DLG-MERKBLATT 508

Bildungswege in der deutschen Geflügelbranche

Teil 1: Duale Berufsausbildung, Meisterfortbildung und Studium

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DLG-Merkblatt 508
1. Auflage, Stand 07/2026

Autoren:

  • Dr. Philipp Hofmann und Katja Krebelder, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierhaltung, 
    Tierernährung und Futterwirtschaft, Kitzingen/Schwarzenau
  • Stefanie Kümmel, Dr. Klaus Damme und Larissa Weinmann, Bayerische Staatsgüter, Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Kitzingen
  • Melanie Petz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Abteilung Berufliche Bildung, Freising
  • Dr. Falko Kaufmann, Dr. Kathrin Toppel und Prof. Dr. Inga Tiemann, Hochschule Osnabrück, Standort Angewandte Geflügel­wissenschaften (StanGe), Osnabrück
  • Jule Schättler und Larissa Trutwig, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Geschäftsbereich Landwirtschaft, Oldenburg 
  • Dr. Birgit Spindler, Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie, Hannover
  • Dr. Ruben Schreiter, Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Arbeitsgruppe Nachhaltige Nutztierhaltung und Tiergesundheitsmanagement, Halle
  • Inga Garrelfs und Dr. Christiane Keppler, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Beratungsteam Tierhaltung, Fritzlar/Bad Hersfeld
  • Susanne Gäckler, DLG, Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel, Frankfurt a. M.

Unter Mitwirkung des DLG-Ausschusses Geflügel

Mitarbeitende zwischen Truthühnern in einem Geflügelstall.
© Moorgut Kartzfehn

1. Bedeutung und Bedarf an qualifizierten Fachkräften

Die Geflügelwirtschaft ist ein zentraler Bestandteil der tierischen Veredelung in Deutschland. Im Jahr 2025 erreichte der Produktionswert beeindruckende 6,7 Milliarden Euro (Beck, 2026). Dies bedeutet, dass etwa 17 % der tierischen Veredelung durch Eier und Geflügelfleisch erwirtschaftet wurde – dies entspricht einem Anteil von rund 9,5 % am gesamten Produktionswert der Landwirtschaft (BMLEH, 2026). Die Geflügelfleisch- und Eiererzeugung sind mittlerweile die einzigen tierischen Veredelungszweige mit nachhaltigen Zuwachsraten in Deutschland (Ta­belle 1).

Tabelle 1: Steigerung in Erzeugung und Verbrauch von Hähnchenfleisch und Eiern (Beck, 2022 und 2026)

Jahr

Hähnchenschlachtungen 
(Mio. t Schlachtgewicht)

Verbrauch an Hähnchen
(kg/Kopf)

Konsumeiererzeugung
(Mio. Stück)

Eierkonsum
(Stück/Kopf und Jahr)

2016

0,96

12,9

13.198

231

2025

1,10

16,8

15.279

252

Differenz

+ 14,6 %

+ 30,2 %

+ 15,8 %

+ 9,1 %

In der deutschen Geflügelwirtschaft gibt es zahlreiche spezialisierte Betriebe. So gab es im Jahr 2025 in Deutschland 2.182 landwirtschaftliche Betriebe mit Legehennenhaltung ab 3.000 Haltungsplätzen. Weitere 3.660 Betriebe widmeten sich 2023 der Masthühnerhaltung und 1.690 Betriebe der Putenhaltung (jeweils Bestände über 1.000 Tiere) (Beck, 2026). Darüber hinaus existieren Junghennenaufzucht-, Vermehrungs-, Gänse- und Entenmastbetriebe sowie Betriebe mit Haltung von Sondergeflügel wie Wachteln, Fasanen, Tauben, Perlhühnern und Straußenvögeln.

Die Wertschöpfungskette der Geflügelwirtschaft ist lang und vielfältig. Neben tierhaltenden Betrieben umfasst sie beispielsweise Stalleinrichtungs- und Futtermittelunternehmen sowie Verarbeitungsbetriebe für Eiprodukte, Schlachtstätten und Brütereien. Diese Kette schafft zahlreiche Arbeitsplätze und erfordert eine hohe Spezialisierung und Qualifikation der Mitarbeitenden. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf die gestiegenen Anforderungen beim fachgerechten Umgang mit Geflügel bezüglich Tierwohl und Tierschutz, beim Management der Tier­bestände aber auch hinsichtlich Biosicherheitsmaßnahmen. Dabei ist hervorzuheben, dass oftmals auch Personen ohne landwirtschaftliche oder geflügelspezifische Prägung eine Aus-, Fort- oder Weiterbildung im Geflügelbereich absolvieren.

Die Geflügelwirtschaft in Deutschland steht somit nicht nur für einen bedeutenden Wirtschaftszweig, sondern auch für eine Branche, die hohe Anforderungen an Fachwissen und Spezialisierung stellt. Eine fundierte Ausbildung sowie fachbezogene Fort- und Weiterbildungen von Fachkräften sind daher entscheidend für die Zukunftsfähigkeit dieser wichtigen Branche.

Um den Bedarf an Fachkräften zu decken, müssten in Deutschland schätzungsweise jährlich etwa 30 bis 40 Tierwirtschaftsmeister – Fachrichtung Geflügelhaltung oder Agrarstudienabsolventen mit Schwerpunkt Geflügel sowie 150 bis 180 Tierwirte (Fachrichtung Geflügelhaltung) oder Landwirte (Schwerpunkt Geflügelhaltung) aus- und fortgebildet werden. Tatsächlich liegen die Zahlen jedoch weit darunter. Ende des Jahres 2024 befanden sich im Bundesgebiet lediglich 42 Personen in Ausbildung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, 2025). Den letzten Fortbildungskurs zum Tierwirtschaftsmeister Fachrichtung Geflügelhaltung 2024/2025 schlossen lediglich 13 Personen erfolgreich ab. Darüber hinaus sinken die Studierendenzahlen im Bereich Agrarwissenschaften seit Jahren kontinuierlich. Während es 2020/2021 noch 29.433 Studierende waren, sank die Zahl im Wintersemester 2024/2025 auf 24.043 – ein Rückgang um rund 18 % (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, 2025). Diese Lücke verdeutlicht, wie dringend ein kontinuierliches Angebot an Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten ist, um den hohen Standard der deutschen Geflügelwirtschaft zu sichern und weiterzuentwickeln. 

