessplatz in zwei der Anbausysteme integriert. Als Bestandteil der länderübergreifenden Kooperation Lysimeter/Bodenwassermessstellen können so wichtige Versuchsdaten zu den Produktionsverfahren und Verhältnissen im Mitteldeutschen Trockengebiet gewonnen werden. 
 

Geringe Mengen an Sickerwasser

Das Messprogramm erfolgt in der integrierten sowie der ökologischen Gemischtbetriebsvariante. In die Versuchsparzellen wurden hierfür in drei unterschiedlichen Tiefen (35 cm; 65 cm und 95 cm) Sonden zur Ermittlung von Bodenfeuchte, Bodentemperatur und Bodenleitfähigkeit sowie Saugkerzen zur Gewinnung von Sickerwasser eingebaut. Die Sickerwassermengen sind mit 45 bis 51 mm pro Jahr sehr gering. Neben der Nitratauswaschung werden folgende weitere Versuchsfragen am Bodenwassermessplatz untersucht: 

  • Sickerwassermenge und Sickerwasserqualität,

  • Verlauf von Bodenfeuchte und Bodentemperatur (Mineralisationsgeschehen),

  • Witterungsverlauf und Wasserversorgung,

  • Humusversorgung und Humusqualitäten und

  • mikrobielle Aktivität und Bodenbiodiversität (molekularbiologische Methoden).

Desweiteren wurden in den etablierten Betriebssystemen wurden seit 2018 Daten zum Unkrautbesatz in ausgewählten Kulturarten erhoben. Dabei zeigte sich, dass die Bewirtschaftungssysteme erwartungsgemäß einen deutlichen Einfluss auf das Vorkommen der Segetalflora haben. Auch zwischen den beiden ökologischen Systemen gab es signifikante Unterschiede, obwohl bei beiden Systemen die gleiche Strategie zur Beikrautregulierung umgesetzt wird. Die höhere Nährstoffzufuhr im ökologischen Gemischtbetrieb bewirkte ein größeres Unkrautaufkommen als im ökologischen Marktfruchtbetrieb. Das Vorkommen der Leitunkräuter differenzierte sich dabei zwischen den Kulturarten.
 

Ausgewogenes Nährstoffmanagement

Die große Menge der über den gesamten Dauerversuch erhobenen Daten ermöglichen Auswertungen vielzähliger Aspekte der Anbausysteme. Die eingesetzten Nährstoffmengen zwischen den drei Betriebssystemen variieren deutlich. Auswertungen zur langfristigen Ertragsstabilität zeigen, dass sich die Leistungsfähigkeit der ökologischen Ackerbausysteme stark entsprechend des Düngungsniveaus und der Kultur differenziert. Unter den gegebenen Versuchsbedingungen bilden die negativen Nährstoffbilanzen im System ökologischer Marktfruchtbau ein sinkendes Leistungspotenzial ab. Dies stellt besonders ökologisch wirtschaftende Ackerbaubetriebe in vieharmen Regionen vor die Herausforderung, ein ausgewogenes Nährstoffmanagement zu etablieren. 
 

Grundbodenbearbeitung und Distelbekämpfung

Der Einsatz von Wirtschaftsdüngern und der Anbau von Leguminosen und anderen Gründüngungspflanzen ist einer der wichtigsten Bausteine für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im ökologischen Landbau. Während Anbauverbände und andere Beratungsdiensten eine Vielzahl von pflanzenbaulichen Hinweisen zur Förderung und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit anbieten, gibt es wenige langjährige Untersuchungen zum Einfluss der Grundbodenbearbeitung auf die Humusversorgung sowie die Unkrautbekämpfung. Ein im Jahr 1994 angelegter ökologischer Dauerversuch beschäftigt sich mit der Extensivierung der Grundbodenbearbeitung in einer auf Marktfruchtbau ausgerichteten Vierfelder-Fruchtfolge. 

Die Grundbodenbearbeitung erfolgt mit vier verschiedenen Bearbeitungsvarianten im Herbst eines jeden Jahres. Diese sind:

  • P 26 – Pflug mit Packer, 26 cm tief
  • P 16 + 10 – Pflug mit Packer, 16 cm tief und angebauter Lockerungszinken bis 26 cm tief
  • P 16 – Pflug mit Packer, 16 cm tief
  • G 16, Grubber 16 cm tief. 

Der Versuch ist als Streifenanlage angelegt, bei der auf den vier Fruchtfolgefeldern alle Bodenbearbeitungsvarianten durchgeführt werden. Die Bewirtschaftung erfolgt kulturartenspezifisch und abgesehen vom Anbau von Leguminosen zur Stickstoff-Fixierung ohne jegliche Düngungsmaßnahmen. Über die Jahre fand mehrfach eine Veränderung der Fruchtfolge statt, seit 2018 besteht die Fruchtfolge „Ackerbohne – Winterweizen – Kartoffel – Wintertriticale“.

Nach den ersten Versuchsjahren trat in der ursprünglichen getreidelastigen Fruchtfolge ein ausgeprägtes Distelvorkommen auf, weshalb sie umgestellt und außerdem eine Leguminose mit in die Fruchtfolge integriert wurde. Ebenfalls wird seit dem Jahr 2001 bei allen Varianten nach der Stoppelbearbeitung eine gesonderte Distelbekämpfung mit Distelhobel durchgeführt. 
 

Humusaufbau fördern

In langjährigen Auswertungen zeigten sich die höchsten Erträge in den gepflügten Varianten – allerdings verbunden mit einem Humusabbau. Auf den extensiveren Bodenbearbeitungsvarianten waren die Erträge niedriger, aber auch der Humusabbau geringer. Die Erträge bei der speziellen Stoppelbearbeitung zur Distelbekämpfung lagen im langjährigen Mittel zwar geringfügig höher, rechtfertigten den erhöhten Technik- und Kraftstoffeinsatz jedoch nicht immer. 

Zu den DLG-Feldtagen 2026

DLG-Feldtage

16. –18. Juni 2026

Internationales DLG-Pflanzenbauzentrum | Bernburg

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