Zwei DLG-Merkblätter geben einen aktuellen Überblick über Bildungswege in der deutschen Geflügelbranche. Das vorliegende Merkblatt 508 behandelt die duale Berufsausbildung, die Meisterfortbildung sowie Studienangebote. Das ergänzende Merkblatt 509 befasst sich mit Sachkundelehrgängen und weiteren Qualifizierungsange­boten.

Die Merkblätter richten sich an Interessierte, Auszubildende, Studierende, Betriebe sowie Beratungs- und Bildungseinrichtungen und sollen als Orientierungshilfe zu Qualifizierungswegen, Zuständigkeiten und weiterführenden Informationsangeboten dienen.

2. Ausbildung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung

2.1 Organisation der dualen Ausbildung

Die Ausbildung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung ist eine praxisorientierte und vielseitige Qualifizierung, die in Deutschland über einen Zeitraum von drei Jahren im dualen System erfolgt. Dieses kombiniert die theore­tische Ausbildung in der Berufsschule mit der praktischen Ausbildung in anerkannten Ausbildungsbetrieben. Diese werden von den zuständigen Stellen (siehe Punkt 4) der jeweiligen Bundesländer anerkannt und können dort erfragt werden. Im Rahmen der theoretischen Ausbildung lernen die angehenden Tierwirte wesentliche Inhalte über die Geflügelhaltung, -zucht, -ernährung und -pflege sowie über die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere. Die praktische Ausbildung findet in Betrieben mit Geflügelhaltung statt, in denen die Auszubildenden aktiv in die Arbeitsprozesse (z. B. Tierbetreuung und tierpflegerische Maßnahmen, Gabe von Schutzimpfungen über Trink­wasser oder Steuerung des Bestandes mit Hilfe des Stallcomputers) eingebunden werden und wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Zudem ergänzt der Besuch überbetrieblicher Ausbildungsstätten, wie beispielsweise dem Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter (BaySG) in Kitzingen, dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen oder dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die praktische Ausbildung. Dort erwerben die Aus­zubildenden Kenntnisse und Fähigkeiten, die in den Betrieben aufgrund der Spezialisierung nicht in vollem Umfang vermittelt werden können. Mehr Informationen hierzu sind auf den Homepages zu finden:

2.1.1 Gesetzliche Grundlage

Die gesetzliche Grundlage zur Ausbildung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung bildet die Verordnung über die Berufsausbildung zum Tierwirt (TWirtAusbV 2005) vom 17. Mai 2005. Mehr Informationen sind hier im PDF zu finden.
 

2.1.2 Schulabschluss

Formale Zugangsvoraussetzungen für den Beginn der Ausbildung bestehen nicht. Nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht (neun bzw. zehn Vollzeitschuljahre) kann mit Abschluss eines Ausbildungsvertrags die Ausbildung aufgenommen werden.

Unabhängig vom erreichten Schulabschluss sind für eine erfolgreiche Ausbildung sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sowie grundlegende mathematische Kompetenzen erforderlich. Dazu zählen insbesondere die Anwendung der Grundrechenarten und der Prozentrechnung, beispielsweise für Aufgaben im Bereich Fütterung, Impfstoff- oder Desinfektionsmitteldosierung. Darüber hinaus sind Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt und ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren wesentliche persönliche Voraussetzungen für die Tätigkeit im Geflügelbereich.
 

2.1.3     Ausbildungsdauer und -ablauf

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Sie wird im dualen System durchgeführt und setzt sich aus der praktischen Ausbildung im Ausbildungsbetrieb, dem Berufsschulunterricht, der häufig als Blockunterricht organisiert ist, sowie ergänzenden Lehrgängen in überbetrieblichen Ausbildungsstätten zusammen. In Bayern und Baden-Württemberg wird das erste Lehrjahr als Berufsgrundschuljahr in Vollzeit abgeleistet und erst ab dem zweiten Lehrjahr findet die Ausbildung zusätzlich zur Blockbeschulung auf einem Praxisbetrieb statt (siehe Abbildung 1). In Niedersachsen ist dies ebenfalls möglich, aber nicht verpflichtend. 

Abbildung 1: Ablauf der Ausbildung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung (Visualisierung erstellt mit Langdock AI)

Lehrzeitverkürzung

Die Ausbildung kann um das erste Ausbildungsjahr auf zwei Jahre verkürzt werden, wenn der Auszubildende einen Abschluss in einem anderen Beruf vorweist oder die allgemeine Hochschulreife bzw. den schulischen Teil der Fachhochschulreife erworben hat.

2.2 Ausbildungsinhalte

Die Ausbildungsverordnung regelt, welche Inhalte während der Ausbildung vermittelt werden – im Ausbildungsbetrieb, in der Berufsschule und in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen. Der Ausbildungsrahmenplan (Anhang der Verordnung) zeigt, wie die Themen über die Ausbildungsjahre verteilt sind.

Damit Auszubildende am Ende Tiere fachgerecht betreuen, Verantwortung übernehmen und einen modernen Geflügelbetrieb mitgestalten können, umfasst die Ausbildung verschiedene Kompetenzbereiche. Die folgenden Inhalte orientieren sich an den Mindestanforderungen der Tierwirt-Ausbildungsverordnung (§ 5 TWirtAusbV 2005):

1) Arbeiten mit Tieren – Schwerpunkt der Ausbildung

Im Mittelpunkt steht der tägliche Umgang mit dem Tier und das Verständnis für dessen Bedürfnisse:

  • Tierhaltung und Herdenmanagement (Beobachten, Erfassen, Beurteilen, Handeln)
  • Tierwohl und Tierschutz (tiergerechte Betreuung, Stressvermeidung, Verantwortungsbewusstsein)
  • Fütterung (bedarfsgerechte Rationen, Kontrolle, Dokumentation)
  • Tiergesundheit, Tierhygiene und Biosicherheit ­(Vorbeugen, Erkennen, angemessen reagieren)
  • Zucht, Reproduktion, Vermehrung und Brut (Grund­lagen und praktische Abläufe)
  • Nutzung und Produktgewinnung (z.  B. Eier- und Fleischerzeugung) unter Berücksichtigung von Qualitätssicherung und Sorgfalt entlang der gesamten Prozesskette
Abbildung 2: Tierkontrolle © Moorgut Kartzfehn
Küken an einer Tränkeanlage im Geflügelstall.
Abbildung 3: Kontrolle der Tränken © StanGe, Hochschule Osnabrück
Nahaufnahme einer Untersuchung eines Kükens im Geflügelbestand zur Kontrolle von Gesundheit und Aufzuchtbedingungen.
Abbildung 4: Beurteilung der Kükenqualität in der Brüterei © Moorgut Kartzfehn

2) Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt

Moderne Geflügelhaltung bedeutet, nachhaltig zu arbeiten und Zusammenhänge zu verstehen:

  • Ökologische Zusammenhänge, Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz
  • Umwelt- und Ressourcenschutz in der Geflügelhaltung (z. B. Emissionen reduzieren und Ställe energieeffizient betreiben)
  • Verwertung und Entsorgung von Rückständen (ordnungsgemäß, sicher, umweltgerecht)
     

3) Technik und Arbeitsalltag im modernen Betrieb

Moderne Geflügelhaltung nutzt vielfältige Technik, die verstanden und sicher angewendet werden muss:

  • Maschinen, Geräte und Betriebseinrichtungen (Stalltechnik, Fütterungs- und Lüftungssysteme)
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Qualitätssichernde Maßnahmen (Hygienepläne, Kontrollen, Standards)
Person in Schutzkleidung hält ein Legehuhn während einer Gesundheitskontrolle in einem Hühnerstall
Abbildung 5: Einzeltierbeurteilung bei Legehennen © LWK Niedersachsen

4) Betrieb mitgestalten – Organisation, Wirtschaft und Kommunikation

Wer Verantwortung im Betrieb übernehmen will, muss Abläufe verstehen und gut im Team arbeiten:

  • Planen, Kontrollieren und Beurteilen von Arbeitsabläufen und Produktionsprozessen
  • Wirtschaftliche Zusammenhänge, Kalkulationen und Geschäftsvorgänge
  • Kommunikation und Information (im Team, mit Vorgesetzten, Dienstleistern, Tierärzten, Kunden)
  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes
     

5) Rechte und Pflichten in der Ausbildung 

Auch der rechtliche Rahmen gehört dazu – kompakt und praxisnah:

  • Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
Mitarbeitende überwacht den Sortier- und Verpackungsprozess von Eiern an einer automatisierten Eiersortieranlage in einer Packstelle.
Abbildung 6: Eiersortierung in der Packstelle © LWK Nieder­sachsen

2.3 Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung in der Tierwirtschaft richtet sich nach dem Berufs­bildungs­gesetz (BBiG) und wird regelmäßig angepasst. Da die Vergütung je nach Bundesland, Tarifvertrag oder Ausbildungsbetrieb variieren kann, empfiehlt sich der Blick auf die stets aktuelle Übersicht des Bundes.
Die aktuellen Mindestvergütungssätze sind hier abrufbar.


2.4 Berufsschule

In der Berufsschule erlernt der Auszubildende die grundlegenden, fachtheoretischen Kenntnisse. In Deutschland gibt es folgende zwei Berufsschulen, die der Auszubildende je nach Bundesland im Blockunterricht besucht. In Tabelle 2 wird die Zuständigkeit der jeweiligen Berufsschule den einzelnen Bundesländern zugeordnet.

Berufsbildende Schulen des Landkreises Saalekreis
Standort „Carl Wentzel“
Delitzscher Str. 45
06112 Halle
Tel.: +49 345 5754610
kontakt.cw@bbs-saalekreis.bildung-lsa.de 

Staatliches Berufliches Schulzentrum Ansbach-Triesdorf
Standort Triesdorf
Reitbahn 7
91746 Weidenbach
Tel.: +49 9826 65888-0
triesdorf@bsz-ansbach.de 

Tabelle 2: Zuständige Berufsschulen nach Bundesland (Kultusministerkonferenz; Liste der anerkannten Ausbildungs­berufe, für welche länderübergreifende Fachklassen eingerichtet werden, mit Angabe der aufnehmenden Länder (Berufsschulstandorte) und Einzugsbereiche, S. 230, siehe hier

BundeslandZuständige BerufsschuleKommentar
Baden-Württemberg, HessenBerufsbildende Schulen des Land­kreises Saalekreis
oder
Staatliches Berufliches Schulzentrum Ansbach-Triesdorf

Der Ausbildungsbetrieb kann gemeinsam mit dem Auszubildenden die Berufsschule frei wählen.

Da es in Bayern das Berufsgrundschuljahr gibt, gehen die hessischen Aus­zubildenden, die nach Bayern auf die Berufsschule gehen möchten, das erste Lehrjahr auf eine hessische Berufs­schule
 

Bayern, Rheinland-PfalzStaatliches Berufliches Schulzentrum Ansbach-TriesdorfBesuch einer anderen Berufsschule nur mit Hilfe eines Gastschulantrags möglich1
Berlin, Brandenburg, Bremen, 
Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nieder­sachsen, Nordrhein-Westfalen, ­Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Berufsbildende Schulen des Land­kreises SaalekreisBesuch einer anderen Berufsschule nur mit Hilfe eines Gastschulantrags möglich1

1  In der Regel zu stellen bei der örtlich zuständigen Schule

2.5 Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung zum Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil.

Die praktische Prüfung umfasst die Bereiche „Produktgewinnung und Vermarktung“ sowie „Herdenmanagement“. Dabei soll der Prüfling zeigen, dass er Arbeitsabläufe selbstständig und im Team planen, durchführen und beurteilen kann. Zudem müssen gesetzliche Vorgaben, betriebliche Regeln sowie wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.

Zu den Aufgaben gehören unter anderem:

  • Festlegen von Arbeitsmitteln und Beschaffen sowie Auswerten von Informationen
  • Erkennen von Arbeitszusammenhängen, Kontrollieren und Dokumentieren von Arbeiten
  • Berücksichtigen von Nachhaltigkeit, Tierschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz
  • Ergreifen von Maßnahmen zur Hygiene und Qualitätssicherung
  • Erklären der fachlichen Zusammenhänge und Begründung der Vorgehensweise bei den praktischen Aufgaben

Der schriftliche Teil der Abschlussprüfung erstreckt sich über folgende Themenbereiche: 

  1. Versorgen von Geflügel
  2. Produktion von Mast- und Zuchtgeflügel sowie von Eiern
  3. Gesundheitsprophylaxe und Geflügelkrankheiten
  4. Wirtschafts- und Sozialkunde

In den Themenbereichen eins bis drei soll der Prüfling zeigen, dass er praxisbezogene Aufgaben lösen und dabei arbeitsorganisatorische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtigen kann. Außerdem sollen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit, zum Gesundheits-, Tier- und Umweltschutz, zur Hygiene sowie zur Qualitätssicherung dargestellt werden.

Im Themenbereich Wirtschafts- und Sozialkunde soll der Prüfling nachweisen, dass er betriebliche Abläufe versteht und grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge nachvollziehen kann.


2.6 Quereinstieg/Externenprüfung

Nach § 45 (Abs. 2) des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) können Personen zur Abschlussprüfung des Berufes Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung zugelassen werden, wenn sie nachweisen können, dass sie mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in einem Geflügelwirtschaftsbetrieb tätig waren. Dies bedeutet, dass mindestens 4,5 Jahre Berufserfahrung nachweisbar sein müssen. Dabei wird von einer verantwortungsvollen, hauptberuflichen Tätigkeit in der Geflügelhaltung ausgegangen. Bei Vorliegen einer nebenberuflichen Tätigkeit erhöhen sich die erforderlichen Praxiszeiten entsprechend. Wurde diese Berufserfahrung beispielsweise bei 50 %-iger Tätigkeit im Nebenerwerb gewonnen, verlängert sich die Zeit entsprechend auf 9 Jahre Berufserfahrung. Die Zulassung zur Abschlussprüfung ist bei der zuständigen Stelle (siehe Punkt 4) zu beantragen. 

Für Quereinsteiger ist es hilfreich, vor der Abschlussprüfung Vorbereitungskurse zu besuchen. Die Abschluss­prüfung selbst unterscheidet sich dabei nicht von der regulären Prüfung nach einer klassischen Ausbildung.

Video des Moorgut Kartzfehn zum Ausbildungsberuf Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung

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3. Ausbildung zum Landwirt mit Schwerpunkt Geflügelhaltung

Auszubildende der Landwirtschaft haben die Möglichkeit, sich auf verschiedene tierische Schwerpunkte zu spezialisieren, darunter auch die Geflügelhaltung. Zu Beginn der Ausbildung kann der Lehrling seinen tierartspezifischen Schwerpunkt wählen. Wer sich für den Betriebszweig Geflügelhaltung entscheidet, erhält die Gelegenheit, umfangreiche praktische Erfahrungen in einem wachsenden und zukunftsorientierten Bereich der Nutztierhaltung zu sammeln. Die Ausbildung findet in anerkannten landwirtschaftlichen Betrieben statt, die auf Geflügelhaltung spezialisiert sind. 

Während der Ausbildung zum Landwirt müssen Lehrgänge an spezialisierten überbetrieblichen Ausbildungsstätten besucht werden. Dazu zählen das Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen, das Lehr- und Forschungsgut Ruthe oder das Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Diese Einrichtungen bieten den Auszubildenden die Möglichkeit, ihr Wissen in einem praxisnahen und abwechslungsreichen Umfeld in Theorie und Praxis zu vertiefen. Hier können sie nicht nur die täglichen Arbeitsabläufe in der Geflügelhaltung kennenlernen, sondern sich auch mit den neuesten Technologien und Methoden vertraut machen. Mehr Informationen hierzu sind auf den Homepages der Bayerischen Staatsgüter, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen oder der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zu finden:

Für Interessierte, die mehr über die Möglichkeiten und Inhalte der Ausbildung als Landwirt mit Schwerpunkt Ge­flügelhaltung erfahren möchten, stehen die zuständigen Stellen (siehe Punkt 4) in den jeweiligen Bundesländern zur Verfügung. Dort erhalten sie umfassende Informationen zu den Ausbildungsangeboten, den Voraussetzungen für die Ausbildung sowie zu möglichen Karrierewegen in der Geflügelwirtschaft.

4. Zuständige Stellen

Beratung für interessierte Auszubildende, Quereinsteiger und Ausbildungsbetriebe wird bei den zuständigen Stellen der jeweiligen Bundesländer angeboten:

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  • Baden-Württemberg


    RP Stuttgart
    Ruppmannstr. 21
    70565 Stuttgart
    Tel. +49 711 904-13120
    christina.lindauer@rps.bwl.de 
     

  • Brandenburg


    Abteilung Landwirtschaft, 
    Referat Berufliche Bildung – Referatsleiter
    Dorfstraße 1
    14513 Teltow OT Ruhlsdorf
    Tel. +49 3328 436-200
    gernod.bilke@lelf.brandenburg.de

  • Bayern


    Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
    Abteilung Berufliche Bildung
    Vöttinger Straße 38
    85354 Freising 
    Tel. +49 8161 8640-1926
    berufsbildung-gefluegelhaltung@lfl.bayern.de 

  • Bremen


    Landwirtschaftskammer Bremen
    Johann-Neudoerffer-Str. 2
    28355 Bremen 
    Tel. +49 421 5364170
    info@lwk-bremen.de 

  • Berlin


    Arbeit und Berufliche Bildung
    Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung
    Oranienstraße 106
    10969 Berlin
    Tel. +49 30 9028-0
    zust.stellelandwirtschaft@senasgiva.berlin.de 

  • Hamburg


    Landwirtschaftskammer Hamburg, 
    Bildungs- und Infozentrum 
    Brennerhof 121-123 
    22113 Hamburg 
    Tel. +49 40 78129-140
    info@lwk-hamburg.de 

     

  • Hessen


    Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
    Kölnische Straße 48-50
    34117 Kassel    
    Tel. +49 561 7299305
    ausbildung.landwirtschaft@llh.hessen.de 

  • Mecklenburg-Vorpommern


    Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
    Thierfelderstraße 18
    18059 Rostock
    Tel. +49 385 588 61140 
    zustaendige_stelle@lallf.mvnet.de 

  • Niedersachsen


    Landwirtschaftskammer Niedersachsen
    Fachbereich Aus- und Fortbildung, Landjugend
    Mars-la-Tour-Str. 1- 3
    26121 Oldenburg
    Tel. +49 441 801-0
    berufsbildung@lwk-niedersachsen.de 
     

  • Nordrhein-Westfalen


    Landwirtschaftskammer NRW
    Geschäftsbereich 4 – Berufsbildung und Fachschulen
    Nevinghoff 40
    48108 Münster 
    Tel. +49 251 2376 411
    jana-louisa.leve@lwk.nrw.de 

  • Rheinland-Pfalz


    Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
    Burgenlandstraße 7
    55543 Bad Kreuznach
    Tel. +49 671 793-0
    info@lwk-rlp.de 

  • Saarland


    Landwirtschaftskammer für das Saarland
    In der Kolling 310
    66450 Bexbach
    Tel. +49 6826 82895-0
    info@lwk-saarland.de 

     

  • Sachsen


    Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
    Referat 91 – Berufliche Bildung
    Pillnitzer Platz 3
    01326 Dresden
    Tel. +49 351 2612-0
    poststelle.lfulg@smekul.sachsen.de 

  • Sachsen-Anhalt 


    Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt
    Hasselbachstr. 4
    39104 Magdeburg
    Tel. +49 391 567-4373
    poststelle@mw.sachsen-anhalt.de 

  • Thüringen


    Thüringer Landesamt für Landwirtschaft 
    und Ländlichen Raum (TLLLR)
    Referat 46 – Zuständige Stelle für Berufsbildung
    Am Burgblick 23
    07646 Stadtroda
    Tel. +49 361 574062 633
    berufsbildung@tlllr.thueringen.de 

5. Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister – Fachrichtung Geflügelhaltung

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung als Tier- oder Landwirt besteht die Möglichkeit, sich durch die Fort­bildung zum Tierwirtschaftsmeister Fachrichtung Geflügelhaltung weiter zu qualifizieren.

Die Fortbildung ist seit dem 18. August 2010 bundesweit durch die „Verordnung über die Meisterprüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Tierwirtschaftsmeister/in“ geregelt.
 

5.1 Zulassungsvoraussetzungen

Die Meisterprüfung im Beruf Tierwirt mit Fachrichtung Geflügelhaltung stellt eine anspruchsvolle Qualifikation dar, die speziell auf die Anforderungen der modernen Geflügelwirtschaft zugeschnitten ist. Tierwirtschaftsmeister verfügen über fundierte Kenntnisse in verschiedenen Schlüsselbereichen, die sie befähigen, die Herausforderungen einer zunehmend komplexen und spezialisierten Branche erfolgreich zu bewältigen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden:
 

Fortbildung zur Geflügelhaltung am Staatsgut Kitzingen mit Fachvortrag, Präsentation und Anschauungsmaterialien für die Aus- und Weiterbildung.
Abbildung 7: Fortbildung am Staatsgut Kitzingen © BaySG
  • Abgeschlossene Ausbildung als Tierwirt (Fachrichtung Geflügelhaltung) und mindestens 2 Jahre Berufs­erfahrung in der Geflügelhaltung.
  • Abgeschlossene Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Beruf und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung in der Geflügelhaltung.
  • Alternativ: mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in der Geflügelhaltung.
  • Ferner kann zu einer Meisterprüfung auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass er Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) erworben hat, die eine Zulassung rechtfertigen.

Bei den angegebenen Praxiszeiten wird von einer hauptberuflichen Tätigkeit in der Geflügelhaltung ausgegangen. Bei Vorliegen einer nebenberuflichen Tätigkeit erhöhen sich die erforderlichen Praxiszeiten entsprechend.

5.2 Fortbildungsinhalte

Ein zentrales Element ist das moderne Herdenmanagement. Tierwirtschaftsmeister in der Geflügelhaltung müssen nicht nur in der Lage sein, die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Tierbestände zu erkennen, einzuschätzen und zu gewährleisten, sondern auch die Tierhaltung effizient und produktiv zu gestalten. Hier sind Kenntnisse über Tierverhalten, ressourcen- und umweltschonende Fütterungsstrategien und Bestandsüberwachung ebenso essenziell, wie ein vertieftes Verständnis der neuesten Entwicklungen und Technologien im Bereich der Geflügelhaltung.

Darüber hinaus ist ein hohes Maß an technischem Verständnis erforderlich. Die Geflügelwirtschaft ist zu­nehmend durch den Einsatz moderner Techniken sowie Digitalisierung geprägt. Tierwirtschaftsmeister können die technischen Anlagen auf ihrem Betrieb – wie z. B. Fütterungs- und Belüftungssysteme – be­dienen, warten und bei Bedarf optimieren. Technisches Wissen unterstützt sie zudem bei Entscheidungen zur Verbesserung der Betriebseffizienz und Tiergesundheit.

Zusätzlich ist betriebswirtschaftliches Know-how eine unverzichtbare Kompetenz. Erfolgreiche Meister kennen und verstehen die wirtschaftlichen Kennzahlen ihres Betriebes und können die Rentabilität von Investitionen fundiert einschätzen. Die Fähigkeit, wirtschaftliche Risiken zu bewerten und Chancen zu erkennen, ermöglicht es ihnen, den Betrieb zukunftsorientiert und gewinnbringend zu führen. Dieses Wissen ist besonders wichtig, um auch in Zeiten wechselnder Marktbedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Unternehmensführung und Mitarbeiterführung sind weitere zentrale Aufgabenbereiche. Tierwirtschaftsmeister sind nicht nur qualifizierte Betriebsleiter, sondern auch gefragte Führungspersönlichkeiten. Sie verstehen es, das Team zu motivieren, Aufgaben sinnvoll und effizient zu delegieren sowie die vorhandenen Qualifikationen der Mit­arbeitenden gezielt zu fördern. Besonders in der Ausbildung neuer Fachkräfte übernehmen sie Verantwortung, geben ihr Wissen weiter und bereiten den Berufsnachwuchs auf die hohen Anforderungen des Berufes vor.

Insgesamt bietet die Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister eine umfassende Qualifikation, die deutlich über die fachlichen Grundlagen hinausgeht und auf eine Führungstätigkeit in der Geflügelwirtschaft vorbereitet.

Die Abteilung „Berufliche Bildung“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist als zuständige Stelle derzeit die einzige Organisationseinheit im gesamten Bundesgebiet, die die Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister der Fachrichtung Geflügelhaltung organisiert und anbietet. Die Durchführung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen. 

5.3 Die Meisterprüfung auf einen Blick

Der zeitliche Ablauf der Fortbildung, die Lehrgangs- und Prüfungsinhalte, Antragsunterlagen und -fristen sowie Ansprechpartner sind in Tabelle 3 zusammengefasst. 

Tabelle 3: Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister – Fachrichtung Geflügelhaltung – Ablauf und Prüfungsinhalte

AnforderungenZuständige Berufsschule
Zeitlicher Ablauf
 
Gesamtdauer: ca. 2 Jahre, überwiegend Staatsgut Kitzingen (Teil 3 teilweise Grainau oder Grub). Lehrgangsblöcke: Teil I: 5 Wochen, Teil II: 5 Wochen, Teil III: 3 Wochen
Lehrgangs- und Prüfungs­inhalteTeil I: Tierhaltung, Tierproduktion, Verfahrenstechnik (Herdenmanagement, Tiergesundheit, Qualitätssicherung, Produktionsverfahren überwachen und optimieren, Arbeits- und Unfallschutz)
Teil II: Betriebs- und Unternehmensführung (Betriebsorganisation und -entwicklung, Buch­führung, Rentabilitätsanalyse, Marktbewertung, Agrarmarketing, rechtliche Vorschriften)
Teil III: Berufsausbildung und Mitarbeiterführung (Lehrlingsausbildung, Mitarbeiterführung, Arbeitsorganisation und Leistungsbeurteilung)
PrüfungsformenTeil I: Schriftliche Prüfung, Arbeitsprojekt mit Fachgespräch
Teil II: Schriftliche Prüfung, fallbezogene Situationsaufgabe mit Fachgespräch
Teil III: Schriftliche Prüfung, Arbeitsunterweisung mit Fachgespräch, Fallstudienprüfung mit Fachgespräch
Antragsunterlagen & FristUnterlagen auf Homepage der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Einreichungsfrist: 31. August des jeweiligen Jahres in dem die Fortbildung beginnt
www.lfl.bayern.de/berufsbildung/285762/index.php
 
Ansprechpartner
 
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Abteilung Berufliche Bildung
Tel. +49 8161 8640-1926 
Berufsbildung-Gefluegelhaltung@lfl.bayern.de  
Gesetzliche Grundlage
 
Verordnung über die Meisterprüfung zum anerkannten Fortbildungs­abschluss Tierwirtschaftsmeister/in vom 18. August 2010 ­(TierwMeistPrV): www.gesetze-im-internet.de/tierwmeistprv/

6. Ausbildung an deutschen Universitäten und Hochschulen

6.1 Übersicht

Neben der dualen Berufsausbildung und der beruflichen Fortbildung eröffnen auch Hochschulstudiengänge im Agrarbereich vielfältige Qualifizierungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten für eine Tätigkeit in der Geflügelbranche. Die deutschen Hochschulen bieten eine Vielzahl von Studiengängen im Agrarbereich an. Das Studienangebot umfasst sowohl grundständige Bachelor- als auch spezialisierte Masterprogramme. Die Studierenden erwerben fundierte und breite Kenntnisse vornehmlich in den Bereichen Agrarökonomie, Bodenkunde, Pflanzenproduktion, Tierhaltung und -gesundheit sowie Agrartechnologie. In den höheren Semestern der Bachelorstudiengänge, aber auch auf Masterebene, bestehen Möglichkeiten, sich auf spezifische Bereiche der landwirtschaftlichen Erzeugung zu konzentrieren und zu spezialisieren.

Agrarwissenschaftlich geprägte Studiengänge verbinden wissenschaftliche Grundlagen mit praxisbezogenen Lehrinhalten. Praxisphasen, Projektarbeiten sowie Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben, Forschungsinstituten und Unternehmen der Agrarwirtschaft sind an vielen Standorten integraler Bestandteil des Studiums. Der Grad der Spezialisierung variiert zwischen den einzelnen Studiengängen und Hochschulstandorten. Während nutztierwissenschaftliche Spezialisierungen häufig angeboten werden, sind tierartspezifische Lehr- und Lernangebote meist auf Wahlpflichtmodule beschränkt.

Einen Überblick über die spezifischen Angebote der Hochschulen für den Agrar- und Geflügelbereich bietet das Informationsportal „Hochschulkompass“   der Hochschulrektorenkonferenz. Hier finden sich tagesaktuelle und autorisierte Informationen über Studien- und Promotionsmöglichkeiten staatlicher und staatlich anerkannter deutscher Hochschulen.

Kenntnisse im Geflügelbereich können im Rahmen aufeinander aufbauender Studiengänge (z. B. Bachelor und Master) im Agrarbereich an Hochschulen mit unterschiedlichem Spezialisierungsgrad erworben werden.

In Zeiten eines wachsenden Fachkräftebedarfs kommt den Hochschulen neben der akademischen Ausbildung verstärkt auch eine Rolle in der Vermittlung von Kompetenzen für bereits beruflich Qualifizierte zu. Die Öffnung der Hochschulen soll mehr Menschen einen Hochschulzugang ermöglichen. Auch wer bereits beruflich tätig ist oder unterschiedliche Bildungs- und Arbeitsstationen hatte, kann durch berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungen fachliche Kompetenzen vertiefen, erweitern oder auffrischen. Die Hochschule Osnabrück verfügt aktuell über das umfangreichste Angebot für Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten speziell im Geflügelbereich. Andere Hochschulen bieten in ihren Bachelor- und Masterstudiengängen keine ausgewiesene Vertiefungsrichtung bzw. auf Geflügel spezifizierten Studiengänge an. Jedoch werden an verschiedenen Hochschulen spezielle Module in der Lehre zu Haltung, Fütterung und Management von Nutzgeflügel angeboten. 

6.2 Schwerpunkt Geflügel im Bachelor-Studiengang

Die Hochschule Osnabrück bietet den Studien­schwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften (StanGe) an, der von Studierenden der Agrarwissenschaften optional und ohne Vorkenntnisse gewählt werden kann. Für alle Studierenden des Studienganges sind die ersten drei Semester identisch und führen zu einer breiten Grundlage in den Bereichen Naturwissenschaften, Technik, Pflanzenbauwissenschaften, Tier­wissenschaften, Ökonomie und überfachliche Kompetenzen wie Mitarbeiterführung oder Management. 

Nach dem dritten Semester können die Studierenden ihr Studium individuell gestalten und aus einem umfang­reichen Modulangebot ihr Vertiefungsstudium nach eigenen Interessen und Bedürfnissen kombinieren.

Studierende des Studiengangs Angewandte Geflügelwissenschaften an der Hochschule Osnabrück bei einer Gruppenarbeit bzw. einem fachlichen Austausch mit Hühnermodell und digitalen Arbeitsmitteln.
Abbildung 8: Studium der Angewandten Geflügelwissenschaften an der Hochschule Osnabrück © StanGe, Hochschule Osnabrück

Im Hauptstudium werden Studierenden der Angewandten Geflügelwissenschaften verschiedene Module mit ausschließlich Inhalten zum Geflügel angeboten, u. a. Geflügelwissenschaften und Poultry Management sowie Precision Poultry Farming. Zudem können ein bis zwei Module „Projekt anwendungsorientierte Problemlösungen“ zum Geflügel gewählt werden. Interessant hierbei ist, dass jeweils ein Thema aus dem Geflügelbereich von den Studierenden zusammen mit Unternehmen bearbeitet wird. Diese Vorgehensweise hat zwei Vorteile: Zum einen sammeln die Studierenden praktische Erfahrungen, zum anderen knüpfen sie erste Kontakte mit potenziellen späteren Arbeitgebern. Im Rahmen des Moduls Poultry Management wird das ordnungsgemäße, tierschutzkonforme Töten (Nottöten) und Schlachten von Geflügel in Theorie und Praxis gelehrt. Dies wird nach den Maß­gaben der „Auflagen zur Übertragung nach Artikel 21 der VO (EG) Nr. 1099/2009“ nach den aktuellen Rechtsvorgaben durchgeführt, sodass den Studierenden nach separater theoretischer (schriftlich und mündlich) und praktischer Prüfung der von den Behörden geforderte Prüfungsnachweis zur Ausstellung der Sachkunde ausgehändigt werden kann (Klambeck et al., 2018). Wird auch die Bachelorarbeit im Themenkomplex „Geflügel“ angesiedelt, besteht insgesamt die Möglichkeit sich im Hauptstudium sehr stark auf das Nutzgeflügel zu fokussieren (Spiwoks, 2016). Der Standort bietet zudem eine praxisnahe Lehr- und Forschungsinfrastruktur (Geflügelhaltung und Labor).

Das Studienkonzept spiegelt die Vielfalt und Komplexität der Wertschöpfungskette Geflügel wider und zeigt die beruflichen Möglichkeiten der Absolventen im In- und Ausland auf (bspw. Beratung, Technical Service, Stallplanung in (inter)nationalen Unternehmen). Wahlpflicht-Fächer bieten weitere Möglichkeiten der persönlichen Profilbildung. Je nach Interessen und Berufsziel können zum Beispiel Module wie Fachenglisch, Reproduktion und Züchtung, Tierhaltungssysteme, Rationsgestaltung und Fütterungsstrategien für Nutzgeflügel oder Produktkunde und Qualität tierischer Erzeugnisse gewählt werden. Zusätzlich gibt es Schwerpunkte aus dem Bereich der Kommunikation (z. B. Gesprächsführung), die unabhängig von der beruflichen Funktion in allen Bereichen hohe Bedeutung haben. 

Der Studiengang auf einen Blick

Tabelle 4: Überblick über den Studiengang angewandte Geflügelwissenschaften

AbschlussBachelor of Science (B. Sc.)
StudienartGrundständiger Vollzeitstudiengang
Regelstudienzeit6 Semester
StudienbeginnWintersemester
Bewerbungsschluss15. Juli des jeweiligen Jahres
Zulassungsvoraussetzungenallgemeine Hochschulreife, fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife oder eine vom Fachministerium als gleichwertig festgestellte abgeschlossene Vorbildung oder eine Meisterprüfung oder ein abgeschlossener Bildungsgang zum staatlich geprüften Techniker
VorpraktikumVorpraktikum:
ab Wintersemester 2025/26: 6 Monate landwirtschaftliches Praktikum auf einem anerkannten Ausbildungsbetrieb davon mindestens 4 Monate zusammenhängend vor Studienbeginn, bis zu 8 Wochen können studienbegleitend bis zum Ende des 3. Semesters abgeleistet werden. Abgeschlossene Berufsausbildung in geeigneten Berufen und vergleichbare Tätigkeiten werden anerkannt.
Berufliche TätigkeitsfelderFach-, Führungs- und Leitungskräfte entlang der Wertschöpfungsketten: Unternehmens-, Betriebs-, Abteilungs-, Projekt-, Prozessleitung; Herdenmanagement; Controlling; ­Versuchswesen; Fach- und Unternehmensberatung; Aus- und Weiterbildung; Forschung- und Entwicklung; Vertrieb; Service; Qualitätssicherung; Zertifizierung; Betriebsprüfung; Finanzen und Versicherung; Informationsmanagement; Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Beispiele für Arbeitgeber/BranchenAgrar-, Ernährungs-, Umwelt-, Energie-, Entsorgungswirtschaft einschließlich Behörden, Verwaltung, Verbände, Beratung, Wissenschaft, Medien

 


Kontakt für weitere Infos:
Zentrale Studienberatung Osnabrück (ZSB)
Tel. +49 541 969 4999
info@zsb-os.de
Team StanGe: stange@hs-osnabrueck.de 
www.hs-osnabrueck.de/studium/studienangebot/bachelor/landwirtschaft-bsc/schwerpunkt-angewandte-gefluegelwissenschaften-stange/
 

6.3 Schwerpunkt Geflügel im Master-Studiengang

Der Studiengang Angewandte Nutztierwissenschaften (4 Semester) vermittelt angewandte, praktisch orientierte Forschungs- und Entwicklungskompetenzen im agrarwissenschaftlichen Bereich der Nutztiere. Das Profil des Studiengangs setzt an der Schnittstelle zwischen tierwohlorientierter Haltung und ökonomischen Controllingmethoden an und richtet sich an Personen mit einem agrarwissenschaftlichen Studium mit Schwerpunkt in den Nutztierwissenschaften und Vorkenntnissen in der Betriebswirtschaft. Sowohl durch die Modulwahl als auch Auswahl von Themen und Kooperationspartnern kann im Master ein Schwerpunkt gelegt werden und sich so in Richtung Geflügel spezialisiert werden. 


Kontakt für weitere Infos:
Zentrale Studienberatung Osnabrück (ZSB)
Tel. +49 541 969 4999
info@zsb-os.de
Team StanGe: stange@hs-osnabrueck.de 
www.hs-osnabrueck.de/studium/studienangebot/master/angewandte-nutztierwissenschaften-msc/  

7. Fazit

Die Geflügelwirtschaft in Deutschland ist ein hoch spezialisierter und zugleich wachsender Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung, der zunehmend von steigenden Anforderungen an Tierwohl, Tierschutz, Biosicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit geprägt ist. Die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderungen setzt qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte entlang der gesamten Wertschöpfungskette voraus.

Das Merkblatt verdeutlicht, dass in Deutschland vielfältige Ausbildungs-, Fortbildungs- und Studienmöglichkeiten im Geflügelbereich bestehen. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Ausbildungs- und Studierendenzahlen, dass die Zahl der Auszubildenden und Studierenden nicht ausreicht, um den bestehenden und künftig weiter steigenden Fachkräftebedarf zu decken. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Spezialisierung der Betriebe ist davon auszugehen, dass sich dieser Bedarf weiter verstärken wird.

Zukünftig wird die Geflügelhaltung verstärkt Fachkräfte erfordern, die neben fundiertem Fachwissen in der Tier­haltung auch Kompetenzen in Technik, Digitalisierung und rechtlichen Rahmenbedingungen ­mit­bringen. Die im Merkblatt dargestellten Qualifizierungswege eröffnen hierfür vielfältige berufliche Entwicklungs­möglichkeiten und bilden eine zentrale Grundlage für eine moderne, verantwortungsvolle und zukunftsfähige Geflügelhaltung in Deutschland.

Beck, M. (2022): MEG-Marktbilanz, Eier und Geflügel 2022, Verlag Eugen Ulmer KG 

Beck, M. (2026): MEG-Marktbilanz, Eier und Geflügel 2026, Verlag Eugen Ulmer KG 

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (2026). Statistik über die praktische Berufsbildung in der Landwirtschaft – Ausbildung [Excel-Datei]. www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/berufliche-bildung/ausbildung (Zugriff am 31. Oktober 2025).

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (2025, 2. Oktober). Agrarbereich: Weniger als 60.000 Studierende an Hochschulen 
[Pressemitteilung]. www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/251002_Agrar-Studierende.html. [Zugriff am: 31. Oktober 2025].

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, 2026. Produktionswert der Landwirtschaft – Landwirtschaftliche Gesamtrechnung. Verfügbar unter: www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/landwirtschaftliche-gesamtrechnung/produktionswert/ [Zugriff am: 19. 05. 2026].

Klambeck, L., Kaufmann, F., Andersson, R. (2018): Vermittlung spezifischer Kenntnisse, Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten zur Betäubung, Schlachtung und Tötung von Geflügel im Rahmen eines landwirtschaftlichen Studiengangs bzw. der „Osnabrücker Poultry Academy“. TVT Nachrichten 2/2018, S. 57.

Spiwoks, E. (2016): Geflügel im Studium. Geflügeljahrbuch 2017, S. 24-29, Eugen Ulmer KG ISBN 978-3-8001-0847-3.

Statistisches Bundesamt, Statistische Ämter und meldende Behörden der Länder, BLE (BZL Referat 624)

Kaufmann, F., Andersson, R. (2022): Karrierepfad für die Geflügelhaltung. DGS Magazin 7/2022, S. 38-40.

Kümmel, S. (2016): Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Geflügelhaltung. Geflügeljahrbuch 2017, S. 16-19, Eugen Ulmer KG ISBN 978-3-8001-0847-3;

Kümmel, S. (2016): Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister, Fachrichtung Geflügelhaltung. Geflügeljahrbuch 2017, S. 20-23, Eugen Ulmer KG ISBN 978-3-8001-0847-3

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